Canon EOS 3 Testbericht

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Erfahrungsbericht von Jarco

Spitzenkamera nicht nur für Profis

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Nachdem ich 9 Jahre lang mit meiner Pentax Z-20 sehr gut zurecht kam (siehe auch den entsprechenden Bericht), wurde es langsam Zeit für eine neue Kamera die meinen gewachsenen Ansprüchen gerecht wurde. Digi kam für mich nicht in Frage (zu teuer bei meinen Qualitätsansprüchen). Nach langem hin und her fiel meine Wahl schließlich auf die nicht gerade billige Canon EOS 3. Als Alternative gab es für mich noch die EOS 30 (keine Spotmessung, keine wechselbaren Sucherscheiben), Pentax MZ-S (zu teuer bei zu wenig Technik) und die Nikon F-80 (lag nicht gut in der Hand). Für den Systemwechsel zu Canon sprach auch die Tatsache der IS-Objektive. Nur Nikon bietet noch Objektive mit Bildstabilisator an. Inzwischen habe ich 10 Filme mit der EOS 3 hinter mir und möchte euch meine ersten Erfahrungen mit diesem Gerät mitteilen.

Da der Artikel diesmal übermäßig lang ist, hier ein kleines Inhaltsverzeichnis.

1. Grobüberblick
2. Bedienung
3. besondere Features
4. Sucher
5. Betriebsgeräusch
6. Belichtungsmessung
7. Autofocus
8. Die AF-Sensoren
9. Gehäuse
10. Batterielebensdauer
11. was fehlt?
12. Fazit

Grobüberblick
Wer die Kamera noch nicht kennt, erhält hier einen kleinen (unvollständigen) Kurzüberblick über den gebotenen Funktionsumfang:
  • sehr schnelles und exaktes AF-System mit 45 AF-Sensoren, , davon 7 als Kreuzsensoren
  • AF-Wahl mit Augensteuerung
  • 4 Belichtungsmeßfunktionen (Matrix, mittenbetont Integral, Selektiv, Spot)
  • autom. Belichtungsreihen mit einstellbarem Abstand
  • Programme: P, Tv, Av, A-Deep, Bulb, manuell
  • 3 Bilder/sek, mit Booster 6 (mit normelen Akkus) bzw. 7,4 Bilder/sek (mit Canon-Spezialakkus)
  • übersichtlicher und sehr informativer Sucher (97% Bildfeld)
  • Sucherscheiben wechselbar
  • Belichtungs- und AF-Speicherung wann und wie man es will
  • Abblendtaste
  • bis zu 9 Mehrfachbelichtungen auf einem Foto
  • ext. Display beleuchtbar
  • Langzeitbelichtungen kosten einen Strom um den Verschluß und Spiegel oben zu halten
  • (leider) lautes Auslöse- und Filmtransportgeräusch
  • 700g Gewicht (das ist nicht zu unterschätzen!!)
  • robustes, staub- und spritzwassergeschütztes Gehäuse


Bedienung
Ich war überrascht wie schnell und gut ich mit der Kamera zurechtkam. Die Beschriftungen sind eindeutig und auch für Neulinge an der Kamera auf Anhieb verständlich. Die Umschaltungen der einzelnen Modi oder die Eingabe von Belichtungskorrekturen oder Programmshift sind unkompliziert möglich. Beispielsweise kann man von Matrixmessung und Einzelbild schneller auf Spotmessung, Belichtungsreihe mit +-1 Blende mit Belichtungskorrektur und Serienbilder schneller umschalten als es dauert diesen Satz hier zu lesen. Belichtungskorrekturen lassen sich jederzeit mit dem Daumenrad auf der Rückseite einstellen. Um nicht versehentlich eine Belichtungskorrektur einzugeben läßt sich das Rad mit dem Daumen auch verriegeln.
Damit alle Fotografen mit dieser Kamera zurecht kommen hat Canon für fast jede Funktion mehrere Bedienmöglichkeiten vorgesehen. Welche man nutzen möchte kann man über einige der 19 Customfunktionen festlegen.
Die Abblendtaste ist für meinen Geschmack nicht sooo günstig platziert, aber man kann damit leben.
Belichtungs- und AF-Speicherung sind schnell und einfach zu erreichen. Speziell auf die Belichtungsspeicherung die auch unabhängig vom AF funktioniert möchte ich nicht mehr verzichten.

