Orte der Erinnerung. Gesammelte Werke 3 (Taschenbuch) / Wolfgang Jeschke Testbericht

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Erfahrungsbericht
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  • Aufmachung:  gut
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Erfahrungsbericht von mima007

Krönender Abschluss der Gesammelten Werke, aber teils überflüssig

  • Aufmachung:  gut
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Wie ergreifend ist die Story?:  ergreifend
  • Zielgruppe:  Männer
  • Stil:  durchschnittlich
  • Seitenzahl:  200 bis 300

Pro:

spannend, unterhaltsam, vielseitig, nachdenklich, der Text "Orte" wunderschön illustriert

Kontra:

keine Jahresangaben zu den einzelnen Beiträgen, Auftragsarbeiten ohne Handlung, Druckfehler, hoher Preis, Überlappung mit Collection

Empfehlung:

Ja

Mit dem vorliegenden Band liegen, nach "Der Zeiter" und "Partner fürs Leben", sämtliche Erzählungen von Wolfgang Jeschke in einer dreibändigen, vom Autor durchgesehenen und mit Nachbemerkungen versehenen Ausgabe vollständig vor. In "Orte der Erinnerung" wurden alle Erzählungen (nicht die Hörspiele) aus dem Sammelband "Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan" aufgenommen, ergänzt um die 2010 in dem Shayol-Magazin "Pandora" erschienene Titelnovelle.

Der Shayol-Verlag hat Jeschkes Erzählungen in drei Bänden veröffentlicht:
1) Der Zeiter
2) Partner fürs Leben
3) Orte der Erinnerung

Die Hörspiele fehlen in diesen drei Bänden.

Die Erzählungen
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1) Yeti (1980, erschien in PLAYBOY)
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Ein Promoter verleitet zwei Bergsteiger, der Philosophie Reinhold Messners zu folgen, der Sauerstoffgeräte ablehnte, aber noch einen draufzusetzen: keine Schutzkleidung, keine Zelte, keine Helme - kurzum: nur den nackten Adam. Die Methode ist einfach: Gen- und Hormonbehandlungen sollen unseren zwei Helden u.a. einen Pelz wachsen.

Die zwei Bergsteiger haben den Termin die Mount-Everest-Besteigung bereits in der Tasche, müssen sich also ranhalten. Doch im 21. Jahrhundert ist die Gentechnik schon weit fortgeschritten, und so dauert es nur fünf Monate, bis ein wärmender Pelz gesprossen ist. Die Tour beginnt am Golf von Bengalen: keine Helikopter tragen unsere Helden zum Basislager, nein, Sir, sondern sie legen den ganzen Weg zum Gipfel auf Schusters Rappen - Moment: stimmt ja gar nicht! Mit Hilfe ihrer Krallen und harten Fußsohlen brauchen sie weder Schuhe noch Kletterhilfen. Der Gipfelsturm ist also gesichert.

Ein Bergsteiger aus Simbabwe, der ihnen unter dem Gipfel begegnet, erkennt die Wahrheit, wenn er sie sieht und murmelt bestürzt: "Yeti…"

Mein Eindruck

Die witzige Story ist Reinhold Messner gewidmet, dem Gröbaz, also dem Größten Bergsteiger aller Zeiten. Er propagiert "fair means", also nur faire Mittel, die zum Bergsteigen eingesetzt werden sollten, daher die Ablehnung von Sauerstoffgeräten. Die Story setzt noch einen drauf und macht aus Gipfelstürmern Yetis. Folgerichtig titelte der PLAYBOY: "Nackt zum Gipfel".

Während das Thema, die genetische Aufrüstung des Menschen, auf die Schippe genommen wird, so macht die Story Spaß, weil die Szenen wirklich authentisch wirken, so etwa sprachlich. Der Epilog liefert die Pointe: Die beiden Helden werden im Stich gelassen und ihr Fell nicht mehrlos - sie haben sich buchstäblich zum Affen machen lassen.

2) Dokumente über den Zustand des Landes vor der Verheerung (1981)
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Man schreibt das Jahr 2436 im Jahre der Fleischwerdung Gottes, also genau 442 Jahre nach der "Verheerung des Landes" anno 1994. Das "Land" ist wieder auf frühmittelalterliches Niveau herabgesunken, nachdem Strom und Öl, Gas und Kohle sowie Medizin aufgebraucht worden sind. Lediglich Dampfkraft lässt sich noch erzeugen - mit Holz, versteht sich.

Ein kranker Pilger berichtet von einer neuen Seuche im Norden, als er in Österreich am Reschenpass eintrifft. Der Abt von Reschen weist ihm ein Quartier im abgelegenen Hungerturm zu, bei den Mutanten und vermutlich Kranken. Der Reisende namens Heike oder Haike, der von der Saar gekommen ist, hinterlässt ketzerische Schriften aus der Zeit vor der Verheerung. Diese Schriften stammen aus Garching bei München, erstellt von "Mäd saientists", welche wenig später von Truppen des Bischofs von Freising niedergeworfen und in die Bergwerke von Salzburg verkauft wurden.

