Die Henkerstochter (Taschenbuch) / Oliver Pötzsch Testbericht
Erfahrungsbericht von BulmaZ
Hexen müssen brennen.
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
=== Die Henkerstochter – Oliver Pötzsch ===
+++ Bezugsquelle & Preis +++
Gekauft habe ich das Taschenbuch bei amazon.
Dort habe ich den regulären Preis von 8,95 € bezahlt.
+++ Eckdaten +++
Titel: Die Henkerstochter
Autor: Oliver Pötzsch
Verlag: Ullstein
Genre: Historienkrimi
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 507 Seiten (zzgl. Nachwort)
+++ Die Reihe +++
(1) Die Henkerstochter
(2) Die Henkerstochter und der schwarze Mönch
(3) Die Henkerstochter und der König der Bettler
(4) Der Hexer und die Henkerstochter
+++ Die Henkerstochter +++
Schongau, 1624:
Die Zeit der großen Hexenverbrennungen ist eigentlich lange vorbei, dennoch flüchten sich die Menschen in ihren Aberglauben und schreiben vor allem Hebammen satanische Fähigkeiten zu. Verzichten können sie jedoch nicht auf diesen Berufszweig, weswegen die Frauen und ihre Heilseilben geduldet werden. Als eines Tages ein totes Kind in Schongau gefunden wird, das zudem noch das Venusmal trägt, besteht akuter Handlungsbedarf. Denn wenn laut wird, dass sich satanische Vorkommnisse in Schongau abspielen, würden die wandernden Händler die Stadt bald meiden.
Ein Schuldiger muss her und der ist bald gefunden.
Denn man findet schnell heraus, dass der tote Junge öfter bei der Hebamme und Kräuterfrau Martha Stechlin ein- und ausgegangen ist. Martha wird sogleich in einen dunklen Kerker geworfen und soll schleunigst gefoltert werden, damit wieder Ruhe in Schongau eintritt. Die Folter soll durch den ortsansässigen Henker Jakob Kuisl durchgeführt werden. Dieser zweifelt jedoch an der Schuld der Hebamme. Ebenso wie der junge Medicus Simon. Jakob und Simon machen sich auf, herauszufinden, was passiert ist, als auch schon eine zweite Kinderleiche mit demselben Venusmal gefunden wird. Eine Parallele ist schnell gefunden: Denn bei allen toten Kindern handelte es sich elternlose Waisen, Mündel, die in ihren Pflegefamilien nur geduldet werden...
+++ Eindrücke +++
Eigentlich ist es aufgrund des Klappentextes bereits klar: Um einen richtigen Historienroman im Sinne von besagtem „Die Päpstin“ handelt es sich hierbei nicht. Vielmehr ist es in der Tat eine Art Krimi vor historischer Kulisse bzw. vor dem Hintergrund der Hexenverbrennungen. Nicht mehr und nicht weniger. Kann so etwas funktionieren? Vor allem in einem Zeitalter, in dem der geneigte Bücherwurm von selten vorhandenen, aber mitunter existierenden hochgradig spannenden Thrillern voller Blut und Hightech – Aufklärungsmöglichkeiten verwöhnt ist? Nun ja, mit Sicherheit. Im Auftaktroman der Henkerstochter – Reihe von Oliver Pötzsch hingegen will der Spannungsfunken nicht so richtig überspringen.
Dabei beginnt der Roman eigentlich ganz vielversprechend mit einem Prolog, in dem der Leser sogleich einer düsteren Folterorgie einer vermeintlichen Hexe beiwohnt. Die Handlung springt danach um und auch hier kommt der Autor ohne unnötige Umschweife auf den Punkt. Die Struktur ist altbekannt: Das erste Opfer lässt nicht lange auf sich warten und eine Schuldige natürlich auch nicht. Wie sich der Plot dann aber weiter entwickelt, konnte unstrukturierter kaum sein. Denn der Leser wird Zeuge eines Wirrwarrs aus Namen, Berufsbezeichnungen, die mitunter nicht näher erläutert werden, man lernt eine Vielzahl an Personen kennen und verliert so schnell den Überblick. Es geht mitunter sogar so weit, dass man sich zwingen muss, die scheinbar wichtigen Figuren nicht aus den Augen zu verlieren. Hinzu kommt, dass der Plot zunächst vor sich hin plätschert. Es will sich kein roter Faden abzeichnen, alles wirkt irgendwie fad und undurchdacht. Hier eine Episode, in der sich der Henker gerade besäuft, dort eine, in der auf den Medicus losgeht, weil der mit seiner Tochter Margarethe anbandelt, irgendwelche undurchsichtigen Machenschaften der hohen Herren der Stadt. Der Plot dreht sich im Kreis – einmal ist der Teufel nach Schongau gekommen, dann haben wieder die Fugger irgendeinen Anteil an den Morden an den Kindern und dann wieder stehen die Morde in irgendeinem Zusammenhang mit dem Bau des Siechenhauses vor den Toren der Stadt, in denen die Leprakranken untergebracht werden sollen. So richtig weiß man nicht, ob dies nun ausgeklügelte Taktik des Autors ist, um den Leser in die Irre zu führen oder ob der Autor selbst nicht so ganz schlüssig war, wie er seine Geschichte nun halbwegs schlüssig aufdröseln will. Je weiter man mit dem Lesen vorankommt, desto deutlicher wird, dass nur zweitere Option zutreffen kann. Denn die letztliche Auflösung entlockt einem kaum mehr als ein müdes Gähnen, wirkt es doch irgendwie zu profan. Profan ist dann auch ein gutes Stichwort, um den Roman im Gesamten zu betiteln. Denn „Die Henkerstochter“ ist irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes.Man fühlt sich einerseits nicht wirklich in die Welt des 17. Jahrhunderts versetzt, dieses typische „Mittelalterflair“ fehlt einfach. Andererseits fühlt man sich aber auch nicht zu 100% innerhalb der Handlung eines Krimis.
