|
| erstellt am: |
08.12.2002, von Hindenbook |
| Produktbewertung: |
0
0 |
| Empfehlung: | nein |
1. Die Vorgeschichte (aus weiter unten aufgeführten Gründen dieses Mal unverzichtbar):
30.000 Jahre ist's nun her, da wird an der Küste des Schwarzen Meeres (das so natürlich noch nicht geheißen wird) Ayla, ein kleines, halb verhungertes, durch ein Erdbeben eltern- und stammeslos gewordenes Mädchen vom Schlage der Cro-Magnons (Sie und ich gehören ihm noch heute an) von einer Horde Neandertaler (der leicht vormenschlichen Konkurrenz), dem "Clan der Höhlenbären", gefunden und aufgenommen - recht widerwillig, entspricht doch die Neue mit ihrem schlanken, geraden Wuchs, den blauen Augen, der hohen Stirn und den blonden Haaren so gar nicht den Schönheitsidealen ihrer krummbeinigen, wulstbrauigen und wortkargen Gastgeber. Das hässliche Schwänlein muss unter vielen stolzen Enten denn auch ein an Zuneigung armes, doch an Knüffen und Püffen um so reicheres Dasein fristen, das durch die Feindschaft zwischen den "Anderen", wie die Neandertaler Aylas Rassegenossen (ja doch, das darf man hier sowohl biologisch als auch politisch korrekt sagen) nennen, und den "Flachköpfen", wie diese wiederum ihre urtümlichen Nachbarn schimpfen, nicht eben einfacher wird. Trotzdem arrangiert man sich, und Ayla schenkt sogar einem Sohn das Leben, der sich zwar schon im Vorschulalter rasieren müsste, aber trotzdem von seiner Mutter heiß geliebt wird, bevor diese ihn dem fiesen, intriganten Kindsvater überlassen muss, als der Clan der Höhlenbären sie schnöde verstößt.
("The Clan of the Cave Bear", 1978; dt. "Ayla und der Clan des Bären")
Es schließen sich einige einsame Lehr- und Wanderjahre eines Engels auf vorzeitlicher Erden an, der viel zu edel für diese Welt ist und daher (und dank eines schamanistischen Crash-Kurses bei erwähntem Höhlenbären-Clan) auch einen guten Draht zu Mutter Natur und ihren übersinnlichen Kindern besitzt, die irgendwo auf Wolke Sieben die Geschicke derer lenken, die da unter ihnen k(r)euchen und fleuchen. Einen Odem purer Güte und Nächstenliebe ausdünstend und im absoluten Wissen um die Heilkraft jedes Kräutleins, das da blüht, gelingt es Ayla, a) den bösen Wolf zum braven Haushund, b) das wilde Pferd zum geduldigen Reittier und c) den edlen Löwen zum Kingsize-Kätzchen zu zähmen. Nachdem sie das geübt und zur Vollendung gebracht hat, naht bald auch Mr. Right, der Werkzeugmacher Jondalar, wohlgestalt, einfühlsam, liebevoll und - nicht zu vergessen - ein toller Liebhaber. Dieses Gottesgeschenk an die moderne Frau von Vorgestern hat auf einer kühnen Reise, die aus der weit entfernten Heimat, der südfranzösischen Dordogne, die "Große Mutter" - den Fluss Donau - hinab führte, buchstäblich Schiffbruch erlitten und muss von Ayla erst wieder zusammengeflickt und gepflegt werden, bevor man sich näher kommen und die gemeinsame Rückkehr in die Zivilisation beschließen kann, was hier eine vieltausendkilometrige Expedition die Donau nun hinauf bedeutet.
("The Valley of Horses", 1982; dt. "Das Tal der Pferde")
Gar lang ist die Reise, hart und beschwerlich, und sie wird nicht einfacher dadurch, dass Ayla und Jondalar immer wieder warten müssen, während die Große Geistin dieser Urzeit- Welt - vulgo Jean M. Auel genannt - ihrer immer stärker werdenden Neigung frönt, jedem Grashalm, jedem Pilz und jedem Kleintier, der oder das am Wegesrande sichtbar wird, aus- und abschweifende Exkurse zu widmen ("essbar/heilend/kleidsam"). Kein Wunder, dass es gar nicht mehr vorwärts geht, als unser Paar auf echte Menschen trifft. Die Mamutoi oder Mammut-Jäger des Löwenlagers sind es, die den großen Urzeit-Elefanten nachpirschen. Da dies ein gefährliches Geschäft ist, kann man ihnen ein gesundes Selbstbewusstsein nicht absprechen. Ayla ist jedenfalls sehr angetan von diesem Stamm, und diese Zuneigung wird von einem seiner Mitglieder recht ungestüm erwidert: Der schwarzhäutige Ranec ist's, der hier der blonden Fremden nachzusteigen beginnt. Für den armen Jondalar brechen harte Zeiten an, denn der Rivale ist fast so ein guter Frauenversteher wie er, so dass seine Ayla über 800 Seiten hin- und hergerissen wird, bevor man wieder zusammenfindet und die Reise nach Frankreich neuerlich beginnt.