Mein Eindruck

Die Dokumente beschreiben, wie es dazu kommen konnte, dass ein mit biologischen Waffen geführter Krieg ausbrechen konnte. Sie beginnen 1972 mit den Vorhersagen und Warnungen des Club of Rome, konzentrieren sich aber auf das Jahr 1980, als die Umweltschutz- und Antiatom-Bewegungen zur Gründung der Grünen führen und extrapolieren dann einen Geschichtsverlauf, der in der Verheerung endet. Viele der Dokumente stammen aus SPIEGEL, ZEIT und VDI-Nachrichten, umfassen aber auch direkte Vorträge und Graffite, ja, sogar ein Zitat aus John Brunners Roman "Morgenwelt".

Ist das wirklich eine Erzählung, fragt sich der Leser zu Recht. Die Auszeichnung mit dem Kurd-Laßwitz-Preis 1981 muss ja gerechtfertigt gewesen sein. Dazu ist eine Eigenleistung erforderlich. Diese besteht m.E. nicht nur in der Rahmenhandlung, sondern besonders auch in der Auswahl der Texte. Diese beleuchten Probleme wie Überbevölkerung, Energieversorgung (bes. Kriege ums Erdöl), Nahrungsmittel, Gentechnik, Nuklearenergie, Aufrüstung, Umweltverschmutzung usw., also alles Probleme, denen wir uns auch heute noch gegenübersehen, 30 Jahre danach.

Der Aufstieg der Informatik und der Massenkommunikation wird nur in Ansätzen registriert, aber immerhin. Das i-Tüpfelchen sind die letzten Texte, vorgebliche Reden von Amerikanern, die aus den neunziger Jahren datieren - und ergo erfunden sind. Darin lässt der Autor die Nutzung von Solarenergie, die von Weltraumspiegeln zur Erde geleitet wird, als unabdingbar bezeichnen - Stoff für eine Debatte.

Die Rahmenhandlung ist alles andere als skurril. Wenn die Kultur auf den strengkatholischen Glauben und dessen Diktate zurückfällt, dann hat das seinen guten Grund: Schutz und Segen erhoffen sich die wenigen Überlebenden. In dieser Hinsicht ähnelt die Rahmenhandlung Carl Amerys Bestseller "Der Untergang der Stadt Passau" (siehe meinen Bericht) und Georg Zauners Roman "Die Enkel der Raketenbauer".

3) Osiris Land (1982)
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Man schreibt das Jahr 2036 n.Chr. und ein paar wenige Jahre nach dem atomaren und biologischen Holocaust, der mehreren Milliarden Menschen das Leben gekostet hat. An den Rändern der noch bewohnbaren Gebiete in der westlichen und mittleren Sahara treten in den verseuchten Gebieten Mutanten auf. Die Einheimischen töten sie aus Gründen des Selbstschutzes.

Die Geschichte wird erzählt von Beschir, einem Jungen aus einem Dorf in der Sahel-Zone. Seine auf die äußere Welt gerichteten Beobachtungen werden ergänzt von den Tagebucheintragungen eines Weißen, der aus dem unverseuchten Südafrika bereits Tausende Kilometer quer durch Afrika gezogen ist. Sein Name: Master Jack. Sein Ziel: das weitere Tausende Kilometer entfernte Ägypten oder was davon noch übrig ist, nachdem der zerstörte Assuan-Staudamm alles Land unter seinen ungeheuren Wasser- und Schlammassen begraben hat. Dort wurden merkwürdige Lichterscheinungen beobachtet: Raumfahrt in Zeiten nach der Apokalypse?

Zusammen mit einem Führer und Beschir als Helfer zieht Master Jack von Dorf zu Stadt, von Brunnen zu Fluß, stets die Zerstörungen beobachtend, die weißen Eunuchen-Sklaven und reichen Potentaten, die selbstherrlichen Flußkapitäne und die kannibalischen Einheimischen an den Ufern des Nils. Und schließlich treffen Jack und Beschir auf Außerirdische, Vorbilder für die altägyptischen Götter. Während Jacks Seele mit ihnen ins Herz der Galaxis fliegt, bewegt sich sein androider Körper, sein Bewußtsein mit Beschir zurück nach Südafrika.

Mein Eindruck
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In Jeschkes wunderbar stimmungsvoll erzähltem Expeditionsbericht treffen der Orient aus Karl Mays Reiseerzählungen und die surrealen Landschaften James G. Ballards ("Kristallwelt") aufeinander und bilden eine eigenartig faszinierende Kombination, deren Zauber man sich nicht zu entziehen vermag. Die Erzählung weist den Autor als guten Stilisten und Fabulierer aus, der seine Figuren und ihre Welt mit Leben zu füllen vermag.