besondere Features
Der augengesteuerte Autofocus funktionierte bei mir nach mehrfacher Kalibrierung recht gut. Bei der Kalibrierung sollte man darauf achten, daß das Auge sich möglichst immer in der gleichen Position vor dem Sucher befindet. Außerdem scheint die EOS 3 die Kalibrierungsdaten für verschiedene Lichtverhältnisse abzuspeichern (unterschiedlich große Pupille). Es hilft sehr die Kalibrierung mehrfach bei verschiedenen Lichtverhältnissen durchzuführen.
Nur selten habe ich auf die automatisch AF-Wahl umgeschalten oder das AF-Feld komplett manuell gewählt.
Bei Langzeitbelichtungen wird im externen Display die bereits verstrichene Zeit angezeigt. Es ist also unnötig immer auf die Uhr zu schauen. Leider läßt sich die Beleuchtung des externen Displays nur einschalten wenn man die Kamera berührt. Da Langzeitbelichtungen meist im Dunkeln erfolgen ist das ärgerlich. Die Taschenlampe ist somit immer noch nötig.

Sucher
Der sehr übersichtliche und auch für Brillenträger geeignete Sucher zeigt neben Zeit, Blende und Belichtungskorrektur auch per Lichtwaage die Abweichung der gemessenen von der aktuellen Belichtung an. Zusätzlich wird noch angezeigt ob gerade eine Belichtungsspeicherung vorliegt und ob die AF-Wahl per ECF erfolgreich war oder nicht.
Die aktiven AF-Felder werden rot markiert und passen sich in der Helligkeit dem Bildhintergrund an. Sie sind immer gut sichtbar. Wen das stört, der kann die Anzeige der AF-Felder auch abschalten.
Die Sucherscheiben der EOS 3 können vom Anwender selbst gewechselt werden. Ich werde die Standardmattscheibe sobald wie möglich gegen eine Gittermattscheibe austauschen.
Sofern Objektive mit Lichtstärken von 4,5 oder schlechter verwendet werden, wirkt das Sucherbild leicht grisselig / körnig. Bei Objektiven mit Lichtstärke 3,5 oder besser ist es dagegen sehr klar.

Betriebsgeräusch
Die Kamera ist beim Auslöse und Filmtransport leider sehr laut. Schade daß Canon hier nicht sorgfältiger bei der Entwicklung war. Die EOS 30 ist da um längen besser.

Belichtungsmessung
Die Belichtungsmeßmethoden Spot (mit 2,4% des Sucherfeldes), Selektiv (mit 8,5% des Sucherfeldes) sowie die mittenbetonte Integralmessung sind bekannt. Praktisch ist, daß sich die Spotmessung auch an den aktiven AF-Sensor koppeln läßt (dann stehen aber nur noch 11 Sensoren zur Verfügung).
Zusätzlich zur normalen Spotmessung kann noch eine Multispotmessung durchgeführt werden. Hier ermittelt die Kamera automatisch aus bis zu 8 verschiedenen Meßpunkten einen sinnvollen Mittelwert für die Belichtung.
Neu ist die Matrixmessung, bei der die Belichtungsmessung um den AF-Sensor herum stärker gewichtet wird als der Rest des Bildes. Mal sind die Ergebnisse damit wie gewünscht, mal auch völlig daneben. Irgendwie ähnelt diese Meßmethode eher einem Lotteriespiel, zumal von Canon nicht zu erfahren ist was sich der Japaner bei der Programmierung dieser Funktion gedacht hat. Dabei wäre dieses Wissen sehr hilfreich für den Fotografen.

