Dienstags bei Morrie (Taschenbuch) / Albom Mitch Testbericht

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Erfahrungsbericht von LilithIbi

„Wenn du im Bett bleibst, bist du tot.“

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„ALS ist wie eine brennende Kerze: Sie schmilzt die Nerven weg und lässt den Körper als einen Haufen Wachs zurück. Häufig beginnt die Krankheit an den Beinen und breitet sich dann nach oben aus. Man verliert die Kontrolle über die Oberschenkelmuskeln, so dass man sich nicht länger aufrecht halten kann. Man verliert die Kontrolle über die Rumpfmuskeln, so dass man nicht mehr gerade sitzen kann. Am Ende atmet man durch eine Röhre in einem Loch im Hals, während die Seele, hellwach, in einer schlaffen Hülle gefangen ist. (…) Morries Ärzte vermuteten, dass er noch zwei Jahre zu leben hätte. Morrie wusste, dass es weniger war. Aber mein alter Professor hatte eine tiefgreifende Entscheidung getroffen (….) Studier mich, wie ich langsam und geduldig sterbe. Beobachte, was mit mir geschieht. Lern mit mir.“
_(vgl. S. 20 – 21)_

~ Obschon ich persönlich von Mitch Albom's Bücher „Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen“ sowie „Nur einen Tag noch“ absolut angetan war, ging die Existenz des Romans

===“Dienstags bei Morrie“=== bis vor einigen Wochen förmlich an mir vorbei. Kaum jedoch in meinen Besitztum gelangt, fesselten mich die insgesamt 218 Seiten so sehr, dass ich es nur selten schaffte, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen, wobei eben jene Pausen hier und dort gleichermaßen nötig waren, um das Gelesene erst einmal sacken zu lassen.

Wie auch in den beiden erstgelesenen Büchern schafft der Autor es, den Leser regelrecht zum sinnierenden Nachdenken zu zwingen, wählte erneut eine Geschichte aus, die den Tod zum zentralen Ausgangspunkt erkor.
Die Handlung an sich ist hierbei schnell zusammengefasst:

Durch ein TV-Interview wird Autor und zugleich Ich-Erzähler Mitch Albom auf seinen ehemaligen Uni-Proffessor aufmerksam, dem er seinerzeit die freundschalftliche Treue geschworen hatte. Wie so oft im Leben hingegen verlief sich der Kontakt, vermeintlich wichtigeres trat ins Leben ~ doch kaum, dass er von Morrie Schwartz Erkrankung hörte, macht sich Mitch auf, seinen ehemaligen „Coach“ zu besuchen. Jene Besuche wiederholen sich jeden Dienstag, brillieren voller tiefgründiger Gespräche und enden erst mit dem unvermeidlichen Tod Morries.
Statt mit seiner Erkrankung zu hadern, versteht Morrie es, das vermeintlich Beste aus seiner Situation zu machen, will etwas hinterlassen, von dem andere noch zehren können. Mitch nimmt somit stetig ein Tonbandgerät mit zu seinen Besuchen, während er gleichzeitig vermutet,
„Tonbänder sind, so wie Fotos und Videofilme, ein verzweifelter Versuch, dem Tod ein paar Erinnerungsstücke aus seinem Koffer zu stehlen“.
_(Zitat, S. 78)

Poetische Umschreibungen, diverse Erkenntnisse wie auch persönliche Ansichten kommen in dem Roman keinesfalls zu knapp, sorgen vereinzelt vielmehr dafür, dass sich das Buch umfangreicher anfühlt als es eigentlich ist. Naturgemäß wird kaum ein Leser mit sämtlichen kritischen Äußerungen Morries konform gehen, beispielsweise bin ich persönlich mit dem nachfolgenden nicht vollkommen oder gar absolut einverstanden:

„Wo immer ich in meinem Leben hinging traf ich Menschen, die sich etwas Neues kaufen wollten. Ein neues Auto. Ein neues Haus. Das neueste Spielzeug. Und dann wollten sie dir alle davon erzählen. 'Ratet mal, was ich gekauft habe.' Weißt du, wie ich das immer interpretiert habe? Dies waren Menschen, die so sehr nach Liebe hungerten, dass sie einen billigen Ersatz akzeptierten. Sie klammerten sich an materielle Dinge und erwarteten von ihnen sozusagen eine liebevolle Umarmung. Aber es funktioniert nie.“
(Zitat, S. 144)

Unabstreitbar, dass es mir hin und wieder ebenfalls so ergeht, dass ich mir eine Art „Trostgeschenk“ kaufe... Dinge bestelle, die im Grunde kurz nach Erhalt ihren Reiz verlieren. Die Aussage hingegen, dass der These des „billigen Ersatzes“ immer so ist, würde ich dennoch widersprechen. Vereinzelt „hilft“ eben doch eine Selbstbelohnung; ein Kauf, um sich und seine verletzte Seele ein wenig zu päppeln.
Doch um die absolute Einigkeit mit dem, was sich in „Dienstags bei Morrie“_ ansiedelt, geht es schlussendlich auch gar nicht. Vielmehr liegt der von mir vermutete Schwerpunkt darauf, den Leser anzustupsen, überhaupt einmal über das ein oder andere nachzudenken; das Leben selbst womöglich von einer anderen Sichtweise her zu betrachten.
Die Sprachwahl gestaltet sich hierbei an keiner Stelle belehrend oder gar staubtrocken, vielmehr geht von dem Buch eine Vertrautheit aus, die es möglich macht, sich immer wieder über den Zeilen zu verlieren, manche Passage wiederholt zu lesen und neuerlich zu (be)greifen.
Durch einzelne Rückblenden formt sich ein rundes Bild über Schüler und Lehrer, über die Menschheit und deren manchesmal fragwürdigen Eigenarten an sich ~ anspruchsvoll ist das Taschenbuch somit zweifellos.

~ Mir persönlich fällt es bereits an dieser Stelle schwer, den Roman in würdevollen, angemessenen Worte zu beschreiben. Tatsächlich klingt „Dienstags bei Morrie“_ nach nicht wirklich viel, überzeugt in seiner Beständigkeit jedoch umso intensiver und besonderer. Zusammenfassen oder gar nacherzählen lässt sich das Gelesene für mich nicht ohne das man hier „Gefahr“ lief, die bestechende Schlichtheit wie Raffinesse der Aussagekraft kaputtzureden.

===Summa summarum=== wird die meinige Wiedergabe des erfahrenen Leseeindrucks dem Gesamtwerk nicht mal ansatzweise gerecht werden können oder gar nur besonders aufschlussreich erscheinen.
Fakt ist, dass man _“Dienstags bei Morrie“ vermutlich ohnehin selbst lesen muss ~ es nützt nichts, zig Textbeispiele zu benennen, die mich allesamt beeindruckt haben, Mitch Albom's Bücher sind und bleiben für mich selbst kaum beschreibbar.

Die Emotionalität ist ob der Umstände stellenweise bedrückend, hier und dort finden sich verfasserische Untertöne, die das Gesamtwerk auflockern und den ein oder anderen liebevollen Schmunzler erlauben.

Ohne weitere unpassende Worte zu machen, die der wesentlichen teil-buddhistischen Genialität des Romanes nicht einmal im Ansatz gerecht werden können, hinterlasse ich an dieser Stelle lediglich die vollstmöglichste Besternung sowie eine Empfehlung für all jene, die sich vor förmlich zerwühlenden Büchern nicht scheuen.

33 Bewertungen, 8 Kommentare

  • senora

    19.06.2011, 10:07 Uhr von senora
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen Lieben Sonntagsgruß aus dem grauen Hamburg. Bärbel

  • Vojvodinac

    18.06.2011, 18:31 Uhr von Vojvodinac
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich würde mich über eine Gegenlesung freuen mfg aus wien ;-)

  • campino

    18.06.2011, 14:05 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    :-:-: LG Andrea :-:-:

  • PatMcNamara

    18.06.2011, 14:00 Uhr von PatMcNamara
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! Wünsche Dir ein schönes Wochenende!

  • Luna2010

    18.06.2011, 13:12 Uhr von Luna2010
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche ein wundervolles Wochenende! LG, LUNA2010

  • morla

    18.06.2011, 12:13 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönes wochenende lg. petra

  • sigrid9979

    18.06.2011, 11:40 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche dir ein cooles Wochenende....

  • Lale

    18.06.2011, 11:29 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *+*