Vor drei Jahren überlegte ich mir doch mal nach Lateinamerika zu fahren und dabei nicht nur wie bisher mir meinen Rucksack zu schnappen und von einem Ort zum anderen zu reisen, sondern mal länger an einer Stelle zu bleiben und Leute vor Ort kennen zu lernen. Bei der Suche nach Möglichkeiten das ganze von Deutschland aus zu organisieren stieß ich auf das aktuelle Programmheft der IJGD. Also meldete ich mich sofort an, nahm an den beiden Vorbereitungsseminaren teil, und schon saß ich im Flieger nach Südamerika. Aber fangen mir ganz am Anfang an:
WAS SIND DIE IJGD?
IJGD steht für Internationale Jugendgemeinschaftsdienste e.V. und sind ein gemeinnützig anerkannter, kirchlich und parteipolitisch unabhängiger Verein, der Freiwilligendienste in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt organisiert. Hierzu zählen sowohl FSJ, FÖJ, Praktika als auch Workcamps und MTVs (Medium Term Volunteership). Im folgenden werde ich mich jedoch ausschließlich auf Workcamps und MTVs im sogenannten AALA-Bereich (Afrika, Asien, Lateinamerika) beziehen. Die IJGD wurden bereits 1948 von einer Gruppe Hannoveraner SchülerInnen gegründet und sind somit eine der ältesten und auch erfahrensten deutschen Workcamporganisationen.
WAS IST EIN WORKCAMP?
Da die wörtliche Übersetzung ins Deutsche „Arbeitslager“ wäre, und sich das ja eher nicht so schön anhört, hat sich der englische Begriff Workcamp (WoCa) auch bei uns eingebürgert. Bei internationalen Workcamps arbeiten junge Leute aus der ganzen Welt für einige Wochen (i.d.R. sind es drei, es gibt aber auch WoCas, die zwei, vier oder sechs Wochen dauern) zusammen und helfen z.B. beim Bau einer Schule, bei der Betreuung von Kindern, oder in ökologischen Projekten. Wer möchte kann natürlich auch länger im Land bleiben und noch rumreisen, oder auch mehrere WoCas hintereinander machen. Vorkenntnisse sind meistens nicht erforderlich, wobei Kenntnisse der Landessprache meist unabdingbar bzw. wünschenswert sind.
WAS IST EIN MTV?
Im Gegensatz zu WoCas arbeiten die Teilnehmer am MTV-Programm (Medium Term Volunteership) nicht in Gruppen sondern alleine (oder gelegentlich auch zu zweit). Der Aufenthalt vor Ort dauert meist zwei bis sechs Monate (kann aber i.d.R. auch noch im Gastland verlängert werden). Für die Arbeit in meist sozialen Projekten (Unterricht, Betreuung, Internet-Auftritte) sind i.d.R. Vorkenntnisse wünschenswert. Außerdem sind Sprachkenntnisse unabdingbar.
TEILNAHMEBEDINGUNGEN
Um an einem WoCa teilzunehmen müsst ihr mindestens 18 Jahre alt sein, bei MTVs liegt das Mindestalter bei 20 Jahren. Nach oben gibt es zwar eine offizielle Altersgrenze von 26 Jahren, welche allerdings nicht allzu strikt gehandhabt wird. Wobei man sich aber mit über 30 genau überlegen sollt, ob man wirklich Lust hat an einem WoCa mit mehrheitlich 18 - 22jährigen teilzunehmen.
Für die Gesundheitsvorsorge (Impfungen,...) sind die Teilnehmer selbst verantwortlich. Außerdem verpflichtet man sich bei Anmeldung dazu an zwei Vorbereitungsseminaren (i.d.R. Ostern und Pfingsten) in Deutschland teilzunehmen. Falls man bei Anmeldung noch nicht über die nötigen Sprachkenntnisse verfügt muss man sich diese bis zu Beginn des WoCas bzw. des MTVs aneignen (gegebenenfalls im Gastland noch einen Sprachkurs machen).
Und außerdem sollte man auch ein wenig Interesse am Interkulturellen Lernen und Austausch mitbringen.
KOSTEN
Die gesamten Kosten belaufen sich auf € 750,- bis 1.250,-. Die hängt ganz davon ab, wohin man geht und wie viel man für den Flug bezahlen muss. Enthalten in dem Betrag sind die der Flug, der Teilnahmebetrag für zwei Vorbereitungsseminare und ein Auswertungsseminar in Deutschland und der Betrag, der an die Partnerorganisationen vor Ort geht für Unterkunft und Verpflegung. Wenn man sich nach den Vorbereitungsseminaren entscheidet doch lieber hier zu bleiben, wird das Geld (bis auf € 75,- für die beiden Seminare) zurückerstattet. Falls die Partnerorganisation einen Bewerber ablehnt erhält dieser die gesamte bis dahin überwiesene Summe zurück.
DIE VORBEREITUNGSSEMINARE
Die Vorbereitungsseminare, die immer in der Nähe von Kassel/Göttingen statt finden, sollen einen realistischen Eindruck vom Gastland vermitteln. Und die Erwartungen der Teilnehmer werden geklärt, so dass niemand mit einem gänzlich falschen Bild, von dem was ihn erwartet aufbricht und somit vollends enttäuscht wird. Am besten fand ich selbst, das auch viele ehemalige Workcamper über ihre persönlichen Erfahrungen berichteten und es mir somit erleichterten, das für mich passende Camp auszuwählen.
Auf dem zweiten Vorbereitungsseminar geht es mehr um Aspekte der Nord-Süd-Beziehungen. Außerdem werden in Deutschland lebende Migranten eingeladen, mit denen man in ihrer Muttersprache über ihr Heimatland sprechen kann.
DAS AUSWERUNGSSEMINAR
Nachdem man wieder zurück in Deutschland ist erhält man von den IJGD eine Einladung zum Auswertungsseminar, an dem die Teilnahme jedoch freiwillig ist. Hier hat man noch mal die Möglichkeit alle Leute von den Vorbereitungsseminaren wiederzutreffen und die Arbeit in den WoCas und MTVs auszuwerten. Außerdem bekommt man viele Informationen darüber, wie man sich in Deutschland weiter engagieren kann, sowohl innerhalb, als auch außerhalb der IJGD.
WEITERARBEIT BEI DEN IJGD
Wenn man wieder in Deutschland ist bietet IJGD viele Möglichkeiten der Weiterarbeit an. So kann man sich zum Seminarleiter ausbilden lassen, und dann selbst die Vorbereitungsseminare im nächsten Jahr leiten.
Jeden Januar trifft sich das AALA-Plenum und berät die zukünftige Workcamp- und MTV-Arbeit. Hier kann jeder teilnehmen und mitdiskutieren, der einmal mit den IJGD im Ausland war. Oder man kann auch zu IJGD-Deutschland wechseln und dann hier Workcamps leiten (dies ist natürlich auch möglich, ohne vorher etwas mit den IJGD zutun gehabt zu haben).
IN WELCHEN LÄNDERN GIBT ES WoCas UND MTVs?
2003 gibt es Workcamps in:
Ghana, Elfenbeinküste, Sierra Leone, Togo, Südafrika, Tansania, Kenia, Zimbabwe, Senegal, Äthiopien, Nicaragua, Honduras, Argentinien, Chile, Mexiko, Thailand, Nepal, Indien und Bangladesh.
sowie MTVs in:
Thailand, Indien, Bangladesh, Elfenbeinküste und Guatemala
SPRECHKURSE
Früher gab es in Anschluss an die Vorbereitungsseminare noch die sogenannten Sprechkurse, um die Teilnehmer auch sprachlich vorzubereiten. Da jedoch vor zwei Jahren die staatlichen Zuschüsse gestrichen wurden, mussten diese leider abgeschafft werden. Ab 2003 werden aber in Berlin (und leider nur hier) erneut Sprechkurse für Afrikanisches Französisch, Lateinamerikanisches Spanisch, Twi und Swahili angeboten.
WIE LIEF DAS ALLES BEI MIR?
Also im Dezember 1999 meldete ich mich für ein Workcamp in Lateinamerika an und überwies dann auch gleich die Anzahlung. Ostern 2000 fuhr ich dann zu meinem ersten Vorbereitungsseminar nach Göttingen, oder genauer gesagt nach Fredelsloh. Wir waren so in etwa 20 Teilnehmer, größtenteils zwischen 19 und 23. Die drei Seminarleiterinnen waren alle im vorherigen Jahr in Mexiko gewesen und konnten so sehr viel darüber erzählen, was sie dort erlebt hatten. Zu Beginn wurden die Partnerorganisationen in Lateinamerika vorgestellt und natürlich auch die Workcamps. Wir bekamen auch eine recht umfangreiche Matte mit vielen Informationen hierüber in die Hand gedrückt und konnten uns nun erst einmal genau informieren. Eigentlich war ich mit dem Plan zum Seminar gefahren im Sommer ein Workcamp in Nicaragua zu machen. Nachdem ich dann aber mitbekam, um was es sich dabei genau handelte, entschied ich mich dann doch lieber für ein WoCa in Mexiko. Und das war eine echt gut Entscheidung von mir.
Ich bin dann schon einen Monat vor Beginn des Workcamps rübergeflogen, um noch einen Sprachkurs ein Morelia (ca. 5 Stunden westlich von Mexiko-Stadt) zu machen. Danach ging es dann nach Puerto Angel im Süden des Landes, wo ich dann mit acht anderen (3 Franzosen, 1Italiener, 1 Spanierin, 2 Japaner und ich) in einer Schule gearbeitet habe. Da gerade Ferien waren konnten wir im Schulgebäude wohnen. Tagsüber haben wir gemeinsam mit den Lehrern an einem Erweiterungsbau gearbeitet. Da die Schule auch in den Ferien zentraler Anlaufpunkt der Kinder war, haben wir auch viel mit denen zu tun gehabt. So habe ich z.B. einige Male den älteren Kindern Englischunterricht erteilt. Kurz gesagt, es war einfach Klasse.
Ob ich noch mal ein Workcamp in Mexiko machen würde glaube ich eher nicht. Erstens bin ich dafür langsam zu alt, außerdem wenn würde ich auch gerne mal nach Afrika gehen. Gibt ja genug Möglichkeiten.
Abschließend kann ich wirklich jedem nur empfehlen mal an einem Workcamp oder an einem MTV im Ausland teilzunehmen. Man kann so ein fremdes Land viel besser kennen lernen und auch Freunde finden, als dies als Rucksack- oder Pauschaltourist jemals möglich wäre.
KONTAKT
Homepage: www.ijgd.de
eMail: ijgdbln@aol.com
Telefon: 03 0-6111092
Fax: 030-6111094
Adresse: IJGD-AALA-B ereich
Glogauer Str. 21
10999 Berlin
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