Yamaha YTR-4335G Testbericht

Yamaha-ytr-4335-g
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Erfahrungsbericht von Medusa

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Pro:

gute Verarbeitung, 2 Wasserklappen, 2 Trigger (1.+3. Zug), schöner Klang

Kontra:

Arretierung des 3. Zugs nicht so gelungen

Empfehlung:

Ja

Zuerst ein Wort in eigener Sache: Der wirkliche Profi in Sachen Trompete wird in meinem Bericht sicher einiges vermissen, er möge mir verzeihen.

Ich möchte euch heute eine neue Freundin vorstellen. Ihr Name: Yamaha YTR 4335. (eine Bb-Trompete)

--- Die erste Begegnung ---

Eigentlich suche ich nur ein paar gute Tipps zur Pflege meines "Hörnchens" (wie man seine Trompete auch liebevoll nennen kann). Natürlich bin ich in einem Trompetenforum gelandet, und natürlich habe ich mich festgelesen. Besonders die Erfahrungsberichte der Mitglieder über ihre Instrumente und die Empfehlungen für eventuelle Neuerwerbungen wecken da so ein unbestimmtes Gefühl in mir. Nein, meiner Trompete würden diese Gedanken nicht gefallen, die sich da in mir breit machen.
"Habe ich dir nicht viele Jahre treue Dienste geleistet" höre ich sie förmlich sagen. "So ein toller Spieler bist du doch nicht, dass du nicht mit mir zufrieden sein könntest!"
Das will ich natürlich nicht hören. Habe ich nicht seitenweise von sattem Sound gelesen, von butterweicher Ansprache, von unerreichten Höhen? Und dann noch im Hintergrund die CD mit dem Startrompeter in den Ohren....Oh ja, das wäre was. So möchte ich auch spielen! Bestimmt liegt es nur an der Trompete, wenn es mal nicht so klappt mit den sauberen Tönen, nicht etwa am fehlenden Üben...

Und wenn ich nun doch...? Na es muss ja nicht gleich das ganz edle Spitzenhorn sein, aber doch vielleicht---? War da nicht so ein Teil erwähnt, recht gut und doch nicht übermäßig teuer?
Ja ja, auch mein Geldbeutel hat noch ein Wörtchen mitzureden. "Übertreib es nicht", mahnt er. "Ist ja gut", denke ich so für mich. "Immer wird gemeckert!" Da kommt mir die zündende Idee: Wozu gibt es das weltweite Netz mit dem weltweiten Marktplatz? Es muss ja nicht neu sein, so ein Hörnchen. Fast neu würde ja auch reichen. Irgendwo in den unendlichen Weiten des www findet sich bestimmt auch das Objekt meiner Begierde:

Die Yamaha YTR-4335.

Warum gerade sie? Nun, obwohl nicht gerade in den obersten Segmenten der Instrumentenbauerkunst angesiedelt, bescheinigt man ihr doch ausgezeichnete Qualitäten die da wären:

- gute Verarbeitung
- leichte Ansprache
- präzise Intonisation
- lange Lebensdauer
- flexibler reichhaltiger Klang, sowohl für Soli als auch für´s Ensemble
- sorgfältig eingepasste Monelventile *
* Ventile mit einer besonderen Beschichtung, die die Zuverlässigkeit und Lebensdauer erhöhen soll

Und hier noch ein paar Angaben für die, die wirklich Ahnung haben (was ich mir nicht unbedingt anmaßen möchte):

- Mittelklasse-Modell
- mittelschwere B-Trompete
- Goldmessing-Schallstück
- Schallbecher: 123 mm
- ML-Bohrung: 11,65 mm
(Quelle: Musikhaus Kirstein.de)
Man kann sie in Goldlack bekommen und auch komplett versilbert (besonders haltbar).

--- Auf der Suche ---

Au weia, ab 540 Euronen aufwärts für eine neue...Ich glaube, ich sollte meinen Geldbeutel nicht zu sehr ärgern, sonst verweigert er mir nachher noch die weitere Zusammenarbeit. Und meinem "Hörnchen" sag ich erstmal gar nichts.
Woche um Woche streife ich durch die virtuellen Marktplätze, immer auf der Suche nach D E M Schnäppchen. Fast will ich schon aufgeben, da steht sie vor mir: Ein halbes Jahr jung, goldglänzend und verführerisch! Und gar nicht so teuer! Ein fragender Blick zu meinem "Finanzverwalter" wird mit einem knurrigen "Na dann nimm sie halt" quittiert.
Das lasse ich mir nicht zweimal sagen! Obwohl - ein bisschen flau ist mir schon. Was wird mein altes "Hörnchen" sagen? Ob die Neue wirklich so gut ist, wie man ihr nachsagt? Ach, die sollen alle reden und denken, was sie wollen: Ich nehme sie mit!!!