Doch unter der orientalisch-märchenhaften Oberfläche wartet das Grauen des Holocaust, das dem Leser vor allem durch die Tagebucheintragungen Master Jacks vermittelt wird - die Berichte, wie es den wenigen verzweifelten Überlebenden erging, die an Nordafrikas Küsten Zuflucht suchten und dort allesamt erschlagen wurden. Doch den dortigen Potentaten nützte diese "Schutzmaßnahme" nichts, denn die Zugvögel brachten die Erreger der Beulenpest dennoch ins Land.

Wie es zu diesem globalen ABC-Krieg kommen konnte, zeichnet der Autor mit dem Kenntnisstand der Entstehungszeit Anfang der 80er Jahre (Iranische Revolution 1979) nach. Diese explosive politische Lage führte zwar zum Glück nicht zu einem Weltkrieg, wohl aber zu drei Golfkriegen. Und wer weiß: Wenn Oberst Gaddafi damals die Bombe gehabt hätte, als die Amerikaner Tripolis bombardierten...

4) Wir kommen auf Sie zu, Mister Smith (1983)
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Ein Personalleiter bekommt den Bewerber Winston Smith [so heißt die Hauptfigur in Orwells Roman "1984"] gemeldet. Soll eine Minute warten, lässt er seine Sekretärin ausrichten. In dieser Zeit liefert ihm sein Rechercheur Rechmann per Datenleitung und telefon sämtlichen relevanten Daten über Smith, seine Frau und das Kind, die Autos, die Hypothek, die vorherigen Firmen und die anhaltende Arbeitslosigkeit.

Er empfängt Smith kurz und sagt ihm dann, er käme wieder auf ihn zu. Sobald Smith gegangen ist, versieht er dessen Bewerbung mit dem Vermerk: "ABSAGEN." Smith zeigt ihm viel zu wenig Selbstvertrauen, um ihn auf den Posten eines Projektleiters zu setzen. Und der nächste Bewerber wartet schon.

Mein Eindruck

Der Pfiff an dieser Geschichte ist nicht die banale Handlung, sondern die Art der Datenbeschaffung. Rechmann scheint ein "Hacker" zu sein, der schon mal illegal Daten abzapft, so etwa bei Sparkassen-Halbjahresabschlüssen. Es geht also um den "gläsernen Bürger". Heute mutet diese Methode vorsintflutlich an. Jeschke schrieb die Story für eine Anthologie zum Orwell-Jahr 1984, um vor den Auswüchsen zu warnen. Heute ist die Lage für den Datenschutz trotz aller moderner Gesetze keinen Deut besser geworden, hat man den Eindruck.

5) Nekromanteion (1985)
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Anfang des 21. Jahrhunderts ist es Wissenschaftlern gelungen, nicht nur Objekte zu kopieren, zu speichern und zu übermitteln, sondern auch komplette Lebewesen, darunter auch Menschen. Die MIDAS genannte Technologie ist jedoch, wie lede Aufzeichnungstechnik, nicht perfekt. Die menschlichen Kopien, die z.B. in ferne Raumfahrzeuge gesendet werden, erweisen sich als nur für kurze Dauer lebensfähig und es kommt zu schweren Fehlern.

Die US-Regierung, die Milliarden in das Projekt gesteckt hat, stellt es ein. Dafür kauft das Privatunternehmen Nekromanteion Inc. die Rechte und bietet in aller Welt einen neuen Service an: die Wiederauferstehung der Toten. Der einmal aufgenommene Tote (Jargon: Record) wird zu beliebigen Zeiten als Kopie neu erstellt, damit seine Angehörigen etc. ihn treffen können.

Solch ein Nekromanteion gab es vor 2500 Jahren am Fluss Acheron, der in der westgriechischen Provinz Epirus aus den Bergen in die Adria fließt. Damals bezeichnete er die Grenze zum Totenreich und es gab einen florierenden Kult von Priestern, die den Besuchern gegen hohes Entgelt eine Begegnung mit dem lieben Verstorbenen verschafften - ein aufgelegter Schwindel.

Nun bekommt die Familie Katsunaris, die Nekromanteion Inc. ein Grundstück am Acheron verkauft hat, ein Sonderangebot: die kostenlose Aufzeichnung von Opa Kristos. Die Söhne des Alten, darunter unser Chronist Apostoles, sind schlüssig, bis schließlich die Tochter Elena, die das Gasthaus führt, entscheidet, dass einem ja so viel Geld nicht in den Schoß fällt.

Also fährt Apostoles, mittlerweile schon in den Fünfzigern, den Alten zum Institut, auf dass er gescannt werden. Es ist nichts dabei. Und geschah gerade noch rechtzeitig, denn schon im gleichen Herbst segnet Opa Kristos das Zeitliche und wird im Nekromanteion beigesetzt. Vorerst. Zu seinem hundertsten Geburtstag anno 2034 macht sich die gesamte Sippe auf den Weg, um seiner Wiederauferstehung beizuwohnen und seinen Geburtstag zu feiern. Es wird ein Fiasko…

Mein Eindruck

Die sehr anrührende und anschauliche Erzählung verweist bereits auf den Roman "MIDAS oder Die Auferstehung des Fleisches" voraus, der 1993 bei Heyne erschien (aber vorher bereits woanders). Bemerkenswert sind nicht nur die Entsprechungen zwischen Antike und Gegenwart bzw. naher Zukunft, sondern auch die schier unmerkliche Überbrückung der Lebenszeiten der Sippe Katsunaris. Am Anfang ist Apostoles, der Erzähler, noch selbst ein junger Mann, der mit einer deutschen Archäologin schöne Schäferstunden pflegt. Am Schluss ist er selbst über siebzig und ein schläfriger alter Kerl., der als einziger Sohn keine Kinder hat.

