Conni Lubek: Anleitung zum Entlieben
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Testbericht Conni Lubek: Anleitung zum Entlieben

(4,0 von 5)
Platz 136 in der Kategorie "Belletristik Romane & Erzählungen - A".
Bewertung: Kundenbewertung 4,00 / 5,00 (4,0 von 5)
Meinungen:
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Testbericht über Conni Lubek: Anleitung zum Entlieben

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Bei mir war dieser holländische Gigolo an der falschen Adresse

erstellt am: 24.08.2009, von
Produktbewertung: Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4
Empfehlung:ja
...Ich hatte doch noch nicht mal Geld! Nichts hatte ich, sogar in Afrika bedauerte man mich. In meinem Kopf gingen tausend Alarmlampen gleichzeitig an. „Wozu?“ stieß ich aus. „_Wozu willst du mich besuchen?“

Jener Absatz stammt aus der

==Anleitung zum Entlieben==

die Conni Lubek einstig als Internetblog geplant hatte. Da die Besucherzahlen jedoch derartig hoch waren, war die Idee, dass ganze als Taschenbuch herauszubringen, schnell geboren.
Wer hier auf eine Schreibweise wie in „Gut gegen Nordwind“ gewartet hat, wird enttäuscht ~ vielmehr hat die Autorin das ganze in einen Roman „umgepackt“, ein Unterfangen, welches ihr insbesondere auf den ersten Seiten offenkundig selbst noch Schwierigkeiten bereitete.

Es ist nichtmal sonderlich böse gemeint, wenn ich sage, dass mir den Eindruck nicht fernblieb, dass die Verfassererin zweifelsohne erst Seite um Seite ihren „Schwung“ fand; anfänglich wirkte das Buch stellenweise sogar so sprunghaft, dass ich nicht glaubte, hieran Gefallen finden zu können.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass im gesamten Roman stetig von 119 und Lpunkt bzw. Lchen, die Rede sein wird. Und von „Curd Rock“, einem heißgeliebten Stofftier.

Die ===Story===

ist rasch zusammengefasst: Conny meldete sich unter dem Namen „Lapared“ in einer Singlebörse an und lernt dortig 119 kennen und lieben.
Nachdem die beiden bereits seit Monaten eine Beziehung führen, offenbart 119 ihr kurz vom Einstieg in seine Bahn, dass er sie niemals lieben wird. Lpunkt gibt die Hoffnung jedoch nicht auf, sieht in ihm die Liebe ihres Lebens ~ und fällt damit weitere Monate später erneut auf die Fresse.
Für 119 gibt’s keinerlei Probleme, so eine Zweckbeziehung ist doch was schönes... und das Lpunkt am diesbezüglichen Kummer hin und wieder dahinsiecht, kann man ja damit gradebiegen, dass man mal eben auf einen Sprung vorbei kommt.

Schon zu Romanbeginn ist Lpunkt überzeugt davon, dass sie endlich von 119 loskommen wird und startet deswegen ihren Blog, in dem sie der Welt von ihrer geglückten Trennung erzählen kann. Dass das ganze alles anders läuft, offenbart sich rasch, indem das nachfolgende Telefonat wiedergegeben wird:

„119: „Wie geht’s dir Maus, was machst du so?
Ich: Maus hat genug. Maus entliebt sich gerade, aber kreuzweise. (Irgendwie hatte ich den Effekt von „aber kreuzweise überschätzt=
119: Ent-was? Ent-lieben? Von wem?
Ich: Naja.... von DIR.
119: Von mir? Das klingt...GUT. Das bringt alles schön ins Gleichgewicht, wir werden uns noch besser verstehen. (Überhaupt verfehlten meine Worte ihre Wirkung)“
(ZITAT; S. 22)


Im weiteren Buchverlauf lernt Lpunkt Sven, Dick und schließlich Laurenz kennen ~ bei jedem der Männer hofft sie, dass sich diese quasi als „Rettung“ aus ihrer Misere entpuppen könnten, den schließlich ist das beste Mittel gegen eine alte Liebe eine neue Liebe.

