Rautenstrauch-Joest Museum
Abbildung vergrößern: Rautenstrauch-Joest Museum
Rautenstrauch-Joest Museum
Rautenstrauch-Joest Museum
Rautenstrauch-Joest Museum

Testbericht Rautenstrauch-Joest Museum

Platz 105 in der Kategorie "Köln".
Bewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 (5,0 von 5)
Ihre Meinung?

Testbericht über Rautenstrauch-Joest Museum

Die Faszination des Orients !

erstellt am: 02.05.2002, von
Produktbewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Empfehlung:ja
Die Faszination des Orients !




„Rautenstrauch-Jost-Museum“


Das Kölner Völkerkunde-Museum erinnert an den Sohn einer Kölner Bankiers-Familie - und dessen herausragende Sammlung !



Als im November 1943 Berlin von schweren Luftangriffen heimgesucht wurde , ging auch das von Max von Oppenheim (1860 bis 1946) im Jahr 1930 gegründete Tell-Halaf-Museum in Flammen auf . Der Sohn einer Kölner Bankiers-Familie , der als Diplomat , Forscher und Archäloge viele Jahre lang den Vorderen Orient bereiste , hatte den hethitischen Siedlungs-Hügel Tell Halaf 1899 während einer Erkundungstour für die Strecken-Planung der Bagdat-Bahn in Syrien eher zufällig entdeckt . Die Zeugnisse einer zuvor unbekannten Kultur , die er in privaten Ausgrabungen ans Tageslicht beförderte , hatte er in seinem Berliner Museum präsentiert .
Viele der zumindest aus Basalt gefertigten Skulpturen waren bei dem Bomben-Angriff oder durch die Einwirkung des Löschwassers zersplittert . Nach dem Krieg glaubten die Experten , diese einzigartige achäologische Sammlung sei ebenso wie andere Exponate aus der Kollektion des Max von Oppenheim verloren gegangen . Umso größer war die Überraschung , als sich nach der Wende herausstellte , dass die seinerzeit in mehreren Wagenladungen ins Pergamon-Museum geschafften Fragmente der Sammlung immer noch in den Kellern dieses Institutes lagerten . Inzwischen wurden sie registriert und ins Depot des Vorderasiatischen Museums in Berlin Hohenschönhausen gebracht . Erst kürzlich wurde bekannt , dass sich darunter auch Relikte eines alten Palasttores befinden , die nun in das Pergamon-Museum intregiert werden sollen .

Vorerst darf sich Köln glücklich schätzen , einen Teil der wieder gefundenen Schätze zu präsentieren : Im „Rautenstrauch-Joest-Museum“ für Völkerkunde (RJM) wird die ambitionierte Schau „Faszination Orient , Max von Oppenheim“ gezeigt . Im Mittelpunkt dieser stimmungsvollen Inszenierung , die angesichts der jüngst mancherorts erfolgten Stigmatisierung des Islam zur rechten Zeit kommt , stehen Oppenheims Sammlungen islamischer Kunst und Ethnologie , die bereits seit 1990 vom RJM verwahrt werden .
Von Oppenheim , der fließend arabisch sprach und als deutscher Diplomat in Kairo wirkte , hatte die islamische Kultur stets bewundert . Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges lebte er in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens und erforschte die Beduinen-Stämme Nordafrikas , über die er ein ethnologisches Standartwerk schrieb . Seinen Entschluss , Orient-Forscher zu werden , soll er übrigens gefasst haben , nachdem ihm als Sekundaner eine vierbändige illustrierte Ausgabe von „1001 Nacht“ zu Weihnachten geschenkt worden war .

Mit der Wiederauffindung wichtiger teile seiner Sammlung erfüllt sich eine Hoffnung , die von Oppenheim im Januar 1946 hegte : „Glücklicher Weise waren viele Gegenstände der Realien-Sammlung geborgen worden und die großartigen zum Teil riesengroßen Stein-Skulpturen des Tell-Hafaf-Museums sind nur durch den Brand zerplatzt und werden so Gott will demnächst wieder zusammengesetzt werden können , nachdem sie vor 3 000 Jahren........
Zum ersten Mal bei dem Brand der Burg auf dem Tell Halaf zerstört worden waren“ .
Nachlesen kann man diese Zeilen in einem im Auftrag der „Max von Oppenheim Stiftung“ beim DuMont Buchverlag erschienenen Band , worin Wissenschaftler Leben und werk des Forschers rekonstruieren .