Während eine neue Flechte sämtliche Betonbauten ringsum und auf der Welt in Trümmer fallen lässt und die Region wieder in antike Verhältnisse versinkt, stellt das Nekromanteion heute wie damals einen großen Schwindel dar. Doch die Kritik richtet sich wie zu erwarten nicht etwa gegen den Betrug an den zahlenden Lebenden. Vielmehr erweist sich die unausgereifte Technologie als mieser Verrat an den Toten selbst: Ihre zeitweilige Wiederauferstehung gerät schon nach wenigen Stunden zu einer widerwärtigen Farce mit grausigen Untertönen. Man muss es gelesen haben, um es zu glauben.

Der Tod und die mehrfach zitierte "Hinfälligkeit des Fleisches" ist das Generalthema, aber auch die ständige Erneuerung durch Kinder. Von einem trügerischen Idylle, das erotische Intermezzi kennt, führt der Weg der Erzählung geradewegs zum Horror einer Farce der Auferstehung. Der Eindruck, den die Erzählung hinterlässt, hallt noch lange nach.

6) The Mississippi Straightforward Society (1988)
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Die titelgebende Unternehmensberatung stellte dem Verlagsleiter Rolf Heyne aus Anlass des 30-jährigen Verlagsjubiläums (1958-1988) herrliche Wachstumszahlen in Aussicht. Schon Mitte des 21. Jahrhunderts würden die Heyne-Lagerkapazitäten den Regierungsbezirk Oberbayern abdecken und anno 2100 die Grenzen des Deutschen Reiches im Jahr 1937 überschreiten. Desgleichen tolle Wachstumsraten würden die Personalentwicklung, die Anzahl der Außenrepräsentanten, der monatlichen Buchtitel (über 1 Million in 2100) und natürlich des Holzverbrauchs aufweisen!

Doch dieser Wahnsinn hat Methode, nämlich die von Mark Twain. In dessen Buch "Das Leben auf dem Mississippi" findet sich bereits die benutzte Extrapolationsmethode, abgeleitet vom erstaunlichen Trend des Vaters der Ströme, sich zu verkürzen. Durch Begradigung (daher auch "straightforward") verliert der Strom im Schnitt soundso viele Kilometer. In wenigen Jahren, so ergibt sich daraus, dürften die Städte Cairo (Oberlauf) und New Orleans (Mündungsdelta) nebeneinanderliegen!

Mein Eindruck

Auch dieser scherzhaft gemeinte Text ist ein Beitrag zu einer Anthologie, nämlich zum "Rolf Heyne Taschenbuch" 1988. Nach dem anfänglichen Marketinggesülze legt der Schreiber richtig los. Die prognostizierten Wachstumsresultate sind aberwitzig. Es wird angenommen, dass es keinerlei Grenzen des Wachstums geben werde. Tatsächlich wurde der Heyne-Verlag schon zwölf Jahre später, nach einer Fusion mit List und Ullstein (genannt "HEUL") an den Bertelsmann-Konzern verkauft. Nix war's mit Wachstum.

Doch das ist nicht der Punkt. Dem Autor geht es um die Bloßstellung der Beraterphilosophie, dass unbegrenztes Wachstums- und Profitstreben allein positiv sei. Egal, dass der Wald dabei dran glauben muss - ein Ende des Waldsterbens ist dadurch garantiert: positiv!

7) Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan (1990)
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Die Schweizer Garde des Vatikan schiebt wieder mal eine anstrengende Nachtschicht. Während eine Hologrammprojektion die stille Erhabenheit des Petersplatzes vorgaukelt, schiebt ein Baufahrzeug mit seiner riesigen Schaufel Tausende von Leichen zusammen auf einen vier bis fünf Meter hohen Berg. Es handelt sich um fast 45.000 Babyleichen. Sie wurden aus allen Teilen der Welt hierhertransport, um entsorgt zu werden - gen Himmel.

Am Morgen ist die harte Arbeit geschafft. Die ersten amerikanischen Touristen besuchen den Petersplatz, der nun wieder leer und erhaben daliegt. Nur ein Vietnamveteran schöpft Verdacht: "Hier riecht es nach Tod, nach frischem Tod." Lang lebe Giovanni Paolo Secondo, der neue Papst.

