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Testbericht hannah-stiftung.de

Platz 54 in der Kategorie "Webseiten - H".
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Testbericht über hannah-stiftung.de

Keine Überschrift wird diesem Thema gerecht ...

erstellt am: 18.10.2009, von
Produktbewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Empfehlung:ja
Pro:Aufklärung / Eintreten gegen das Vergessen / Prävention
Kontra:. / .
Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Bericht möchte ich einer Initiative widmen, die mir persönlich sehr am Herzen liegt.

Der Hintergrund ist ein Thema, das uns alle angeht und bei dem unsere Gesellschafts-Systeme mitunter immer wieder grandios scheitern und versagen.

Ein Thema, an dem sich die Geister scheiden, das gerne in den Medien eine Weile breitgetreten wird, um dann doch wieder in Vergessenheit zu geraten, bis zum nächsten Fall.


Ein Thema, bei dem es nur die wenigsten Fälle in die öffentliche Wahrnehmung schaffen; die Zahl der unbekannten, nicht angezeigten Fälle ist um ein vielfaches höher. Die Schätzwerte der Behörden sind erschreckend.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich spreche von Gewalt in jedweder Form und sexuellem Missbrauch, aber auch von den Opfern dieser Übergriffe, die hilflos, ohnmächtig und abseits des Medieninteresses und auch des öffentlichen Interesses zurückbleiben.


Bevor ich Euch / Ihnen die Initiative selbst vorstelle, möchte ich ein paar Worte zu den Hintergründen verlieren.

Ende August 2007 ist unsere Region in heller Aufruhr. Ein 14-jähriges Mädchen wurde verschleppt, vergewaltigt und ermordet.
Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, bereits nach einer Woche nach der Tat kann der Täter gefasst und überführt werden. Wenig später kommt es bereits vor dem Landgericht Bonn zum Prozess. Der Täter wird verurteilt. Ende der Geschichte.


Warum Ende der Geschichte? Ganz einfach:
Unmittelbar nach der Tat war das mediale Interesse an dem "Fall Hannah" grenzenlos, die Ermittlungen wie auch der Prozess waren wochenlang das dominierende Thema in den einschlägigen Tageszeitungen, aber auch in den Medien weit über unsere Region hinaus. Vor den Bonner Landgericht herrschte zu Prozessbeginn und am Tag der Urteilsverkündung ein Massenauflauf, der seinesgleichen suchte.


Doch nur wenige Tage später war das Thema dann kein Thema mehr. Hannah wurde beerdigt, und damit ging alle Welt wieder zur Tagesordnung über. Die politische Debatte um Prävention, Opferschutz etc. fand ebenso ein jähes Ende.


Während man noch während der laufenden Ermittlungen die Angehörigen seitens der Medien regelrecht belästigte, so wurden auch sie mit der Beerdingung ihrer ermordeten Tochter schlagartig fallen Gelassen. Niemand interessierte sich mehr dafür, wie es ihnen erging bzw. ergeht, wie sie ihren Verlust bewältigen. Warum auch? Fall abgeschlossen.


Dieses Procedere ist nicht unbekannt.
Immer, wenn etwas Schreckliches geschieht, das an die Öffentlichkeit dringt, ist das Interesse beinahe schon widerwärtig groß.
Der Voyeurismus kennt kaum noch Grenzen.
Oftmals sind die Ermittlungsbehörden mehr damit beschäftigt, die Opfer bzw. die Angehörigen vor allzu neugierigen Gaffern und Interesse am Schicksal heuchelnden Medienvertretern zu schützen, denn ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen.


Doch sobald der Fall seitens der Justiz abgeschlossen ist, verebben auch die Diskussionen am Rande.


Der Vater von Hannah wollte sich jedoch hiermit nicht abfinden. Um zu verhindern, dass es weitere Fälle wie den seiner Tochter geben wird, aber auch um zu verhindern, dass ein so wichtiges Thema in der Versenkung verschwindet, sicherlich aber auch um dem so sinnlosen Tod seiner Tochter einen Sinn zu geben und das Geschehene verarbeiten zu können, hat er im Andenken an seine Tochter eine Stiftung gegründet.



***Aufgaben und Ziele der Stiftung***

Hier möchte ich einige Punkte, die im Übrigen auf der Website der Stiftung publiziert sind, zitieren:

Die Aufgaben und Ziele der Stiftung
Die Hannah-Stiftung unterstützt Opfer von Gewalt, insbesondere Opfer sexueller Gewalt, und deren Angehörige. Sie fördert Maßnahmen und Projekte durch finanzielle Beihilfen oder komplette Finanzierung und entwickelt eigene Projekte. Sie kooperiert mit Beratungsstellen gegen sexuelle Gewalt, Frauenhäusern, dem Opferschutz der Polizei, WEISSER RING und weiteren Einrichtungen.