==Die Umsetzung==

ist bei weitem nicht so abgedroschen wie man das jetzt vermuten könnte.
Obschon ich mir nach wie vor nicht sicher bin, ob das Buch nun eigentlich lustig oder doch eher ernst gemeint war, kann ich zum einen sagen, dass es eine gelungene Mischung aus beidem repräsentiert.

Zu meiner persönlichen Begeisterung kommt hinzu, dass die Hauptprotagonistin nun nicht von einer Liebschaft in die andere schlitterte, sondern vielmehr schon durch den Umstand, dass bspw. Sven bereits verlobt ist, ausgebremst wird und nebenbei immer wieder „rückfällig“ wirkt, was meiner Erfahrung nach nur lebensnah ist.

Inwieweit der Roman auf 100%igen Erfahrungen beruht, ist mir offen gestanden nicht wirklich klar, doch ich unterstelle einfach mal, dass zumindest ein paar Ausschmückungen vorgenommen wurden. Was hier keinesfalls schlimm ist ~ vielmehr überzeugt „Anleitung zum Entlieben“ inhaltlich wie auch mit seinem Sprachwitz, der spärlich genug gestreut wurde, um nicht zu übertrieben zu wirken und die eigentliche Thematik, die ja doch berührt, ebensowenig ins lächerliche zieht.

Vielen Lesern wird die nachfolgende Szenerie nur allzu bekannt sein:

„Nach einer Trennung – einer wirklich ganz ernst gemeinten Trennung – hat man ja immer einiges zu tun. Und damit meine ich nich das Weinen, das Schluchzen, je nach Temperament auch das Schreien oder die detaillierte Suizidplanung – das alles läuft schließlich so nebenbei, zumindest bei uns Frauen (Stichwort Multitasking). Parallel zu der inneren Tragödie zieht man die Betten ab, wäscht, putzt, bügelt...beseitigt die Spuren. Die Spuren einer Liebe. Und irgendwann steht man dann wieder mal vor der Zahnbürste. _Seiner Zahnbürste. Und überlegt: aufheben oder nicht.“
(ZITAT; S, 122)


Wahrscheinlich eher wenigen Lesern wird die Szenerie bekannt sein, welche mannigfaltigen Umstände es mit sich bringt, wenn man einen durch die Bank sympathischen Mann kennenlernt, der – zumindest im ersten Augenblick - so zu sein scheint, wie man sich den Ex immer wünschte; jedoch blöderweise in Holland wohnt.

IN HOLLAND.

Ich persönlich war so gebannt von dieser Entwicklung der Geschichte, dass ich gebannt wie ein Opossum mir den Rest des Buches in aufrechter Leseposition zu Gemüte fügte.

Wie dem aber auch sei; nach einer ansatzweise doch eher abschreckenden ersten Begegnung im Schwimmbad mit jenem Holländer, gibt Lpunkt schließlich dem Drängen nach und schreibt ihre Telefonnummer auf; wohlwissend, das jede andere Frau einen Zahlendreher eingebaut hätte.

„Aber ich, von Vernunft so weit entfernt wie ein Verhungernder von Trennkost, ich hatte keinen dummen Zahlendreher gehabt. Ich hatte diesem Mann meine _richtige Telefonnummer gegeben, ohne Zahlendreher, denn... _warum eigentlich nicht? WARUM NICHT? Ich ging auf die vierzig zu. Die Bikinisaison meines Lebens neigte sich langsam dem Ende. Wie oft würden Männer mir noch sagen, dass ich schön war, ohne das sie von der Abschiebung bedroht waren?“
(ZITAT; S. 177)

Anfänglich ignoriert sie die nun täglich eintreffenden SMS; verabredet sich schließlich jedoch trotzdem mit ihm. Alles im Dienste der Trennungsverarbeitung, versteht sich.

~ Das fast der „Rest“ des Buchverlaufes mehr von Dick handelt als von 119, hatte ich so nicht erwartet. Letzerer bleibt im Hintergrund zwar ständig konstant und sorgt für die ein oder andere Überraschung, einen Umbruch und neue Entwicklungen... doch mit einer reinen Trennungsschilderung hat das Buch nun wahrlich nicht mehr viel gemein.

