Melbourne Testbericht

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Erfahrungsbericht von LosGatos

"Die drittgrößte Stadt Griechenlands"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wir schreiben den 12. Oktober 1992. Wir hatten endlich das primäre Ziel unserer Reise, die Stadt Melbourne, erreicht.

Dieses ist nun der zweite Teil meiner Australien-Berichte. Der erste („Nothing happens unless first a Dream“) ist der Rahmenbericht der gesamten Reise. Und um eben diesen Rahmen nicht zu sprengen, habe ich dort einzelne Themen ausgespart. Dieses Mal geht es ausschließlich um die Stadt Melbourne.

Nachdem wir vormittags im Hotel angekommen waren, uns geduscht und umgezogen hatten, machten wir uns sofort auf zu einem Stadtbummel. Da unser Hotel relativ zentral lag, waren alle nennenswerten Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichbar.

Nach Möglichkeit wählten wir übrigens bei unseren selbstgebuchten Hotels immer Hotels der internationalen in Australien stark vertretenen Hotel-Kette Flag. Das waren stets gute Hotels der unteren Mittelklasse, mit dem Vorteil, dass man über einen Hotel-Pass, den man sich jeweils abstempeln ließ, nach 6-7 Übernachtungen eine Gratisübernachtung bekam.

Es war ein sonniger Tag. Der erste nach wochenlangem Regen, wie sich später herausstellte. Ich (LosGatos) schaute gen Himmel. Irgendetwas war anders. Aber in Australien ist ja so vieles anders. Nicht nur, dass die Autos auf der falschen, sprich der linken, Seite fahren. Auch sprechen sie sogenanntes „Filser-Englisch“, indem man sich mit „Good Day“ begrüßt, wo man doch bereits im Englisch-Grundkurs lernt, dass „Guten Tag“ auf Englisch „How do you do?“ oder „How are you?“ heißt. Nun, auf Englisch eben, aber nicht auf Australisch. Aber zu den Spracheigenheiten habe ich mich ja bereits in meinem ersten Bericht ausgelassen. Und was stimmte jetzt schon wieder nicht? Richtig, die Sonne. Es war um die Mittagszeit. Das Meer war in Sichtweite und liegt von Melbourne ausgesehen in südlicher Richtung. Aber die Sonne stand im Norden. Ist halt etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man nicht so oft auf der Südhalbkugel zu Gast ist.

Wir machten uns zunächst mal auf den Weg, um uns geeignete Kopfbedeckungen zu kaufen. Wir gingen in ein Geschäft mit einer bleichgesichtigen Verkäuferin. Die klärte uns auch gleich darüber auf, wie die Australier gelernt haben, mit oder, genauer gesagt, direkt unter dem Ozon-Loch zu leben. Sie würden sich niemals extrem der Sonne aussetzen, auch am Strand stets T-Shirt tragen und sich mit Sonnenschutzmittel mit sehr hohem Lichtschutzfaktor einreiben, vor allem aber niemals ohne Kopfbedeckung herumlaufen, auch wenn es wie heute gerade mal der erste Tag des australischen Frühlings ist. Also erstanden wir Schirmmützen mit australischen Motiven.
Jedenfalls fühlte ich mich auf Anhieb wohl in dieser 3-Millionenstadt, die mir aber eher den Charme einer Kleinstadt vermittelte. Ich (LosGatos) verspürte, im Gegensatz später zu Sidney, dort keinerlei Hektik, auch Touristen waren augenscheinlich wenige dort. Eine Stadt mit Hafen, deren Seele ein Fluss mittlere Breite, der Yarra-River, ist. Abends sieht man hier, wie in Oxford oder in Cambridge, junge Leute im Vierer- oder Achter-Ruderboot sich „in die Riemen legen“. Es macht einfach Spaß, am Yarra-River entlangzuschlendern.

Nicht weit davon liegt auch der damals noch recht neue Flinders Park, das Tennis Stadion von Melbourne, wo im Januar immer die Australian Open, eines der 4 Grand Slam Turniere, stattfindet. Eineinhalb Jahre war es damals her, dass Boris Becker dort mit seinem Sieg über Ivan Lendl nicht nur dieses Turnier gewonnen hatte, sondern auch erstmals Weltranglisten-Erster geworden war. Ja damals, als Boris noch die Center Courts und noch nicht die Wäschekammern beherrschte und ich einer seiner größten Fans war (sogar meinen Kater habe ich nach ihm benannt), da musste ich natürlich auch einmal den Fuß in dieses Stadion setzen, was im Gegensatz zu anderen Stadien wie Flushing Meadows in New York City gar kein Problem war. Nicht dass ich gleich den Tennisschläger auspackte, aber die heilige Halle wollte ich wenigstens mal betreten. Das Stadion hat übrigens ein Dach, das geöffnet werden kann. Mittlerweile hatte längst der Amerikaner Jim Courier die Nachfolge von Boris angetreten, was den aktuellen Titelgewinner von Melbourne anging. Der hatte den Sieg mit einem Sprung in den Yarra-River gefeiert, was ich angesichts der braunen Brühe doch nicht so ganz nachvollziehen konnte.

Direkt gegenüber vom Flinders Park liegt das Olympia-Stadion von Melbourne. Ja, richtig, weit vor Sidney 2000 gab es in Australien schon einmal olympische Sommerspiele im Jahre 1956. Natürlich waren damals die olympischen Wettkämpfe noch längst nicht so ein Ereignis für Zuschauer und Medien. Wer hätte es sich damals schon erlauben können, dort als Besucher hinzufahren. Entsprechend wirkt das Melbourner Olympia-Stadion wie das Fußballstadion einer deutschen Kleinstadt.

Natürlich gibt es im Zentrum von Melbourne auch ein paar Hochhäuser, deren höchste die Rialto-Towers darstellen. Von dort kann man einen sehr schönen Ausblick über ganz Melbourne genießen, wenn das Wetter mitspielt. Ist das nicht der Fall, kann man 5 Minuten warten, denn in Melbourne soll es bis zu 4 Jahreszeiten pro Tag geben. Wie gesagt, als wir da waren, war das Wetter prächtig. Insgesamt kann man das Klima in Melbourne mit dem in Mitteleuropa vergleichen, mit umgekehrtem Verlauf der Jahreszeiten.

Die paar Hochhäuser tun dem beschaulichen Charme Melbournes aber keinen Abbruch.
Sich in Melbourne zurechtzufinden, ist recht einfach, da die Stadt nach amerikanischem Vorbild mit rechteckig verlaufenden Straßenzügen angelegt wurde.

Wie gesagt, das Zentrum um den Yarra-River ist gut zu Fuß zu erkunden. Über den Fluss führen einige kleinere und größere Brücken, eine von ihnen führt direkt zum zentral gelegenen Bahnhof von Melbourne, der Flinders Street Station. In der Nähe liegt auch eine kleine China Town, zu erreichen über die Little Bourke Street. Es ist klar, dass Australien nicht nur ein Einwandererland auch für Südost-Asiaten und Chinesen ist, sondern auch beliebtes Reiseziel japanischer Touristen. Aber das kommt in Melbourne im Vergleich zu Sidney nicht so stark zur Geltung.

Aber es sind natürlich nicht nur Asiaten, die nach Australien ausgewandert sind. Als klassisches Einwandererland leben dort Menschen aus aller Herren Länder. Melbourne gilt z.B. als „drittgrößte Stadt Griechenlands“ nach Athen und Thessaloniki.


WEITERE SEHENSWÜRDIGKEITEN

Das Exhibition Building wurde 1880 für die Weltausstellung (der heutigen Expo) errichtet. Es wird auch heute noch für Ausstellungen genutzt.

Von Flinders Street Station gelangt man in südlicher Richtung jenseits des Yarra-River zu einem Kriegerdenkmal, errichtet 1934, in Andenken australischer Beteiligung im 1. Weltkrieg. Da es etwas höher gelegen ist, hat man von dort auch einen schönen Blick auf die Stadt.

Aufgrund vieler Grünanlagen, z.B. der Fitzroy Gardens und der Royal Botanic Gardens, trägt Melbourne auch den Beinamen ‚Garden City’.

Vom Bahnhof gelangt man in nördlicher Richtung zur Town Hall und einigen Museen.

Schöne alte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert findet man in der Collins Street. Ganz in der Nähe ist auch die alte Royal Arcade, bewacht von den Riesen Gog und Magog.

Natürlich bietet sich in Melbourne auch eine Hafenrundfahrt an.



GESCHICHTE DER STADT

Melbourne wurde 1835 vom Sohn eines Sträflings gegründet, der Aborigines ein Riesenterritorium günstig abkaufte. Von einem Sträfling abzustammen ist in Australien übrigens nichts Außergewöhnliches. Denn das trifft auf viele zu, die nicht gerade eingewandert sind bzw. Nachkommen von Einwanderern sind oder von Aborigines, den australischen Ureinwohnern, abstammen. Denn das einstige Mutterland Großbritannien nutzte den einstmals fast leeren Kontinent als großes Gefängnis, wohin Strafgefangene deportiert wurden.

Zwei Jahre später hatte Melbourne 500 Einwohner. Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs Melbourne innerhalb von nur 10 Jahren von 30 000 auf 500 000 Einwohner. Damit hatte es das ältere Sidney deutlich überflügelt und war größte Stadt Australiens. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Stadt jedoch einen finanziellen Kollaps, was zu Rückschlägen gegenüber Sidney führte. Dennoch war Melbourne von 1901 bis 1927 bis zur Entstehung Canberras Hauptstadt Australiens. 1947 betrug die Einwohnerzahl 1,2 Millionen, 1961 dann 2 Millionen und heute leben dort über 3 Millionen Menschen. Melbourne ist Hauptstadt des Bundesstaates Victoria.

Ähnlich wie in Kalifornien entstand auch etwa zur selben Zeit (1851) in Australien in der Gegend um Melbourne eine Goldrauschbewegung, die Einwanderer aus aller Welt anlockte.


FAZIT

Dem Charme Melbournes war ich (LosGatos) sofort erlegen. Vielleicht lag es einfach daran, dass in dieser Stadt die Realisierung eines jahrzehntelangen Traumes begann, dass das Wetter herrlich war, dass bei mir das Gefühl vorlag, noch 5 Wochen Urlaub zu haben, dass ich fern war von Deutschland, wo es um diese Zeit längst Herbst war...so wurde diese Stadt schnell eine meiner Lieblingsstädte, gleich nach den Weltmetropolen San Francisco und Braunschweig...

Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 13.7. 2002
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