Mein Eindruck

Die erstmals 1993 im kurzlebigen Magazin "Solaris" veröffentlichte Erzählung ist eine bittere und mitunter eklige Anklage der päpstlichen Botschaft, dass alles Leben heilig sei und Abtreibung folglich eine Sünde, ebenso wie Empfängnisverhütung. Dem Dogma stellt der Autor die abstoßende Realität entgegen: Babys als Heroinversteck für Schmuggler missbraucht, Jungs und Mädchen als Kindersoldaten in Rebellenkriegen verheizt, der Babystrich in Asien und Afrika, Babys als Ersatzteillager für Organhändler, und noch vieles mehr (diese Untaten wurden den Nachrichten entnommen, versichert der Autor).

Zweifellos ist dies eine von Jeschkes wichtigsten und umstrittensten Geschichten, so umstritten offenbar, dass er es nötig fand, bei jedem Abdruck (auch beim ersten) ein zweiseitiges Vorwort voranzustellen, um seinen Standpunkt klarzustellen.

8) Die Sonne des Anaximandros (2008)
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Der Neuling Dr. Scribner stellt den Dr. Katsaros, einen Veteranen unter den Exobiologen zur Rede, was die Erkenntnisse über das Leben auf den beiden Welten Qurat und Zaqra anbelangt. Während Katsaros infrage stellt, dass man auf den Welten intelligentes Leben gefunden habe, wagt Scribner doch auf einige ungewöhnliche Beobachtungen hinzuweisen, die genau dies nahelegen…

Es wurden doppelflügelige Riesenlibellen beobachtet und untersucht, deren Gehirn verstümmelt war. Und es schien, als ob Passagiere davon abgesprungen wären, als sie eingefangen wurde. Außerdem fand sich DNS, die auf Qurat wie auf Zaqra identisch war. Wie so etwas möglich sei, wenn die Evolution nicht den gleichen Ursprung hatte?

Nach einem kleinen Intermezzo bei den intelligenten, aber eben sehr kleinen Bewohnern von Qurat kehrt die Erzählung zu Katsaros und Scribner zurück. Der Veteran schockt seinen besucher, indem er seinen halbierten Körper von einem Sockel zu einem anderen versetzt. Tja, das ist der Preis der Forschung. Katsaros hat sein Opfer gebracht, und was für ein Unmensch wäre Scribner, wenn er ihm dieses Opfer einweihte, indem er Katsaros' berufliches Verdienst schmälerte?

Mein Eindruck

Wie schon im Hörspiel "Jonah im Feuerofen" (in dem Erzählband "Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan") beschäftigt sich der Autor hier mit der Unfähigkeit von Spezies, einander zu erkennen. Das Besondere dabei: Diese Unfähigkeit betrifft diesmal nicht nur die Menschen und ihre wissenschaftliche Methode, sondern auch die Aliens, die sich die Existenz von riesigen Ungeheuern, die intelligent sind, gar nicht vorstellen können. Es ist das alte Gulliver & Lilliput-Problem, verstärkt durch den hierarchischen Konflikt zwischen Neuling und Veteran, wobei der Veteran immer auf seine Meriten pochen kann.

Auch dieser Text war eine Auftragsarbeit, die aus Fragmenten entstand. Dementsprechend rudimentär wirkt der erzählerische Aufbau, und von einer Handlung kann nicht gesprochen werden. Es ist noch nicht mal ein sokratischer Dialog, sondern einfach ein Austausch konträrer Ansichten.

9) Ein Ruf aus der Dunkelheit (2010)
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Isaiah lebt auf einer Welt im Sagittariusarm der Milchstraße, zusammen mit anderen Klosterschülern. Sie sind alle Horcher, die empathische Rufe von weither empfangen können, und zwar im gleichen Augenblick, selbst wenn millionen Lichtjahre zwischen Sender und Horcher liegen.

Im Unterschied zu seinen Klosterschülern ist Isaiah schon tausend Erdenjahre alt, denn er ist fast mit Lichtgeschwindigkeit hierhergereist, und die Zeitdilatation besorgte den Rest. Nachdem er ihnen vom Tag, als er entdeckt und abgeholt wurde, erzählt hat, besteigen sie das wandernde Kloster und begeben sich auf den Berg tausende Meter über dem Meer. Zusammen mit fünf anderen Klöstern der Horcher triangulieren sie den Ursprungsort eines fernen Rufes, der aus der Dunkelheit kommt, aus einer anderen Galaxie…

Mein Eindruck

Wie schon in seinem Kurzhörspiel "Happy birthday, dear Alice! Happy birthday, dear Anne!" (in "Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan") geht es auch hier um das Thema der Horcher, die instantane Verständigung ermöglichen. Waren es dort Klonschwestern, so sind es hier einfach begabte Jugendliche. Die Erzählerin ist ein Mädchen, es hört dem alten Isaiah zu. Das Kloster ist ein Lebewesen und mit dem Bergkloster in der Jeschke-Erzählung "Das Geschmeide" verwandt. Sein Name "Hièn trén máy" ist übrigens vietnamesisch und bedeutet "das in den Wolken wohnt".

Auch diese Story war eine Auftragsarbeit, diesmal zum Thema Verständigung mit Aliens. Wie so häufig mangelt es auch diesem Text an Handlung.

