Bis vor einiger Zeit, so in den Achtzigern, wurden Kurzgeschichten und Anthologien noch in riesiger Zahlvon großen Verlagen angeboten, inzwischen hat sich das geändert. Kurzgeschichten sind ein Markt für kleinere Verlage geworden. So ganz verstehe ich das nicht, denn ich lese extrem gern Kurzgeschichten und in meinem Freundeskreis ist das nicht anders. Wie auch immer, Hauptsache, ich bekomme überhaupt noch welche, wie zuletzt dieses "Geist der Venus" von Wolfgang A. Gogolin aus einem kleinen norddeutschen Verlag (Mohland).
Auszug aus dem Klappentext: " ... natürlich geht es nur vordergründig um die optimale Zusammenstellung von Mahlzeiten aus fester und flüssiger Nahrung. Spannender und nicht minder außerordentlich sind die verschiedenen Anlässe, zu denen Gogolin auftischt und die zwischenmenschlichen Verquickungen, innerhalb derer der Autor seine Figuren Tisch, Bett, aber manchmal auch nur die Fantasie teilen lässt. Am Ende serviert der Autor ein nahezu vollständiges „Menü des Lebens“ zwischen Zeugung und Tod – mal schnoddrig und kauzig, mal liebe- und verständnisvoll porträtiert er seine Figuren und beobachtet mit einer schönen Würze aus Ernsthaftigkeit, Demut und Augenzwinkern die mannigfaltigen Facetten unserer Gefühlswelten."
Eine Leseprobe habe ich leider im Netz nirgends gefunden.
Wie üblich bei solchen Sammlungen gefallen einem manche Geschichten besser, manche weniger. Die meisten sind ziemliche Granaten, was an Gogolins packendem Schreibstil und auch an seiner Beobachtungsgabe liegt. Es geht eigentlich fast immer um ganz kleine Begebenheiten, wie sie uns allen im Alltag passieren, ohne dass wir ihnen groß Beachtung schenken. In diesen Geschichten wird aber immer etwas Besonderes und Ungewöhnliches daraus. Das gilt für die entscheidenden Minuten des Jaworts vorm Standesbeamten ebenso wie für Verkostung einer Weinrarität aus dem Jahr 1945 in vor unerfüllter Liebe vibrierender Atmosphäre. Was ich echt gut finde, ist die Sache mit den Happyends. Wenn es sie gibt, ist ja sowieso alles in Butter. Aber auch in den Geschichten ohne glückliches Ende ist schließlich trotzdem alles in Butter, jedenfalls ist alles in Ordnung und man fühlt sich als Leser nicht runtergezogen mies. Eben ganz im Sinn vom Geist der Venus, dem Liebesstern.
Wolfgang A. Gogolin / Geist der Venus Mohland-Verlag ISBN: 9783866751170 93 Seiten € 8,40
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