Green - R.E.M.
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Testbericht Green - R.E.M.

(5,0 von 5)
Platz 276 in der Kategorie "CDs: Musik aller Interpreten".
Bewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 (5,0 von 5)
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Testbericht über Green - R.E.M.

Politik, Umwelt & der Dollar

erstellt am: 08.12.2002, von
Produktbewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Empfehlung:ja
Die Platte ist zwar gar nicht grün, heißt aber Green. R.E.M. gaben damit anno 1988 ihren Einstand beim Major Label Warner. Heute will ich mich dieser Platte widmen, die weniger bekannt ist als der Rest des R.E.M. Schaffens – zu Unrecht, wie sich hoffentlich zeigen wird...


Die Band

Wer meine Berichte zu R.E.M. CD’s bereits kennt, der weiß auch was nun folgt & darf den Abschnitt auch ruhig überspringen (der Rest ließt bitte aber weiter!); hier also die Band- geschichte:

R.E.M. sind 4 Leute aus Athens, Georgia, einer Kleinstadt im Süden der USA, die außer einer Uni und einer regen Künstlerszene wohl wirklich nicht viel zu bieten hatte.Die Band traf sich mehr zufällig, einer kannte den anderen, der kannte wieder rum den nächsten, etc..

R.E.M. sind:
(John) Michael Stipe, Sänger, Texteschreiber und charismatisches Aushängeschild der Band.
Peter Buck, wandelndes Musiklexikon und Gitarrist.
Mike Mills, Bass, mit einer zwischenzeitlichen Vorliebe für extrem hässliche Anzüge.
Bill Berry, bis New Adventures in Hi-Fi aus dem Jahre 1996 Drumer der Band.

Angefangen hat wohl alles bei einem legendären Konzert der 4 zusammen in einer ehemaligen Kirche in der Oconee Street in Athens. Das zur WG umfunktionierte Gotteshaus bot prima Platz um Parties zu feiern, auf einer dieser dann R.E.M. zum ersten Mal zusammen spielten. Seitdem probte man immer weiter, nahm später die EP Chronic Town auf. Die verkaufte sich verhältnismäßig gut, die Single Radio Free Europe wurde ein College Radio Hit. 1983 erschien dann die erste Platte Murmur. Was folgte war in etwa das hier: alle 2 Jahre eine Platte, dann der Wechsel des Labels zu einem Giganten der Plattenindustrie, zu Warner Bros., wenige Jahre später der Hit mit Losing My Religion, dann der Bekanntheitsgrad einer Topband vergleichsweise mit Acts wie U2, dann weiter Platten, gute Verkaufszahlen, aber nie mehr ein Megahit, dafür aber weitere unzählige zeitlos schöne Songs bis heute.

Aber blicken wir zurück an die Schwelle, den Wendepunkt zwischen Indie und Mainstream, es ist das Jahr 1988. Die Politik des Landes gefällt Michael Stipe nicht sonderlich, er engagiert sich zunehmend selbst; die 80er dümpeln vor sich hin, nichts tut sich. Gerdae jetzt wollen R.E.M. Aussagen bringen, Statements setzen. Mit Green tun sie das zweifelsohne...


Cover & Booklet

Green in schwarzen Buchstaben, ein einfaches Schriftbild, drunter R.E.M., unterlegt mit gelb, grauen Pfalnzen, ein Naturmotiv. Das ist das Cover der Platte. Nimmt man es heraus, wird es zum aufklappbaren Booklet.

Dessen eine Seite ist in Gelbtönen gehalten und zeigt einen R.E.M. Schriftzug, ein Photo der Band und lauter Pflanzen im Hintergrund. Die andere Seite des Faltblatts ist weiß mit schwarzen Lettern, dahinter eine gräuliche Holzstruktur gelegt, darüber das Wort Green verteilt. Hier findet man neben den üblichen Credits etwas für R.E.M. völlig neues: sie drucken zum ersten Mal einen Text ab, nämlich den zum Song World Leader Pretend, um eben dessen Bedeutsamkeit zu unterstreichen.


