°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Eine himmlische Liebe Peony in Love Lisa See °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Chinesische Kriminalromane habe ich Euch schon ans Leserherz gelegt ( Qiu Xiaolong) und als ich hier die Buchrückeninfo las, war ich vom Thema begeistert, habe aber fast befürchtet eine etwas schwülstige Romanze in Händen zu haben, dieser Eindruck trügt wahrscheinlich auch aufgrund des Titels… weit gefehlt…dieses Buch hat mich fasziniert! Die Oper der Paeonienpavillion wird schon in meinen Lieblingskriminalromanen von Xiaolong angesprochen, auch daher habe ich dann zum Buch gegriffen und es nicht bereut…
Kurzbeschreibung °°°°°°°°°°°°°°°°° °°°° Bevor deie 16 jährige Mudan verheiratet wird, macht der Vater ihr ein großartiges Geschenk: Er lässt eine Oper im Garten seines Hauses aufführen. Dabei übertritt sie die strengen Regeln, die im China des 17. Jahrhunderts gelten. Sie lässt sich von einem Fremden ansprechen, dem sofort ihr Herz gehört. Nun will sie sich nicht mehr ihrem Schicksal fügen wie ihr großes Vorbild: die Heldin der Oper, die lieber ihr Leben lässt als einen unbekannten Mann zu heiraten…. Lisa See entführt in die Welt des alten China und erzählt nicht nur die Geschichte einer himmlischen Liebe, sondern schildert Frauen, die sich nicht hindern ließen, schreibend ihr Leben und ihre Liebe selbst in die Hand zu nehmen.
Details °°°°°°°°°
Erschienen auf Deutsch:2008, 446 Seiten im Hardcover, Aus d. Amerikan. v. Elke Link C. Bertelsmann Verlag ISBN-10: 3570008940 ISBN-13: 9783570008942
19,95 im Hardcover als engl TB unter 7 € zu bekommen…
Zur Autorin °°°°°°°°°°°° mehr unter: www.lisasee.com Dieses Buch ist das 6. der Autorin und wird sicher nicht mein letztes sein… Bei Wikipedia habe ich dann mehr Infos zu ihr bekommen… Lisa See wurde 1955 in Paris als Tochter eines chinesischen Vaters und einer amerikanischen Mutter geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie größtenteils in Los Angeles, wo sie viel Zeit in den Chinatowns verbrachte. Sie arbeitete dreizehn Jahre lang als Journalistin und war u.a. Publishers Weekly West Coast-Korrespondent. Darüber hinaus war Lisa See auch als Kuratorin tätig und betreute mehrere Ausstellungen, die sich mit interkulturellen Beziehungen zwischen China und den USA beschäftigen. Ihr Debütroman „On Gold Mountain“ (dt. „Auf dem Goldenen Berge“), der sich inhaltlich mit ihrem Urgroßvater Fong See beschäftigt, wurde zu einem internationalen Bestseller und bedeutete für Lisa See den Durchbruch als Autorin, da sie 1995 die „Notable Book“-Auszeichnung der New York Times für diesen erhielt. Ihr zweiter Roman „Flower Net“ (in Deutschland sowohl unter dem Titel „Die Rote Klinge“ als auch unter dem Titel „In einem Netz aus Lotusblumen“ erschienen) wurde für den Edgar Allan Poe Award nominiert. Im Jahr 2001 wurde Lisa See von der Organisation Chinesisch-Amerikanischer Frauen als „National Woman of the Year“ ausgezeichnet und im Herbst 2003 erhielt sie den „Chinese American Museum´s History Makers Award“. Lisa See lebt heute mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Los Angeles.
Werke •On Gold Mountain: The One Hundred Year Odyssey of My Chinese-American Family (1995, dt. Auf dem goldenen Berg) •Flower Net (1997, dt. Die rote Klinge) •The Interior (1999, dt. Der Feuerdrache) •Dragon Bones (2003, dt. Tod am Jangtse) •Snow Flower And The Secret Fan (2005, dt. Der Seidenfächer) •Und eben die Himmlische Liebe 2008, was bei Wikipedia noch gar nicht zu lesen ist….
