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| erstellt am: |
31.08.2009, von minasteini |
| Produktbewertung: |
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| Empfehlung: | ja |
| Pro: | siehe Bericht |
| Kontra: | siehe Bericht |
Liebe Leser, liebe Leserinnen!
Heute gibt es von mir wieder eine Buchvorstellung. Mein Lesedrang ist nicht zu stillen. Beim Stöbern im Onlineportal Ebay entdeckte ich ein Buch, was mich neugierig machte. Eigentlich ist das Thema darin nicht so mein Fall, Kirche und Missbrauch von Kindern, Aber als ich den Inhalt las, wurde das Interesse geweckt. Ich bekam es mal wieder für 1,00 €. Sollte es mir nicht gefallen, brauche ich mich nicht zu ärgern. Nun habe ich es bekommen, mein letztes Buch war ausgelesen und ich legte mit diesem Buch los.
Das Buch was ich heute vorstellen möchte heißt:
»Er war ein Mann Gottes: Von einem katholischen Geistlichen missbraucht von Karin Jäckel«
Autorin Karin Jäckel:
Dr. Karin Jäckel, 1948 in Mecklenburg geboren, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Sprecherziehung. Sie arbeitet als Journalistin und freie Autorin. Bisher sind rund 80 Bücher aus den Bereichen Kinder- und Sachbuch von ihr erschienen. Heute lebt sie mit ihrer fünfköpfigen Familie im Schwarzwald.
Eckdaten:
Taschenbuch,
Clubaus gabe,
317 Seiten,
Maße 12,5 x 18 x 2 cm
Klappentext:
Cora O. wächst in einem streng katholischen Elternhaus auf, in dem niemand höhere Achtung genießt als die geweihten Männer der Kirche. Da ist es auch selbstverständlich, dass Cora Messdienerin wird. Die 13-Jährige, die sich von ihrer Familie unverstanden fühlt, genießt die Zuwendung des Kaplans, der sie nach ihren persönlichen Lebenserfahrungen fragt, ihr Rat erteilt und verspricht, immer für sie da zu sein. Cora vertraut dem älteren Mann, und als dieser ihr auf seinem Zimmer Alkohol anbietet, fühlt sie sich geschmeichelt. Das sexuell unerfahrene Mädchen ahnt nicht, welchen perfiden Plan der Kaplan verfolgt und in welche Abhängigkeit es gerät.
Leseprobe:
Allmähliches Begreifen (Seite 152)
„Frederich hat mich unter all den Mädchen ausgewählt, weil er von mir aus der Beichte wusste, dass ich mir eine Freundschaft mit einem katholischen Geistlichen vorstellen konnte.
In Assisi hatte er es wider Erwarten nicht geschafft, sexuellen Kontakt mit mir zu haben. Also bestrafte er mich anschließend wochenlang mit Liebesentzug für meinen Widerstand, so dass er sicher sein konnte, ich würde beim nächsten Versuch alles für ihn tun, alles mitmachen, was er wollte, wenn er nur wieder gut zu mir wäre.
Trotzdem machte es mich an jenem Abend sicherheitshalber auch noch mit Sekt betrunken. So konnte er sicher sein, dass ich enthemmt genug sein würde, um den letzten vielleicht noch vorhandenen Rest Widerstand gegen seine Bedürfnisbefriedigung aufzugeben.
Schließlich stellte er alles als einen Akt der schönsten, reinsten Freundschaft dar und suggerierte mir, alles nur getan zu haben, um mir meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Er wusste, wie ich erzogen worden war und welcher Nimbus der Untadeligkeit einem Priester in meinem Elternhaus anhaftete. Die Vorstellung, dass meine bloße Existenz und mein ständiger Wunsch nach seiner Aufmerksamkeit ihn zur Sünde verführt hatten, war mir auf Grund dieser Prägung entsetzlich. Eine bessere Garantie für mein Schweigen konnte es gar nicht geben.
