Gibson Les Paul Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 07/2008
- Design:
Erfahrungsbericht von topfmops
Eine 'Göttin' wird laut
Pro:
Hier steht nur eine begrenzte Anzahl von Zeichen zur Verfügung
Kontra:
Sie ist teuer, aber Qualität hat nun mal ihren Preis
Empfehlung:
Ja
Wieder mal werde ich nicht über ein bestimmtes Instrument meine persönliche, subjektive und damit völlig unmaßgebliche Meinung äußern, sondern über das, was wer und manchmal auch wann und bei welcher Gelegenheit damit getan hat.
Ich berufe mich auf die ‚Gnade der frühen Geburt’ und auf mein Da- und Sosein als Rocker, sowohl zweirädrig motorisiert als auch musikalisch.
Es ist auch völlig uninteressant, ob ich nun über die ‚Goddess’ schreibe oder die ‚Menace’, beides sind elektrische Gitarren aus dem Haus Gibson, beide von Les Paul inspiriert, bzw. gebaut. Und beide sind sowohl ‚Göttin’ als auch ‚Nervensäge’ oder ‚Plage’.
29 (i.W. neunundzwanzig) verschiedene Gitarren von Gibson habe ich alleine auf dieser Plattform gefunden.
Dennoch: ‚Goddess’ trifft es besser.
Der 1915 in Waukesha, Wisconsin als Lester William Polsfuss geborene Les Paul war nicht nur eine begnadeter Blueser, Jazzer oder Rocker, schuf er doch mit den Instrumenten erst die Grundlage für einige der besten Truppen, die je unterwegs waren.
Elektrische Gitarren – das muss man so sagen – sind nicht allein Musikinstrumente:
Sie sind Waffen!! Stromgitarren attackieren Zwerch- und Trommelfell!!
Die Gibson Les Paul verbirgt diesen Umstand am elegantesten. Zumindest, was das Äußere angeht, ist sie die Lady unter den elektrischen Gitarren, während die Modelle der großen Konkurrenzmarke Fender eher handfest daherkommen.
Auch vor diesem Hintergrund wirkt es immer peinlich unfein, wenn Pete Townshend seine Gibson zu Konzertende zerlegt.
Wenn sie von den Pranken mancher Rock-Berserker malträtiert und misshandelt wird, weckt sie Beschützerinstinkte in zarter besaiteten Naturellen.
(Und ob ‚besaitet’ in diesem Fall mit ‚ai’ oder mit ‚ei’ geschrieben wird, darüber an anderer Stelle.)
Mit der runden oberen Zarge ist der Korpus eine Reminiszenz an die akustische Gitarre, doch ist er viel zierlicher, schlanker.
Und warum der ehemalige Oberkommandierende von Gibson, Maurice Berlin, die Erfindung von Les Paul im Jahre 1946 ablehnte, mit der Begründung:
„Wir bauen keinen Besenstiel mit Tonabnehmern“
bleibt ebenso ein ewiges Rätsel wie 1963 die Ablehnung der Beatles bei EMI mit dem Satz:
„Die Zeit der 4-Mann-Bands ist vorbei!“
Das gehört in die nahezu endlose Liste der wirtschaftlichen Fehleinschätzungen wie die Aussage des damaligen IBM-Präsidenten von 1948
„Wir werden wohl weltweit fünf bis zehn Rechner verkaufen können!“
Les Paul war nicht nur ein Virtuose auf seinem Instrument, sondern auch ein Bastler und Tüftler.
Er schraubte Radioapparate und Schallplattenspieler auseinander und zusammen. Für die jüngeren Unbedarften, die solche Bezeichnungen noch nie gehört haben: Auskunft gibt es auf Anfrage im GB, er experimentierte mit Verstärkersystemen und hatte sich zum Ziel gesetzt, die bis in die 30er und 40er Jahre elektrisch verstärkten Gitarren mit ihren irritierenden Rückkopplungen für das Strom-Zeitalter zu optimieren.
Denn er hatte erkannt:
Wahre E-Gitarren benötigen keinen Resonanzkörper – der sorgt lediglich für unerwünschte, hässliche Klangstörungen.
Seine Gitarre war von allem Anfang an darauf ausgelegt, Funktion und Design zu vereinen – und das macht bis heute die Schönheit der Gibson Les Paul aus, die sich allen Kapriolen konsequent verweigert:
Gitarren in Pfeilform, Streitäxte mit angeschlossener Verstärkerarmee, kreisrunde Kugelblitze, die schon optisch wie Soundschleudern wirken – all das sollten die anderen machen. Die Les Paul kann laut und krachend sein, ohne ihre Kraft durch die Körperform unterstreichen zu müssen.
Welche Gewalt vor allem in den Les-Paul-Versionen mit Humbucker-Tonabnehmern steckt, davon konnte sich das Publikum etwa bei den Konzerten von Led Zeppelin überzeugen.