Zahlen und Fakten
Allein im Jahr 2007 gab es in Deutschland laut Kriminalstatistik insgesamt 56.281 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, d.h. etwa 154 pro Tag. Erschreckende Zahlen, die noch erschreckender werden, wenn man sich vergegenwärtigt, dass hinter jeder Zahl immer ein Mensch steht. Und dass nur schätzungsweise 10 - 20 Prozent aller sexuellen Gewalttaten angezeigt werden!
Dabei ist die Dunkelziffer enorm. Nach repräsentativen Dunkelfeldstudien werden nur etwa zehn bis zwanzig Prozent aller sexuellen Gewalttaten angezeigt - ein erschreckendes Bild!


Das haben wir vor:
Unterstützung und Finanzierung...

* von Beratung, Krisenintervention und Traumaarbeit im laufenden Betrieb von Beratungsstellen, da das Angebot wegen Kürzungen öffentlicher Mittel stark eingeschränkt wurde.
* und Förderung von Spezialzuständigkeiten bei Gericht. Themenspezifischer Aus- und Weiterbildung der Richter, wie z.B. das Erlernen eines sensiblen Umgangs bei Gericht mit Opfern von Gewalt und Missbrauch.
* zur Einrichtung eines Zeugenzimmers bei Gericht und der technischen Ausstattung. Es erspart den Gewaltopfern die Begegnung mit ihren Peinigern im Gerichtssaal.
* von Präventionsmaßnahmen in Kindergärten und Schulen (z.B. Elternabende, Kurse für Kinder zur Selbstbehauptung und zum Umgang mit Gewalt).
* von Anti-Agressionstrainings für jugendliche Gewalttäter durch Einrichtungen der Jugendhilfe.
* zur Vernetzung der Beratungsstellen und Hilfsorganisationen.
* der Öffentlichkeitsarbeit. Durch die Förderung der Öffentlichkeitsarbeit sollen die Beratungsstellen bekannter und die Bevölkerung stärker sensibilisiert werden.

Last but not least: Aufmerksamkeit schaffen.
* Dies ist die Grundvoraussetzung für Prävention.
(Quelle: www.hannah-stiftung.de)




***Meinung***

Früher habe ich als Kind die Aufregung meiner Eltern nicht verstanden, wenn ich nicht zum vereinbarten Zeitpunkt nach Hause kam.
Als Jugendliche fand ich es nervig, mich ständig an und abmelden zu müssen; peinlich, wenn ich abends von meinen Eltern vom Kinoabend mit meinen Freunden oder von der Disko abgeholt wurde, obwohl ich genauso gut die öffentlichen Verkehrsmittel hätte nutzen können.
Als junge Erwachsene, die ich eine zeitlang noch während meines Studiums bei meinen Eltern wohnen konnte fand ich es empörend, dass ich mich ebenfalls an- und abmelden bzw. zurückmelden musste, wenn ich mich weiter von meinem häuslichen Umfeld entfernte.
Ich empfand dies schon als Kontrollzwang seitens meiner Eltern.

Während meines Studiums begann ich allmählich, meine Eltern zu verstehen.
Da ich Rechtswissenschaften studiert habe und mich vordergründig mit jugendlichen Straftätern auseinandersetzte und beschäftigte, bekam ich teils unfreiwillig Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele.
Manches, was ich hier erfuhr, ließ mich tagelang nicht schlafen. Auch während meines Praktikums bekam ich Akten und Sachverhalte auf den Tisch, bei deren Lektüre mir schlecht wurde, ich mich übergeben musste.


Es verbietet sich hier, auf Details einzugehen, aber es gibt Dinge, die man sich bisweilen in den abartigsten Szenarien nicht vorzustellen vermag und die jeden Horrorthriller beinahe wie eine Seifenoper daherkommen lassen.

Da ich zu sehr unter den Erlebnissen, Erfahrungen und Werdegängen litt, habe ich, um meine Seele zu schützen, meinen eigentlichen Job alsbald auch an den Nagel gehängt.

Ich war nicht in der Lage, die notwendige Distanz zwischen Fall und privaten Empfindungen aufrecht zu erhalten.
Dies lag aber nicht nur an den Fällen selbst, die ich auf den Tisch bekam. Mich machte es wütend, wie sehr einerseits unser Rechtsstaat, andererseits aber auch unsere Gesellschaft versagte.

