Nur eine Ohrfeige (gebundene Ausgabe) / Christos Tsiolkas Testbericht

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Erfahrungsbericht von Theophanu

Nur eine Ohrfeige für den Leser

Pro:

ein ansprechendes Thema

Kontra:

keine wirkliche Figurencharakteristik, platt, banal, fehlende Fokussierung

Empfehlung:

Nein

Vor längerer Zeit bekam ich nun ein Exemplar des neuen Buches von Christos Tsiolkas mit dem Titel „Nur eine Ohrfeige“ (OT: „The Slap“), das schon als schon als der neue gesellschaftskritische Super-Roman angepriesen wird, wie aus einer doppelseitigen Anzeige im Börsenblatt ersichtlich wird.
Und dabei ist Thema und Inhalt des Buches durchaus vielversprechend und interesseweckend.

Der Grieche Hector und seine indische Frau Aisha wollen bei sich zuhause im warmen, australischen Städtchen Melbourne ein Barbecue geben und haben dazu alle ihre Verwandten, Freunde und Bekannten eingeladen. So trifft eine illustre Gesellschaft verschiedener Weltansichten und Ethnien aufeinander, palavert über Dies und Das und wirft sich am und an, um den Abend wohl zu überstehen, ein paar Drogen ein. Währendessen ließ man die Kinder der Anwesenden im Garten spielen.
Alles bleibt ruhig und entspannt, bis man ein Gebrüll aus der Ecke vernimmt in der die Kinder bis dato friedlich spielten, denn Hugo, der Sohn von Rosie und Gary, droht mit einem Schläger den Sohn von Hectors Cousin Harry anzugreifen.
Harry reagiert sofort und verpasst dem dreijährigen Hugo eine schallende Ohrfeige.
Und damit beginnt das Desaster. Rosie und Gary drohen Harry bei der Polizei anzuzeigen und anzuklagen (was später auch geschieht) und die anderen Anwesenden des Vorfalls debattieren nun mehr oder weniger ausgelassen über Recht und Unrecht und andere Banalitäten.
Dabei wird die Perspektive von insgesamt acht Personen erzählt. Es kommt zu Reibereien, Freundschaften zerbrechen an den Streitthema, ob Harry nun ein Recht hatte, Hugo zu ohrfeigen, oder nicht, zwischenmenschliche Probleme und Beziehungskrisen werden aufgedeckt.


Meine Meinung zu dem Buch
Das Buch war für mich eine Qual und in keiner Weise eine Freunde.
Das ist schade, den Potential hat es und das Thema hätte man mehr und besser ausbauen können. Stattdessen hat der Autor uns hier in meinen Augen nur einen recht flach gehaltenen Entwurf von Diskussionsfetzen unterschiedlicher Meinungen zu „Kindesmisshandlung“ oder „Erziehungsmaßnahme“ gegeben und richtet den Fokus unverständlicherweise viel zu stark auf Banalitäten, Gespräche ohne erkennbaren Sinn, Sex und Drogen.
Sex – das Stichwort. Keine der acht Perspektiven, aus der das Geschehen erzählt wird kommt ohne Sex aus. Da wird fremdgegangen, fröhlich onaniert, sich durch die Betten geschlafen und sich wilden Fantasien hingegeben. Frauen wie Männern werden die gleichen, unbändigen Gelüste in die Gedanken gelegt. Selbst bei dem betagten (und von allen Figuren am weisesten) Manolis kommt man nicht umhin, mit seinen sexuellen Fantasien und Erinnerungen bombardiert zu werden.
Streckenweise kam dieses Buch nicht einem Gesellschaftsroman, der es sich zur Aufgabe machte, die Ohrfeige zu analysieren, sondern einem Softporno gleich.
Auch die Verharmlosung unterschiedlichster Drogen ist sehr kritisch zu betrachten. Da wird hemmungslos gekifft und gekokst und keine Konsequenzen in Aussicht gestellt. Im Gegenteil: das gesamte Umfeld billigt und unterstützt dieses Verhalten. Selbst bei den Jugendlichen wird der Drogenkonsum fast als „notwendig“ erachtet.
Die Figuren sind austauschbar und gesichtslos. Auch wenn Tsiolkas seitenlang versucht, Personen zu charakterisieren oder eine Einführung zu geben (so braucht er fast 50 Seiten, bis er zur eigentlichen Ohrfeige kommt), ist davon vielen nicht relevant und zog jedenfalls bei mir beim Lesen gehörig an den Nerven.
Die Idee, das Geschehen fortlaufend in acht Perspektiven zu schildern, ist gut, scheitert aber etwas an der mangelhaften Personenkontur. Es ist meist irrelevant, aus wessen Perspektive da geschildert wird, wichtig ist nur die Handlung, die selbst manchmal mager ist.
Auch der Schreib- bzw. Redestil der Figuren ist fast immer gleich – und zwar gleich derb. Keine Frage, es lässt sich flüssig lesen, wenn es denn mal interessant geworden wäre (einzig Manolis’ Schilderungen habe ich recht gern gelesen) und man zu den Figuren wenigstens eine Verbindung aufbauen könnte.
Die Figuren waren stereotyp und genauso waren es auch die Meinungen: es gab die Fraktion der „Harry“-Hasser, sprich, die diese Ohrfeige auf das schlimmste Verurteilungswürdig fanden, dann die Vertreter der Meinung, dass die Ohrfeige nötig war, damit Hugo auch seine Grenzen aufgezeigt bekäme und noch die Minderheit derer, denen es eigentlich egal war (dazu möchte ich wohl Hugos Vater Gary zählen).
Diese Streitereien uferten dann in ein hemmungsloses Geheul der Frauen darüber aus, welch’ ein „Monster“ Harry sei und die lauten Gegenstimmen der Männer, dass es richtig war, was er tat.
Und irgendwann ging mir dieser Kleinkrieg, der zu nichts führt, gehörig auf die Nerven.


Ich kann mich nur wiederholen: Schade eigentlich, dass dieses Buch so trivial geworden ist. Die Thematik der Ohrfeige und auch der grundsätzlich strukturelle Aufbau der Geschichte hätten eine Menge Potential zu bieten, wenn Tsiolkas seinen Fokus anders gelegt hätte.
Deshalb gibt es von mir auch nur zwei Sterne (mit einer ganz leichten Tendenz zu drei Sternen, aber soviel gibt das Buch meiner Meinung nicht her).

34 Bewertungen, 7 Kommentare

  • morla

    01.03.2012, 22:47 Uhr von morla, Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^^^petra

  • Miraculix1967

    01.03.2012, 22:45 Uhr von Miraculix1967, Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Donnerstagabend und lieben Gruß Nr. 1 für heute von Miraculix1967 aus dem gallischen Dorf

  • Anton

    01.03.2012, 22:19 Uhr von Anton, Bewertung: sehr hilfreich

    toller bericht freu mich auf gegenlesungen gruß Anton

  • check_ass

    01.03.2012, 22:06 Uhr von check_ass, Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche eine schöne Restwoche freue mich über jede ehrliche Gegenlesung Lg Marit

  • schumitoni

    01.03.2012, 13:29 Uhr von schumitoni, Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr gute Vorstellung, Saludos Negerle

  • nbachmann1986

    01.03.2012, 13:21 Uhr von nbachmann1986, Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße, Nina :-)

  • katjafranke

    01.03.2012, 12:14 Uhr von katjafranke, Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße KATJA...