Extrem ... mit allen Mitteln (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von catmother

Wie weit darf man im Namen der Forschung gehen?

Pro:

sehr brisantes und streitbares Thema, einigermaßen spannend inszeniert

Kontra:

Darsteller überzeugten mich nicht so richtig

Empfehlung:

Ja

Da will ich auch hier mal einen passenden Filmtip für das Wochenende abgeben, eine Tradition, die ich schon woanders pflege.
Wer also am Sonnabend um 20.15 Uhr noch nichts besseres vorhat - obwohl ich gestehen muß, daß gerade an dem Abend einige Filme um die Gunst des Zuschauers konkurrieren - der sollte sich diesen streitbaren Film durchaus ansehen.

Ich hatte mich eigentlich von den beiden Darstellern Hugh Grant und Gene Hackman dazu verlocken lassen, diesen Film anzuschaue. Er war dann allerdings doch nicht ganz das, was ich erwartet hatte, obwohl das Thema an sich schon sehr interessant ist.


** Die Geschichte **
Für den jungen, englischen Assistenzarzt Guy Luthan (Hugh Grant) ist alles in Ordnung: seine Karriere läuft planmäßig. Er leitet die Notaufnahme des New Yorker Gramercy Hospital, hat gerade ein Forschungsstipendium an der New York Universität bekommen, ist beliebt und geachtet, auch wenn seine Kollegin Jodie Trammel (Sarah Jessica Parker) gelegentlich herummäkelt, daß er in kritischen Situationen eher eine moralische als eine medizinische Entscheidung trifft.

Bis zu einem ganz besonderen Abend, an dem er einen seltsamen Fall auf den Tisch bekommt. Der Mann, den man nackt auf der Straße aufgelesen hat, ist verwirrt, unterkühlt und sein Zustand ist rätselhaft. Er scheint auf keine Medikamente und keine Behandlung zu reagieren, hat epileptische Anfälle und einen extrem schwankenden Blutdruck. Keiner weiß, was mit ihm zu machen ist.
Als er einigermaßen stabil ist, stammelt einige unverständliche Worte von Triphase, einem Raum, Teddy Dolson und stirbt. Alle Wiederbelebungsversuche sind zwecklos.

Entgegen der Auffassung seines Vorgesetzten, die Sache abzuhaken, beschäftigt ihn der Todesfall weiter. Erst recht, als er die Blutwerte des Verstorbenen in die Finger bekommt, die absolut unglaublich und mysteriös sind. Er fragt in der Pathologie nach der Todesursache, bekommt eine unglaubwürdige Auskunft und muß dann feststellen, daß die Leiche verschwunden ist.

Scheinbar sind einige undurchsichtige Leute, zu denen auch der berühmte Neurologe Professor Myrick (Gene Hackman) gehört, stark daran interessiert, daß niemand den Toten zu Gesicht bekommt und auch den zweiten entlaufenen Kranken nicht findet, der in einer abgeschotteten Klinik entkommen ist.
So sind sie nun auch hinter Luthan her, zerstören seinen Ruf und seine Existenz.

Doch Guy gibt nun erst recht nicht auf. Mit Hilfe von Jodie, die ihm trotz aller Skepsis mit Informationen versorgt, kommt er allmählich einem ungeheuerlichen medizinischen Verbrechen auf die Spur.


** Darsteller **
Hugh Grant (Vier Hochzeiten und ein Todesfall) als Arzt ist eine seltsame Besetzung. Zum einen ist er so zapplig und unbedarft wie in seinen so beliebten Komödien, zum anderen hat man ihn wahrscheinlich schlecht in das Genre des Medizinthrillers eingewiesen. Wer ein bißchen Emergency Room-geschult ist, erkennt hier sofort, daß gerade die medizinischen Szenen schlecht gemacht sind.
Es ist richtig schade, aber irgendwie nimmt man ihm diese Figur nicht ab. Zu sehr festgelegt ist er auf den leicht trotteligen Jungen von nebenan.

Sarah Jessica Parker (Sex and the City, Hocus Pocus) ist hier fast häßlich, abgemagert und blaß. Ihre Rolle ist nicht besonders dramatisch und im Prinzip eher unbedeutend und ich finde, sie spielt auch schlecht.

In weiteren Rollen Gene Hackman (sehr umstritten, sehr fragwürdig als besessener Forscher), Paul Guilfoyle (C.S.I.) als Myricks Kollege und David Morse (The Rock) als Killer.


** Filmkritik **
Bei diesem Film bin ich wirklich zwiegespalten. Einerseits behandelt er ein äußerst brisantes Thema, das an Aktualität seit der Entstehung des Thrillers bei weitem nicht verloren, sondern eher noch zugenommen hat. Andererseits bin ich mit der Umsetzung der Handlung nicht so richtig zufrieden; und das liegt unter anderem auch an den Darstellern.

Die Grundfrage des Films ist, was der Mensch, vor allem der betroffene Mensch (direkt oder indirekt) tun und riskieren würde, um von einer aussichtslosen Krankheit geheilt zu werden, die sein Leben in seinen Augen nicht lebenswert macht. Eine Lähmung zum Beispiel oder andere neurologische Schädigungen.
Wie viel Forschung, wie viele Opfer im Namen der Forschung sind denn in unseren Augen ethisch vertretbar? Was dürfen sich Forscher leisten für ihre Visionen, welche Mittel dürfen sie einsetzen? Wen oder was darf man opfern für Forschung?

Der Arzt und Forscher fragt den Moralisten: „Wenn sie Krebs heilen könnten, indem sie nur einen Menschen töten, müßten sie es dann nicht tun?“
Und genau diese Frage ist sicher nicht leicht zu beantworten, vor allem, wenn man vielleicht selbst ein starkes Interesse an einer Hoffnung oder neuen Heilmethoden hat, weil ein geliebter Mensch diese Hilfe dringend nötig hat. Insofern bleibt man als Zuschauer mit der Problematik, die ja bekanntlich höchst aktuelle Bezüge hat, zurück. Bis zum Schluß habe ich mir in diesem moralischen Dilemma keine eindeutige Antwort geben können.
Das ist vielleicht das einzig Gute an dem Film.

Die Darsteller dagegen haben mich nicht so richtig überzeugt. Vielleicht liegt es auch an meiner Voreingenommenheit gegenüber Hugh Grant. Da man ihn eigentlich nur aus Komödien kennt und seine leicht trottelige und hilflose Art liebt, wirkt er hier fahrig und konfus – zumindest kam es mir so vor. Dabei ist gerade seine Figur wichtig für die Botschaft des Films.

Guy Luthan wird nämlich nur aus Zufall zum Helden. Der Arzt ist eher der normale Mann, der jeden Tag sein Leben lebt und zuverlässig seiner Arbeit nachgeht. Er ist bei weitem nicht waghalsig. Aber als er bemerkt, daß in seinem Umkreis etwas Entsetzliches vor sich geht, schreitet er ein. Und das ist, wie viele von uns aus eigener Erfahrung wissen, nicht selbstverständlich.

Luthans Gegenspieler Myrick dagegen ist der eigentliche Streitfall in diesem Szenario. Läßt man sich die Problematik des Films noch mal in Ruhe durch den Kopf gehen, wird offensichtlich, daß Myrick nicht der simple Bösewicht ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Im Grunde ist er ein achtbarer Mann, verantwortungsvoller Vater und ein gewissenhafter Forscher, wobei ja „gewissenhaft“ hier durchaus zweideutig ist. Aber dieser brillante Arzt und Wissenschaftler überschreitet in seinem Bemühen, die Medizin voranzutreiben, die dünne und unsichtbare Linie zwischen Richtig und Falsch. Hier bleibt die Frage am Ende: wie hätten Sie entschieden?

Die Vorlage zum Thriller lieferte der Roman \"Extrem / Tödliche Gedanken\" von Michael Palmer, der in den USA zu den bedeutendsten Bestseller-Autoren zählt.


** Meine Meinung **
Sehenswert ist der Thriller auf jeden Fall wegen des sehr brisanten und interessantes Themas. Zwar überzeugen die Darsteller nicht auf jeder Linie, aber immerhin wurde die Romanvorlage ambitioniert umgesetzt.


** Daten **
USA 1996
Genre: Thriller
Originaltitel: Extreme Measures
Regie: Michael Apted
Musik: Danny Elfman
Produktion: Elizabeth Hurley
FSK 12

30 Bewertungen