Eberhard Esche (1993 – 2006) war ein deutscher Film- und Theaterschauspieler, der nach seinem Studium an der Theaterhochschule in Leipzig (1952-55) über Umwege zum Deutschen Theater Berlin kam und dort mit Unterbrechungen von 1961-1999 zum Ensemble gehörte. Seine wunderbare Stimme machte ihn zu einem beliebten Rezitator und Sprecher. Mit seinen Ein-Mann-Stücken wie Reineke Fuchs, Der Hase im Rausch oder Deutschland. Ein Wintermärchen feierte er zum Teil 20 und 30-jähriges Bühnenjubiläum. Das letztgenannte Stück, um das es hier auch gehen soll, begeisterte mehr als 150.000 Zuschauer.
Deutschland. Ein Wintermärchen – Heinrich Heine
Deutschland. Ein Wintermärchen ist ein Versepos von 1844 aus der Feder von Heinrich Heine. Dieser hatte im Jahr vor der Erstveröffentlichung sein Heimatland bereist und diese Reise als Grundlage für sein Werk genommen. In dem aus 27 Caputen bestehenden Buchs nimmt Heine (1797-1856) das zur damaligen Zeit einsetzende nationale Denken, das Preußentum und frankophobe Neigungen seiner Landsmänner ironisch aufs Korn und entwaffnet die Symbole des beginnenden Nationalismus (Lorelei, Barbarossa, der Rhein, Hermann der Cherusker etc.) dadurch, dass er sie ad absurdum führt. Deutschland. Ein Wintermärchen ist damit zur Literatur des Vormärz zuzurechnen. Bereits kurz nach Erscheinen des Buchs wurde es 1944 in Preußen beschlagnahmt und verboten. Im selben Jahr hatte der in Paris im Exil lebende Schriftsteller Deutschland noch einmal bereist, um seinen Verleger in Hamburg in Sachen Wintermärchen zu treffen. Dies war das letzte Mal sein, dass Heine sein Vaterland betreten sollte.
Eberhard Esche – Deutschland. Ein Wintermärchen
Auf der CD ist ein Mitschnitt einer Aufführung des Wintermärchens durch Esche zu hören. Esche, der mit seinem Vortrag jede Pointe und Spitze des Werkes von Heine herauskitzelt, beeindruckt hier nachhaltig. Nicht nur die Hingabe mit welcher er das gesamte Buch auswendig (!) rezitiert, sondern auch sein Umgang mit dem Publikum, wenn Zuspät-Kommer eintrudeln, zeugen von seiner Genialität. Die Liebe zu Heines Werk ist in jedem Wort zu spüren und Esche schafft es tatsächlich, Interesse für das gesamte Werk Heines zu wecken. Hier treffen zwei Genies aufeinander: der eine liefert begnadete Texte, während der andere diese auf überragende Weise dem Publikum vorträgt. Da das Wintermärchen sehr komplex ist und voller Anspielungen steckt, ist es für den Otto-Normal-Verbraucher immer schwerer zu verstehen und genau hier kommt Esche ins Spiel. Durch seinen Lebhaften Vortrag und sein genaues Verständnis der Hein‘schen Ironie, lenkt er das Publikum, das aus einem 150 Jahre älterem Deutschland kommt, auf den richtigen Pfad.
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