("The Mammoth Hunters", 1985; dt. "Mammutjäger")
Da man es nicht eilig hat, gehen die nächsten Tage und Wochen für Ayla und Jondalar damit hin, ihre angeschlagene Beziehung wieder zu kitten. Spannungen, die trotz wertvoller, endloser Frau-Mann-Gesprächen zurückbleiben, werden vorzeitlich unbekümmert in den Feuern der "Wonne" verbrannt. Nachdem man sich so die Donau- Auen hinaufdiskutiert und -gebumst und zwischenzeitlich immer wieder hustende Neandertaler oder bauchwehkranke Cro-Magnon-Genossen mit selbst gebrauter, ökologisch einwandfreier Medizin kuriert hat, wird es noch einmal dramatisch: Amazonen (!) verschleppen den viel geplagten Jondalar in ihr Lotterlager, wo er für viele kräftige Nachkommen sorgen soll. Die kluge Ayla kann ihn vor diesem schrecklichen Schicksal retten, und man setzt die Reise auf die oben beschriebene Weise fort. Dann gilt es noch einen großen Gletscher zu überwinden, und im Finale ist das Ziel schon zum Greifen nahe.
("The Plans of Passage", 1990; dt. "Ayla und das Tal der Großen Mutter")
2. Endlich: unsere Hauptgeschichte!
Home at last! Zwölf reale Jahre nach ihrer ausgedehnten Lust- und Studienreise erreichen Ayla und Jondalar endlich (endlich, endlich ...) die Dordogne und die Zelandonii der Neunten Höhle. Der Empfang ist allerdings nur partiell herzlich - die (angeblich) freigeistige Ayla eckt wieder einmal an. Das geht schnell in dieser höchst komplexen, von schier unendlich vielen, bekannten und ungeschriebenen (obwohl streng betrachtet bei Zelandoniis nur gemalt, nicht geschrieben wird) Regeln, Protokollen und Kodizes bestimmten Gesellschaft, die selbst das englische Könighaus vor Neid erblassen ließe. Gar nicht gut ist es außerdem, mehr zu wissen als der liebe Nachbar. Ayla kann Tiere zähmen und Feuer mit Hilfe von Steinen entfachen - Talente, die von den Priesterinnen des Clans mit Misstrauen und Konkurrenzängsten zur Kenntnis genommen werden. Aber Ayla spuckt grazil in die Hände und schickt sich beherzt an, ein weiteres Land unserer Ahnen im Sturm zu erobern. Mit gnadenloser Freundlichkeit und Herzenswärme sucht Mrs. Supertüchtig Höhle um Höhle heim, heilt alles Sieche nieder, beschämt die dummen, geilen Zelandonii-Kerls und gewinnt die Herzen der weisen Frauen. Schließlich stürmt sie sogar die letzte Klippe, auf der lange unbezwingbar die fürchterlichste Gegnerin hockt: Marthona, die gestrenge Schwiegermutter, der nicht gefallen mag, was Sohn Jondalar da aus fernen Landen in die Höhle Nr. Neun geschleppt hat. Doch von diesem Jondalar empfing Ayla in einem wahren Pandämonium der Liebe, des Glücks und des schlechten Geschmacks inzwischen ein Kind, das nach knapp tausendseitiger Schwangerschaft endlich das Licht der Welt erblickt und im bereits angedrohten sechsten Teil der "Erdenkinder"- Saga mit seinen Eltern, Freunden und Feinden sicherlich noch viele gute Zeiten, schlechte Zeiten durchleben und durchleiden wird.
