Anna genannt Humpelhexe (gebundene Ausgabe) / Fühmann Franz Testbericht

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Erfahrungsbericht
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Erfahrungsbericht von margy

anna, genannt humpelhexe

Pro:

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Kontra:

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Empfehlung:

Ja

Zum Buch:

Die gebundene 39seitige Ausgabe dieses Buches erschien im Hirnstorff Verlag in der 2. Auflage am 1. November 2002 in deutscher Sprache. Unter der ISBN 978-3356009385 kostet das Buch im Handel 9,90 €. Es ist geeignet und empfohlen für Kinder von 8 - 9 Jahren.

Buchumschlag:

Der Buchumschlag ist lindgrün. Ein Mädchen hängt kopfüber, macht einen Handstand.

Autor:

Franz Fühmann, am 15. Januar 1922 in Rochlitz/Riesengebirge geboren, gehörte zu den bedeutenderen Schriftstellern Nachkriegsdeutschlands. Neben Erzählungen, Essays, Novellen, Gedichten sowie Kinderbüchern verfasste Fühmann zahlreiche Nachdichtungen. Zu den vielen Auszeichnungen seines Schaffens zählen der Heinrich-Mann-Preis und der Geschwister-Scholl-Preis. Er starb am 8. Juli 1984 in Berlin

Klappentext:

Die Geschichte von Anna, dem Hexenkind, deren eines Bein länger ist als das andere. Und die sich weigert, es auf die Größe des kürzeren hobeln zu lassen. Denn: "Ich habe nun mal zwei verschiedene Beine, da muss ich eben was daraus machen." Mögen die Gleichbeiner anfangs noch so spotten ...
Mit einem Nachwort von Peter Härtling. Mit zahlreichen farbigen Illustrationen und vier Porträtzeichnungen von Nora Gleich. Anna humpelt. Ihr linkes Bein ist länger als das andere. Die Kinder verspotten sie. Hexenkinder. Denn Anna ist eine Hexe unter Hexen, besucht eine Hexenschule, hat Hexenlehrer und eine berühmte Hexenmutter, Rapunzel mit Namen. Die sagt, Anna solle zum Doktor gehen, sich das eine Bein ein wenig kürzer hobeln lassen. Doch Anna will nichts abgeben von ihrem Bein, auch wenn diese "Gleichbeiner" weiter über sie spotten. Und erst recht den Kopf schütteln, als Anna zum Siebenmeilenstiefelwettlauf antritt ... Märchen auf Bestellung, so hieß ein schmales Bändchen, in dem Franz Fühmann Texte, die er für Kinder erdacht hatte, kurz vor seinem Tod zusammenfasste. Darunter jenes Märchen von der Hexe Anna, die ihren vermeintlich behinderten Körper zu nutzen versteht.

Inhalt in eigenen Worten:

Anna ist behindert, denn ihre Beine sind ungleich lang. Ihre Mutter rät ihr, das längere Bein abhobeln zu lassen, doch Anna will das nicht. Sie weigert sich. Sie übt das Laufen. Sie läuft nur auf einem Bein und eines Tages schafft sie es, ganz schnell, blitzschnell zu sein.
Wie Schüler und Lehrer nun mal sind, wird Anna von allen verspottet. So auch auf dem Sportfest, zu dem auch die Eltern eingeladen sind. Anna tritt hier zum Siebenmeilenlauf an und zuerst rennt sie auf beiden Beinen, zum Schluss dann nur noch auf dem rechten. Als erste kommt sie ans Ziel.
Da sich ihre Mutter schämt wegen der Behinderung der Tochter, versteckt sie sich, so gut sie eben kann, hinter ihren roten Haaren. Da die Kinder und auch die Lehrer das Ergebnis, den Sieg der Läuferin anzweifeln, müssen Eulen ihr Urteil abgeben und bestätigen den Sieg des Mädchens.
Nun will Anna noch einen Lauf. Dafür sollen aber dann die Eltern an den Start. Sie will, dass der Langsamste bei diesem Lauf gewinnt. Sie selbst stellt sich auch an den Start. Da Anna auf dem linken Bein nicht schnell ist, sondern sehr langsam, gewinnt sie auch diesen Lauf. Beide Läufe gewonnen, den Sieg erreicht, freut sich die Mutter, platzt vor Stolz auf ihr Mädchen.
Anna wird vom Ehrgeiz gepackt. Da nun beide Läufe unvorhergesehen so wunderbar klappten, übt sie sich darin, auf ihren Händen zu gehen. Sie steht auf dem Kopf und findet es toll, die Welt und das Drumherum aus dieser Perspektive zu betrachten.
Diese Übung ist sehr praktisch für sie, denn nun kann sie Dinge und Personen ins Gegenteil verkehren. Sie merkt auch, dass sich die Variante des Umkehrens auf die Mathematik anwenden lässt und noch andere Dinge mehr.
Anna hat für sich Grenzen überschritten. Das, was unmöglich schien, kann sie alles. Es funktioniert. Also forscht und probiert sie weiter.
Immer will sie Neues ausprobieren, alles erforschen, auf Entdeckungsreise des Lebens gehen. Es gibt so viele Fähigkeiten, so viele Möglichkeiten, die sie noch entdecken kann. Das Alte, das, was sie bisher kannte, interessiert sie nicht mehr.
So will sie mal ans Ende der Welt, hier an diese Stelle, wo das Höllenfeuer brennt. Alle verbieten es und sagen: Lass es sein. Doch Anna ist sehr angetan von diesem Gedanken. Als ihre Mutter in tiefem Schlaf liegt, schleicht sich Anna davon. Sie sieht das Höllenfeuer und spurtet auf ihrem rechten schnellen Bein zielgerade und unversehrt durch die Feuersglut.
Dann wandert sie weiter in einen Wald, hört die Riesen, wie sie sich miteinander streiten. Sie schlagen sich, stampfen auf den Boden und vernichten und zerstören alles rings um sie herum. Dann kommt Anna näher. "Ihr seid dumm!" schreit sie die Riesen an. Doch die fühlen sich gekränkt und wollen Anna aus dem Wege schaffen.
Anna will laufen, doch in der Aufregung läuft sie mit dem linken Bein, dem langsamen. Die Riesen eilen hinter ihr her und fangen sie ein, wollen sie umbringen.
Anna kommt wieder zu sich, ihre Gedanken reagieren wieder normal und richtig. Sie befreit sich, indem sie nun mit dem rechten Bein das Laufen beginnt und durch die Feuerwand jagt. Sie läuft nach Hause und ihre Mutter, die gerade erst erwacht, fragt nach ihren Träumen.

