Manche Männer sind doch Schweine! Das trifft wohl besonders für den frisch verstorbenen Gatten von Grace Trebethyn zu, der vermutlich beim Suchen der Flugzeugtoilette die falsche Türe genommen hat und so wenigstens zu einem angemessenen Ende kam. Jeder in dem kleinen englischen Dorf, in dem Grace lebt, scheint das zu wissen. Jeder, ausser Grace. Und so sieht sie sich in dem Monat nach seinem Tod immer mehr den Trümmern ihres Lebens gegenüber: Kein Privatvermögen, kein Aktienportfolio (was immer das sein mag), zwar ein schweizer Nummernkonto, aber kein Geld darauf und das 300 Jahre alte hochherrschaftliche Anwesen ist mit Hypotheken in Höhe von 300.000 Pfund belastet. Was Grace tut, um ihr Haus und ihre Ehre zu retten (wieder einmal ist der Originaltitel deutlich treffender, denn "Saving Grace" bedeutet nicht nur, dass Grace gerettet werden soll, sondern auch, dass man sein Gesicht wahrt), wurde in den anderen Meinungen schon zur Genüge beschrieben und das zeigt auch der Trailer überdeutlich. Da muss ich also nicht weiter ins Detail gehen.
Waren englische Filme während der 80er Jahre positiv formuliert sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, hat in den 90ern das sogenannte britische Independentkino ein paar echte Perlen rausgebracht, die bis auf das hollywood-gesponsorte "Four Weddings and a Funeral" (ich kann gar nicht oft gnug erwähnen, dass ich bei Matthew's Grabrede auch nach dem zehnten Mal noch immer feuchte Augen, Gänsehaut und einen Kloss im Hals bekomme) zumeist Geheimtips blieben. Oder wer hat schon "Shooting Fish" (der auf Video "Kleine Fische, Grosses Geld" heisst - suuuper!), "Bube, Dame, König, GrAS" ("Log, Stock and Two Smoking Barrels") oder auch "Lang Lebe Ned Devine" gesehen? Zu letzerem drängen sich gewisse Parallelen auf. Denn sowohl "Ned Devine" als auch "Grasgeflüster" spielen in einer kleinen, verschworenen Dorfgemeinschaft, die sich zur Not auch mal gegen die Autorität verschwört, beide beschäftigen sich damit, der Gemeinschaft (oder zumindest einem kleinen Teil dieser Gemeinschaft) auf nicht ganz legalem Weg Geld zu beschaffen und beide leben nicht zuletzt von ihren skurillen Charakteren, die trotz aller Überzeichnung immer noch glaubwürdig wirken. Mit dem gleichen rauhen Charme, wie das britische Wetter, leben diese Menschen am Ende der Welt. Da muss man ja verschroben werden. Wobei ich mich schon bei dem ein oder anderen Typen gefragt habe, wie da gecastet wurde: "Seeking ugly Face, slight dumb looks very welcome". Aber egal, das macht die Figuren an sich nur noch sympathischer.
Vom Trailer her könnte man vermuten, dass "Grasgeflüster" eine Kifferkomödie ist, was im schlimmsten Fall an Cheech und Chong denken liesse, im etwas besseren Fall an "Homegrown" (den auch niemand gesehen hat). Aber weit gefehlt! "Grasgeflüster" ist weitaus mehr, als eine Komödie, die ihren Witz lediglich daraus bezieht, Figuren zu zeigen, die ahnungslos ihren ersten Marihuanarausch erleben. Das kommt natürlich auch vor und ist äusserst spassig anzusehen, aber das ist nichts Neues. Das ist nichts, was diesen Film in Erinnerung bleiben lässt. Es sind wieder einmal die leisen, ernsten Töne, die mich positiv überrascht haben, hatte ich sowas doch gar nicht erwartet. Wenn Grace langsam dämmert, was für ein Mistkerl ihr Mann war, wenn sie ihre Konkurrentin zum Tee da hat und sich von ihr schmerzliche Wahrheiten erzählen lässt, wenn der Gärtner erfährt, warum seine Freundin in letzter Zeit so zickig ist, dann hat "Grasgeflüster" seine stärksten Momente. Dazu kommt noch eine Kameraführung, die in jeder Einstellung deutlich macht, dass Regisseur Nigel Cole sein Land liebt. Denn die Aufnahmen der Landschaft sind atemberaubend.
Und zum Glück überwiegen diese Momente und der Humor, sodass man dann auch bereit ist, dem Film sein schwaches Ende zu verzeihen. Aber vermutlich war das die einzige Möglichkeit den Film zu einem Happy-End zu bringen, dass Grace nicht als neue "Ma, die Zweite Baker" in die Kriminalität abgleiten lässt. Und so liegen sich am Ende eben alle Dorfbewohner in den Armen und heben ihre Gläser auf die neue, wenig überzeugende Karriere ihres prominentesten Geminschaftsmitglied. Und da haben wir wieder eine Parallele zum letztjährigen "Ned Devine". Wobei das Ende bei "Ned Devine" einen weniger säuerlichen Nachgeschmack hinterlassen hat...
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Bekiffte Komödie, 23.06.2005
Eine unglaubliche englische Komödie hat Regisseur Nigel Cole in Szene gesetzt. Ein paar Worte zur Geschichte: Die Story beginnt mit der Beerdigung von Grace’s Mann. Sie trauert, macht sich aber um ihre finazielle Situation keine Sorgen, denn sie hat ein schönes Haus, ein vermeintliches Barvermögen und sind will...
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Yopi-Autor:
Dobby
Bewertung:
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