3. Was sollen wir davon halten?
Da ist sie also wieder - die blonde Ayla, Schamanin, Super-Mom, Klassefrau & Mutter Theresa der Steinzeit. "Endlich", könnte man noch hinzusetzen, doch dies würde den Eindruck erwecken, man habe sich auf diese Rückkehr freuen können. Dabei schien endlich Ruhe zu sein im Urzeit-Karton, als wir Ayla und Jondalar vor nunmehr zwölf (!) Jahren verließen. In der Ferne winkten schon die Zelandonii: ein durchaus mögliches Ende für eine Saga, die sich längst in Agonie dahin schleppte. "Ayla und das Tal der Großen Mutter" war (und ist) eine Zumutung; eine geschwätzig-kitschige Seifenoper im pseudo- exotischen Gewande, künstlich über jede Lesbarkeit hinaus aufgeblasen durch ausufernde Landschaftsbeschreibungen, peinliche Folkloredarbietungen und vor allem durch die zum Wahnwitz geronnene Manie der Verfasserin, ihre Leser noch über die Herstellung der letzten Haarnadel exakt ins Bild zu setzen. Die Rekonstruktion des Steinzeit-Alltags war Jean M. Auel immer ein Herzensanliegen, zumal die literarische Umsetzung der Ergebnisse entsprechender Recherchen sie einer Verpflichtung enthob, der sie mangels Talent oder Disziplin selten nachkommen konnte: Spätestens seit "Das Tal der Pferde" erzählt Auel keine Geschichten mehr, sondern betätigt sich als Schreibautomat, bei dem nach jeweils tausend niedergeschriebenen Seiten die Batterie gewechselt wird.
Zwölf Jahre Pause - da sollte man eigentlich meinen, dass Auel mehr als genug Zeit gehabt hätte, sich endlich einmal etwas Neues einfallen zu lassen. Statt dessen mutet sie uns denselben Quark wie Anno 1990 zu, nur dass dieser inzwischen natürlich noch ein gutes Stück breiter getreten wurde. Schlimmer: "Der Stein des Feuers" ist eine dreiste Neuauflage von "Der Clan des Bären", nur dieses Mal ohne Neandertaler. Dass die Zelandonii statt dessen der Sprache mächtig sind, erweist sich sogar als zusätzliches Manko: Kein Mund will stillstehen in ihren Höhlen, und was wir hören, erinnert fatal an die Endlos-Seifenopern des US-Fernsehens. Mag ja sein, dass sich die Menschen seit 30.000 Jahren nicht grundsätzlich verändert haben und Intrigen, Klatsch und üble Nachrede auch den Alltag in den Höhlen der Dordogne bestimmten. Das möchte ich jedoch nicht unbedingt in epischer Breite nachlesen - und falls doch, dann bitte so, dass mir ob der unter dem Gewicht der ihnen aufgeladenen Klischees neandertalerkrumm daher kommenden Figuren, der Dämlichkeit der Dialoge oder des absoluten Leerlaufs der ohnehin weitgehend durch Abwesenheit glänzenden Story nicht ständig die Tränen kommen.
In einem ist Auel allerdings konsequent: Immer wenn man glaubt, nun könne es einfach nicht mehr schlimmer kommen, setzt sie mit Leichtigkeit einen drauf. Dieses Mal lässt sie ihren Panoramablick nicht nur über jeden Stein, jeden Strauch in und um die Zelandonii- Höhlen schweifen (wir können den Ort des langweiligen Geschehens anschließend en detail nachzeichnen). Zusätzlich wird ausführlich repertiert, was in den vorangegangenen vier Bänden der "Erdenkinder"-Saga geschehen ist. Sicherlich muss die lange Pause nach Teil 4 irgendwie überbrückt werden. Wieso dies nicht in einer Zusammenfassung vor dem Einsetzen der eigentlichen Handlung geschehen konnte, bleibt rätselhaft. Statt dessen nerven Ayla und Jondalar uns Leser, die wir ohnehin die Vorgängerbände alle kennen, mit uferlosen "Weißt Du noch?"-Histörchen.
