Neulich, von Juist kommend, auf der Zugfahrt von Norddeich-Mole nach Emden. Nix los im Zug, nur eine Mutter mit einer neunmalklugen Rotzgöre weiblichen Geschlechts, die dauernd wieso warum fragt und zu allem echt kluge Kommentare abgibt, natürlich ungefragt und die Mutter versucht die ganze Zeit krampfhaft den Anschein zu erwecken, dass sie NICHT die Mutter dieses vorlauten und ziemlich nervigen Subjektes ist, was ihr nicht gelingt und ihr umso mehr immer peinlicher wird. Kurze Atempause beim Prinzesschen, da kommt die Durchsage des Schaffner auf Plattdeutsch (ich hab mich so gefreut und fands richtig klasse), dass wir gleich, in wenigen Minuten Emden erreichen werden. Ich hatte Hoffnung, dann die Nervensäge loszuwerden. Da quakts durchs ganze Abteil: „Mutti, was hat der Mann gesagt? Das kann ich nicht verstehen.“ Darauf kams von Muttern: „Ich auch nicht, der hat holländisch gesprochen“ AAAAAhhhhhhhrrgg. Und da dachte ich, jeder weiss was Plattdütsch ist, auch wenn’s ja nu langsam ausstirbt, aber seit Ina Müller….. Ach ja, Ina Müller (aufgewachsen in einem kleinen Dorf bei Cuxhafen, Kabarettistin und Sängerin mit eigener TV-Sendung wie „Inas Nacht“ und „Inas Norden“, die neulich eine Schifftaufe in Platt abhielt, Reeder und auch sonst alle waren völlig unvorbereitet, und ich wette, es hat dann auch kaum einer verstanden. Aber Frau Müller meinte wohl, wenigstens das Schiff sollte es verstehn und überhaupt, man sei ja schließlich im Norden. Die Kämpferin gegen den Untergang des Plattdütsch. Dabei war das nicht immer so. Als Kind hat sie sich geschämt, dass sie erst Hochdeutsch lernen musste, als sie in die Schule kam. Es war ihr megapeinlich wenn Muttern hinter ihr herrief: „Kiek mol Ina! Mogst dat lieden“ … Quer dör dat Koophuus! Sowat von uncool! Sie kommt halt vom Buurnhoff, wo man regionoles eeten tut, wo man aber nich schöön inköpen kann, wo Männe und Fruunslüüd noch heiroden und Kinnerkriegen, im Gegensatz zu ihr, die dafür keen Tiet hat. Ob man mütt so´n Moors nu noch so´n Büx anteihen muss, oder Männe inne Küük reinloten sollte, Ina Müller hat für jedes Thema plattdütsche Worte. Alles geschrieben, wie mans spricht und 2002 beim Quickbornverlag veröffentlicht (ein andere Verlag kam da allein vom Namen her schon nicht in Frage). Warum ist grillen sexy? Was schenkt Männe seiner Fruwe zu Weihnachten? Die Autorin erzählt locker und flockig und manchmal eindeutig zweideutig kleine lustige Anekdötchen aus ihrem Alltag, von Männern und Fraun und wies mit der Liebe auf Sylt so läuft… Die kleinen Geschichtchen lesen sich leider ruckzuck weg, auch wenn man sich erstmal eingucken muss. Noch schöner isses aber, wenn Muttern aus Hamburg kommt (so wie meine) und dann vorliest….das bringt dann doppelten Spaß. Und deshalb kann ich das Büchlein von Frau Müller uneingeschränkt empfehlen, auch wenn man kein ausgesprochener Ina-Müller-Fan ist. Für die ist es allerdings sowieso ein „Muss“. Ich hätte mir gewünscht, Frau Müller hätte auch im besagten Zug nach Emden gesessen: Datt is Plattdütsch mien Deern, dat schnacken wir Lüt hier im Noorden! Platt is eben nicht uncool. Und kein holländisch!
Platt is nich uncool. Ina Müller. 91 Seiten, Paperback, Quickbornverlag.
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