Viele dieser Fälle wären sicherlich keine geworden, hätte das System beizeiten funktioniert, hätte es Menschen gegeben, die nur nicht nur weggesehen hätten, sondern die Initiative ergriffen hätten. Wir neigen dazu, die Verantwortlichen immer in den Behörden zu suchen, die auch unbestritten bisweilen ihren Job mehr als schlecht machen. Allerdings gibt es auch dort Menschen, die sich engagieren, jedoch oftmals an ihre Grenzen stoßen.


Viele der Täter, mit denen ich zu tun hatte, waren bedauerlicherweise auch zuerst Opfer; Opfer, die niemand zur Kenntnis genommen hatte. Opfer, deren Geschichte niemanden interessierte.
Menschen, die aus ihrer Not in die Offensive gegangen sind und somit selbst zum Täter wurden, nicht zuletzt, weil auch wir versagt haben.

Inzwischen habe ich einen Beruf, in dem ich weit entfernt von solchen Dingen bin.

Seit einigen Jahren aber bin auch ich Mutter. Nun habe ich keine Töchter, dennoch bin ich mir bewusst, dass auch Jungen gefährdet sind. Sind laufen Gefahr Opfer zu werden, gleichsam aber auch Täter zu sein.


Gewalt begegnet uns schon im Kindergarten. In der Grundschule steigert sich dann die Intensität der negativen Erfahrungen, insbesondere aber auch im Umgang mit der Gewalt selbst.


Lehrer und Eltern sind teilweise mit den Ausmaßen überfordert. Doch oftmals setzt die Problemlösung an der falschen Stelle an.
Statt näher hinzusehen, zu versuchen die Ursache für Gewaltausbrüche bei Kindern herauszufinden, werden oftmals Maßnahmen ergriffen, die bei den Urhebern noch für mehr Aggression sorgen denn diese zu mildern oder langfristig zu beseitigen.

Was treibt einen Menschen dazu, einen anderen dermaßen zu erniedrigen und zu entwürdigen, sei es psychisch, sei es physisch?


Sucht man die Hilfe ehrenamtlicher oder auch teils hauptamtlicher Beratungsstellen, so kann man froh sein, wenn man überhaupt kurzfristig einen Termin bekommt. Finden Gespräche statt, so muss man oft am Ende derer feststellen, dass man tatkräftige Hilfe nicht erwarten kann. Stattdessen wird man herumgereicht und bleibt am Ende sich selbst überlassen.
So wie Hannahs Vater und viele, viele andere.




***Zusammenfassung***

Ich möchte nicht, dass mein Bericht dazu führt, dass sich jemand verpflichtet fühlt, die Stiftung zu unterstützen. Dies soll kein versteckter Spendenaufruf sein!!!


Ich möchte nur darauf hinweisen, wie wichtig es ist, sich zu engagieren. Nicht wegzusehen, wenn andere in wie auch immer gearteten Schwierigkeiten sind oder in Not geraten. Manchmal genügt schon ein Gespräch, ein Telefonanruf, eine kleine Geste, um Hilfe zu leisten.

Man muss sich nicht gleich in ein Ehrenamt bzw. in Unkosten stürzen, um aktiv zu sein. Es sind die kleinen Dinge, die getan werden, die in der Summe Großes zu leisten vermögen.


Wir dürfen nicht vergessen, dass auch wir eines Tages selbst betroffen sein könnten, sei es durch Mobbing, einen Einbruch, einen Raubüberfall, ein Sexualdelikt, ... und dringend die Hilfe und Unterstützung anderer benötigen.

Ich jedenfalls werde sooft es geht diese Initiative und auch andere, ähnlich geartete im Rahmen meiner Möglichkeiten unterstützen und für ihre Sache werben und mich gleichzeitig in meiner Familie und in unserem unmittelbaren Umfeld dafür einsetzen, dass auch andere beizeiten sensibler für den Umgang mit ihrer Umwelt werden.


Ich möchte nicht nur in meiner kleinen, heilen geborgenen Welt vor mich hindümpeln, denn schon morgen könnte es sie vielleicht nicht mehr geben ...

Ich danke Euch / Ihnen für Eure Aufmerksamkeit!


schmusenase
schmusenase
Testbericht-Gesamtbewertung: sehr hilfreich
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christianpirker
christianpirker, 04.11.2009

Sehr guter Bericht! Liebe Grüße, Christian
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