Bauer, Angeline Die Niemalsbraut Testbericht

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Erfahrungsbericht von margy

die niemalsbraut

Pro:

siehe bericht

Kontra:

siehe bericht

Empfehlung:

Ja

Zum Buch:

Die gebundene 224seitige Ausgabe dieses Buches erschien im Rosenheimer Verlagshaus in der 1. Auflage am 1. Februar 2012 in deutscher Sprache. Unter der ISBN 978-3475541247 kostet das Buch 14,95 €.

Buchumschlag:

Der Umschlag des Buches ist blau. Darauf zu sehen ist das Gesicht einer jungen Frau.

Autorin:

Angeline Bauer startete als klassisch ausgebildete Tänzerin ins Berufsleben. 1991 schloss sie die Ausbildung zur psychologischen Beraterin ab und leitete eine eigene Praxis, bis sie sich ganz dem Schreiben zuwandte. Neben Sachbüchern, Ratgebern, heiter-frechen Frauenromanen und vielen Kurzgeschichten entstanden seither auch vier historische Romane. 2006 und 2009 war sie für den Sir Walter Scott Preis sowie den Literaturpreis Die Delia nominiert. Angeline Bauer lebt am Ort der Handlung von Die Niemalsbraut in Grassau am Chiemsee.

Klappentext:

Das Leben ist nicht leicht für Karoline, die jüngste Tochter vom Niedermoosbacher-Hof. Der Vater hatte auf einen Sohn gehofft, die Schwestern machen sie verantwortlich für den Tod der Mutter im Kindbett. Dazu kommt das unselige Versprechen, das die sterbende Mutter ihrem Mann abverlangte: Die sechs Töchter müssen der Reihe nach heiraten, Johanna als Älteste zuerst, Karoline als Jüngste zuletzt. Doch Johanna wird von einem Mann bitter enttäuscht und beschließt, nie zu heiraten. Als sie in den Bergen verunglückt und weitere Schwestern unter rätselhaften Umständen sterben, richtet sich der Verdacht auf Karoline. War sie tatsächlich bereit, für den Mann, den sie liebt, über Leichen zu gehen, oder ist sie selbst Opfer eines unheilvollen Spiels? Ein spannender, psychologisch bis ins Detail ausgearbeiteter Roman über ein unseliges Versprechen, das das Verhältnis unter den Schwestern systematisch vergiftet und eine junge Liebe im Keim zu ersticken droht.

Leseprobe:

17. Februar anno 1869

Schon seit vier Stunden lag Marianne Klamm, die Niedermoosbacher-Bäuerin, in den Wehen, und ihre Schmerzensschreie hallten durchs Haus. Die Kinder saßen auf der Holztreppe, die vom Flur hinauf in den Oberstock führte; Johanna, die Älteste, zuunterst und ihre Schwestern hinter ihr aufgereiht wie die Orgelpfeifen. Johanna war neun Jahre alt, Vroni und Reni, die Zwillinge, sieben, dann folgten Antonia mit drei Jahren und Therese mit zwei.
Ob es ein Glück oder ein Unglück war, dass jetzt noch einmal ein Kind kam, musste sich erst noch erweisen. Die Mutter hatte gesagt, es würde ein Glück sein, wenn es ein Bub wäre, aber ein Unglück, wenn sie zu ihren fünf Mädchen noch ein sechstes bekäme.
Einen Buben hatte es auch einmal auf dem Niedermoosbacher-Hof gegeben, aber der war mit drei Jahren an Diphtherie gestorben. Hans hatte er geheißen, so wie sein Vater, und war eineinhalb Jahre nach den Zwillingen zur Welt gekommen. Am Abend nach seiner Beerdigung hatte Johanna gehört, wie die Mutter zum Vater gesagt hatte: „Wenn's doch nur die Vroni oder die Reni erwischt hätte, aber ausgerechnet den Buben!“ Da war sie froh gewesen, dass die Mutter nicht sie dreingegeben hätte.