Zusammen mit Wilhelm Joest , einem Kölner Unternehmers-Sohn , der später einer der Namensgeber des RJM werden sollte , trat von Oppenheim im September 1892 seine dritte Orientreise an . Sie stellte entscheident die Weichen für sein weiteres Leben . Als ihm sein Arabisch-Lehrer in Kairo vorschlug , sein Quatier im vornehmsten Hotel am Platz gegen einen eigenen Hausstand im ägyptischen Viertel einzutauschen , war von Oppenheim begeistert .Er mietete sich ein kleines Haus in der Krokodilgasse , wo er Land und Leute besser studieren konnte : Ich lebe absolut auf arabische Art , um auf diese Weise junge noch nicht europäisierte Eingeborene oft um mich zu sehen , mit denen arabisch geradebrecht wird.
Damals entfaltete sich seine Bewunderung für die Menschen und die Kultur des Orients . Vor allem wollte er „in den Geist des Islam“ eindringen , wie er es später einmal beschrieb .

In den 20er Jahren richtete der Forscher seine Berliner Wohnung im orientalischen Geschmack ein - mit chinesischen Porzellanen , seldschukischen , mamelukischen und osmanischen Metall-Arbeiten , Schreib-Geräten , wissenschaftlichen Mess-Instromenten , Büchern , Musik-Instrumenten , prächtigen Gewändern und Textilien .
Einige davon sind jetzt ebenso in der Kölner Schau zu sehen - und zwar zumeist vor wandgroßen zeitgenössischen Fotografien der Oppenheimschen Wohnung - wie der repräsantive Empfangs-Raum eines reichen Kaufmanns aus Kayseri , in dem die Besucher nach traditioneller orientalischer Sitte mit Tee und türkischem Mokka bewirtet werden . Die Vertäfelung des Raumes konnte das RJM mit Unterstützung des Landes NRW erwerben und mit Hilfe vieler Stiftungen teilweise restaurieren .



Der Besuch der Ausstellung ist ein wunderbares Erlebnis , wenn man sich für den Orient interessiert . Mit dem „Ausstellungs-Begleiter“ ist man bestens ausgerüstet , wenn man irgendwas wissen will , es wird alles sehr ausführlich behandelt . Man ist richtig fasziniert von den ausgestellten Stücken , kann die komplette Ausstellung nur empfehlen und viel Spaß dabei wünschen !


Daten und Fakten zur Ausstellung im Völkerkunde-Museum :

Die Ausstellung :
„Max von Oppenheim - Faszination Orient“
ist im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum ,
am Überring 45 zu sehen .
Geöffnet ist sie :
Dienstags bis Freitags von 10,00 bis 16,00 Uhr ,
Samstag + Sonntag von 11,00 bis 16,00 Uhr .
An Wochenenden werden orientalische Köstlichkeiten angeboten .
Diese Ausstellungs-Dauer ist noch bis zum 29. Dezember 2002 .

Der Eintritt :
In die ständige Sammlung kostet 5 ,-DM ,
in die Sonder-Ausstellung kostet 8 ,-DM ,
ein Kombiticket kostet 10 ,-DM ,
ein Ausstellungs-Begleiter kostet 12,71 ,-DM
(der ist sehr zu empfehlen , es ist alles sehr gut erklärt) .

Das Buch zu Schau :
„Faszination Orient . Max von Oppenheim :
Forscher – Sammler – Diplomat“ ,
von Gabriele Teichmann und Gisela Völger ,
vom DuMont Buchverlag ,
mit 432 Seiten herausgegeben ,
zum Preis von 78 ,-DM .
Amazon.de
Niedrige Preise, Riesen-Auswahl und kostenlose Lieferung ab nur 20 EUR
Home > Reisen > Europa Reisen > Deutschland > Nordrhein-Westfalen > Köln > Rautenstrauch-Joest Museum > Testbericht