Dietrich Bonhoeffer gilt als einer der bekanntesten (wenn nicht der bekannteste) deutsche Theologe und seine Werke sind in der ganzen Welt bekannt. Da ich über diesen Theologen eine Hausarbeit schreiben durfte, werden in der kommenden Zeit einige Bücher, die ich gelesen habe, von mir bewertet werden.
In diesem Bericht geht es nun über die bekannte Bonhoeffer-Biographie von Ferdinand Schlingensiepen.
1. Thematik: Kurzer Abriss über das Leben von Bonhoeffer
Diese Biographie hat das Leben und Wirken des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) zum Inhalt. Bonhoeffer wurde am 6. Februar 1906 in Breslau geboren. Zehn Minuten später erblickte seine Zwillingsschwester Sabine das Licht der Welt. Insgesamt hatten die Eltern, Karl und Paula Bonhoeffer, 8 Kinder. In diesem großen Kreis wächst Dietrich auf und entschließt sich ca. im Alter von 14 Jahren Pfarrer zu werden. Durch den Tod seines zweitältesten Bruders Walter im Ersten Weltkrieg kommt Bonhoeffer schon früh mit den schrecklichen Leiden eines Krieges in Berührung. Mit 17 Jahren absolviert er sein Abitur und begibt sich nach Tübingen wo er Theologie studiert. Nach einem Studienaufenthalt in Rom wechselt er an die Berliner Universität, wo er z. B. bei Adolf von Harnack studiert. Er beginnt sich auch für die Theologie Karl Barths zu interessieren und in Bonhoeffers Denken finden sich Anklänge der barthianischen Theologie. Im jungen Alter von 21 promoviert Bonhoeffer. Wobei sich Bonhoeffer nicht ganz als ein klassischer Vertreter der so genannten "dialektischen Theologie" bezeichnen lässt. 1930/31 ist er für ein Jahr am Union Theological Seminary in New York. Danach wird Bonhoeffer Assistent an der Berliner Universität. 1933 liest er über "Christologie". Er wirkt in einer Studentengemeinde mit und als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kommen ist er einer der ersten, der sich kritisch gegenüber dem "Führer" äußert. In den Jahren bis 1935 ist er in London Pfarrer einer deutschen Auslandsgemeinde und engagiert sich im Kirchenkampf der "Bekennenden Kirche" gegen die nationalsozialistisch geprägte Bewegung "Deutschte Christen". Die Deutschen Christen wollten die NS-Ideologie in die Evangelische Kirche integrieren und setzten sich dafür ein, den so genannten "Arierparagraphen" auch in der Kirche einzuführen. D. h. sie wollten die Kirche "judenrein" machen. Gegen dieses wahrhaft unchristliche und der Botschaft der Bibel widersprechende Gedankengut erhoben nur wenige die Stimme. Einer davon war Dietrich Bonhoeffer. Aus London zurück, wird Bonhoeffer mit der Vikarsausbildung der "Bekennenden Kirche" beauftragt. In Finkenwalde leitet er eine Ausbildungsstätte der "Bekennenden Kirche". Später schließt die Gestapo das Seminar in Finkenwalde und Bonhoeffer macht illegal weiter. Nach dem die deutschen Truppen in Polen einmarschieren und damit der 2. Weltkrieg begann, lässt sich Bonhoeffer, der auf keinen Fall an die Front will, bei General Hans Oster in der "Abwehr" (Geheimdienst der Wehrmacht) als unabkömmlich feststellen. Bonhoeffer kannte Oster über seinen Schwager Hans von Dohnanyi, der in der "Abwehr" arbeitete. D. h. Bonhoeffer wird Mitarbeiter in der Abwehr um Oster, Canaris und Dohnanyi. Dieser Kreis ist in den aktiven Widerstand gegen das Hitlerregime engagiert und Bonhoeffer begibt sich auf einige Reisen für den Widerstand. Hans von Dohnanyi wollte nach einem erfolgreichen Umsturz eine "Chronik des Schreckens" veröffentlichen, in welcher die Verbrechen der Nationalsozialisten dokumentiert werden sollten. Diese Dokumente wurden der Widerstandsgruppe um Oster und Canaris auch zum Verhängnis, denn die Nationalsozialisten fanden die Akten in einem Archiv in Zossen. Daher wurden sie "Zossener-Akten" genannt. In dieser Zeit retteten Bonhoeffer und die anderen Widerständler auch ca. 14 Juden und Jüdinnen vor dem Tod in den Konzentrationslagern. Sie verschafften den Juden und Jüdinnen falsche Pässe und ermöglichten so eine Ausreise in die neutrale Schweiz.