Schreibstil:

detailliert, altdeutsch, gut zu lesen, unterhaltsam, interessant, spannend

Meinung:

Der Roman beginnt damit, dass die Mutter bereits 5 Töchter hat und das 6. gerade zur Welt bringt. Schlimme Schreie stößt sie aus. Der Mutter war es nicht recht, soviele Mädchen zu haben, Söhne wären ihr lieber gewesen.
Ich fragte mich, was sie gegen Mädchen hatte und es kam mir so vor, als würde sie nur gebären, um einen Sohn zu bekommen.
Das ganze spielt sich in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts ab. Mädchen hatten immer noch keinen Stellenwert in der Gesellschaft, denn sie waren es, die von den Eltern ernährt werden mussten und heiraten mussten und das sehr früh, um aus dem Haus zu kommen. So mussten die Eltern nicht mehr für sie sorgen. Mit Söhnen hätten sie weniger diese Sorgen haben müssen.
Damals war es scheinbar noch nicht üblich, dass Mädchen bzw. junge Frauen arbeiteten, um Geld zu verdienen und zum Lebensunterhalt der Eltern oder des Mannes beizusteuern. Es lebe der Mann!
Der Schreibstil, die Ausdrucksweise ist der Zeit des 19. Jahrhunderts angepasst, auch die Denk- und Handlungsweise der einzelnen Figuren.
Die Mutter zerbrach wohl daran, einmal einen kleinen 3jährigen Sohn verloren zu haben und das Schicksal wollte es oder auch Gott, dass sie, die Mutter nicht dafür bestimmt schien, einen männlichen Nachfahren in die Welt zu setzen.
Johanna hörte durch Zufall sicherlich, wie die Mutter zu ihrem Mann sagte, dass es besser eines der Mädchen erwischt hätte.
Was mag da wohl in dem Mädchen vor sich gegangen sein, die nichts dafür konnte, dass sie als weibliche Person zur Welt kam?
Das, was die Autorin hier schreibt, dass Johanna froh war, dass ihr Name nicht fiel, ist, als würden die Worte belanglos dahinplätschern. Aber der ausgesprochene Satz der Mutter hinterließ Spuren in Johanna.
Ich glaube, das hinterließ nachhaltige Spuren auf dem Weg zur Jugendlichen bis hin zur Erwachsenen.
Dann kommt die Hebamme. Durch den Schnee des Winters musste sie gehen bis ins Haus der Familie, um der Frau bei der Geburt zu helfen und sich um das Neugeborene zu kümmern.
Johanna zieht sich ein wollenes Tuch um die Schultern. Was bedeutet dieser Satz? Was will das Mädchen damit bedecken bzw. damit zudecken?
Die nächsten Worte der Schriftstellerin lenken den Leser zu den Schreien der Mutter und zu den Gefühlen Johannas, der Hauptfigur.
Die Schreie - was bedeuten sie?
Es sind die Schreie der Wehen, die Schreie der Angst darum, dass sie auf einen Sohn wartet, es sind Schreie, für die es keine Worte gibt und nie mehr geben wird.
Johanna, die das alles mitbekommt, wünscht sich sehnlichst, die Schreie mögen aufhören. Warum?
Durchbohren diese Schreie die Seele des Kindes? Soll die Mutter auffhören zu schreien, weil sie selbst geliebt werden will ihretwegen? Will sie geliebt werden und spürt innerlich, dass die Mutter nach einem Sohn schreit?
Johanna wünscht sich, die Hebamme möge ihrer Mutter helfen, einen Sohn auf die Welt zu bringen. Bedeutet das, Johanna fühlt sich wertlos ohne das Glück der Mutter, einen Sohn zur Welt zu bringen? Was steckt hinter diesen Worten?
Dann kommt Johannas Vater, der schon einige Bier getrunken hat. In den Worten am Anfang des Romans deutet das für mich daraufhin, dass sich der Mann seinen Problemen nicht stellt, sondern sie mit Bier ersäuft.
Dann schickt er Johanna zum weiderholten Male, in der Küche Wasser zu holen.
Entscheidungen kann der Mann keine treffen und sucht sich Menschen, ihm unterlegene, die er für seine Zwecke benutzen kann.
Johanna fürchtet sich vor den Schreien der Mutter, doch der Vater herrscht sie an.
Hier ist der Verlauf erkennbar: Der Vater, der zu keiner Entscheidung fähig ist und kein Problem selbst angehen kann, schickt seine Tochter. Sie ist kleiner als er. Der Vater müsste sich in diesem Moment die Probleme seiner Tochter zu Herzen nehmen und selbst gehen, seiner Frau an der Seite zu stehen.
Welche Rolle spielt die Mutter? Sie ist diejenige, der Dreh- und Angelpunkt der Familie und das sagt der obige Satz aus, den sie ihrem Mann sagt, dass sie die Rolle der Herrscherin, der Macht in der Familie verkörpert. Ihr Mann und auch die Kinder haben sich ihrem Willen zu fügen.
Sie verlangt einen Sohn, Johanna fühlt sich elend und der Vater hackt auf ihr herum, anstatt sich seinem eigenen Gefühl zu stellen und seine Meinung zu sagen und die Frau zurechtzuweisen.
Bedrückt ging das Mädchen in die dunkle Küche und sah sich um nach dem heißen Wasser, das sie holen sollte. Sie weinte. Mit einem Schöpflöffel goss sie das heiße Wasser aus dem Topf in eine Schüssel.
Johannas Schwestern saßen auf der Treppe und als der Vater sah, dass Johanna zögerte an der Tür, die sie öffnen musste, um die Schüssel mit Wasser herauszutragen, schrie er sie wieder an.
Johanna ist die älteste der Schwestern. Mit ihren 9 Jahren muss sie die Arbeit der Erwachsenen übernehmen, weil die Mutter in den Wehen liegt und der Vater die Arbeit auf andere abwälzt.
Nun kommen wieder Gedanken und damit auch Gefühle Johannas ins Spiel. Sie hätte gerne gehabt, dass der Vater ihr die schwere Schüssel abnimmt, doch der denkt gar nicht daran.
Hier ist auch wieder augenscheinlich, das Reden nicht gang und gäbe in dieser Familie ist. Hätte Johanna ihrem Vater gesagt: Hilf mir bitte, die Schüssel zu tragen. Sie ist mir zu schwer und das Wasser zu heiß, hätte ihr der Vater sicher auch geholfen.
Was nutzen Gedanken, wenn man sie nicht ausspricht?
Und was nutzte der Ausspruch der Mutter, lieber einen Sohn zu bekommen, anstatt sich zu freuen über ihre Mädchen? Welches Licht wirft das auf die Kinder, die diese Worte mitbekommen? Wie fühlen sie sich? Und gerade Johanna?
Als das Mädchen dann das Zimmer der Mutter betrat, gellte abermals ein Schrei, schlimmer noch wie vorher. Er gellte so laut, das sich Johanna ihre Ohren zuhielt und es nicht mehr ertrug.
Just in diesem Moment kommt das Baby zur Welt. Die Hebamme hält das Kind, mit dem Kopf nach unten, und es schreit.
Wieder ein Schrei! Dann folgt dieser Abschnitt:

Das Kind tat ihr nicht leid. Sie fand es nur gerecht, dass es gleich als Erstes eine Tracht Prügel bekam, weil es die Mutter so gequält hatte, und auch weil sie sah, dass es wieder ein Mädchen war und deshalb ein Unglück für sie alle.

Was bedeutet dieser Satz? Welche psychologischen Hintergedanken flickt die Schriftstellerin hier ein? Lesen wir den Satz mehr als einmal, wird die Bedeutung klar.
Ein Potential der Gewalt ist darin enthalten. Ein Stück Hass, vielleicht unbewusst so etwas wie verletzter Stolz, Schadenfreude auf jeden Fall, ein Kampf mit sich selbst, der kleinen Johanna. Wieso waren ihr die Mädchen nicht gut genug? Das hast du jetzt davon!
Johanna konnte ihren Wert, den Schatz, der sie eigentlich war, nicht für sich selbst feststellen, weil sie den Boden unter den Füßen verlor, als sie hörte, was ihre Mutter zum Vater sagte.
Der Vater, ein Alkoholiker erkannte seinen Wert nicht, weil er wahrscheinlich nicht nur in diesem einen Augenblick betrunken war.
Wie hätte das Mädchen feststellen können, welchen Wert sie besitzt, wenn sie sich abgelehnt und zurückgestoßen fühlt?
Die Hebamme ergreift das Wort und spricht ruhig mit dem Mädchen. Der innere Twist spielt sich in diesem Moment zwischen Johanna und ihrer Mutter ab. Die innere Ablehnung des Mädchens legt sich auf die Mutter.
Dann wird die Ausdrucksweise derb, ich würde sogar sagen aggressiv:

Das Mädchen tat wie ihm befohlen, sah dabei zur Mutter hinüber, die wie tot im Bett lag. Der Mund stand ihr offen, das Haar klebte ihr auf der Stirn, und weiter drunten war alles vom Blut durchtränkt - als hätte man im Bett eine Sau geschlachtet!

