heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das etwas in mir hinterlassen hat, das man ganz pauschal Sehnsucht nennen könnte. Sehnsucht nach allem, was dieser Autor in sechs Wochen erlebt, erlernt und erfahren hat. Zum Glück muss diese Sehnsucht aber nicht komplett ungestillt bleiben, denn Herbert Hirschler hat die Eindrücke einer ganz besonderen Reise in dem Buch
verarb eitet und lässt den Leser in dem Glauben, selbst dabei gewesen zu sein. Ja, aber wo jetzt dabei gewesen zu sein? Was ist denn das Besondere? Würde es in jedem diese Sehnsucht auslösen? Tja, das könnt ihr euch wohl nur selbst beantworten, wenn ihr diesem Reiseerlebnisbericht über „ den anderen Jakobsweg über die Ruta del Norte“ eine Chance gebt, euch in die Welt des Pilgerns zu entführen.
Der Pilgerweg, der zum mutmaßlichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela (eine bekannte Stadt im spanischen Galicien) führt, wird als Jakobsweg bezeichnet. In erster Linie wird der Jakobsweg mit dem Camino Francés in Verbindung gebracht, der bekannte spanische Königsstädte wie Pamplona oder León miteinander verbindet.
Doch der Camino Francés ist nicht der einzige, wenn auch durch die Aufnahme in das UNESCO Welterbe der wohl bedeutendere, Weg, der nach Santiago führt. Da gibt es unter anderem eben noch die Ruta del Norte, über die im Klapptext des Buches folgendes zu lesen ist: „Die Ruta del Norte gilt als die schönste, aber auch als eine der schweißtreibendsten Varianten des Jakobsweges. Nur an die 7 % aller Pilger wählen diese außergewöhnliche Alternative entlang der spanischen Biskaya-Küste nach Santiago. Während jedoch der "normale" Weg, der Camino Francés, mittlerweile meist völlig "überlaufen" ist, findet man am Küstenweg immer noch die Möglichkeit, völlig alleine durch eine unberührte Natur zu wandern.“
Neben Jerusalem und Rom ist Santiago de Compostela das dritte Ziel eines Christen auf Pilgerfahrt.
Zu einem Pilger am Jakobsweg gehören neben Blasen und Rückenschmerzen vor allem das Nächtigen in einer der vielen Herbergen, das Folgen der gelben Jakobsmuschel auf dem Weg und die vielen Stempel im Pilgerpass, um als Abschluss eine offizielle „Compostela“ als Beweis der Pilgerschaft zu erhalten.
Auch bei uns in Österreich gibt es die Möglichkeit, auf dem Jakobsweg zu wandern, etwa dem Jakobsweg Göttweig-Melk, dem Jakobsweg Weinviertel und weitere Wege in Salzburg und Oberösterreich. Eines dieser Symbole habe ich heuer auf dem Parkplatz entdeckt, der zur NÖ Landesausstellung in Petronell-Carnuntum, gehört. Also bin selbst ich heuer schon ein paar Meter auf dem Jakobsweg unterwegs gewesen.
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****INHALT****
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Das Buch „Himmel, Herrgott, Meer, Musik“ bietet dem Leser auf den ersten Blick eine Wegbeschreibung durch jemanden, dessen Namen man höchstwahrscheinlich noch nicht gehört hat - außer man ist Experte des Volksmusik- und Schlagerbusiness oder hat schon einmal in der Wohngegend des Autors verzweifelt um Hilfe bei Computerproblemen gerufen. Aber gerade die Tatsache, dass der Name „Herbert Hirschler“ nicht geläufig ist, macht den Autor identifizierbar. Wenn so einer das kann, einer, der das Wandern wohl nicht erfunden und durchaus das eine oder andere überschüssige Kilo auf den Rippen hat, setzt sich ein Ziel, das lebensverändernd ist - und erreicht dieses auch.
Wie er es schafft, das wird in diesem Buch ganz genau beschrieben. So finden wir Routenbeschreibungen ebenso wie kleine Tipps und Tricks auf der Pilgerschaft. Wir hören von Orten, über die wir uns vorher noch nie Gedanken gemacht haben und Möglichkeiten, sich bemerkbar zu machen. Aber obwohl die praktischen Tipps bestimmt hilfreich sind bei jeder Pilgerschaft, bilden sie dennoch nur die Rahmenbedingungen für den eigentlichen Inhalt, nämlich die Emotionen und Gedanken des Pilgers. Der Autor bietet uns einen Einblick in seine ganz persönliche Gefühlswelt. Während er an der Küste entlang marschiert erzählt er uns so menschennah wie möglich von den ersten Eindrücken, den heimlichen Sehnsüchten, den zwischenmenschlichen Beziehungen und vor allem von den Emotionsdurchbrüchen, die er nicht verhindern konnte. Durch seine offene und ehrliche Art und Weise des Schreibens gibt er einen Blick auf den Menschen hinter dem Pilger frei. Wir lernen den Familienmenschen, den Liedtexter, den Computerexperten, den Tierliebhaber und den Mann kennen und entdecken immer neue Facetten von diesem.
Das Buch beschreibt eine Reise, die nicht erst im französischen Hendaye beginnt, sondern Jahre zuvor in einem unbekannten Ort in Niederösterreich, wo der Wunsch geweckt wurde, einmal doch den Jakobsweg zu gehen. Wir begleiten den Autor auf seinem Weg durch Spanien, leiden mit ihm, wenn seine Füße schmerzen, fühlen mit ihm, wenn das Heimweh überhand nimmt, freuen uns mit ihm, wenn wieder eine Etappe geschafft wurde und lachen mit ihm und zugegebenermaßen auch über ihn, wenn etwas nicht ganz so läuft, wie er das gerne hätte.
Neben dem Reisebericht erfahren wir auch einiges über die liebste Nebenbeschäftigung des Autors, nämlich Liedtexte für Schlager- und Volksmusiksänger zu verfassen. Über 600 Titel, mal mehr, mal weniger erfolgreich, stammen aus seiner Feder, der bekanntere ist wohl „Das Leben“ von Pfarrer Franz Brei. In kursiver Schrift nimmt uns der Autor mit auf seine Reise, die von den anfänglichen Schwierigkeiten in dem Business genauso leidenschaftlich erzählt wie von den darauffolgenden Highlights. Wie zum Beweis, dass seine Schilderungen in dem Bereich Hand und Fuß haben, lässt er hier Stars wie Marianne und Michael, Markus Wolfahrt oder Fritz Willingshofer über deren Einstellung zum Pilgern berichten. Während Marianne und Michael über ihren „Weg über Berge und Täler“ des Lebens berichten, verrät Fritz Willingshofer sein ganz persönliches Rezept um Ruhe zu finden und loslassen zu können. Melanie Oesch bezeichnet diesen Weg, den sie selbst noch nie gegangen ist als „eine außergewöhnliche Erfahrung, die man ein Leben lang im Herzen trägt“ und Pfarrer Franz Brei meint, dass ein Pilger am Jakobsweg „trotz des Leidens eine innere Befreiung und einen tiefen Frieden“ verspürt.
Während wir mit Hirschler unterwegs sind, erleben wir aber auch, wie sich jemand, für den wohl ein Platz im immer größer werdenden Burn-Out-Zirkel bereits reserviert war, auf die wesentlichen Dinge im Leben konzentriert. Dankbarkeit, Demut und Freundschaft bekommen eine andere Bedeutung und das alles, während wir das Schlafen in Stahlrohrstockbetten, das Duschen vor einem ganzen Ort und das Essen bei Ernesto in Güemes nachempfinden.
Wir machen Bekanntschaft mit Unterkieferakrobaten, Terrorschnarchern und tapsigen Hunden, erkennen, wie völkerverbindend ein kaltes Bier sein kann und dass hinter jeder Begegnung auf diesem Weg eine ganz persönliche, interessante und oft auch aufwühlende Geschichte steht. Die Einzigartigkeit des Individuums wird hervorgehoben und obwohl der Autor alleine unterwegs ist, wird schnell klar, dass man auf diesem Weg alles andere als alleine ist.
Über Kathi kann wohl jeder denken, was er mag, aber weder Herberts Weg noch dieses Buch wären so interessant und voll von kleinen Spitzfindigkeiten gewesen, hätte es diese lustige Pilgerin aus Österreich nicht gegeben. Sie fordert den Autor mit vielen Kleinigkeiten heraus und immer wieder fragt man sich, wie das Verhältnis zwischen den beiden Peregrinos wohl wirklich war bzw. ist. Das scheint so ein „Es geht nicht mit aber auch nicht ohne“ Ding zu sein. Herbert freut sich, wenn er Kathi sieht, kann es aber nicht lassen, immer noch einen kleinen, subtilen Sarkasmuskommentar auf den Lippen zu haben - den er dann auch gerne mit uns teilt.
Da das Buch im Grunde einem Tagebuch entspricht, kann es durchaus vorkommen, dass sich einige Bemerkungen und Gedanken wiederholen. Gerade die Portion Kathi, die dem Leser hier geboten wird, ist am oberen Ende der Nervgrenze angesiedelt. Viel mehr hätte es dann wirklich nicht mehr sein müssen. Falls Kathi dieses Buch bereits gelesen hat, dann bin ich sicher, dass sie es Herbert Hirschler das eine oder andere Mal gerne über die „Rübe“ gezogen hätte.
**PAOLO**
Dieser Venezianer ist der erste Mitpilger, den der Autor auf der Busfahrt nach Hendaye kennenlernt. Obwohl die Wege der beiden sich bald darauf trennen bleibt das Ziel das gleiche und das Wiedersehen in Santiago ist wohl vorherbestimmt.
**TONY**
Einer der ersten Wegbegleiter war der Kenianer Tony, der derzeit sein Leben aus Liebe zu seiner Frau im tristen London fristet. Allerdings schaffte er es bereits ziemlich zu Beginn einer Strecke nicht, mit Hirschler Schritt zu halten und musste sein Nachtlager in einem anderen Ort aufschlagen. Leider konnte er seine Pilgerbekanntschaft den gesamten Weg über nicht mehr einholen.
Wir lernen Ramón kennen, dessen Sprache einfach „Kauderwelsch“ ist, Karol, der in Australien als Winzer tätig ist, Günter, der wohl einen Ohrenarzt braucht, Kasim, der mit gehörlosen Kindern arbeitet, und viele weitere interessante Persönlichkeiten, doch vor allem einer war immer mit von der Partie, einer, der Herbert vom Start bis zum Ziel uneingeschränkt begleitet hat, nämlich
**GOTT**
Der Autor stellt von Beginn an klar, dass er gläubiger Christ ist. Er lässt uns einerseits an seinen christlich-politischen Weltanschauungen (Das Kreuz hat in der Klasse zu bleiben.) teilhaben, andererseits - und das steht im Vordergrund - berichtet er von seinen ganz persönlichen Gefühlen zu Gott auf diesem Weg. Der Gedanke „Er wird es schon richten“ zieht sich durch das ganze Buch, das Gottvertrauen wird deutlich, die Hingabe allerdings erst gegen Ende der Reise spürbar. Vermutlich hat sie sich auch genau hier erst in dieser Dimension entwickelt.
Für mich ist ein Buch nur wirklich lesens- und empfehlenswert, wenn es etwas Lehrreiches enthält. Ich muss einerseits den Eindruck haben, dass ich danach Dinge weiß, die mir bis dahin verborgen blieben, andererseits aber auch menschlich und emotional etwas Neues erfahren haben.
Bei „Himmel, Herrgott, Meer, Musik“ kommt diese Wissensvermittlung sehr schnell zum Tragen. Wir lernen Spanien von einer ganz neuen Seite kennen. Wir erfahren, welche Städte welche Sehenswürdigkeiten beheimaten, welche Pilgerherberge durchaus empfehlenswert ist und um welche wir lieber von vornherein einen Bogen machen sollten und sogar ein wenig Spanischunterricht wird geboten. Bestimmt kennen wir jetzt genauso viele spanische Ausdrücke wie der Autor, dem es vor allem die „Cervezas“, also das spanische Bier, angetan haben.
Immer wieder wirft er aber auch Erklärungen zu bestimmten Themen ein, wir lernen etwa, wie der katalanische Architekt Antoni Gaudi zu Tode kam. Gut, ob wir jetzt wirklich dringend wissen müssen, dass er von einer Straßenbahn erfasst wurde, sei dahingestellt, aber diese Details, platziert an der richtigen Stelle, sind Wissensvermittlungen der kleinen, aber feinen Art. Wir lernen die Höhle von Altamire kennen und auch wenn die Beschreibungen hierzu nicht länger als fünf Sätze sind, reicht es, um einen kulturhistorischen Einblick zu erhaschen und überschwemmt den Leser nicht mit sinnlosen Informationen, die er sich ohnehin nicht merkt.
Interessanter ist dennoch das, was man zwischen den Zeilen lesen kann und damit leite ich meinen pädagogischen Teil ein.
**WIE SAGE ICH ES MEINEM KINDE?**
Hier ist sie also, eine Wegbegleiterin, die einem mit ihrem Gequatsche ziemlich auf die Nerven geht. Von Ruhe und Erholung ist keine Spur mehr, wenn Kathi das Wort ergreifen möchte - und laut Herbert Hirschler ist das ziemlich oft der Fall. Nun stellt sich die Frage: „Wie kann ich das einem Menschen sagen, ohne ihn zu verletzen?“ Dem Leser wird hier klar, dass es ein Prozess ist zu entscheiden, sage ich etwas oder sage ich etwas nicht und wenn ich etwas sage, welche Konsequenzen könnte das mit sich bringen. Auch wenn dies vom Autor im Buch nicht direkt in diesem Sinne angesprochen wurde, so ist es dennoch nachvollziehbar und erkennbar, dass man seinem Gegenüber seine Gefühle mitteilen muss - und wo geht das besser als auf dem Jakobsweg? Hirschler entscheidet sich bereits relativ früh, seiner Mitpilgerin zu sagen, dass sie doch sehr gerne redet, aber nach einer kurzen Phase des Beleidigt-Seins ist das Problem doch um einiges besser, wenn auch nicht völlig aufgelöst. Klar wird aber auch, dass der erste Eindruck, den die Frau beim Autor hinterlassen hat, unwiderrufbar ist: „Sie redet zu viel“.
**ICH KANN ALLES SCHAFFEN, WENN ICH WILL**
Das Buch ist neben einem einfachen Reisebericht vor allem eines, nämlich ein Motivationsschriftstück. Das beginnt bereits mit dem ersten Satz des Buches „Das schaffst du nie“. Hier wird sofort sichtbar, dass es eigentlich kein Zurück gibt. Wenn ich mich für etwas entscheide und der andere es einem nicht zutraut, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Erstens, ich glaube dem anderen und gebe mich mit meiner trostlosen Existenz zufrieden und der Tatsache, dass ich aufgebe, bevor ich noch angefangen habe, oder zweitens „Jetzt erst recht, dir werde ich’s zeigen“. Entschließe ich mich für Möglichkeit zwei, dann ist es klar, da muss ich durch, koste es was es wolle. Denn aufgeben würde bedeuten, sich eine Blöße zu geben, von der man sich nie wieder richtig erholt. Also hieß es für den Autor, sein Ziel zu erreichen, auch wenn damit schmerzende Knie, leidende Hüften und Sehnsucht nach Zuhause verbunden sind. Das Buch zeigt, dass man durchhalten kann, auch wenn der Körper einen täglich fragt: „Sag mal, spinnst du?“ Es gilt, sich einen Traum zu erfüllen, sich selbst zu beweisen, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur wirklich will. Dabei ist es vielleicht oft besser, man weiß im Vorfeld nicht genau, worauf man sich einlässt, denn vermutlich würde man sonst schon in der Vorbereitung den Kopf in den Sand stecken. Aber auf dem Weg heißt es, an sich selbst zu glauben, sich selbst zu vertrauen und mehr von einem zu fordern, als man das wohl je zuvor getan hat. Aus Erfahrung weiß ich, dass der Wille einem ans Ziel tragen kann, auch wenn jede Pore des Körpers „auweh“ schreit. Das Erreichen des Zieles ist in der Priorität so hoch angesiedelt, dass Hindernisse auf den Weg dorthin bloß zur Nebensache werden.
**PARTNERSCHAFTEN**
Der Autor gewährt uns einerseits tiefe Einblicke in sein Familienleben, andererseits in soziale Beziehungen, die während des Weges entstehen. Dieses Buch ist wohl auch ein Liebesbrief an seine Frau, die er selbst als seinen Lebensmenschen bezeichnet. Der Leser erfährt dadurch, dass es in dieser mannigfaltigen Welt, die von Patchworkfamilien nur so durchzogen ist, durchaus noch Ehen gibt, die über Jahrzehnte funktionieren, an der beide Partner wachsen und gemeinsam in die gleiche Richtung schauen anstatt sich gegenseitig immer nur in die Augen zu sehen. Er erzählt von Ritualen der Eltern, Schicksalsschlägen der Geschwister und Freizeitbeschäftigungen der Kinder.
Doch abgesehen von seinem sozialen Netz zu Hause, entstehen auf dem langen Pilgermarsch auch schnelle und intensive Bindungen zu bisher unbekannten Menschen. Man fühlt sich verbunden, nimmt die gleichen Strapazen auf sich, schläft in den gleichen, oft nicht so wohnlichen Kammern und hat zumeist dasselbe Ziel. Es hat mich persönlich beim Lesen sehr verwundert, dass man diesen Höllenmarsch (obwohl, darf man auf einem Pilgerweg überhaupt das Wort Hölle in den Mund nehmen?) zumeist ganz alleine ist. Es stellt sich die Frage, ob es notwendig für das Erlangen der inneren Ruhe und Einkehr ist, alleine vor sich hin zu wandern. Aber offensichtlich geht es doch nicht ganz alleine, denn immer wieder finden sich die gleichen Menschen zusammen, unternehmen auch abends etwas miteinander und helfen sich gegenseitig - mal mehr, mal weniger. Ich persönlich würde nicht auf den Mann an meiner Seite verzichten, wenn ich so einen langen Fußmarsch zu bewältigen hätte, aber ich denke, das ist einfach jedem selbst überlassen.
**DARF EIN MANN EMOTIONEN ZEIGEN?**
Vor allem für die männlichen Leser wird es wohl zuerst befremdlich sein, dass Herbert Hirschler so eine „Heulsuse“ ist. Doch er schafft etwas, das sich viele Menschen, und zwar vor allem Männer, meistens verwehren: Er lässt sich von seinen Emotionen überwältigen und schämt sich nicht dafür. Das zeigt von innerer Größe und vor allem von einem Sich-spüren, das man nicht allzu oft in dieser Dimension erlebt.
Der Schreibstil und die Textqualität des Autors setzen keine Vorkenntnisse aus, die Sätze sind einfach zu verstehen und umgangssprachliche Ausdrücke wie etwa „isses“ oder „drum“ lockern die Texte noch zusätzlich auf. Generell würde ich den Stil als „Wie einem der Schnabel gewachsen ist“ beschreiben, was durchaus positiv zu verstehen ist. Dadurch bekommt der Leser das Gefühl, es mit jemanden auf seiner Wellenlänge zu tun zu haben, jemanden, den es einen Dreck schert, ob er durchtrainiert oder trittfest ist, jemanden, der sich eben gern ein Bierchen gönnt nach einer heillosen Anstrengung und jemanden, der es dennoch geschafft hat, alle Widrigkeiten zu überwinden und am Ziel anzukommen.
Jedes Kapitel beginnt mit einer schlagkräftigen Überschrift, danach erfährt der Leser, an welchem Tag und auf welcher Strecke (gepaart mit den Highlights der Umgebung) sich der Autor befindet. Der Wetterbericht findet ebenso seinen Platz wie die Bewertung des Quartiers. Unter Sonstiges gibt’s vor allem den Gesundheitszustand Hirschlers zu erfahren und liest man nur diese kurzen Unterpunkte, dann würde man - oder bleiben wir lieber bei ich - am liebsten mit Parkemed, Dolofort, Thomapyrin und einer eigenen Masseuse zur Hilfe eilen.
**ÄUSSERES**
Dass dieses Buch um den stolzen Preis von € 20,40 als Taschenbuch angelegt ist, das lässt einem im ersten Moment zusammenzucken. Gut, ein wirkliches Taschenbuch ist es auch nicht, denn die Seiten sind durch die bessere Qualität und durch Hochglanzmaterial wertvoller und auch die Vorder- und Rückseite verfügt jeweils über eine zusätzliche Einschlagseite, doch man kann es drehen und wenden, wie man will, es ist kein Hardcover-Buch. Ich habe lange überlegt, dieser Tatsache etwas Positives abzugewinnen und ich hatte durchaus eine Idee. Sollte jemand das Buch möglicherweise auf seine Reise nach Santiago über die Ruta del Norte mitnehmen wollen, dann wiegt es nicht so schwer. Grundsätzlich aber eignet sich das Buch wohl eher als Vorablektüre zur Vorbereitung dieser Reise, also zählt dieses Argument nur ein bisschen.
Ansonsten finden wir auf der Vorderseite drei Bilder, eines vom Weg, eines vom Meer und eines vom Autor selbst. Auf der Innenseite ist eine Karte zu finden, auf der der Weg, den Hirschler gewählt hat, eingezeichnet ist. Auf der Rückseite innen wird stolz der Pilgerpass präsentiert samt seinen vielen Stempeln, die ein Peregrino auf seiner Reise sammeln muss, um offiziell am Ende auch die Pilger-Urkunde ausgehändigt zu bekommen.
Schriftlich finden wir eine Zusammenfassung des Inhaltes, eine Auflistung der vor allem in der Schlager- und Volksmusikbranche bekannten Persönlichkeiten, die einen Beitrag zu diesem Buch geleistet haben und eine Kurzbiografie des Autors.
**INNERES**
Abgesehen von acht Doppelseiten Farbfotos gibt es nur wenige schwarzweiße Abbildungen, die in den Text hineingeflochten wurden. So ist der Leser genötigt, seine Fantasie zu benutzen, sich eigene Bilder im Kopf zurechtzulegen und gleichzeitig sich zu wünschen, das eventuell doch einmal mit eigenen Augen zu sehen.
Die einzelnen Tage markieren jeweils ein Kapitel, eingeleitet mit Kurzinfos, wie oben beschrieben.
Als besonderes Highlight konnte Herbert Hirschler einige bekannte Namen dazu verpflichten, ihre eigenen Gedanken und Wünsche zum Thema Pilgerreise zu Papier zu bringen und diese bildeten dann einen Bestandteil des Buches, der aber nicht integrierend ist.
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****KLAPPTEXT****
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Der Buchtitel beschreibt die gefühlsmäßige Großwetterlage des Autors auf seinem Weg nach Santiago und weiter ans „Ende der Welt“: dem Himmel so nah, den Herrgott an seiner Seite, am Meer entlang - aber Musik? Ja, vor allem auch Musik. Denn aus der Feder von Herbert Hirschler stammen die Texte vieler bekannter Schlager und Volksmusiklieder.
Preis. € 20,40 bei Amazon und allen gängigen Online-Verkaufsbörsen
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****BIOG RAFIE****
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Wer das Buch genau liest, der wird feststellen, dass es durchaus auch biografische Charakterzüge hat, die man sich halt auf den 316 Seiten zusammensuchen kann. Der Werdegang Hirschlers im Überblick lautet folgendermaßen:
Herbert Hirschler wurde am 8.11.1965 geboren und bezeichnet sich selbst „als Mittvierziger bereits in den besten Jahren“. Aufgewachsen und davon nie mehr losgekommen ist er von seiner Heimat im südlichen Niederösterreich im Gebiet von Schneeberg und Rax, den östlichsten Zweitausendern der Alpen.
Seit 1989 ist er mit Monika verheiratet, die beiden haben zwei Kinder. Christoph wurde 1990 geboren und ist derzeit Schauspielschüler bei Elfriede Ott, seine 1991 geborene Tochter Sandra befindet sich im Moment als Au Pair in den USA. Die Familie komplett macht Sandy, ein Golden Retriever Schmusehund.
Hirschler ist seit knapp 30 Jahren in der EDV Branche tätig, vom Programmierer bis zum Projektleiter ist er universell einsetzbar.
1997 lieferte er seinen ersten Musiktext – „Zeiten, die man nie vergisst“ für die Obersteirer. Davor gab es künstlerische „Ergüsse“ von Herbert Hirschler nur in Form vom „Maschkererbriefen“, das sind elendslange Gedichte, die an niederösterreichischen Hochzeitstafeln von Freunden des Brautpaares vorgetragen werden und über das (Vor-)Leben (ev. nicht immer ganz wahrheitsgetreu, aber meist sehr lustig) der in diesem Moment oft gar nicht mehr so glücklichen Neo-Eheleuten informieren sollen.
Seither textete er an die 600 Musiktitel quer durch den Gemüsegarten der Schlager- und Volksmusik (Antonia, Francine Jordi, Jazz Gitti, Klostertaler, Ladiner, Nockalm Quintett, Pfarrer Franz Brei, …). Mittlerweile ist er stolzer Besitzer von acht Gold- und drei Platin-Awards. Siebenmal konnte eines seiner getexteten Lieder beim Grand Prix der Volksmusik teilnehmen, davon 2 x Österreich-Sieger und 2009 3. Platz im Finale mit „Das Leben“ von Pfarrer Franz Brei.
Seit 2000 hat Herbert Hirschler sämtliche Bücher über den Jakobsweg „verschlungen“. 2010 ergab sich dann die Gelegenheit, dieses Abendteuer auch wirklich in Angriff zu nehmen. „Rauf auf den Camino – 37 Wandertage, 1100 km, 99 kleine Cervezas, 3 Terrorschnarcher, 0 Blasen“, wie der Autor selbst sagt.
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****WEITERE LITERARISCHE HIGHLIGHTS ZU DEM THEMA****
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Ein Buch über den Jakobsweg? Da fallen mir zwei auf Anhieb ein. Den Startschuss für den Pilgerhype hat wohl Paulo Coelho mit seinem Buch: „Auf dem Jakobsweg: Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela“ 1999 gegeben. Spätestens aber mit Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ war der Jakobsweg vor allem am deutschsprachigen Sektor in aller Munde.
Mittlerweile werden wir erschlagen von Massen an Büchern, Hör CDs und Landkarten zu diesem Thema. Ehepaare, Radpilger und Eselzüchter lassen uns an ihren persönlichen Erfahrungen teilhaben und wir müssen sorgfältig wählen um das für uns passende herauszufinden.
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****FAZIT****
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Wer ein literarisches Hochwerk erwartet, wird bei diesem Reiseerlebnisbericht Enttäuschung verspüren, doch alle diejenigen, die auf unterhaltsame und interessante Weise diesen besonderen Jakobsweg kennenlernen wollen, werden sehr zufrieden sein.
Auch wenn - oder gerade weil - sich Hirschler auf dem Weg immer wieder verfranst hat, zeigt es eine unübersehbare Parallele zum Leben: Oft müssen wir einen Umweg in Kauf nehmen, um schlussendlich am richtigen Ziel anzukommen.
Melancholie wechselt sich hier mit Humor ab, Sehnsucht mit Fernweh und Lachen mit Weinen - aber alles gehört auf diesen Weg zu diesem Menschen.
Herbert Hirschler lässt uns auf gefühlvolle Art und Weise ein Stück des Weges mit ihm gehen und dadurch geraten kleine Schwächen, wie etwa Inhaltswiederholungen oder gelegentlich fehlplazierter Sarkasmus, in den Hintergrund.
Das Erstlingswerk des Autors ist kurzweilig, ergreifend und hinterlässt den Wunsch, diesen Weg auch einmal bewältigen zu können - sei es aus religiösen, sportlichen oder sozialen Gründen.
Jedem, der plant, diesen Teil des Jakobsweges zu gehen, ist zu raten, „Himmel, Herrgott, Meer, Musik“ zu lesen und daher volle Punktezahl von mir.
Wie immer lieben Dank an alle, die sich die Mühe machen, diesen Bericht zu lesen, zu bewerten und zu kommentieren,
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