Bonhoeffer und die anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe werden verhaftet, als im Zuge von Ermittlungen belastende Dokumente gefunden werden. Bonhoeffer wird nach Tegel ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Dort schreit er viele Briefe, die heute in dem Buch "Widerstand und Ergebung" veröffentlicht wurden. Auch schreibt er dort die faszinierenden Gedanken über ein "religionsloses Christentum", die noch heute stark diskutiert werden und zum Nach- und Weiterdenken anregen. Am 8. Oktober 1944 wird er in das Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße 8 verlegt. Von dort verlieren sich zunehmend die Spuren. Am 17. Januar 1945 schreibt er den letzten Brief an seine Eltern und am 5. April 1945 ordnet Hitler die Hinrichtung aller noch nicht exekutierter "Verschwörer" an. Am 7. April werden er und andere Gefangene in das KZ Buchenwald verlegt. Dort wird er in einem SS-Gericht zum Tode durch den Strang "verurteilt" (von einem Urteil dürfte man hier gar nicht sprechen, es war ein Unrechtsurteil!). Am 8. April wird Bonhoeffer erhängt. Seine letzten Worte zeigen, dass Bonhoeffer Hoffnung über den Tod hinaus hatte. Diese Hoffnung war für ihn Jesus Christus. Und so sagte er: "Das ist das Ende - für mich der Beginn des Lebens.
2. Die Biographie von F. Schlingensiepen
In dieser gut recherchierten Biographie von F. Schlingensiepen werden neben den historischen Ereignissen auch die theologischen Aspekte des bonhoefferschen Denkens betrachtet. M. E. ist diese Biographie, neben denen von E. Bethge und J. Ackermann, eines der Standardwerke zum Thema "Bonhoeffer". Schlingensiepen gelingt es ein authentisches Bild von der Persönlichkeit Dietrich Bonhoeffers zu skizzieren. Er stellt Bonhoeffer dabei nicht als Lichtgestalt, sondern als Mensch dar. Das ist es auch was fasziniert: Bonhoeffer war ein Mensch mit Fehlern und Schwächen, der aber den Mut besaß, zu widerstehen.
F. Schlingensiepen vermittelt die komplexen historischen Ereignisse mit viel Sachverstand und bleibt dabei sprachlich "auf dem Boden". Daher kann dieses Werk auch von jüngeren Personen gut gelesen werden.
3. Für wen eignet sich das Buch?
- Für alle Interessierten ab ca. 16 Jahren.
Man braucht schon etwas Abstraktionsniveau um das Buch zu lesen. Aber je nach eigenem Wissenstand eignet sich dieses Buch für jedermann/frau.
Die gebundene Ausgabe gibt es für 24,90Euro zu haben (z. B. bei amazon etc.). (www.bookbutler.de)
6. Fazit
Gelungene Biographie, die durch ihr sprachliches Niveau besticht und dabei eine hervorragende Lesbarkeit besitzt. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich intensiv mit der Person Dietrich Bonhoeffers auseinandersetzen will. Mir hat dieses Buch sehr geholfen, die zeitgeschichtlichen Ereignisse in ihrem Kontext einzuordnen und damit wurde mir der Mensch Dietrich Bonhoeffer "vertraut gemacht".
Euer Manu
Fazit: Gelungene Bonhoeffer-Biographie eines renommierten Bonhoeffer-Experten!!!
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