Babel (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
..und am achten Tage erschuf der Mensch das Gewehr.
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
===Babel=== muss man sicherlich erstmal Lust haben, um sich tatsächlich in diesen einfinden zu können. Zum einen sind da die umfangreichen Untertitel, denen man zum Großteil ausgeliefert ist ~ zum anderen offenbart sich recht spät, was die einzelnen Geschichten (die überdies jeweils in einem anderen Land spielen) miteinander verbindet. Hinzu kommt überdies, dass der Erzählstrang nicht chronologisch ist ~ während der Anruf von Richard (Brad Pitt) bei seiner Haushälterin Amelia (Ariana Barraza) in einer der ersten Szenen erfolgt, findet eben dieser eigentlich in einer der letzten statt. Im Grunde ist dies nicht einmal sonderlich wichtig, trägt jedoch erneut zu einer gewissen Verwirrung seitens des willigen Zuschauers bei.
Vier tragische Schicksale finden in „Babel“ ihren Platz ~ Dreh- und Angelpunkt ist hierbei jedoch irgendwie stetig Richards Frau Susan (Cate Blanchett), die durch die Fensterscheibe eines Reisebusses hindurch angeschossen wird. Das nächste Krankenhaus liegt in weiter Ferne, und so macht die Gruppe Halt in Tazarine um Susan zumindest vorerst medizinisch zu versorgen. Offen gestanden hatte ich an dieser Stelle Verständnisprobleme; eben weil mir persönlich nicht klar ist, warum man zum einem die US-amerikanische Botschaft kontaktiert und zum anderen, warum die restlichen Businsassen ebenfalls warten sollten, bis der Krankenwagen eingetroffen ist. Wäre es nicht logisch, dass Richard ohnehin seine Frau begleiten würde? Worauf sollte der Bus dann warten? Wie dem aber auch sei; Fakt ist, dass die Botschaft unmittelbar einen terroristischen Anschlag vermutet ~ nicht ahnen könnend, dass für den fast tödlichen Schuss lediglich zwei marrokanische Brüder, Yussuf (Boubker Ait El Caid) und Ahmed (Said Tarchani) die mit dem neuen Gewehr ihres Vaters herum-experimentierten, verantwortlich sind.
Der zweite Handlungsstrang bezieht sich somit konsequenterweise auf die Kinder, deren Vater, Familie und Umgebung. Die Art, wie dortig gegen vermeintliche Straftäter vorgegangen wird, wirkt sich noch einmal in völlig anderer Art und Weise beklemmend auf den Zuschauer aus.
Währenddessen sucht die Haushälterin Amelia in San Diego eine Lösung für ihr eigenes Problem ~ ihr Sohn heiratet, doch Richard gibt sich am Telefon verschlossen und weist sie an, weiterhin durchgehend für die Kinder da zu sein. Über kurz oder lang beschließt Amelia somit, die Kinder mit nach Mexiko zu nehmen, was anfänglich auch ohne Probleme von statten geht. Zwar erscheint der Neffe Santiago (Gael Garcia Barnel) vom ersten Augenblick an nicht gerade vertrauenserweckend oder „nur“ sympathisch, doch mit der abschließenden Szenerie Marke „gut, ich bin betrunken, aber ich kann _wirklich noch fahren!“ rechnete ich dann eher nicht.
Fast bis zum letzten Drittel des Filmes bleibt unklar, welche Rolle die junge gehörlose Chieko (Rinko Kikuchi), überdies in Tokio, im großen Zusammenhang spielen sollte. Jene kämpft Tag für Tag mit einer gewissen Ausgrenzung, gibt sich gleichzeitig überaus selbstbewusst und provokant um andere und sich selbst über ihren innerlichen Schmerz hinwegzutäuschen.
~ An für sich möchte und werde somit nichts weiteres über das filmische Geschehen offenbaren, eben weil „Babel“ meiner Meinung nach lediglich derartig zu fesseln vermag, wie es für mich der Fall war, wenn man sich vorab so wenig wie möglich mit dem Inhalt auseinandersetzt.
Meine eigene Befürchtung, dass sich aufgrund der Laufzeit von über zwei Stunden schon zwangsweise eine Langatmigkeit bemerkbar machen würde, wurde '''nicht''' erfüllt ~ stattdessen liefert „Babel“ ein Melancholie-gefärbtes Emotions- Pottpori Potpouri, welches die Aufmerksamkeit vorrangig auf die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit der Menschen, wie sie in unterschiedlichen psychologischen Ausnahmesituation zum Vorschein kommen.