Jimmy Page ist bekennender Les-Paul-Jünger, seine Liebe gehört ebenso der satten Grundierung der Gitarre wie den Möglichkeiten, die sie für seine elaborierten Soli bietet.
Auch Eric Clapton benutzte in seinen Anfängen die Gibson, so wie sie in den 50er Jahren überhaupt das Lieblingsinstrument von Blues- und Jazzgrößen war.
Mark Knopfler, Dire-Straits-Mitbegründer, Plektron-Verächter und unverdächtig, den Ohren allzu viel Krach zuzumuten, nahm die Les Paul in die Hand, wenn es etwas rockiger werden sollte:
„Money for Nothing“ mit seinem treibenden, angeschmutzten Riff ist so ein Fall.
Neil Young bearbeitete für die irrwitzigen Rückkopplungsgewitter, die auf „Weld“ dokumentiert sind, eine Gibson Les Paul.
Auch für manchen ‚wilden’ Mann wird sie attraktiv, denn die Lady kann so richtig losheulen.
Slash von Guns’n Roses nahm eine schwarze Gibson in den Arm.
Ace Frehley von Kiss ließ es sich nicht nehmen, eine rot-goldene Les-Paul-Sunburst in einen interessanten Kontrast zu seiner vampiristischen Kostümierung zu bringen.
Als Einschub:
‚Blutorangen’ sind Obst für vegetarische Vampire, und ‚Wiener Blut’ die Nationalhymne von Vampiristan!
Rock’n Roll ist eben auch eine Stilfrage.
Und wer als elektrifizierter – und wieso ist da jetzt ‚zier’ drin? – Gitarrist etwas auf sich hält, der leistet sich eine Gibson Les Paul aus Ahorn und Mahagoni, für die ich im Netz Angebote ab 2.000 € aufwärts gesehen habe.
In viel Handarbeit zusammengeleimt in der Gibsonfabrik, die sich – wie könnte es anders sein oder besser natürlich – in Nashville, Tennessee, befindet.
Und auch wenn ich die Truppe nicht mag, es gibt einen Song, in dem sie mal nicht ihre schrillen, zickigen und aufgekratzten Seiten zeigt, nein wo sie im Gegenteil singt, betörend säuselt, seufzt, wo sie sich in ungeahnte Höhen schwingt, um sanft zurückzukehren.
Es ist nicht schwer, diesen auszumachen:
„While my Guitar gently weeps” von den Beatles, und da geht es geradewegs um sie selbst.
In den Händen von George Harrison schmilzt die Lady dahin.
Und auch diesmal weise ich darauf hin, dass dieser Artikel auch auf anderen Plattformen, auch unter dem Namen des mir ehelich anvertrauten Weibs – cunda - erscheinen wird. Ebenfalls – auszugsweise und umformuliert - in etlichen Tageszeitungen,.
Anderslautende Meinungen werden – wie üblich – respektiert, jedoch weitgehend ignoriert.
topfmops bedankt sich fürs Lesen und Bewerten und freut sich auf viele, lesenswerte Kommentare und hofft, Euch eine kleine Anregung gegeben zu haben.
55 Bewertungen, 14 Kommentare
-
26.10.2009, 19:55 Uhr von Gemini_
Bewertung: sehr hilfreichToll gemacht! Lieben Gruß von Gemini_
-
22.09.2009, 19:48 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichGruss und einen schönen Tag noch! :-) Talulah
-
25.08.2009, 12:19 Uhr von Gozo-Bernie
Bewertung: sehr hilfreichwieder ein vorweihnachtlicher Gruss aus der Heimat von telestrada.it
-
22.08.2009, 16:33 Uhr von Yvettte
Bewertung: besonders wertvollEinfach wunderbar.......ich schmelze dahin bei Deinen Beschreibungen o))
-
21.08.2009, 09:04 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichViele Gruesse, mima007
-
21.08.2009, 00:03 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichwünsche dir einen schönen abend lg. petra
-
20.08.2009, 22:28 Uhr von werder
Bewertung: sehr hilfreichschöner Bericht! LG aus Hannover! P.S. Freu mich über jede Gegenlesung!
-
20.08.2009, 18:58 Uhr von liebes35
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht. LG Steffi
-
20.08.2009, 18:52 Uhr von Solaija
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht. Liebe Grüße, Solaija
-
20.08.2009, 18:48 Uhr von rainbow90
Bewertung: sehr hilfreichEin klasse Bericht von dir! LG
-
20.08.2009, 18:00 Uhr von peter_nordberg
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht von dir. lg Peter
-
20.08.2009, 17:38 Uhr von willma1984
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht. LG willma1984 :)
-
20.08.2009, 17:37 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht...Lg Sigi
-
20.08.2009, 15:06 Uhr von Kleinnightwish
Bewertung: sehr hilfreichganz viele liebe grüße von der angi ;)
Bewerten / Kommentar schreiben