10) Orte der Erinnerung (o.J., nach 2005, illustriert)
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Der Kunstmaler Howard Szajnberg ist mit der erfolgreichen Hirnchirugin Yude Rice verheiratet, als die merkwürdigen Vorfälle beginnen. Erst hat sie einen sich wiederholenden Traum von einem schönen Tal, in dem aber zwei Zeiten nebeneinander existieren. Dann erhalten sie beiden anonyme Anrufe von einem Kerl, der es gut zu meinen scheint. Er nennt sich ihren Schutzengel. Yude wird vor einem finanziellen Verlust bewahrt, doch Howard soll sich beruflich neu orientieren: vom erfolglosen und ausgebeuteten Maler zum Fotografen.

Nur weil der "Schutzengel" sich bereits als hilfreich erwiesen hat, willigt Howard ein. Er kauft eine teure Ausrüstung (natürlich von Yudes Geld) und lässt sich an Orte schicken, von denen der "Schutzengel" behauptet, dass dort gleich eine Naturkatastrophe stattfinden werde. Regelmäßig trifft die Vorhersage ein. Howard ist mit seiner Kamera meist als erster und einziger Fotograf vor Ort. Die Kamera schickt die Bilder direkt per Satellit an seine Agentur, die sie wiederum Publikationen in aller Welt anbietet. Im Handumdrehen wird Howard, den man bald "Super-Ho" nennen wird, Millionär.

Die Monate vergehen, und Howard bemerkt mit Besorgnis, dass Yude offenbar Probleme mit ihrem eigenen Gehirn hat: Die Kopfschmerzen hindern sie bald daran, ihren Beruf weiter ausüben zu können. Sie geht in eine Klinik, ohne Ho Bescheid zu geben.

Denn der Schutzengel hat Pläne mit ihm. Er schickt Howard in den Golf von Bengalen, wo ein großes Hochwasser zahlreiche Tote gefordert haben soll. Mit einem gemieteten Katamaran geht's hinaus in das Mündungsgebiet, doch außer töten Tierkadavern und Treibholz ist nichts zu sehen. Auch die anderen Fotografen an Bord sind enttäuscht, allen voran Ho's größter Konkurrent, ein Japaner. Ein Sturm zieht, das Bott eilt zurück in den Hafen - und erleidet Schiffbruch.

Ho erwacht auf einer Sandbank. Im Sand entdeckt er ein glitzerndes Gerät, das er in die Sonne legt, damit sich seine Akkus aufladen können. Das sprechende Ding nennt sich der Personal Digital Assistant des japanischen Fotografen. Ho wählt den Namen, den es vorher hatte: Totore, der Waldgeist aus einem Animationsfilm von Miyazaki. Nun wird Totoro zu Howards Schutzengel: Er ruft Hilfe herbei. Und so schafft es Ho endlich nach Hause.

Doch dort steht nichts zum Besten für unseren Odysseus. Yude ist ohne Nachricht verschwunden (nämlich in die Klinik). Als er ihre letzte Spur entdeckt, ist er bestürzt: Ihr Körper lebt nicht mehr - der Hirntumor war inoperabel. Sie hat aber die Chance ergriffen, das neue Verfahren von Dr. Weiskrantz zu nutzen und einen Persönlichkeits-Scan von sich anlegen und speichern zu lassen. Weiskrantz versichert Ho, dass Yude noch "lebe", und zwar keineswegs in einer Totenwelt à la Hades. Leider führt sich der Arzt aber doch als Zerberus auf, indem er Ho den Zugang zu der geliebten Frau verweigert.

Doch mit Totoros Hilfe ist auch dieser Zugang kein Hindernis für unseren Orpheus...

Mein Eindruck

Ganz klar ist diese wunderschöne Erzählung, die den krönenden Abschluss dieses Bandes bildet, eine Verarbeitung des antiken Mythos von Orpheus und Eurydike. Wie schon in "Nekromanteion" wird ein Abbild eines Menschen erstellt und gespeichert, damit es jederzeit abgerufen werden kann. Doch ist Howards Eurydike wirklich glücklich, dort, wo sie jetzt ist? Er muss es unbedingt herausfinden!

Wie sich herausstellt, befindet sich ihr Bewusstsein in eben jenem schönen Tal, von dem sie einst träumte. Zufall oder Notwendigkeit? Und denkt sie auch mal an ihn, Howard? Sie denkt, dass sie es tut, nennt ihn aber lediglich "Freund". Und nun ergibt sich die Notwendigkeit, Weiskrantz' Barrieren zu umgehen und in die Vergangenheit zu telefonieren - so wird Howard sein eigener "Schutzengel". Er war es ja, der den ledigen Ho einst anrief, um ihn zu bewegen, diese tolle Lady auf dem Züricher Flughafen anzusprechen…

So entsteht unversehens eine Zeitschleife, in der Ho an seinem früheren Liebesleben mit Yude indirekt noch einmal teilhaben kann. Doch dann geschieht etwas Unvorhergesehenes….