Die Songs

Pop Song 89 – Eine Parodie auf den Pop Song, wie Stipe ihn sich in einem Jahr vorgestellt hat. Nicht sehr optimistisch, sieht man sich Zeilen wie folgende an: Should we talk about the weather, should we talk about the government? fragt Stipe da, und belangloser geht’s wohl nicht, denn damit trifft Stipe wohl den Zeitgeist der 80er genau. Belanglosigkeit, Austauschbarkeit, sowohl im Leben als auch in der Musik, im Pop Song.

Get Up – Politische Teilnahmslosigkeit, man soll aufwachen, denn Zeit zu handeln ist jetzt, nicht später. Mehr will der Song auch nicht, denn das Leben verschlafen, dass kann jeder, You've got all your life (way up ahead). Also mach was drauß. Einfache Message, zweifelsohne, dazu verpackt, in aufrüttelnde Töne, Melodien, motivierend und anstachelnd zugleich.

You Are The Everything – Sometimes I feel like I can’t even think, I’m very scared of this world, aber dann bist du da, und das reicht aus. Denn du bist alles. Eine einfache Liebeserklärung, allerdings in einer bedrückten Welt, deren Enge einen erdrücken mag. Die Musik fließt und dem Text herum, schließt ihn ein, lockert sich nie auf. Aber am Ende bleibt’s dabei, you are the everything.

Stand – Orierntierungssuche in der zeit der Orientierungslosigkeit. If you are confused, check with the sun, carry a compass to help you allong, mehr kann man nicht tun. Es sei denn man bleibt wo man ist, stand at the place where you are, ein guer Rat, will man nicht untergehen, verwirrt auf die Suche nach Sinn gehen, den es wohl immer weniger zu geben scheint. Aber Stipe formuliert das ungeheuer positiv, mehr als Ratschlag, als Lebensweisheit, die aber auch ausreicht.

Wold Leader Pretend – It seems like it's all...it's all for nothing, aber das kann nicht sein. Denn dieser Song ist wohl mit das Kernstück der Platte, nicht umsonst druckte die Band den Text im Booklet ab, ein Novum in der Bandhistorie. This is my mistake. Let me make it good, I raised the wall, and I will be the one to knock it down heißt es da; denn nur jeder für sich, kann das Schicksal des Lebens lenken, aber eben damit auch das der anderen Menschen und der Welt. Fehler muss man selbst beiseite schaffen und dann ist klar, This is my life and this is my time, I have been given the freedom to do as I see fit...

The Wrong Child – Man sieht sich vielleicht die Welt draußen an, obwohl die Welt dort draußen einen selbst nicht sehen will. I will try to sing a happy song, I'll try and make a happy game to play, denn man probiert dennoch dort rein zu passen, sich anzupassen und damit wieder fertig zu werden. Tell me what it's like to go outside, I've never been, tell me what it's like to just go outside, I've never been and I never will, man fragt, man weiß, man gehört nicht dazu. Tragisches Außernseitertum und man weiß, I’m not supposed to be like this...

Orange Crush – Follow me, don't follow me, Treue, Pflicht, all das wird in diesem Stück hinterfragt. Natürlich lassen eingemischte Geräusche das Trauma Vietnams hoch kommen, aber das ist wohl beabsichtigt. Agressiv, eingängig, melodieös.

Turn You Inside Out – I can turn you inside out, but I choose not to do, Verführung, Stiper reflektiert wohl auch über sich selbst in diesen Zeilen. Machtspiele, mit der Masse, vielleicht einem Publikum. Oder eben in Beziehungen allgemein, was der andere einem selbst und umgekehrt antun kann und was man eben zulässt. Manipulation als Songinhalt, aggresiv verpackt in ein agressives Lied.

