Zu DDR-Zeiten gab es in und um Dresden das sog. "Tal der Ahnungslosen", weil man nur dort kein West-Fernsehen empfangen konnte. Dass es mir Jahre später in Sachen Ost-Fernsehen einmal genauso ergehen könnte, das hätte ich nie vermutet. Warum das so war und was ich dagegen unternommen habe, erfahrt ihr in meinem Bericht über: Hama USB DVB-T Stick.
1. Das Produkt
Es handelt sich um einen sog. DVB-T-Receiver, also einen Empfänger mit Stabantenne für das digitale Antennenfernsehen, hergestellt von der Firma Hama. Dieser Empfänger ist durch den USB-Anschluss speziell zum Empfang von digitalem Antennenfernsehen über den PC geeignet. Dazu wird eine Empfänger-Software auf CD mitgeliefert, die nicht nur den Empfang von Fernsehsendern, sondern auch die Aufnahme von Fernsehsendungen über den PC ermöglicht.
2. Aussehen des DVB-T-Sticks
Ich hatte seinerzeit dieses Produkt bei Yopi vorgeschlagen, da es das damals noch nicht gab. Ein passendes Produktbild hat Yopi links oben eingestellt. Es zeigt die mitgelieferten Teile, nämlich den Stick samt Verschlusskappe, die Stabantenne mit Anschlusskabel. Lediglich die CD mit dem Treiber und der Software TotalMedia 3.5 ist nicht zu sehen. Dazu gibt es ein paar Bilder von mir aus meinem praktischen Alltag.
3. Der Hersteller
Die 1923 in Dresden gegründete und seit 1945 in Monheim (Bayern) ansässige Hama GmbH & Co. KG stellt seit Jahren erfolgreich Zubehörteile in den Bereichen Foto, Video, Audio, Computer und Telekommunikation her.
Gekauft habe ich dieses Set am Freitag, dem 18. November 2011, bei Real in Düsseldorf-Bilk und dort in der Computerabteilung. Deklariert war es als Sonderangebot, und ich bezahlte nur 19,99 Euro dafür. Der Normalpreis betrug damals 24,99 Euro.
Zur Verfügbarkeit ist zu sagen: Klickt man hier bei Yopi auf den Produkt-Link, so findet man ein paar Online-Shops, wo es den Stick zwischen 21,98 und 39,99 Euro zu kaufen gibt (Stand: 01.02.2012).
5. Mein eigenes digitales Fernseh-Erlebnis
In Düsseldorf und einer Umgebung von etwa 50 Kilometern wird seit dem 8.11.2004 digitales Antennenfernsehen angeboten: 26 digitale Fernsehprogramme werden seitdem vom Rheinturm aus in alle Welt "gepustet". Nach und nach wurden die meisten Gebiete in Deutschland ebenfalls mit dieser Form des Fernsehempfangs ausgestattet und das analoge Antennenfernsehen abgeschaltet. Zum Empfang gehören neben einem Fernsehgerät ein sog. DVB-T-Receiver und eine Antenne (wahlweise Dach- oder Zimmerantenne). Alle neuen Fernsehgeräte, derzeit auf dem Markt sind, haben einen solchen Receiver bereits eingebaut. Für ältere Geräte kann man einen solchen Receiver separat nachkaufen.
5.1. Kaufgrund oder: Wieso ich kein Ost-Fernsehen bekam
Seit dem 15.12.1986 bin ich Empfänger des analogen Kabelfernsehens. Was damals eine technische Revolution darstellte, ist heute mittlerweile längst überholt: Die beschränkten Kapazitäten im analogen Kabelnetz haben dazu geführt, dass längst nicht mehr alle deutschsprachigen Programme ins Netz eingespeist werden können: Bei 36 Programmen ist in der Regel Schluss. So kommt es, dass die Netzbetreiber mehrere Kanäle aufteilen, so dass ein Sender nur stundenweise am Tag zu sehen ist, weil er sich den Kanal mit einem anderen Sender teilt. Und genau so verhielt es sich mit dem MDR, dem Rechtsnachfolger des Deutschen Fernsehfunks (DFF); wie das DDR-Fernsehen seinerzeit offiziell hieß. Der MDR sendete bis April 2010 alleine im Düsseldorfer Kabelnetz, wurde dann jedoch zu einer Aufteilung mit dem Kinderkanal gezwungen, der den Sendeplatz des MDR nunmehr von 6 bis 21 Uhr für sich beanspruchte. Wenn mich dann meine Magdeburger Mau-Mau-Freunde via Skype fragten: "Haste das und das im MDR gesehen?" Dann musste ich antworten: "Tut mir leid, ich krieg' kein Ost-Fernsehen!" Und klärte meine Freunde darüber dann auf.