Hätte ich nicht mehr Widerstand leisten müssen? Es mag manchem so scheinen, als hätte ich mit zwölf Jahren ausreichend Grips im Kopf haben müssen, um zu wissen, worauf ich mich einließ, wenn ich spät nachts allein mit Frederic in den Wald fuhr, zu ihm auf sein Zimmer schlich oder mich von ihm mit Alkohol abfüllen ließ.“
Kurze persönliche Zusammenfassung:
Die Hauptdarstellerin hat in diesem Buch den Pseudonym „Cora O.“ angenommen. Sie beschreibt rückblickend ihr Leben in und mit der Kirche. Von Geburt bekam Cora von ihren Eltern nicht die Aufmerksamkeit, die sie benötigt hätte. Bei ihrer Geburt war ihre Mutter schon etwas älter und kränkelte danach. Der Vater setzte seiner Tochter keinerlei Grenzen und es gab keine Regeln in der Familie. Somit wuchs Cora antiautoritär auf. Da ihre Familie von Haus aus sehr mit der Kirche verbunden war, fand ein Familieleben immer mit der Verbindung Kirche statt. In der Schule bekam sie keinen Anschluss und war immer auf der Suche nach der fehlenden Aufmerksamkeit und Liebe. Mit 12 Jahren trat der neue Vikar Frederic in das Leben von Cora und der Jugendgruppe. Ein junger geistlicher, gut aussehend, charmant und für jeden Spaß zu haben. Bei ihm fand sie schließlich was sie suchte, Aufmerksamkeit. Sehr geschickt und schleichend festigte er die Beziehung zu Cora bis es zu körperlichen Annäherungen kam. Für ihn machte sie alles, trank Alkohol, rauchte und ging zu Hause ein und aus wie sie wollte. Sie besuchte ihn sogar des Nachts in seiner Wohnung. Schließlich kam, was kommen musste, er verging sich an ihr. Nachdem die Beziehung langsam aufzufliegen drohte, zog er sich von ihr zurück. Sie beichtete einem anderen Geistlichen ihre Beziehung, doch dieser war nicht besser, er verging sich an Jungs. Frederic wurde in eine andere Kirchengemeinde versetzt, blieb ungestraft. Der neue Kaplan Max wurde von den missbrauchten Jungen angezeigt und ging ins Gefängnis. Was macht Cora? Sie nimmt Kontakt zu dem Inhaftierten auf und es beginnt ein Briefkontakt bis sie sich in ihn verliebt………..
Meine Meinung:
Ein heikles Thema, die Kirche und ihre Vertreter. Ich tat mich etwas schwer, hier meine Meinung nieder zu schreiben, denn ich möchte niemanden verletzen oder mit falschen Worten angreifen.
Cora beschreibt am Anfang des Buches ihre auffällige und rebellische Jugend. Suchend nach Liebe und Aufmerksamkeit. Diese Probleme sind bestimmt nichts Neues in der Pubertät. Mit 12 Jahren noch sehr unerfahren, aber kein Kind mehr, provoziert sie für mich sehr heikle Situationen zu dem Vikar Frederic. Für mich äußerten sich diese Szenen, die sie beschrieb, als wolle sie Frederic verführen. Sie himmelte ihn an, kann nicht von Liebe sprechen, sie nutzte jede Situation aus um ihm nahe zu sein. Als ich das Buch gelesen habe, dachte ich mir so, welcher Mann könnte da stand halten, der Reiz war extrem hoch. Ja es stimmt, er ist erwachsen, ein ausgebildeter Mann der mit Kindern und Jugendlichen arbeitet und dem Zölibat unterliegt und sie ein doch frühreifes Kind. Er nutzt diese Situation schamlos und zielstrebig aus, um das vertrauensuchende Kind an sich zu binden. Bei ihm bekommt sie Aufmerksamkeit und Liebe. In den Medien hört man sehr oft von den schwarzen Scharfen in der Kirchengemeinde. Hinter dem Schleicr der Kirche werden viele solcher „Straftaten“ getan und auch gedeckt. Es wird dem Alkohol kräftig zugesprochen, er verführt sie dazu und er vergeht sich an dem Mädchen. Wie er sagt. man muss nur hinterher beten und beichten. Er sagt so etwas Ähnliches wie, er wird durch Gott gelenkt, Gott verzeiht ihm alles, denn er wurde durch Gott gesandt. Sie vertaute sich zwar einer gleichaltrigen Freundin an, aber ich habe mich gefragt, warum hat keiner von Beiden etwas gesagt, warum blieben beide ruhig. Sie wollten das Bild des angesehenen und perfekten Kirchenvorstands nicht kaputt machen. Mit 13 Jahren hatte sie meiner Meinung nach schon ein sehr großes Alkoholproblem, Warum haben alle Erwachsenen weg geschaut? Warum konnte sie sich ihren Alkohol frei im Laden kaufen? Warum konnte kein Lehrer ihre schlechte Schulleistung, das Fehlen und das rebellische Verhalten hinterfragen? Warum ließen ihre Eltern ihr jegliche Freiheit auch des Nachts unterwegs zu sein? Fragen über Fragen, worauf ich keine Antwort finde. Natürlich ist Cora nicht Schuld an dem Missbrauch, Schuld sind die Erwachsenen, aber nicht nur der Geistliche. Jeder trägt eine Mitschuld daran. Aber auch die Kirche, denn dies ist ja kein Einzelfall. Ich wollte mich gerade über die Einrichtung Kirche auslassen, habe es aber wieder gelöscht, denn ich werde mir hier nicht anmaßen, über die Kirche zu richten und behalte meine Meinung darum auch für mich.