Erschwerend dazu bei trägt vermutlich auch die Tatsache, dass die Hauptfiguren irgendwie blass und hinter ihren Möglichkeiten bleiben. Man kann dem Autor zwar zugute halten, dass er versucht hat, die typischen Klischees, die einem in den Sinn kommen mögen, denkt man beispielsweise an einen Henker, außen vor zu lassen. Pötzsch bietet aber auch keine Alternative. Vielleicht wäre es genau hier richtig gewesen, die Klischees ganz einfach zu bedienen und aus dem Henker nicht einen halben Medizinkundigen zu machen, ebenso wenig wie aus dem Medicus eine latente Memme, der der Tochter des Henkers hinterher läuft. Reichlich unverständlich gestaltet sich auch die Tatsache, dass Medicus Simon und Henker Jakob zwar zusammenarbeiten, was das Aufklären der Morde angeht, Henker Jakob Kuisl aber auf Simon losgeht, sobald es um seine Tochter Margarethe geht. Diese bleibt übrigens, dafür, dass die Reihe ja ihr gewidmet ist, vollkommen blass und in der Tat sogar fast gänzlich im Hintergrund. Wenn sie mal auftaucht, wird sie überzeichnet: Ja, sie ist schön, ja, jeder meidet sie und hey, sie hat auch noch was im Köpfchen. Zum Gähnen.
Ebenso wie Figuren und Plot wirkt auch der Schreibstil des Autors leicht unausgegoren. Es gibt ganze Passagen, in denen er sich des arg altertümlichen Vokabulars bedient, was ja tendenziell in einen solchen Roman passt, dann aber wieder sind ganze Kapitel in recht moderner Sprache geschrieben. Ein wenig mehr Balance oder das konsequente Entscheiden für einen Stil wären hier wünschenswert gewesen. Ansonsten jedoch liest der Roman sich aber immerhin ganz flott weg, sodass man die knapp über 500 Seiten auch dann zügig zu Ende bringt, wenn man das Buch eher lahm findet, aber zu der Spezies Bücherwürmer gehört, die auch bis zum bitteren Ende durchhalten wollen. Wenigstens etwas. Ansonsten jedoch ist der Roman rein stilistisch reichlicher Durchschnitt.
Unterm Strich ist „Die Henkerstochter“ kein historischer Roman im ganz klassischen Sinn wie beispielsweise „Die Wanderhure“ oder mehrfach erwähnte „Die Päpstin“. Historische Fakten bleiben fast vollkommen außen vor, sodass ganz nüchtern betrachtet mit „Die Henkerstochter“ eher ein Krimi vor mittelalterlicher Kulisse vor einem liegt. Für diese Kulisse sprechen jedoch auch nur vordergründige Dinge wie Namen, Berufsbezeichnungen und das Offensichtlichste – die Jahreszahl. Soll andersherum ausgedrückt heißen, dass das ganze Flair eines solchen Romans fehlt. Man könnte sich auch einen mittelmäßig schlechten Krimi irgendeines beliebigen amerikanischen Autors vornehmen und 17. Jahrhundert drauf schreiben. Figuren und Schreibstil überzeugen genauso wenig, die Auflösung des Plots ist wenig spektakulär und bietet keinen erhellenden Aha – Effekt. Bleibt am Ende ein bisschen nette, allerhöchstens kurzweilige Unterhaltung, die man sich aber irgendwie auch sparen kann. Es gibt an dieser Stelle also nur zwei gut gemeinte Sterne und definitiv keine Empfehlung.
35 Bewertungen, 8 Kommentare
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17.10.2012, 14:37 Uhr von knuddelfire, Bewertung: besonders wertvoll
einen schönen Mittwoch LH
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20.09.2012, 22:07 Uhr von hundeliebe02, Bewertung: besonders wertvoll
BW...Liebe Grüße Edith und Claus
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18.09.2012, 02:11 Uhr von campino, Bewertung: besonders wertvoll
lg AndreA ---------
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17.09.2012, 15:04 Uhr von catmum68, Bewertung: sehr hilfreich
sehr hilfreicher Bericht, LG
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17.09.2012, 12:07 Uhr von HEIDIZ, Bewertung: besonders wertvoll
super, das hab ich auch gelesen. lg heidiz
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17.09.2012, 12:03 Uhr von Noire, Bewertung: besonders wertvoll
Eine neue Woche beginnt (:
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17.09.2012, 10:30 Uhr von sigrid9979, Bewertung: sehr hilfreich
Wünsche einen guten Wochenanfang
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17.09.2012, 10:00 Uhr von katjafranke, Bewertung: sehr hilfreich
Viele liebe Grüße. KATJA

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