Hairshirt – Here I am here I am in your life, it's a beautiful life, my life, it's a beautiful life, your life, darauf resümiert Stipe eine Beziehung. Ein verwirrender Song um Möglichkeiten in einer Beziehung, um reden, nicht reden, Konversationen, um das nicht Vorhandensein eben dieser, oder das Gegenteil. Was ein Hairshirt ist, dass vermag er nicht zu verraten...

I Remember California – History is made, history is made to seem unfair, Geschichtsbetrachtung einmal anders. Unfair erscheint diese einem selten, Stipe schon, denn so erinnert er sich eben, I remember this. Persönliche Eindrücke, wie es einmal war, At the end of the continent, at the edge of the continent, in Kalifornien...

(Untitled) – This world is big and so-awake, in der Tat, die Platte endet positiv in diesem verstckten Track. Musik und Text erzeugen eine beschwingte, aufschwingende Grundstimmung, einen Tonus des Optimismus, der über Green hinaus strahlen, könnte, wollte, sollte. Er oder sie, egal wer, soll stark bleiben, aber das geht nur, wenn jeder mit anpackt, eben auch man selbst...


Alle Songs sind geschrieben von Berry, Buck, Mills & Stipe; produziert hat die CD Scott Litt zusamnmen mit R.E.M..


Fazit

Der Wechsel zum Major bringt der Band vor allem eins: mehr Aufmerksamtkeit. Und so wollen sie auxch große Themen anschneiden. Politik, Umweltbewußtsein, hauptsache etwas von Bedeutung. R.E.M. beziehen hier auf Green Stellung, besser Stipe bezieht Stellung. Seine Texte drücken seine Meinung aus. Und die ist wie bereits erwähnt nicht immer positiv oder optimistisch.

Green ist aber deutlich anders als die IRS Vorgänger Platten. Irgendwie entsteht der Bruch zwischen Major und Indie. Man merkt dies einfach. Nicht umsonst scherzte die Band auch, das Green nicht für nur für Umweltfragen und -politik stehen könnte, sondern auch die Farbe der US-Dollarnoten wäre. Trotz allem beweisen R.E.M. aber weiterhin das Gespür für gute,gradliniege Popsongs. Und das ist letztlich, worauf es ankommt, egal wieviel eine Band daran verdienen mag.

Green ist sicherlich für manche nur der Vorgänger zu Out Of Time, dem Megaseller. Zu Unrecht, wie man selbst entdecken sollte. Gebt der Platte eine Chance, gebt eigentlich R.E.M. immer eine Chance. Denn auch noch Jahren weis mich diese CD immer noch zu fesseln...


----------------- by Northstar 02 -------------------


Abermals der Tipp für R.E.M. Fans:

R.E.M. – Rolling Stone – Fakten – Artikel – Interviews erschienen 1995 im Hannibal Verlag, ISBN 3-85445-107-5-00114. Das Buch trägt alle Artikel, Berichte, Interviews über und mit der Band aus dem renomierten amerikanischen Musikmagazin Rolling Stone zusammen. Von Murmur bis zum Datum der Veröffentlichnug des Buches aktuellen Monster.


Und ebenso nochmals ein weiterer Tipp:

Tretet dem offiziellen Fanclub bei: 12 $ im Jahr zahlen & dafür den Newsletter frei Haus und zu Weihnachten das Weihnachtspaket der Band, mit exklusiven (soll heißen: bald richtig teuer und sonst nirgendwo zu bekommen) CD’s, Postern, etc.. Infos auf der Website der Band unter: www.remhq.com (btw. Auch eine tolle Site, wo man derzeit noch immer r.e.m.IX runter laden kann!!!)! Lohnt sich wirklich!!


Diskographie:

1982 – Chronic Town
1983 – Murmur
1984 – Reckoning
1985 – Fables Of The Reconstruction (Of The Fables)
1986 – Lifes Rich Pageant
1987 – Dead Letter Office
1987 – Document
1988 – Eponymous
1988 – Green
1991 – Out Of Time
1992 – Automatic For The People
1994 – Monster
1996 – New Adventures In Hi-Fi
1998 – Up
1999 – Man On The Moon OST
2001 – Reveal
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