Was ich an Cora überhaupt nicht verstehe ist, nachdem sie sich von ihrem Peiniger gelöst hat, schlittert sie in die nächste nicht zu verstehende Verbindung zu dem Geistlichen Max, der sich an die Jungen vergriffen hat und seine Strafe dafür verbüßen soll. Wie kann man sich in solch einen Mann verlieben, mit ihm in den Urlaub reisen, wo sie wusste, was er gemacht hat. Sie hat es doch am eigenen Leib verspürt, wie sich ein Kind fühlt, was einen Missbrauch mitgemacht hat. Und trotzdem zieht es sie magisch zu diesem Mann. Was ist es? Wieder Aufmerksamkeit und Liebe? Hat sie nichts aus der Vergangenheit gelernt?
Viele Ungereimtheiten in dem Leben von Cora.
Ich habe das Buch zwar schnell verschlungen, aber sehr gut fand ich es nicht. Auch der Schreibstil der Autorin spricht mich nicht sehr an. Normalerweise schreibt man seine Erfahrungen und Erlebnisse zur Verarbeitung nieder, aber hier wird jede Situation irgendwie analysiert. Ich habe zu meinem Mann gesagt, an diesem Buch hätte jeder Psychologe seine Freude. Manche Stelle habe ich einfach überlesen, weil ich es persönlich zu langatmig und sehr langweilig fand.
Am Ende des Buches hat sich meine Meinung über die Einrichtung Kirche noch mehr gefestigt, Unverständnis über das Leben der Geistlichen, das Predigen von „Wasser und selber Wein trinken“, alles zu entschuldigen und zu verschleiern mit dem Gebet usw. usw.
Aber auch mit dem Verhalten von Cora bin ich nicht einverstanden. Nun ist sie eine erwachsene Frau, muss ihre kindlichen Erfahrungen verarbeiten und sich mit dem Geschehen auseinander setzten, zeigt aber ihren Peiniger im Nachhinein nicht an, sondern versteht sein Verhalten sogar. Das I-Tüpfelchen an der Sache ist, dass sie sich sogar noch in den Geistlichen verliebt, der Jungen missbraucht hat und mit ihrem Wissen, gezielt und clever auf seine vorzeitige Entlassung hin arbeitet, um seine Strafe nicht vollziehen zu müssen. Das war die Krönung für mich.
Mich hat das Lesen dieses Buch wegen der Thematik gereizt. Aber verstehen kann ich das Buch nicht, weder die Handlungsweise noch das Ergebnis.
Ich kann das Buch persönlich nur bedingt weiterempfehlen. Mir hat es nicht so gefallen, habe es aber trotzdem gelesen. Wir dürfen diese Thematik Kindesmissbrauch nicht verschweigen und schon gar nicht herunterspielen. Wir müssen die Augen offen halten und uns die Kinder in unserem Umfeld aufmerksamer Beachten und Zuhören. Und natürlich auch bei einem kleinsten Verdacht handeln, auch wenn es in der Kirchlichen Einrichtung ist.
Ich vergebe dem Buch 3 Sterne.
Ich hoffe ich bin mit meinem Bericht nicht angeeckt und habe die richtigen Worte gefunden.
Ich bedanke mich für die Lesungen und das Interesse.
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