Was mich aber keineswegs verstimmte. Ganz im Gegenteil.
Ich für meinen Teil fand es vielmehr fast schon interessanter, wie Lpunkt versucht, sich wirklich in jemand anderen zu verlieben ~ und welche Probleme sie dabei hat. Dazu gehört beispielsweise eben auch die Entfernung; und Dicks Art, sie regelrecht zu überrollen. Lpunkt würde Dick gerne mal für einen Nachmittag sehen, gerne nur _ein bisschen mit ihm zusammensein... was jedoch keinesfalls so einfach ist.

~ „Ja, sehr blöd...“ stimmte ich unglücklich zu. Wie kann der so blöd sein, in Holland zu wohnen? Holland! Wenn er hier wohnte, in Hamburg, würde ich ihn jetzt anrufen. Aber bei fünfhundert Kilometern Anfahrt zieht so ein freundlichen kleiner Impuls eben nicht nur ein Abendessen mit Geschlechtsverkehr nach sich, sondern auch einen... Schwanz von Ereignissen! Hach...(...) Ich will ihn ja gar nicht wegstellen. Aber dieser Mann erwartet für einmal Sex zwei Tage Kost und Logis plus Damenprogramm! Bummeln, Galeriebesuche, du weißt schon...“
~ „Genau, was du mit 119 immer wolltest.“
~ „Ja, aber mit Dick _muss ich es. Ich _muss. Ich kann ihn doch bei fünf Stunden Anreise nicht nach einem Tag wieder wegschicken.“
(vgl. 293)



==Summa summarum==

wusste ich, als ich das erste Mal von diesem Buch hörte, nur ansatzweise, was mich hier erwarten würde. Es dürfte auf der Hand liegen, dass mich hier vorrangig der Titel angesprochen hatte; ebenso dürfte es nicht sonderlich verwundern, dass ich mir wie gesagt inhaltlich eine Art abgedruckten Blog vorstellte. Dass das ganze nun in Romanform gebracht wurde, ist sicherlich kein Manko; auch gewöhnt man sich rasch an die eher holprige und teils unschlüssige Schreibweise.

Während die Autorin den Leser auf den ersten Seiten noch sehr oft direkt anspricht, verliert sie – zum Glück – diesen Usus rasch und plaudert sodann munter weiter, was mir in dieser Form dann überraschend gut zusagte.

Aufgepeppt wird die Lektüre von diversen Fotos nebst Kommentaren des Stottfieres „Curd Rock“; was meiner Meinung nach jedoch nicht immer so gelungen ist, wie die Autorin dies wohl vorhatte. Eine nette, witzige Idee... aber eben nicht mehr als „nett“. Das bei jenen Kommentaren einige Tippfehler zu finden sind, ist natürlich darauf zurückzuführen, dass „Curd Rock“ immerhin ein Stofftier ist. Haha. Mein Humor ist das nun nicht ganz, aber wie gesagt... die Fotos sind teilweise ganz flockig.

Anlass zum schmunzeln bürgt das 347 Seiten starke Buch durchaus; ebenso findet man gewisse Tiefe und Zeilen, die nahegehen.

Eine definitive Empfehlung gibt’s hier und heute von mir, wenn auch unter Abzug eines Sternchens, eben weil es etwas arg untergeht, wie die Geschichte zwischen Lpunkt und Dick nun weitergeht, bzw. ob der Entfernung weitergehen kann.
Ich für meinen Teil hätte die Frage auf S. 307 nämlich noch sehr gerne beantwortet gehabt, die da hieß:

„Für einen winzig kurzen Moment vergaß ich auch meine Reisepläne. Warum in die Ferne schweifen, schoss es mir durch den Kopf, wieso jagte ich diesem holländischen Phantom-Glück hinterher?“
LilithIbi
Yopi Autor - LilithIbi
"Man braucht nicht glücklich zu sterben, wenn's soweit ist, aber man muss zufrieden sterben, denn man hat sein Leben von An-fang bis zum Ende gelebt, und Ka wird mit allem gedient." (Roland von Gilead)
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morla
morla, 24.08.2009

wünsche dir einen guten wochenstart lg. petra
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Yopi-Autor:liskeen
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