Diese höchst romantische Geschichte, die eigentlich als Hörspiel konzipiert war, greift Jeschkes Standardthemen (Überwindung des Todes, Zeitreisen, Virtuelle Realität usw.) auf, die ich mehrfach vorgestellt habe, erweitert sie aber um Altersweisheit, Romantik, Sinnlichkeit und einen sanften, selbstironischen Humor. Außerdem gibt es nur zu dieser Geschichte Illustrationen von Thomas Franke, der Stil einzigartig ist - sie das Titelbild.

11) Vorwort von Herbert W. Franke
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Franke ist selbst ein Veteran der deutschsprachigen Science Fiction und Autor einer großen Zahl von Romanen, Erzählungen und Drehbüchern (er schrieb eine Fortsetzung der Kultserie "Raumpatrouille Orion"). Zum Glück drückt er sich nicht geschwollen und professoral aus, wenn er die Maßstäbe für qualitätsvolle Literatur auf Wolfgang Jeschkes Werke anwendet.

Diese seien originell, gedanklich gehaltvoll und sprachlich hochstehend - drei der wichtigsten Voraussetzungen sind also erfüllt. Dass auch idealerweise eine Handlung und interessante Figuren vorkommen sollen, muss nicht immer unbedingt der Fall sein, wie es scheint.

Interessanter fand ich jedoch, was Franke über seinen Berufskollegen und Mitarbeiter (zwischen 1969 und 1977) zu erzählen weiß. In diesen Bemerkungen findet sich ein sehr persönlich gehaltenes Bild von Jeschke wieder, das man woanders lange suchen müsste. Am ehesten würde sich uns der Mensch Jeschke - auf literarisch abstrahierter Ebene - als Autor der Vorworte des Heyne SF Jahrbuchs präsentieren, meint Franke. Allerdings ist klar, dass dieser Jeschke in erster Linie Herausgeber, Lektor und Marktbeobachter war. Seine bissigen Anmerkungen waren stets ein freudig erwarteter Beitrag im Jahrbuch (das übrigens bis heute bei Heyne erscheint!).

Jeschke kam wegen seiner Auslastung aus Herausgeber nur im Urlaub etc. zum Schreiben. Seit seinem Ausscheiden 2002, das er aus Altersgründen vornahm, veröffentlicht er wieder qualitätsvolle Texte, so den Roman "Das Cusanus-Spiel" oder die Erzählung "Orte der Erinnerung" (s.o.). »So bewundernswert der Erfolg des Herausgebers Jeschke ist, so hinderlich war er für den Autor Jeschke, der nur in der Freizeit und während des Urlaubs zum Schreiben kam. Erstaunlich genug, was er in dieser Zeit trotzdem hervorbringen konnte! Erst in jüngster Zeit, nachdem er 2002 sein Amt bei Heyne aus Altersgründen zurücklegte, kann er sich unbehindert den schriftstellerischen Aktivitäten widmen. Und das ist nicht nur erfreulich für ihn, sondern auch für seine Leser. Ich warte mit Spannung auf das, was wir von Wolfgang Jeschke noch erwarten dürfen«, schreibt Franke in seinem Vorwort. Ich warte auch.


Unterm Strich
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Die ersten sieben der zehn Texte erschienen bereits in Jeschkes Collection "Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan" (s. dazu meinen Bericht). Deshalb fragt man zu recht, wieso man nun zu diesem wesentlich teureren Buch "Orte der Erinnerung" greifen sollte. Es gibt zwei gewichtige Gründe: Erstens befindet sich die Collection aus dem Jahr 1992 nach mittlerweile fast 20 Jahren ihrer Existenz nur noch im Gebrauchtbuchhandel (v.a. online), und der Sammler bekommt dort nicht immer garantiert beste Qualität, wie ich mehrfach feststellen musste (und wenn doch, dann nur zu hohen Preisen).

Zweitens enthält "Orte der Erinnerung" drei wichtige neue Texte, die ich bislang noch nicht kannte. Deshalb habe ich sie oben auch ausführlicher vorgestellt als die anderen Texte. Die Erzählung "Orte der Erinnerung" - ich sagte es bereits - ist für mich der krönende Abschluss dieser Gesammelte Werke. Sämtliche von Franke erwähnte Qualitätskriterien für Literatur werden erfüllt, durch die Illustrationen Thomas franke noch wertvoller gemacht, Und wer Jeschkes Empfehlung folgt und Glucks Oper "Orphée et Eurydice" anhört (oder zumindest den "Reigen der seligen Geister"), bekommt sogar ein multimediales Werk geboten.

SF als Literatur des Wandels

Science Fiction wurde einmal die Literatur bezeichnet, die das Phänomen des Wandels am angemessensten beschreibt, bezeichnet. Und da der Wandel aller Lebensbedingungen aufgrund des Internets - Stichwort "Arabischer Frühling" - inzwischen global wahrgenommen wird, liegt es nicht fern, SF als globales Phänomen aufzufassen. SF-Filme laufen heute in den Kinos und Wohnzimmern rund um den Globus.