Das Mädchen, Johanna, empfindet keine Wertschätzung, keine Liebe für die Mutter. So wie sie mit ihren Kindern umging, so ist auch Johanna.

Ruhig und beflissen, gehorsam macht das Mädchen alles, was die Hebamme von ihr verlangt. Woran mag das wohl liegen? Die Hebamme hat freundliche, warme Worte für das erst 9jährige Kind, geht darauf ein und so bockt sie nicht und hegt auch keine aufmüpfigen Gedanken gegen sie.
Daraufhin schüttete Johanna die Schüssel Wasser mit dem Blut der Mutter auf Geheiß der Hebamme aus. Auch hier folgen wieder die abstoßenden, den Ekel und Widerstand zeigenden Gefühle und Gedanken des Mädchens. Gruselig fast, schauderhaft auf jeden Fall folgen dann flüssig zu lesende Worte, als hätte das Kind ein Stück der Mutter durch ihr Blut mit weggeschüttet.
Kein Stück Reue, kein: Wie kannst du so was überhaupt denken, so als sei Johanna froh, das weggespült zu haben, was tief in ihr selbst steckt, nämlich als Mädchen nichts wert zu sein.
Johanna kehrt zurück und der Vater sitzt vor einer Flasche Schnaps. Genau das, was ich mir dachte. Der Vater ein Alkoholiker.
Wer der beiden Elternteile ist ein Vorbild für die Mädchen? Und: Ist das Gottes Strafe, das die beiden nicht den erhofften Sohn bekamen? Wie wäre es gewesen oder geworden, hätten sie wirklich einen Sohn bekommen? Wäre der genauso geworden wie sein Vater? Ein Mann eines Tages, der herumschreit, seine Aggressionen in Worten an seinen Geschwistern, den Eltern, seiner Frau ausließe, wenn er überhaupt eine bekäme?
Johanna sagt ihrem Vater, er soll bei der Hebamme nach dem Kind sehen. Die einzigen Worte: Ist es ein Junge? Dann brauche ich auch nicht hinzugehen.
Wieder ein Schlag ins Gesicht für die kleine Tochter, denn was soll sie schon denken? Auch der Vater mag mich nicht?
Johanna sehnte sich nach Liebe, Wärme, Geborgenheit, Schutz und Sicherheit, aber wo blieb das alles?
Dann brachte Johanna ihre Geschwister zu Bett.
Na. Was soll man denn davon halten?
Hinter jedem Satz der Autorin versteckt sich Tiefgründigkeit. Im ersten Moment sagt das Geschriebene nicht sehr viel aus, aber denkt der Leser darüber nach, steckt sehr viel dahinter.
Es ist Entsetzen zu spüren, Brüskierung über das Verhalten der Mutter, darauf des Vaters, dass ich nur noch den Kopf schütteln konnte und mich eine Gänsehaut überlief.
Aufgaben der Erwachsenen übernimmt die 9jährige. Das ist auf jeden Fall nicht in Ordnung. Den Erwachsenen zur Hand gehen, was sie bei der Hebamme macht, ja, das ist ok.
Während des Lesens kam es mir so vor, als sei die Frau eine Maschine ihres Mannes, denn sie gebiert und gebiert und immer dann, wenn es ein Mädchen geworden ist, muss noch ein Versuch gestartet werden, damit eines schönen Tages ein Junge zur Welt kommt.
Ein Psychoroman durch und durch, der unter die Haut geht, der Gänsehaut entstehen lässt und beim Lesen die Haare zu Berge stehen lässt.
Unweigerlich las ich zwischen den Worten und Zeilen die Hintergründigkeit des Textes, der gut und flüssig geschrieben ist, toll ausgeklügelt, in einfache Worte gepackt, die nachhaltig wirken.
Irgendwann konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen und wollte einfach nur noch wissen, was die Schriftstellerin noch so parat hält in diesem Buch und wie es zur Niemalsbraut kommen würde.
Dann kommt die Hebamme zum Vater und eröffnet dem Betrunkenen, er möge sich eine Magd ins Haus holen, auch zum Stillen seiner Tochter, denn die Frau würde sterben.
Interessant ist die Geschichte von Anfang an, aber Spannung kommt hier auf.
Wie reagiert ein Mann, vom Bier und Schnaps benebelt, auf solche Worte? Wie würde er reagieren darauf, dass es "nur" eine Tochter ist? Was würde er über die "Niederlage" seiner Frau und sich selbst denken?
Dann wird es im Text konkreter und wir als Leser schauen auf den 18. Februar 1869. Der Arzt kommt vorbei, schaut nach der Frau, die ihr Kind geboren hat und sagt dem Vater dasselbe wie die Hebamme.
Wie sollte es auch anders sein bei einem Alkoholiker, als das er sagt, die Magd käme erst ins Huas, wenn seine Frau wirklich tot wäre. Was ist von einem Alkoholiker zu erwarten? Eine Entscheidung? Die ganz sicher nicht. Bevor die fällt, gibt sich der Mann dem nächsten Rausch hin.
Am nächsten Morgen schickt der Vater seine Töchter zur Mutter ans Bett, damit sie sich verabschieden. Die Mutter zieht Johanna zu sich heran. Dann das:

Johanna war die Einzige, die sie je geliebt hat. Ihre anderen Töchter waren ihr gleichgültig geblieben, so wie ihr Mann ihr Herz nie hatte erweichen können. Es gehörte einem anderen. Markus Lohrbacher hieß er und war ein Schreinergeselle, der aus Wasserburg stammte und auf der Walz in Grassau hängen geblieben war.
Auch hier sind stille Wasser sehr tief. Die Vergangenheit hatte die Frau nie losgelassen und konnte sich deshalb nie auf die neue Beziehung einstellen, nämlich auf die Beziehung mit dem Mann, den sie heiratete
Ihr Vater verbot ihr die Hochzeit zu dem geliebten Mann und so musste sie den anderen heiraten. Wo also führen die Wege hin, die man sich selbst nicht wählen kann und darf? Ins Verderben.
Johanna war und wurde dann ihre Tochter von diesem einen geliebten Menschen, den sie nicht heiraten durfte. Das ist der Grund, warum sie Johanna liebte und sie immer in ihrem Herzen trug. Aber warum bekam Johanna das nicht mit?
Eine Amme kommt ins Haus und sie sorgt sich liebevoll um das Neugeborene und stillt es. Sie lächelt dabei. Das kennen die übrigen Geschwister wahrscheinlich gar nicht.
Was ging in Johanna vor sich? Woher kam die Brutalität und der Hang zur Gewalt? Selbst an ihrer kleinsten Schwester?
Erschrecken nistete sich in mir ein, als ich das hier las:

Später, als Johanna ihre Schwestern zu Bett brachte, sagte sie ihnen, dass das Kind daran schuld sei, dass die Mutter sterben musste, und dass sie es hassen sollten, bis an ihr Lebensende.

Und weiter:

Zwei Tage später, in der Nacht zum 21. Februar, nahm Johanna das schlafende Kind aus der Wiege und legten es oben ganz vorne an den Rand der Treppe. Sie hofften, es würde sich durch Strampeln selbst hinunterstürzen und wäre dann tot.

Das Buch ist sehr spannend, sogar atemberaubend spannend geschrieben mit sehr vielen psychologischen Aspekten, die zu suchen, aber auch zu erkennen sind. Es macht Spaß, zu sehen, dass es auch im 19. Jahrhundert Familien gab mit ihren Problemen, deren Arme weit in die Zukunft reichen und Menschenleben zerstören, in ihrer Seele. Das gibt es auch heute noch in der Form oder ähnlich.

29 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Matze081

    16.04.2012, 17:52 Uhr von Matze081
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüße aus Greifswald ;)

  • XXLALF

    16.04.2012, 10:19 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...und einen guten wochenstart

  • anonym

    16.04.2012, 10:09 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr gute Vorstellung von Dir

  • anonym

    16.04.2012, 06:49 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW und einen guten Wochenstart