--- Wir lernen uns kennen ---

Daheim angekommen nehme ich mein neues gutes Stück genauer unter die Lupe:
Zuerst muss ich sie aus diesem schwarzen Koffer befreien. Der sorgt dafür, dass ihr unterwegs nichts zustösst. Er ist aus stabilem Kunststoff in Lederoptik mit stabilen Beschlägen, Füßen und Tragegriff, mit 58 x 26 x 15cm auch nicht allzu wuchtig. Ein kleines Schildchen mit der Aufschrift "YAMAHA" verweist dezent auf den Inhalt.
Ich öffne die Schnappverschlüsse und klappe den Deckel auf. Da liegt sie, glänzend gold auf einem Bett aus schwarzem Samt!
Vorsichtig hebe ich die Trompete aus der passgenauen Aufbewahrungsmulde. 48 cm misst sie vom Scheitel bis zur Sohle (ohne Mundstück, das habe ich ja extra). Auf die Waage bringt sie nicht ganz 1100g. Meine Finger gleiten über das glatte, goldglänzende Metall und stoßen plötzlich auf ein Hindernis: Damit sie nicht innerlich ertrinkt, sind am 3.und am Hauptzug je eine Wasserklappe angebracht. Sehr gut! Ich taste mich weiter vor und finde am 1. Zug einen offenen Daumensattel und am 3. Zug einen Ring. Ach ja, die braucht man für den Intonationsausgleich. Ein kleines Schräubchen verhindert, dass sich der 3. Zug verselbständigt. Leider wird er dort, wo es sitzt, mit der Zeit auch die schöne glatte Haut zerkratzen. Das gefällt mit gar nicht. (Hier muss ich aber meinem alten Hörnchen auch mal ein Kompliment spenden, das ist dort besser gelöst.) Ach, wie praktisch: Auf den Ventilen (habe ich eigentlich schon erwähnt, dass es sich um Pumpventile handelt, also diese langen, zylindrischen, hochkantstehenden?) sind nicht nur die entsprechenden Nummern eingraviert (Verwechslungen der Innenleben könnten tragisch enden!), sondern auf dem mittleren steht auch noch, wie sie heißt und dass sie aus Japan kommt. Ergänzt wird dies dann noch durch einen zierlichen Schriftzug oberhalb des Schallbechers: "YAMAHA - established in 1887".

Jetzt ist es Zeit für erste Kommunikationsversuche. Meine linke Hand sucht sich eine bequeme Halteposition, die schnell gefunden ist. Sie liegt gut in der Hand, muss ich sagen. Bei genauerem Hinschauen bemerke ich, dass die Ventilkappen silbern sind - ein hübscher Kontrast. Mit der Rechten taste ich nach den ebenfalls silbernen Ventildrückern - ich spüre Perlmutt unter den Fingerspitzen. (Ein Haken auf dem Mundrohr erlaubt mir eine bequeme Positionierung der rechten Hand.) Vorsichtig drücke ich die Ventile nach unten. Sie bewegen sich ganz leicht. Mein Mundstück wird langsam ungeduldig: "Nun mach schon, ich will auch mal!" Also: tief durchatmen, konzentrieren - aaahhh, mühelos erklingt der erste Ton! Geht das wirklich so leicht? Ich bleibe misstrauisch. Doch nach ein paar kleinen Melodien kommen wir uns näher. Die Töne gehen wirklich leicht von den Lippen (wenn ich als Vergleich meine alte Trompete dagegensetze), der Klang ist warm und sauber. Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Natürlich macht sie aus mir nicht über Nacht einen guten Trompeter, aber ich übe mit viel mehr Freude, weil es einfach besser geht.

