Der Dämon - Im Bann des Goblin (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von das-christian

Babies im Bann der Dämonen

Pro:

über 100 Jahre Film haben gezeigt, dass es schlechtere Vertreter gibt

Kontra:

. . . es gibt aber auch viel Bessere

Empfehlung:

Nein

Der Dämon – Im Bann des Goblin ist mal wieder eine dieser Drecksgurken von Filmen, bei denen man gleich nach der Vorstellung der Charaktere weiß, wo der Frosch die Locken hat. Gil Bellows ist noch das bekannteste Gesicht in diesem müden CGI-Aufguss aus der SyFy-Schmiede. Schon der Name des Regisseurs - Jeffery Scott Lando - lässt schlimmes erahnen, hat er bereits Werke wie Acarophobia, Alien Incursion oder Todes-Date 2 verbrochen, die weder tricktechnisch, noch von der Story überzeugen konnten.


Story

Im Jahre 1831 und pünktlich zu Halloween haben die Bewohner eines unbedeutenden Kaffs beschlossen, ein (überaus hässliches) Baby zu verbrennen. Leider gehörte das Baby einer Hexe. Da die Dorftrottel es verpasst haben die Hexe vorher zu grillen, werden sie nun mit einem Fluch der erzürnten Dame belegt. Das frisch geröstete Balg steht wieder auf und macht daraufhin Jagd auf die Dorfbelegschaft, mit bevorzugtem Ziel: Mütter und deren Kinder. In der Gegenwart kommt Familie Sonnenschein angefahren, da das männliche Oberhaupt zu Halloween ein Meeting, ausgerechnet in diesem Ort, hat. Im Gepäck das Neugeborene, ergo ist klar was passieren wird.


Kritik

Was schnell auffällt, hier wird eine Vater Tochter-Geschichte erzählt, in der es keinen Platz für unnötige Randfiguren gibt. Papa, gespielt von Gil Bellows, verwitwet aber immer noch genügend Potential ein zweites Kind zu produzieren (mit einer Jüngeren und sicherlich auch geileren Schnitte) kann darstellerisch noch am ehesten punkten. Seine Tochter Nikki hingegen verhält sich bereits zu Beginn infantil und ist dabei so sympathisch wie ein eingewachsener Zehennagel, der Haken an der Sache ist aber, dass man sofort weiß - die Alte wird überleben. Ihr Schauspiel geht von einem völlig überzeichneten Girlie-Getue bis zur Pseudo-ernsthaften Mimin, eine Glaubwürdigkeit kann man dieser Rolle zu keinem Zeitpunkt zusprechen (da ist ein eingewachsener Zehennagel glaubwürdiger). Da Papi grad seine neue Ische knallt, kommt sie sich natürlich untersetzt vor, weil Papi nun seine Aufmerksamkeit eher der neuen Flamme und der neugeborenen Rotzblage schenkt (das Balg fällt jedoch schnell in die Kategorie „Klotz am Bein“).

Die restlichen Randfiguren bestehen primär aus Nikkis neuer Mutti currently known as Papis Betthäschen. Da es eine Vater-Tochter-Geschichte ist, hat die Neue logischerweise keinen Platz eine größere Rolle im Film auszufüllen, hart aber unfair. Leider erfährt man kaum etwas über Nikkis verblichene Erzeugerin, formerly known as Papis (Ex-)Betthäschen. Da Schwiegermütter im Horrorgenre bekanntermaßen leichter totzukriegen sind, bleibt uns eine mögliche Familientragödie erspart. Nikkis beste Freundin, Cammy, füllt die Rolle der Mäusebrüstchen spazieren tragenden Doofie-Blondine aus (und dank der Prüderie gibt sie diese noch nicht einmal preis), somit ist für sie der glorreiche Heimgang im Mittelteil beschlossene Sache. Von ihrem Aussehen her hätte sie es hierzulande wohl maximal bis ins zweite Lehrjahr als Friseurin geschafft, immerhin kann die Holde gut schreien. Genug zu ihr, mindestens genauso unwichtig sind die filmeigenen Statisten-Opfer, deren Gesichter man sich zwar schnell einprägt, diese aber auf teils mehr, teils weniger blutige Weise ziemlich schnell dahinscheiden. So beispielsweise die Dorfjugend, drei Jugendliche die scheinbar ihr erstes Halloween im Dorf feiern oder unter Demenz leiden, anders ist die Unwissenheit über den Fluch nicht zu erklären. Der alte vermodernde Redneck, dessen Mutti gleichzeitig seine Tante und Lieblingsschaf ist und der alles über den Fluch weiß, um im Finale einen entscheidenden Beitrag zum vorhersehbaren Ende beizuführen, ist auch im Baukasten mit inbegriffen. Der Versuch des Plot-Twists wird ebenfalls aufgebaut, aber auch hier lässt sich schnell erahnen, dass der Dorf-Sheriff und seine Frau alle Randinfos zum Fluch kennen und versuchen diese im weiteren Verlauf für sich einzusetzen. Lange Trauerphasen der Hauptdarsteller nach dem Dahinscheiden der Liebsten sind natürlich nicht erwünscht, so ist die Final-Szene, in der Papa und Tochter Händchen haltend gen Sonnenuntergang spazieren schon etwas sarkastisch.

Nicht nur die Darsteller sorgen dafür, dass man im Film gleich mehrere, eher dilettantisch zusammenpfuschte Deja-vu´s hat, bei denen man sich vom Erguss des Horror-ABC´s bedient. Man kennt die spannungserzeugenden Momente, in denen eine potentielle Gefahr erkennbar ist und diese zeitlich hinausgezögert wird, um eben für noch mehr Spannung zu sorgen. Hier geht das dermaßen von in die Hose: in der Ego-Perspektive läuft eine Person in Richtung Nikki, bereits in der ersten Einstellung wird klar, dass dies nicht der besagte Film-Dämon sein kann, nun zieht sich aber der weitere Verlauf wie Kaugummi hin (umschlungen vom ebenso stümperhaften Versuch eine Suspense-erweckende Melodie einzubinden). Die kurz-vorm-Koitus-Massakrier-Szene darf auch nicht fehlen, als Schauplatz dient der Wald, als Konversation das übliche: „halt! Ich hab was gehört!“ daraufhin die Antwort vom Dreibeiner: „da war nix, los zieh dich aus!“ – selbstverständlich läuft diese ganze Chose ohne Flüssigkeitsaustausch beziehungsweise offengelegten Geschlechtsteilen aus – wir sind schließlich nicht mehr in den 70ern.

Der Film-Dämon ist, außer bis kurz vor Schluss, in ein schwarzes Bettlaken eingewickelt, macht dann jedoch einen unfreiwilligen Strip und gibt den Tricktechnikern die Möglichkeit ihren Offenbarungseid zu leisten. Das Vieh sieht wie eine schlecht animierte Riesen-Version von Gollum aus. Fast schon überraschend ist, dass einige für SyFy-Verhältnisse harte Szenen zu sehen sind, die zwar keinen Diskussionsbedarf bezüglich eines Schnittberichts darstellen, aber trotzdem einen gewissen Härtegrad symbolisieren.

Eigentlich hat es der Dämon auf Babys abgesehen, massakriert aber gern auch Erwachsene. Es stellt sich jedoch schnell die Frage, was er die ganzen Jahre zuvor gemacht hat, denn so richtig scheint keiner im Dorf zu wissen, dass es diesen Fluch überhaupt gibt. Zwar verbarrikadieren sich einige in ihren Häusern, aber die Tatsache, dass der Dämon auch problemlos in die Häuser hineinkommt, stellt die Frage auf, wieso dieses Dorf überhaupt noch bewohnt ist und ob sich unser Gollum-Abklatsch die Jahre zuvor vielleicht doch zu oft an seinem Pimmel rumgespielt hat und somit das Abschlachten vernachlässigte.


DVD

Seit 16. Februar gibt es das gute Werk auf DVD. Die FSK 16 ist vertretbar, und das CGI-Geschmiere verharmlost das Treiben. Extras gibt es keine auf der DVD. Bild- und Tonqualität sind recht ordentlich – halt TV-Niveau.


Fazit

Für Horror-Vielseher wird die Vorspultaste wohl der größte Gewinn sein. Einstudierte Szenen aus dem Kurs: „Einleitung in das Horror-ABC“ und eine erschreckend ermündende (weil bis ins kleinste Detail vorhersehbare) Story komplettieren das Desaster. Immerhin, wer sich die unendlichen Schockerszenen aus der Twilight-Saga gibt, der wird wohl nach Der Dämon – im Bann des Goblin ein paar nasse Nächte erleben.


Filminfos

Originaltitel: Goblin
Herstellungsland: Kanada
Erscheinungsjahr: 2010
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: 16 Jahre
Regie: Jeffery Scott Lando
Drehbuch: Raul Inglis
Darsteller: Gil Bellows, Tracy Spiridakos, Camille Sullivan, Donnelly Rhodes, Reilly Dolman, Andrew Wheeler, Colin Cunningham

35 Bewertungen, 5 Kommentare

  • katjafranke

    23.02.2012, 00:50 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele liebe Grüße. KATJA

  • Colly24

    22.02.2012, 19:49 Uhr von Colly24
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wie versprochen, mir entgeht nix, alles wird bewertet, ich hoffe du bist auch so fleissig? es grüsst Colly24

  • anonym

    22.02.2012, 18:52 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr informativ beschrieben. GLG und eine schöne Restwoche.

  • Ladylike

    22.02.2012, 18:43 Uhr von Ladylike
    Bewertung: besonders wertvoll

    Guter Bericht! Liest sich wirklich prima!

  • uhlig_simone@t-online.de

    22.02.2012, 17:59 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße v. simone