Autofocus
Die Focussierung erfolgt sehr exakt und schnell. Bei schwachem Licht stellt die Kamera etwas langsamer scharf, trifft jedoch fast immer noch den entsprechenden Punkt. Nur bei kontrastschwachen Objekten hat der AF Schwierigkeiten. Allerdings hätten andere Kameras in der gleichen Situation schon längst aufgegeben. Ich habe meistens im Modus 'One Shot' gearbeitet. Hier wird nur einmal scharfgestellt und dann die Schärfe gespeichert.
Den Modus 'AI Servo' bewegte Motive habe ich noch nicht ausführlich getestet, jedoch konnte ich bislang keine Probleme feststellen.

Lediglich die Möglichkeit einer Schärfefalle vermißte ich.

Die AF-Sensoren
Die Kamera verfügt über insgesamt 45 AF-Sensoren. Eigentlich sind es mehr als man wirklich braucht, aber sie bieten den Vorteil daß man mehr freiheiten bei der Bildgestaltung hat. Dies beschleunigt das Fotografieren etwas. Von diesen 45 Sensoren sind 7 als Kreuzsensoren ausgeführt. Bei diesen Kreuzsensoren stellt der horizontale Teil des Sensors wesentlich exakter scharf als der Vertikale. Die AF-Sensoren sind folgendermaßen angeordnet (leider optimiert Yopi die Leerzeichen am Zeilenanfang weg, sodaß das Bild nicht stimmt - wer weis Abhilfe?):

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Die 45 AF-Felder verfügen jedoch nicht alle über die gleiche Empfindlichkeit. Der zentrale Kreuzsensor arbeitet bis zu einer Objektivlichtstärke von 4 als Kreuzsensor. Darunter wird der horizontale Teil abgeschaltet und es steht nur noch ein Liniensensor bis Blende 8 zur Verfügung. Die anderen 6 Kreuzsensoren arbeiten unter einer Lichtstärke von 2,8 nur noch als Liniensensoren. Alle vertikalen Sensoren (außer dem zentralen Sensor) sind bis zu einer Objektivlichtstärke von 5,6 wirksam. Lediglich der zentrale Sensor arbeitet als Liniensensor bis Lichtstärke 8.
Die genannten Lichtstärken beziehen sich auf das nicht abgeblendete Objektiv. Die Focussierung erfolgt immer durch das nicht abgeblendete Objektiv, sodaß späteres Abblenden (zur Belichtung) keinen Einfluß auf die Focussierung hat.
Manche Objektive die Anfangsöffnungen von z.B. 6,3 haben, melden der Kamera u.U. eine größere Blendenöffnung als tatsächlich vorhanden. Damit schaltet die EOS 3 die Sensoren nicht ab. Aufgrund des geringen Lichts dürfte die Focussierung jedoch nicht mehr so sauber sein. Das Sucherbild ist mit solchen Objektiven auch nicht besonders klar.

Gehäuse
Das Gehäuse mach einen sehr robusten und stabilen Eindruck. Es kann sicherlich einige Stöße und Knüffe vertragen (auch wenn sowas grundsätzlich nicht empfehlenswert ist). Lediglich der Handgriff (in dem sich auch die 2CR5-Batterie verbirgt) hätte mit mehr Sorgfalt designt werden können. Er ist schlichtweg zu klein. Meinen Fingerkuppen merke ich nach einiger Zeit schon an daß ich die Kamera trage. Auch ein kleiner Teil des Gummiüberzuges des Griffes mußte schon dran glauben als meine Fingernägel minimal zu lang waren. Hier wäre es wünschenswert, daß Canon etwas mehr Sorgfalt beim Design an den Tag gelegt hätte. Mit Batteriegriff soll dieses Problem nicht mehr bestehen.
Durch das hohe Gewicht kommt es jedoch erfreulicherweise zu weniger Verwacklern als bei meiner früheren Pentax Z-20. Die große Masse der Kamera wirkt merklich stabilisierend.

Batterielebensdauer
Nach 10 Filmen zeigt die Batterianzeige immer noch 'voll'. Inwieweit die Canon-Angabe von 50 Filmen korrekt ist kann ich derzeit noch nicht sagen. Aus diversen Onlineforen ist jedoch zu hören daß der Stromverbrauch normal sei. Der Batteriegriff wird eher deswegen empfohlen, damit die Kamera besser in der Hand liegt. Die bessere Stromversorgung und höhere Bildfrequenz scheint für viele Nebensache zu sein.

was fehlt?
Man sollte fast meinen, daß man wunschlos glücklich sein sollte. Doch auch ein sehr gutes Produkt kann noch weiter perfektioniert werden. Folgendes würde ich daran verbessern:
  • Sucheranzeigen sollten erhalten bleiben wenn einzelne Modi umgeschalten werden
  • bei eingeschaltetem ECF sollte es möglich sein den gewählten AF-Sensor auf Tastendruck zu blockieren. Derzeit ist nur die reine Entfernungsspeicherung möglich, nicht jedoch eine Speicherung des AF-Sensors bei weiterhin erfolgender AF-Nachführung
  • Spiegelvorauslösung sollte sich soeinstellen lassen, daß bei Reihenaufnahmen der Spiegel zwischen den einzelnen Aufnahmen oben bleibt.
  • eine Schärfefalle vermisse ich
  • Displaybeleuchtung kann bei Langzeitbelichtungen nur über die Kamera eingeschaltet werden
  • Handgriff sollte für europäische Hände größer sein


Leider ist es sehr unwahrscheinlich daß Canon einen Nachfolger der EOS 3 rausbringen wird. Vermutlich ist die EOS 3 eine der letzten analogen Top-Kameras von Canon.

Fazit
Für diese Kamera ein Fazit zu schreiben ist nicht leicht. Es ist auf jeden Fall keine Kamera für jeden. Sie richtet sich ganz gezielt an den anspruchsvollen Fotografen der mehr möchte als nur Motivprogramme (diese hat sie nämlich nicht). Für den Gelegenheitsknipser ist sie nicht geeignet. Schon allein das Gewicht ist nicht jedermanns Sache. Die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten tun ihr übriges den Einsteiger eher zu verwirren als ihm zu helfen. Es macht ebenfalls keinen Sinn an diese Kamera ein 28-300mm Objektiv zu schrauben. Von daher kann diese Kamera nur dem Profi oder dem Aufsteiger in der Fotografie empfohlen werde der seiner Bilder schon bewußt gestaltet und an seiner aktuellen Kamera das eine oder andere Feature vermißt.
Wer sich diese Kamera zulegt muß sich darüber klar sein, daß die Hauptverantwortlichen für ein gutes Foto immer noch der Fotograf hinter der Kamera und das Objektiv sind. Die Kamera hält schließlich nur den Film...

Wer nach diesem Bericht noch nicht weis ob diese Kamera die richtige für sich ist, sollte sich vielleicht (neben der Beratung beim Händler) das Buch 'Fotoguide EOS 3' anschauen (ISBN 3-88955-114-9). Dort sind die Möglichkeiten dieses Teils nochmal ausführlich erläutert. Ich hab mir auch sagen lassen, daß Canon Kaufinteressenten die Bedinungsanleitung kostenfrei zusendet.

25 Bewertungen, 4 Kommentare

  • wildfish

    23.06.2003, 15:46 Uhr von wildfish, Bewertung: sehr hilfreich

    Ich konnte die EOS 3 öfters nutzen und halte sie für ein excellentes Werkzeug. Zum Thema der fehlenden AF-Sensor-Feststellung: das hat Canon bei der EOS 1V mittels des "AF assist button" behoben, aber m.E. muss niemand deswegen auf das

  • LaMagra

    23.05.2002, 10:42 Uhr von LaMagra, Bewertung: sehr hilfreich

    guter Bericht

  • ahaefner

    16.05.2002, 11:32 Uhr von ahaefner, Bewertung: sehr hilfreich

    scheint ja eine Klasse Kamera zu sein, aber Gebraucht immer noch 900 EUR? ganz schön heftig... Liebe Grüße, Andreas

  • Rena50

    16.05.2002, 04:16 Uhr von Rena50, Bewertung: sehr hilfreich

    Interessanter Bericht. Mein Sohn will sich demnächst eine neue Kamera kaufen. Gruß Rena