Leseprobe:

"Sieben Hasensprünge hinter dem Ende der Welt, in einem Wald, wo die Kiefern weiße Blätter und die Birken schwarze Nadeln tragen, liegt heute noch eine Hexenschule..." Dort wohnt Ann Humpelhexe. Wer sie etwa mit diesem Namen ärgern will, der sollte sich vorsehen. Denn Anna weiß sich zu helfen...

Meinung:

Verzaubernd entführt uns der Autor in die Welt seiner zurechtgeschnittenen, selbst erdachten bzw. ausgedachten Märchen.
Franz Fühmann stellt hier die Teilung der BRD und der DDR dar. So wie das Leben damals spielte, das die Menschen auf der östlichen Seite abgeschnitten waren vom Westen, dafür steht die Höllenglut. Ihre Mutter verbietet- das könnte die Stasi sein, die Staatsgewalt der DDR, die den Menschen durch die Mauer und die Verfolgung das Leben zur Hölle machte und die Flucht bzw. die Ausreise in den Westen verwehrte.
Die Menschen wurden zu Lebzeiten der DDR unterdrückt, behinderte oder andersdenkende Personen erniedrigt, ins Gefängnis gesteckt. Zwänge jeglicher ARt unterdrückte und erniedrigten die Bürger und die Gesellschaft.
Vielleicht sieht Fühmann in sich die Hexe, die gegen diese Zwänge rebelliert und sich aus ihnen herausflüchtet. Das, was Anna hier in dem Märchen macht, dass sie sich auf ihr rechtes Bein konzentriert und sich darauf stellt und lossprintet, so gerne wäre das dem Autor gelungen.
In den Augen der Obrigkeit, der Macht, der Stasi hatte kein normaler Bürger einen Wert, sie wurden behandelt wie Kinder, wie der letzte Dreck. Keinen einzigen Wunsch, kein Bedürfnis konnten sie je verwirklichen. Alles richtete sich nach der Willkür Honneckers.
Die DDR ist die Hölle, es ist auch ein Gefängnis, das durch das Ende der Welt und das Höllenfeuer skizziert wird. Die sieben Hasensprünge signalisieren dem Leser, wie klein und beengt das alles in den Augen der dort lebenden Menschen gewesen sein muss.
Das längere Bein, was sie sich abhobeln soll, zeigt doch die Ignoranz, das Denken der Mächtigen in diesem Teil von Deutschland.
Anna will sie selbsst bleiben, sie will sich nicht verformen oder biegen lassen. Sie will nicht so sein wie die anderen, die wie Marionetten funktionieren.
Ihre Behinderung der ungleich langen Beine werden ihr nützlich. Sie kann sich verändern, die Welt von allen Seiten betrachten und nicht in einer vorgefertigten Version so wie alle anderen um sie herum.
Das ist es, was ich als Erwachsener aus der Geschichte entnehmen kann.
Kinder, gerade die Kleinen verstehen es nicht so wie wir. Sie aber spüren, dass Anna traurig ist, aber Auswege findet, aus der Klemme der Behinderung herauszukommen.
Das Nachwort von Peter Härtling gibt Aufschluss über die Geschichte und was der Autor meint.
Der Schriftsteller Franz Fühmann schreibt bissig, auf Kinder zugeschnitten, wie ein Märchen. Bilder von Jacky Gleich zeigen das, was Fühmann geschrieben hat.
Text und Bilder passen zusammen und es ist schon mehr als nur traurig, wenn man als Erwachsener hinter die Kulissen der Stasi und der DDR schaut und das auf so wenigen Seiten.

34 Bewertungen, 6 Kommentare

  • mima007

    17.09.2011, 11:58 Uhr von mima007, Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Gruesse, mima007

  • aprilkind

    16.09.2011, 14:04 Uhr von aprilkind, Bewertung: besonders wertvoll

    bw, freue mich über Gegenlesungen ;) lg.

  • morla

    16.09.2011, 13:00 Uhr von morla, Bewertung: sehr hilfreich

    schönes wochenende lg. petra

  • Winters09

    16.09.2011, 12:20 Uhr von Winters09, Bewertung: sehr hilfreich

    SH LG Timo :-)

  • katjafranke

    16.09.2011, 09:57 Uhr von katjafranke, Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß....KATJA

  • hameln58

    16.09.2011, 09:32 Uhr von hameln58, Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße...Gina