Zur Oper, die die Geschichte beeinflusste °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° °°°°°° Der Päonien-Pavillon (chin. MÇ”dÄÂn Tíng) des chinesischen Dramatikers Tang Xianzu (1550-1616) stammt aus dem 16. Jahrhundert, zählt zu den großen Theaterstücken der chinesischen Oper und gilt als die bedeutendste Kunqu-Oper. Das Stück ist als chuanqi einzuordnen. Die Musik wird - wie bei allen Kunqu-Opern - durch den Tonfall der gedichteten Schriftzeichen bestimmt, die ihrerseits der strengen Regelung der Qu-Dichtung unterstehen. Die Version von Ye Tang gilt für den heutigen "Päonien-Pavillon" als maßgebend. Das Werk stellt eine Art Libretto zu damals bereits bekannten Melodien dar. Bei dem "Päonien-Pavillon" handelt es sich um ein opulentes Werk, das in der Zeit der Sung-Dynastie (960-1279) spielt. Wie in den Stücken von Tang Xianzus Zeitgenossen Shakespeare sind rund um die zentrale Handlung - eine romantische und poetische Liebesgeschichte mit "Happy End" - eine Vielzahl von anderen Handlungssträngen mit schillernden Charakteren angeordnet. Intime Episoden wechseln sich ab mit lärmenden Massenszenen, lyrische Poesie mit burlesker Komik. Die Protagonistin, die überirdisch schöne Du Liniang ("Schöne Du"), begegnet ihrem Geliebten, dem jungen Gelehrten Liu Mengmei in einem erotischen Traum. Unfähig, ihn im wirklichen Leben wiederzufinden, stirbt sie in unendlicher Sehnsucht an gebrochenem Herzen. Der Richter der Unterwelt ist überwältigt von ihren Gefühlen und ihrer Schönheit und erlaubt ihr, als Geist auf die Erde zurückzukehren, um weiter nach ihrem Geliebten zu suchen. Schließlich wird das Paar vereint, und Du Liniang kann zu den Lebenden zurückkehren. Der Weg zum glücklichen Ende aber ist gepflastert mit Widrigkeiten und Verwicklungen, zahlreiche Abenteuer und Probleme mit ungläubigen Eltern, ungeschickten Dienern, in das Land eindringenden tatarischen Horden, Banditen und vielem mehr sind zu bestehen. Insgesamt treten in dem 55 Szenen und über 200 Arien umfassenden Werk mehr als 160 Charaktere auf, die von 20 bis 30 Schauspielern dargestellt werden.
Und jetzt zu meinen Eindrücken °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Das Buch beginnt mit einem Zitat des Päonienpavillions des Dichters Tang Xianzu (1598): „Der Quell der Liebe ist uns unbekannt, doch wächst sie stetig an. Lebende können durch sie zugrunde gehen, und Tote werden durch ihre Kraft wieder lebendig…Muss den Liebe, die einem im Traum ankommt, notwendig unwirklich sein? Das Mädchen Mudan (=Päonie) steht vor ihrer Hochzeit, die Vorbereitungen laufen und zu ihrem 16.Geburtstag gibt es eine Oper für sie (die sie natürlich, wie alle Frauen nur hinter einem Wandschirm verfolgen darf)..Es ist die Zeit des Umsturzes, die Manschu haben die Dynastie der Ming gestürzt und Mudan kam 4 Jahre nach dem Umsturz zur Welt… Waren in der Zeit des Umsturzes die Frauen kurzfristig etwas freier (viele Dichtungen von Frauen wurden verlegt) so wurde jetzt wieder der Rückzug ins „innere“ verlangt und strenge Abgeschiedenheit… Lesen und Dichtung gehörten nicht unbedingt zu den erstrebenswerten Eigenschaften, aber Mudans Vater schien fortschrittlich und besorgte ihr vuiele Bücher über ihre Lieblingsoper, den Päonienpavillion und ganz nach dem Vorbild ihrer Heldin, verliedbt sie sich vor der Hochzeit in einen Unbekannten, den sie während der Aufführung gerade drei Mal sieht,..in der Zeit bis zur Hochzeit verfällt sie in „Liebeskrankheit“ (sie hungert sich zu Todeun d arbeitet an Kommentaren zu ihrer Ausgabe der Oper) und kurz vor dem Ende erfährt sie vom Vater eher zufällig, dass der ersehnte Liebhaber ihr wirklicher Ehemann geworden wäre,…aber sie stirbt… und jetzt beginnt für mich die eigentliche Faszination…
Zitat (s159) Ich starb in der siebten Stunde am siebten Tag des zwölften Monats im dritten Jahr der Herrschaft von Kaiser Kangxi. Nur fünf Tage noch, dann hätte meine Hochzeit stattgefunden. In den ersten Momenten des Todes begriff ich vieles, was während der letzten paar Wochen und Tage vor sich gegangen war. Ich selbst hatte gar keine Ahnung gehabt, dass ich im Sterben lag….