Doch andersherum ist es auch zur Aufgabe des Autors geworden, global zu denken, um entsprechende Probleme aufgreifen zu können. Jeschke ist mir stets als einer derjenigen deutschen Autoren bekannt gewesen, der seine Figuren in allen Weltgegenden, vorzugsweise in Asien, agieren und den Wandel erleben lässt.

Vorreiter

Andere Autoren, wie Frank Schätzing, Michael Iwoleit und Andreas Eschbach, sind ihm hierin gefolgt. Sie alle ersetzen den deutschen Macher als Hauptfigur nicht einfach durch einer angelsächsischen Macher, wie es noch in den sechziger und siebziger Jahre für deutsche Autoren obligatorisch war, wollten sie Erfolg haben. Nein, ihre Teams sind multinational, ihre Schauplätze auf der ganzen Welt angesiedelt und ihre Themen von zahlreichen Kulturen nachvollziehbar, so etwa der Klimawandel (Schätzings "Schwarm"), das Ende des Ölbooms (Eschbachs "Ausgebrannt") oder die Auswüchse der Gen- und Cybertechnologie (Iwoleits "Psyhack").

Mit Frankes Worten aus dem Vorwort kann man also heute schon anhand deutscher Autoren und ihres Erfolgs sehen, wie sich Jeschkes jahrzehntelange Herausgeberschaft auf die deutsche SF-Autorenschaft (und ebenso auf die Grafiker) positiv ausgewirkt hat. Das mag sich für den Autoren Jeschke als irrelevant anmuten, ist aber das Gegenteil: Dem Anspruch, den der Herausgeber Jeschke aufstellte, musste auch der Autor Jeschke genügen. Und durfte sich dennoch einige witzige Stories wie "Yeti" erlauben.

Abschluss

Mit diesem dritten Band sind die Gesammelten Werke vorerst abgeschlossen. Der neueste Text ist ja von 2010. Der Sammler hat damit ein gutes Fundament, das er nun durch die Romane "MIDAS oder Die Auferstehung des Fleisches", "Der letzte Tag der Schöpfung" und "Das Cusanus-Spiel" ergänzen kann.

Schwächen

Punktabzug gibt es von mir nur für die Auftragsarbeiten "Anaximandros" und "Ruf aus der Dunkelheit" sowie "Mister Smith". Ihnen fehlt eine Handlung. Außerdem habe ich mich über die fehlenden Jahresangaben zu den einzelnen Texten nicht gerade gefreut, was besonders bei "Orte der Erinnerung schade ist. Die ersten sieben Texte findet man jedoch in "Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan" datiert und "Anaximandros" und "Ruf aus der Dunkelheit" werden vom Autor datiert. Ich habe diese Angaben bei jedem Text eingetragen. Auf die drei Druckfehler, die ich fand, brauche ich nicht näher einzugehen, denn es handelt sich um simple Flüchtigkeitsfehler.

Fazit: vier von fünf Punkten.

Michael Matzer © 2012ff

Info: Shayol, 2011, Berlin; 256 Seiten, illustriert von Thomas Franke, Preis: 16,90 EU; ISBN 978-3-926126917

61 Bewertungen, 12 Kommentare

  • Clematis

    29.01.2012, 15:47 Uhr von Clematis, Bewertung: besonders wertvoll

    alles drin - Schöne Grüsse, Talulah - calimero1111

  • quacky

    25.01.2012, 01:37 Uhr von quacky, Bewertung: besonders wertvoll

    Toller Bericht:LG Quacky bw

  • Marslight

    24.01.2012, 00:15 Uhr von Marslight , Bewertung: besonders wertvoll

    Liebe Grüße**********

  • Tweety30

    23.01.2012, 18:00 Uhr von Tweety30, Bewertung: besonders wertvoll

    BW und liebe Grüße!

  • HEIDIZ

    23.01.2012, 12:29 Uhr von HEIDIZ, Bewertung: besonders wertvoll

    ahaaaaaaaaaaa interessant !!!! top berichtet. LG HEIDIZ

  • feliciano2009

    22.01.2012, 17:31 Uhr von feliciano2009, Bewertung: besonders wertvoll

    Klingt interessant...

  • sigrid9979

    21.01.2012, 18:57 Uhr von sigrid9979, Bewertung: sehr hilfreich

    Ein schönes Wochenende wünscht Sigrid

  • XXLALF

    21.01.2012, 18:41 Uhr von XXLALF, Bewertung: besonders wertvoll

    ...und ein wunderschönes wochenende

  • katjafranke

    21.01.2012, 17:18 Uhr von katjafranke, Bewertung: sehr hilfreich

    Einen lieben Gruß von der KATJA

  • satibaer

    21.01.2012, 16:09 Uhr von satibaer, Bewertung: besonders wertvoll

    alles drin - alles dran - bw!

  • morla

    21.01.2012, 15:26 Uhr von morla, Bewertung: besonders wertvoll

    schönes wochenende lg. petra

  • Mondlicht1957

    21.01.2012, 13:02 Uhr von Mondlicht1957, Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse