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| erstellt am: |
23.02.2012, von margy |
| Produktbewertung: |
5
5 |
| Empfehlung: | ja |
| Pro: | siehe bericht |
| Kontra: | siehe bericht |
Zum Buch:
Die 94seitige gebundene Ausgabe des Buches erschien im Insel Verlag in Frankfurt in der 22. Auflage 1999 in deutscher Sprache. Unter der ISBN 978-3458081722 ist es zu einem Preis von 10,80 € erhältlich.
Buchumschlag:
Der Buchumschlag ist weiß mit kleinen roten Mustern.
Autorin:
Ricarda Octavia Huch (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Schönberg im Taunus, heute Stadtteil von Kronberg; Pseudonym: Richard Hugo) war eine deutsche Schriftstellerin, Dichterin, Philosophin und Historikerin.
Inhalt:
Im Inhalt der in Briefen aufgesetzten Geschichte geht es um den Studenten und Revolutionär Lju, der den Gouverneur von Sankt Petersburg töten will. Der Gouverneur aus St. Petersburg packt seine Koffer und nimmt seine Frau, seinen Sohn und die zwei Töchter mit aufs Land. Dort will die Familie Urlaub machen. Er war derjenige, der die Universitäten schließen ließ und nun drohen ihm die Studenten an, ihn zu ermorden. Seine Frau lebt in ständiger Angst und stellt einen jungen Mann ein, der die Familie bewachen soll. Die Familienmitglieder schöpfen Hoffnung, haben Zutrauen und Vertrauen zu dem Mann. Sie alle ahnen nicht, dass sie sich Lju ins Haus geholt haben, der Student, der den Gouverneur zu töten gedenkt.
Schreibstil:
fesselnd und ergreifend
Meinung:
Dieses Buch wurde 1910 von Ricarda Huch geschrieben. In Briefen erzählt sie eindringlich, fesselnd und ergreifend. Die Gefühle der einzelnen Personen treten hervorragend hervor. Am 5. Mai Anfang des 20. Jahrhunderts spielt die Geschichte in Russland. Der Gouverneur legt sich ein Auto zu. Russland ist geprägt von der Revolution. Die Studenten sind rebellisch und der russische Gouverneur schließt sämtliche Universitäten. Die Studenten sollen vor Gericht gestellt werden und der Gouverneur macht Urlaub auf dem Land mit seiner Frau und den erwachsenen Kindern. Der Gouverneur erhält andauernd Drohbriefe und die Frau ängstigt sich. Die Frau stellt Lju ein, der die Familie beschützen soll und arbeitet auch als Sekretär für den Russen. Lju ist derjenige, der sich in die Familie einschleusen ließ, um den Mann der Familie umzubringen. Er ist einer der Studenten. Alle sind sie im Laufe der Zeit angetan und begeistert von dem jungen Mann, der natürlich versucht, das Vertrauen der Familie auf seine Seite zu bringen. Er bringt es so weit, dass sich selbst die beiden Töchter in ihn verlieben. Die Frau merkt als erste, das da etwas mit dem jungen Mann nicht stimmt und nicht stimmen kann. Sie ahnt nichts Gutes. Dann reisen die Töchter der Familie ab und beginnen ihr Studium. Auch Lju verlässt die Familie. Der Gouverneur, der sich eine Schreibmaschine anschaffte, war gerade im Begriff, etwas zu schreiben, als es explodierte. Da die Studenten rebellieren und dem Staat nicht die Macht überlassen, sondern selbst handeln, geht Lju hin und übt Gerechtigkeit in seinem Sinne aus, so wie er sie sich denkt. Weil die Studenten rebellierten, wurden die Universitäten geschlossen. Mehr enthüllen diese Briefe nicht. Was weiter geschieht, wie der Richter auf die Rebellen reagieren wird, kann ich daraus nicht schließen. Doch unter den Studenten, die vor Gericht gestellt werden sollen, gibt es rebellische, aber auch die, die sich ruhig verhielten. Das passt nicht so recht zusammen. Der Gouverneur auf der anderen Seite, stellt man ihn den Studenten gegenüber, reagiert verbittert und sehr hart. Er ist ein alter Dickopf, der von seinem eingefahrenen Denken keinen Millimeter abweicht. Aber auch das Attentat, was die Studenten auf den Gouverneur vorhaben - wie soll man das einschätzen? Auch das ist nicht gerecht. Auf der einen Seite steht ein junger Mann, Lju, auf der anderen Seite der Gouverneur, die in ihrem starrköpfigen Verhalten ziemlich gleich sind. Ging es Ricarda Huch hier darum, zu zeigen, dass Menschen nach Lösungen und Kompromissen suchen müssen oder was sonst will sie uns mit ihren Briefen um die Geschichte in Russland mitteilen? Die Menschen hätten miteinander reden müssen, aber das ist in einer revolutionären Diktatur nicht möglich und wahrscheinlich nicht üblich. Und wo bleibt das Gewissen der Menschen? Auf der einen Seite das des Staates und auf der anderen Seite das des Studenten oder des Gouverneurs, also das der einzelnen Bürger? Jeder macht, was ihm gerade einfällt. Das Buch, in Brieferzählungen geschrieben, fasziniert und begeistert, lässt hoffen, aber auch bangen, lässt den Leser ahnen, wie grausam und machterhaben der Staat Russland war und heute vielleicht immer noch ist. Das, was hier beschrieben ist, kann überall wieder auftauchen zwischen Menschen. Sprechen und sich brücken bauen, also Kompromisse eingehen, das ist hier, gestern wie heute gefragt und immer noch aktuell. Wann lernen Menschen aus ihren Fehlern? Werden sie es überhaupt einmal lernen? Da ich das Buch nur ausgeliehen hatte, kann ich hier keine Leseprobe einstellen.
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