So kam es, dass ich mir diesen DVB-T-Receiver unter zweierlei Gesichtspunkten kaufte:
1. Ich konnte die Programm-Vielfalt zum Teil erhöhen, da unter den 26 Programmen einige waren, die nicht über Kabel angeboten werden, darunter eben auch das genannte "Ost-Fernsehen". Denn irgendwie hat man ja immer das Gefühl, man verpasst etwas, wenn man einen Fernsehsender nicht empfangen kann.
2. Im Hinblick darauf, dass mein 7 Jahre alter Röhren-Fernseher irgendwann den Geist aufgeben kann, habe ich über den PC eine Alternative und somit auf jeden Fall Fernseh-Empfang im Haus. Ich muss also nicht holterdipolter mal eben einen neuen Fernseher kaufen.
5.2. Installation oder: Wie ich meinen PC zu einem Fernseher machte
Die Installation des DVB-T-Receivers gestaltete sich nicht ganz so leicht wie gedacht: Nachdem ich die Stabantenne mit dem Receiver - also dem USB-Stick - zusammengesteckt und in einen freien USB-Anschluss meines Netbooks gesteckt und den externen DVD-Brenner angeschlossen hatte, legte ich die Installations-CD ein. Und hier lag der Hase im Pfeffer: Für einen Laien wäre es doch gut, bräuchte er nur den Anweisungen eines Assistenten zu folgen. Hier aber musste ich drei Schritte nacheinander einzeln erledigen:
Im ersten Dialogfenster die Sprache Deutsch auswählen,
im zweiten Dialogfenster hatte ich dann zunächst die Treiberinstallation zu starten.
Nachdem die Installation des Treibers bewerkstelligt war, musste ich per Tastenkombination Alt+Tab zum zweiten Dialogfenster zurückzukehren und dann Software installieren starten. Zwischendurch wurde ich aufgefordert, den Lizenzschlüssel für das Programm TotalMedia 3.5, der auf der CD-Hülle aufgedruckt war, einzugeben. Am Ende dieser Installation musste ich den PC neu starten.
Aber damit war ich noch nicht fertig, musste ich doch noch die Fernsehkanäle konfigurieren. Wie machte ich das? Nun, ich startete TotalMedia 3.5 und wählte anschließend in dem dunkelblauen Menü die Option TV. Im nun folgenden Willkommens-Dialog musste ich erst einmal die Region des TV-Signals wählen. Hier wählte ich unter den 220 Ländern der Erde natürlich Deutschland aus. Danach wurde dann ein Scan nach verfügbaren Sendern gestartet, der etwa 10 Minuten dauerte. Zu meinem Erstaunen wurden nur 22 Sender gefunden - die vier Sender der RTL-Gruppe fehlten. Was war los? Nun, ich hatte die Stabantenne auf meinem Couchtisch aufgestellt in unmittelbarer Nähe meines Netbooks. Ich setzte die Antenne einfach ein Stück weiter weg auf den Teppichboden und startete den Scan erneut. Jetzt wurden alle 26 Sender gefunden. Es hing also maßgeblich vom Standort der Antenne ab, wie gut sie die Signale empfing. Und das, obwohl der Rheinturm doch nur gut 4 Kilometer Luftlinie entfernt von meiner Wohnung lag. Immerhin: Ich hatte jetzt alle verfügbaren Fernsehsender gefunden und speicherte mit Beenden die Einstellungen nun ab. Mit einer Rückwärts-Pfeil-Taste am linken oberen Bildrand konnte ich das Konfigurations-Menü verlassen und gelangte zum Menü TV.
5.3. Mein ganz persönliches Fernseh-Vergnügen
Das Herzstück meines "Fernsehers" war und ist das Modul TV. Der aktuelle Fernsehsender wurde rechts im Fenster Live TV angezeigt. Hier hat man noch die Wahl zwischen 7 Menüs, die ich kurz anreiße:
Vollbild: Ein Klick darauf lässt das Fernsehbild über den ganzen Monitor erscheinen. Der Monitor sieht nun ganz so aus wie ein normaler Fernsehbildschirm.
EPG: Die elektronische Programmzeitschrift zeigt beim aktuell gewählten Fernsehsender an, was den ganzen Tag über so läuft.
Senderliste: Das ist sozusagen die "Fernbedienung des PC, denn man kann per Mausklick zwischen den einzelnen Kanälen der Liste wechseln.
TV Aufnahmen: Hier kann man sich die aufgezeichneten Fernsehaufnahmen, die im Ordner "Meine Videos" im MPEG-1-Format liegen, anschauen.
Timer Übersicht: Möchte man Sendungen für die Aufzeichnung programmieren, kann man sich hier die Übersicht über die geplanten Aufzeichnungen ansehen bzw. diese bearbeiten.
Videotext: Hier kann man vom zum aktuell angezeigten Fernsehsender zum Videotext des Programms wechseln. Die Eingabe der gewünschten Seite erfolgt ganz simpel über die Zahlen der Tastatur.