--- Ein paar Grundregeln des Zusammenlebens ---

"Du gefällst mir", gestehe ich ihr. "Ich glaube, wir können es miteinander aushalten. Verrätst du mir noch, was ich tun kann, damit du dich auch wohlfühlst bei mir?"
"Ach weißt du," entgegnet sie mir, "so große Ansprüche stelle ich gar nicht. Lass mich nach dem Spielen immer schön trocken werden, an besten mit abgezogenen Zügen, und gib meinen Ventilen immer etwas Öl. Von Außen mag ich mit einem weichen Lappen abgewischt werden. Ab und zu freue ich mich über ein warmes Bad mit wenig mildem Spülmittel, dazu müsstest du mich allerdings komplett auseinandernehmen. Aber das ist nicht schlimm. (Noch ein Tipp: Es gibt spezielle Bürsten, mit denen man das gesamte Innenleben erreicht.) Anschließend wieder gut trocknen, etwas Öl an die Ventile (die brauchst du übrigens nicht mit baden), ein wenig Spezialfett an die Züge, und schon bin ich wieder wie neu."
Ich bin beruhigt, diese Ansprüche sind wirklich nicht hoch, das werde ich erfüllen können.
"Schau," sage ich, "ich habe dir auch einen schönen Ständer mitgebracht, da musst du nicht immer in dem dunklen Koffer verschwinden und kannst mir auch Gesellschaft leisten, wenn ich etwas anderes mache."
"Oh danke!" Zufrieden probiert sie ihr neues zu Hause aus und erholt sich erstmal von den Strapazen der letzten Tage.

Sogar mein altes "Hörnchen" hat sich inzwischen an den neuen Mitbewohner gewöhnt und ist auch nicht mehr eifersüchtig, seit ich ihm erklärt habe, dass es sich doch jetzt einfach mal ausruhen kann.

--- Recherchen über die Herkunft ---

Natürlich möchte man auch über die Herkunft seiner Freunde etwas wissen. Dabei bin ich auf eine solche Vielzahl von Informationen gestossen, dass es mir unmöglich erscheint, dies hier alles wiederzugeben. Vielleicht ein paar Eckdaten:
Yamaha hat einen ausgezeichneten Ruf als Hersteller der verschiedensten Musikinstrumente, angefangen von den klassischen Instrumenten wie z.B. Trompeten, Pianos u.s.w. bis zu modernen elektronischen Instrumenten und entsprechendem Zubehör. Speziell bei Trompeten gibt es eine Vielzahl von Modellen. Bei Yamaha sieht die Klassifizierung in etwa wie folgt aus:

- 2000er Serie = Standardserie (Schüler und Einsteiger)
- 4000er Serie = Mittelklasseserie (Fortgeschrittene, semiprofessionelle Spieler)
- 6000er Serie = Professionalserie (Profis)
- 8000er + 9000er Serie für gehobene Ansprüche und spezielle Anforderungen

Als Lesetipp würde ich empfehlen
http://de.yamaha.com/de/products/musical_instrume nts/winds/trumpets/
http://www.trompetenforum.de/TF/


Und zu guter Letzt noch ein Hinweis, den unser Freund echo-delta so treffend formulierte, der manchem aber aus dem Sinn geschwunden zu sein scheint:
"Ich freue mich auf Eure Kommentare und über Eure Bewertungen, denn ein Bericht, der es wert ist gelesen zu werden, der ist es auch wert bewertet zu werden!"

Fazit: Ich mag sie!

32 Bewertungen, 7 Kommentare

  • knopfi

    30.11.2010, 21:30 Uhr von knopfi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich habe riesigen Respekt vor den Menschen, die überhaupt eines dieser Blasinstrumente spielen können! Ich verneige mich! greetz@knopfi

  • scilla_bifolia

    15.09.2010, 10:30 Uhr von scilla_bifolia
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht :) Ich wünsche eine angenehme Woche

  • esposa1969

    12.09.2010, 17:55 Uhr von esposa1969
    Bewertung: besonders wertvoll

    prima geschrieben, daher bw

  • Mondlicht1957

    08.08.2010, 14:56 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • sigrid9979

    08.08.2010, 12:17 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße von Sigi

  • anonym

    07.08.2010, 23:05 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    1A Bericht wie immer bei dir, danke auch fürs LEsen bei mir

  • morla

    07.08.2010, 22:01 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönes wochenende wünsch ich dir lg. petra