Steigern lässt sich der Verdruss indessen mühelos: durch Auels ebenso hartnäckige wie vergebliche Versuche, neben der Alltags- auch die Geisteswelt der Steinzeit und hier das kultisch-Religiöse zum Leben zu erwecken. In der Archäologie und in der Ur- und Frühgeschichte gibt es die scherzhafte Faustregel, jeden Fund, der sich nicht anderweitig deuten lässt, diesem Bereich zuzuordnen. Gleichzeitig wird sich jeder Wissenschaftler, der diese Bezeichnung verdient, heftig hüten, Aussagen über Kult und Riten lange versunkener Kulturen zu treffen, die über allgemeine Theorien hinausgehen. Auel hat als Schriftstellerin dagegen freie Bahn, und diese Chance nutzt sie, nur leider wieder nicht besonders einfallsreich. Ihre Geisterwelt wird von allerlei Muttergottheiten bevölkert, die im Einklang mit der Natur (und Gott ist für Auel definitiv eine Frau) schwingen und stets wissen, was am besten ist für Mensch und Tier. Hinter der Dampfwolke aufwändig geschilderter (und wiederum breiiit ausgewalzter) Zeremonien treten allerdings keine kosmischen Wahrheiten, sondern recht hausbackene Binsenweisheiten zu Tage: Vertragt euch; hört auf eure Mütter/Frauen/Priesterinnen; seid nett zu Kindern, Tieren und Neandertalern. Wenn's dann nicht klappt mit Friede, Freude & Eierkuchen, tragen ganz gewiss die nicht unbedingt bösen, sondern eher ignoranten und nie ganz erwachsenen (oder zurechnungsfähigen) Männer die Schuld: Die "Ayla"-Saga startete 1978 (!) und ist in gewisser Weise selbst inzwischen zur historischen Quelle geworden - als (allerdings vielfach gebrochenes und trivialisiertes) Spiegelbild einer feministischen Weltsicht, wie sie vor einem Vierteljahrhundert en vogue war. "Die Vernichtung der weisen Frauen" hieß ein typischer Sachbuch-Bestseller dieser Zeit, der die europäischen Hexenverfolgungen des 13. bis 18. Jahrhunderts als Verschwörung missgünstiger und um ihre Macht fürchtender Patriarchen gegen ein Netzwerk kluger, heilkundiger, vor allem aber selbstständiger Frauen deutete. Diese Theorie hat sich inzwischen erledigt, und der Feminismus hat sich weiterentwickelt (und mit seinem Hauptstrom das "Haut-die-Männer"-Flussbett früherer Jahre verlassen); zurück blieb Ayla, die im Jahre 2002 im Alleingang die Fackel hoch halten muss, die Auels Leser ins matriarchalische Utopia leiten soll, wie es in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts inbrünstig beschworen wurde. Immerhin: Hübsch anzuschauen durfte Ayla trotzdem immer sein; so weit ging Auels schwesterliche Solidarität dann doch nicht, ihrem Publikum eine vierschrötige Höhlen-Walküre als realistischere Heldin zu präsentieren.
Den Rest erledigt popularisiertes New Age-Gewaber US-amerikanischer Prägung. Was sich in den Höhlen der Zelandonii abspielt, erinnert stets auch verdächtig an die Zeremonien, die sich die Medizinmänner (oder hier besser -frauen, die es ja auch gegeben hat) diverser Indianerstämme in der Vergangenheit ausgedacht haben. Tragisch: Erst hat man die nordamerikanischen Ureinwohner für Hollywood vom Pferd geschossen, nun werden sie von zivilisationsmüden und -übersättigten Heilssuchern verkitscht, die sich aus dem reichen Mythengut herauspicken, was ihren Weg ins gerade aktuelle Nirvana abkürzt und dabei möglichst spannend unterhält. Auel ist nicht so Besitz ergreifend, aber auch sie nutzt die indianische Kultur ihres Heimatlandes als Steinbruch, um der eigenen Fantasie auf die Sprünge zu helfen, die ja nicht besonders ausgeprägt ist, wie wir inzwischen nur zu gut wissen.
4. So etwas wie der Versuch einer Entlastung (oder: ein Exkurs über diese verkommene Welt)
Aber kann Jean M. Auel denn wirklich allein verantwortlich für das "Ayla"-Elend gemacht werden, das in Abständen wie die Pest über die lesende Welt kommt? Tatsächlich steht die Verfasserin sicher weit hinten in der langen Reihe derer, die eine simple Steinzeit- Schnulze in die Höhen eines kultigen Phänomens katapultiert haben. Vor nun knapp einem Vierteljahrhundert gab Auel ihr Bestes als hoffnungsvolle Neu-Autorin und traf mit einem im Rückblick ebenfalls mittelmäßigen, aber doch immerhin lesenswerten Werk den Geschmack eines Publikums, das zu diesem Zeitpunkt nur auf "Ayla und der Clan des Bären" gewartet zu haben schien. Binnen eines Monats ging dieser Titel 1978 mehr als 100.000 Mal über die Ladentische. Ein Star war geboren, einem Stephen King oder einer Joanne K. Rowling durchaus vergleichbar - auch finanziell: 34 Millionen verkaufte Exemplare später kassierte Auel als Vorschuss (!) für die Ayla-Romane 4 bis 6 25 Mio. Dollar; nicht schlecht für eine Hobby-Autorin, die erst im reifen Alter von 42 Jahren zum Schreibtisch fand.