Ich erfahre die philosophischen bzw religiösen Hintergründe: Jede Seele besteht aus 3 Teilen und jeder Teil muss sich nach dem tod die ihm angemessene Wohnstatt suchen. Ein Teil blieb in meinem Körper (erzählt Mudan) um mit ihm begraben zu werden, ein Teil ging auf die Reise ins Jenseits und der letzte Teil wartete darauf, in die Ahnentafel zu kommen (dazu ist ein Punkt darauf aus Hahnenblut nötig, was Mudans Verwandtschaft aber vergisst) Im Jenseits irrt sie herum, trifft auf der Aussichtsterrasse ihre Großmutter, die durch ihren Selbstmord den Großvater gerettet hatte (wie es hieß) in Wirklichkeit aber von diesem geopfert wurde, in der Zeit des Umsturzes, weil ihr Leben weniger Wert war, als des des Mannes und des Sohnes,…auch die Rolle der Großmutter bei der Söhnelosigkeit erfährt Mudan erst hier im Jenseits … bis sie schließlich erkennt, selbst ein hungriger Geist zu sein und auf der Aussichts Terrasse nur wegen der Bestechungsversuche der Großmutter geduldet zu werden… Sie kehrt zum Elternhaus zurück und zu Ren, ihrem geliebten Fastehemann…seine 2.Frau wird ein junges Mädchen, dass damals mit Mudan die Oper sah und sich ebenfalls in diesen Mann verliebte, aber nach der Hochzeit ist sie enttäuscht, zu wenig reich ist der Mann, zu klein das Anwesen und Mudan führt sie als Geist in die körperliche Liebe ein und leitet sie an ihrem Gatten Vergnügen zu bereiten… aber Tan Ze verweigert das Kind und hungert sich ebenfalls zu Tode, nachdem sie unter dem Einfluss Mudans Kommentare zur Päonienoper schrieb… Mudan verzweifelt, wenn sie als Geist wirklich kein Einfühlungsvermögen, keine Scham und kein Gefühl dafür hat, was richtig und falsch war, dann ist sie ein Geist der übelsten Sorte…sie verlässt das Anwesen ihres Fastmannes und schweift umher,,..
Als sie auch ihre Mutter trifft, die ihr erzählt, was sie von der Freiheitsliebenden Schriftstellerin, in die despotische Hüterin des Inneren verwandelt hat, erkennt Mudan, dass eben alles zwei Seiten hat (oder auch mehr) sie beschließt ein kleines Mädchen (aus einem der Landhöfe der eigenen Familie) zu retten, indem sie deren Mutter überzeugt (als Geist) deren Füße zu Lilien zu binden, anstatt auf den Tod des schmächtigen Mädchens zu warten und bringt ihr gemeinsam mit dem Geist der Mutter vieles bei…dieses Mädchen soll Rens 3. Frau werden… und auch sie wird schließlich an den Kommentaren zur Oper weiterschreiben…. Und mehr verrate ich nicht! Faszinierend sind auch die geschichtlichen Hintergründe, die Frau See ermittelt hat und am Ende des Buches erläutert…Das Buch „Kommentar der drei Ehefrauen“ ist Realität, auch die „Liebeskranken Mädchen“ und die gesellschaftlichen Veränderungen,… Tang verfocht in seiner Oper die Stärke des QING (tiefes Gefühl und sentimentale Liebe), bald gab es Rufe die Oper zu zensieren, weil sie als zu politisch und zu schlüpfrig galt… 1780 fand die Oper noch mehr Gegner, sie galt als „lästerlich“ und 1868 wurde das erste offizielle Verbot verhängt (Der Kaiser lies alle Exemplare verbrennen)…
Der Päonienpavillion war das erste literarische Werk in der Geschichte Chinas, in dem die Heldin, ein 16 jähriges Mädchen – selbst über ihr Schicksal bestimmt, was ebenso erschreckend, wie erregend war,… Junge, bereits versprochene Frauedn kopierten Liniang (die Heldin der Oper), sie aßen nichts mehr, schwanden dahin und starben, in der Hoffnung im Tod frei entscheiden zu dürfen, Lisa See lässt hier auch den Wissenschaftler Rudolf Beil zu Wort kommen (im Nachwort), der schreibt, dass junge Frauen,. Indem sie Hungern, den Konkurrenzkampf der äußeren Welt, in der sie keine Macht über ihr Schicksal haben und sich einer sicheren Niederlage gegenübersehen – verlagern und so zu einem inneren Kampf machen, um die Herrschaft über sich selbst zu erlangen… viele der liebeskranken Mädchen schrieben Gedichte, die nach ihrem Tod veröffentlicht wurden… 5 tausend Sterne
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