„Babel“ umfasst im Grunde einen Zeitraum von 5 Tagen; ein Umstand, der mich nach wie vor irgendwie beschäftigt, eben weil dies während des Filmguckens so undurchsichtig, nicht allerdings unglaubwürdig erscheint. Fakt ist, dass „Babel“ durchaus beweist, wie vermeintliche Kleinigkeiten einen Zusammenhang über Kontinente hinweg erschaffen, ohne den Ausdruck „Butterfly effect“ auch nur im Ansatz auszureizen. Besonders hervorzuheben hier der Umstand, dass noch so unterschiedliche Kulturen im Ausdruck ihres Schmerzes, ihrer seelischen Pein gleich sind... ein schwacher Trost, für wahr, aber dennoch durchaus nicht von der Hand zu weisen oder gar uninteressant.
„Babel“ involviert diverse Thematiken; Heirat, Tod, Tradition, (vermeintlicher) Terrorismus, Vorurteile, falsche Schlussfolgerungen (Abitte), Ende der Unschuld, Ausgrenzung, Eingrenzung, Abgrenzung... all jenes und irgendwie doch noch viel mehr findet hier seinen Platz.
Mir persönlich hat „Babel“ aller zuvor vernommenen Unkenrufe zum Trotze sehr zugesagt, wenngleich hiermit sicherlich ein weiterer Film entstanden ist, der man sich maximal einmal im Halbjahr ansehen mag. Die Unruhe, die harten Szeneriewechsel und die überorts gastierende Verzweiflung ist es, die man sich sicherlich nicht für einen behaglich-kuscheligen Fernsehabend wünscht. Nichtsdestoweniger betrachte ich „Babel“ als einen durchaus wichtigen Film, ein wahres Meisterstück an Darbietung menschlicher Verzweiflung und gewisser Hoffnungslosigkeit.
'''Der DVD-Rückentext''' darf und sollte mal wieder gekonnt ignoriert werden; zwar stellt er nicht völlig falsche Geschehnisse in den Raum, sondern übertreibt lediglich schamlos und führt die potentiellen Interessenten in eine absolut falsche Richtung... doch ein gewisses Ärgernis bleibt unzweifelbar erhalten.
'''Bonusmaterial''' gibt es auf der DVD '''keines''', lediglich ein paar '''Filmtrailer''' fanden ihren Platz; womit die meinige Schlussfolgerung, dass je mehr Interesse man an weiteren Informationen rund um die Entstehung haben könnte, desto weniger Material tatsächlich auf der DVD selbst veröffentlicht wird, bewiesen wäre.
Durch weitere Quellen erfährt man immerhin mitunter, dass dem mexikanischen Regisseur Alejandro González Iñárritu es nach eigener Aussage wichtig war, aufzuzeigen, wie wenig die Menschen oftmals noch in der Lage sind, zuzuhören, zu verstehen oder gar lediglich verstehen zu _wollen. Der Titel lehnt sich – natürlich – an den biblischen Turmbau an; in der alles zusammenbricht und die Menschen noch mehr voneinander entfernt, als es ohnehin schon viel zu oft der Fall ist.
Der Aussage einer Kritik, dass „Babel“ neuen Mut verleiht, würde ich selbst allerdings nur arg bedingt zustimmen ~ vielmehr endet der Film noch bedrückender, als er ohnehin schon ist. Kein Happy end also, nein nein.... lediglich die Hoffnung auf neue Hoffnung, irgendwo, irgendwann, bleibt zurück.
40 Bewertungen, 10 Kommentare
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14.10.2010, 02:18 Uhr von MasterSirTobi
Bewertung: sehr hilfreichSchön Schöner Sehr Hilfreich
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13.10.2010, 01:07 Uhr von Gemini_
Bewertung: sehr hilfreichVielen lieben Gruß von Gemini_!
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11.10.2010, 23:01 Uhr von Miraculix1967
Bewertung: sehr hilfreichFreue mich über eine Gegenlesung! LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967:-)
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11.10.2010, 19:22 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreicheinen guten wochenstart wünsch ich dir. lg. petra
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11.10.2010, 16:59 Uhr von Powerdiddl
Bewertung: besonders wertvollHach, ich hab noch ein BW für dich, lg
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11.10.2010, 16:13 Uhr von wauziiii
Bewertung: sehr hilfreichLG Wauziiiiiiiiiiii
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11.10.2010, 15:13 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreichund einen guten wochenstart
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11.10.2010, 15:08 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLG, kids123
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11.10.2010, 14:57 Uhr von Lanch999
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht! LG von Lanch999
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11.10.2010, 14:30 Uhr von goat
Bewertung: besonders wertvollKlingt ganz interessant. Allerdings würde mich die Untertitel nerven, wenn es zuviel werden.
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