Dieser Vorschuss ist wohl auch der eigentliche Schlüssel zum Wiedergängertum der Ayla: Nach zwölf Jahren bekam Auel offenbar den Druck der Geldgeber zu spüren, endlich den versprochenen Nachfolgeband zu liefern. Diese Theorie würde das traurige Ergebnis jedenfalls perfekt erklären. Der Verlag bekam, was er wollte: kein Buch, das man einen Roman nennen dürfte, aber einen dicken Stapel eng beschriebenen Papiers, das sich unter dem eingeführten Markenzeichen "Auel" als "Ayla V." prächtig vermarkten lassen würde. Lesen würden diesen Schinken alle Ayla-Fans, aber kaufen sollten ihn noch viele, viele weitere Menschen, die man nicht unbedingt als solche bezeichnen würde. Die Strategie ist bekannt; wir lernen sie gerade wieder kennen im Vorfeld der neuen Welttournee jener Muppets, die vor langer, langer Zeit als "Rolling Stones" Musikgeschichte schrieben: der multimediale Overkill, das "Event", hinter dem der Anlass völlig verschwindet. Und so wurde die Buchpremiere von "Ayla und der Stein des Feuers" als gigantisches Pressespektakel inszeniert. Der Ort: Les Eyzies im Herzen Frankreichs, Magnet für die Steinzeit-Touristen dieser Welt, denn hier lebten, liebten und litten einst Auels Hollywood- Cro-Magnons. Über 150 Journalisten fielen ein, um die Starautorin zu treffen. Diese erzählte die stets gern gehörten Geschichten ihrer wahrlich gründlichen Recherchen, die sie nicht nur auf Aylas und Jondalars Spuren durch Russland, die Ukraine, Tschechien, Ungarn, Österreich, Deutschland und Frankreich führte, sondern die pflichtbewusste Autorin auch dazu animierten, Tiere in Fallen zu fangen, Steinwerkzeuge zu basteln, Matten zu knüpfen und natürlich jeden Archäologen, Anthropologen oder Biologen mit ihren Fragen zu überfallen, der nicht so rasch auf den Füßen war wie Winnie, das Urzeit- Pferd. Freilich machten die meisten von ihnen gute Miene zum Spiel, denn in Zeiten, da es um die Forschung schlecht bestellt ist, lernt auch der dröge Wissenschaftler schnell, im Scheinwerferlicht für ein paar Münzen zu tanzen.
Das Buch hatten diese und andere Steigbügelhalter wohl nie gelesen oder taten dies später; es war auch gar nicht erforderlich, da Veranstaltungen wie die in Les Eyzies ihren eigentlichen Zweck glänzend erfüllten. Die Schlagzeilen ebneten "Ayla V." den Weg zu neuerlichem Bestseller-Ruhm und Rekord-Auflagen. Der deutsche Heyne-Verlag ging trotzdem lieber kein Risiko ein. Noch bevor sich womöglich jene Spielverderber zu Worte meldeten, die "Ayla und der Stein des Feuers" tatsächlich lesen & für mies befinden würden, ließ man das Werk in einer Hauruck-Aktion von gleich zwei Übersetzern in unsere Muttersprache übertragen (oder das, was man heutzutage dafür halten muss, wenn man durch allzu viele Instant-Bestseller der Gegenwart blättert). Dieses Risiko war allerdings kalkulierbar gering: "Ayla V." wurde von 34 Verlagshäusern in einer konzertierten Aktion weltweit simultan in die Buchhandlungen gepresst!
Seltsamerweise hielt sich Hollywood bisher bemerkenswert zurück mit der Verfilmung von Auel-Abenteuern. Oh sicher, es gibt "Ayla und der Clan des Bären" von 1985, ein unfreiwillig komisches B-Movie, in dem unsere Heldin durch Daryl Hannah zumindest optisch kongenial verkörpert wurde. Aber vielleicht sind ja wenigstens dieses Mal die oft und gern geschmähten Kalifornier klüger als Millionen glücklicher Leser, weil sie erkennen, dass sich sogar aus einem 1000-seitigen Roman manchmal höchstens das Drehbuch für einen 30-Minuten-Kurzfilm destillieren ließe ...
P. S.: Zur Erinnerung & Warnung - der 6. Band der Ayla-Saga ist bereits in Planung.
Originaltitel: The Shelter of Fire (New York : Crown Publishing Group 2002)
Übersetzung: Maja Ueberle-Pfaff u. Christoph Trunk
Heyne Hardcover Nr. 43/214
Deutsche Erstveröffentlichung: Mai 2002
984 S.
EUR 25,00
ISBN 3-453-21399-8
(Copyright 08.12.2002/Dr. Michael Drewniok)
|
|
Testbericht-Gesamtbewertung: sehr hilfreich
Amazon.de
Niedrige Preise, Riesen-Auswahl und kostenlose Lieferung ab nur 20 EUR
|