Einstellungen: Dies entspricht dem Willkommens-Dialog: Hier kann man sämtliche Einstellungen bearbeiten oder auch löschen.
5.3.1. Die Bildqualität
Was wohl jeden potenziellen Käufer dieses DVB-T-Sticks am meisten interessieren dürfte: Wie war denn die Bildqualität?
Nun, wäre ich Jurist, würde ich deren Standard-Antwort nehmen: "Es kommt darauf an!"
Generell war die Bildqualität nämlich sehr gut, was heißen soll: Die Konturen waren wesentlich schärfer und der Bildschirm in der Regel nicht pixelig oder grobkörnig. Also, man konnte schon die digitale Qualität erkennen.
Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Das galt nämlich nur, wenn die Signalstärke mindestens drei der fünf Balken aufwies. Es hing also von der Empfangsqualität ab und somit ganz stark vom Standort der StabAntenne. Unter drei Balken Signalstärke tauchten nämlich Pixel in Klötzchenform auf, und was ganz besonders schlimm war: Das Bild blieb dann einfach sekundenlang stehen, ehe es dann ganz einfach an die aktuelle Stelle des Programms "sprang."
Aber wenn der Empfang okay war, hatte ich absolut nichts zu beanstanden.
Der Ton hing natürlich vom Sound des PCs ab: Bei meinem Netbook war nicht mehr als UKW-Kofferradio-Qualität drin. Aber das war eigentlich auch nicht zu erwarten. Über das Microsoft Soundsystem 80 (zwei 80-Watt-Boxen plus Subwoofer) kam natürlich astreiner Stereo-Sound mit fetten Bässen heraus.
Interessant dabei war, dass der MDR Sachsen-Anhalt, also mein "Ost-Fernsehen", generell 5 Balken Signalstärke aufwies, ich diesen Sender also endlich einwandfrei genießen konnte.
Geschwächelt haben stets die vier Sender der RTL-Gruppe (RTL, RTL2, Super RTL und VOX), die sehr stark schwankend einfielen.
5.3.2 Fernseh-Aufnahmen und deren Qualität
Neugierig wie ich war, wollte ich nun auch wissen, wie die Qualität der Fernsehaufnahmen denn so war. Am einfachsten ging es, wenn ich den gewünschten Sender aus der Senderliste auswählte, ihn damit also zum aktuellen Sender machte. Dann klickte ich auf EPG und wählte rechts aus der Liste eine Sendung aus, die in der Zukunft lag. Klickte ich auf die Sendung und dann im nächsten Fenster auf den Button Aufnahme, war meine Programmierung damit schon fertig. Kontrollieren konnte ich das ganz einfach im Fenster Timer Übersicht im TV-Menü.
Zwei Nachteile seien allerdings nicht verschweigen: 1. Der PC musste angeschaltet bleiben, 2. TotalMedia 3.5 musste ebenfalls aktiv bleiben, konnte aber durch Fenster-Minimierung im Hintergrund laufen.
Am Beispiel des Films Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt, der am 2. Weihnachtstag um 14 Uhr als Wiederholung lief, probierte ich es aus: Der Film - fast 3 Stunden lang - wurde per Timer programmiert und aufgezeichnet. Zwischendurch war ich eine Weile außer Haus, ließ das Netbook aber laufen.
Das Ergebnis hinterher war leider ernüchternd: Zwischendurch schwächte das Signal von SAT.1 ab, der Film blieb zwischendurch stehen (was natürlich brav aufgezeichnet wurde) und sprang dann einfach weiter. Also, für Archivierungszwecke war diese Aufnahme nicht zu gebrauchen, nur zum Anschauen für zwischendurch. Abspielen konnte ich das MPEG-1-Video übrigens nur mit dem Video-Modul von TotalMedia 3.5. Denn der Windows Media Player hing sich beim Starten des 3,62 GB großen Videos komplett auf.
6. Kaufempfehlung und Fazit
Ist der DVB-T-Receiver erst einmal angeschlossen und konfiguriert, gibt es ein einwandfreies Bild und Ton. Schwachpunkt ist allerdings die mitgelieferte Stabantenne: Sie schwächelt stark beim Empfang, je nachdem, wo sie steht. Das wirkt sich dann auf die Bildqualität und auch auf die Aufzeichnungen aus. Hier empfehle ich, doch besser eine stärkere Antenne anzuschließen, damit es nicht zu Bildaussetzern kommt. Dafür ziehe ich dann auch einen Stern in meiner Kaufempfehlung ab.
Insgesamt finde ich diese Variante, digitales Fernsehen am PC zu ermöglichen, allerdings eine durchaus interessante Idee. Es gibt daher von mir noch eine Kaufempfehlung, die ich mit vier von fünf Sternen bewerte.
In diesem Sinne grüße ich recht herzlich alle Yopi-Mitglieder und alle Gäste von draußen:-)!
Euer "oller" Druide Miraculix1967 aus dem gallischen Dorf:-)
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