Finsterau (gebundene Ausgabe) / Andrea Maria Schenkel Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Aufmachung:  sehr gut
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  sehr gering
  • Humor:  kein Humor
  • Wie ergreifend ist die Story?:  sehr ergreifend
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von LilithIbi

„Und das Urteil war richtig; ob es gerecht war, ist eine andere Frage.“

  • Aufmachung:  gut
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  sehr gering
  • Humor:  kein Humor
  • Wie ergreifend ist die Story?:  sehr ergreifend
  • Zielgruppe:  Männer
  • Stil:  durchschnittlich
  • Seitenzahl:  100 bis 200

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Und das Urteil war richtig; ob es gerecht war, ist eine andere Frage.“

„Auf ihren Knien rutschte sie herum, um das Geld aufzusammeln. Der Wirt selbst hatte sich verleugnen lassen. Und den Brief, den sie für den Franzosen dagelassen hatte, verbrannten sie noch am gleichen Abend. Warum den Brief hergeben? Wenn die Arbeiter am nächsten Morgen herbeigekarrt werden, dann ist sie halt weg, die Afra, und alles wird weiter seinen geregelten Gang gehen. Das ist nur zu jedermanns Nutzen.“
(Zitat, S. 25)

Dass es oft nicht so einfach kommt, wie man es sich gedacht haben mag, wenngleich man nicht direkt an der schicksalsträchtigen Entscheidung beteiligt gewesen sein muss... dass muss die junge Afra Zauner, die mitsamt der Schande eines unehelichen Kindes 1944 in ihr Elternhaus zurückkehrt, am eigenen Leib erfahren. Die weitere Entwicklung der Geschichte, die Afra blutüberströmt in der Wohnstube enden lässt, wiegt schwer auf der gesamten Kleinfamilie, reißt die Vertrautheit wie die letzten Glaubensfragmente auf ein weitestgehend friedliches Miteinander die letzten Klippen der verbliebenen Hoffnung hinunter.

Tauschticket sei Dank blieb es mir bzw. meinem Konto erspart, knapp 17Euro für einen 125 Seiten umfassendes Kriminalroman auszugeben, der nicht von ungefähr arg an _„Tannöd“_ erinnert und mich immerhin eine gute Stunde gebannt auf seine Zeilen starren lies.

===“Finsterau“=== stammt ebenfalls aus der Feder von Andrea Maria Schenkel, bedient sich dem gleichen perspektiv- und zeitenwechselnden Aufbau und kommt nicht zuletzt mit einer recht ähnlichen Story daher. Im Grunde genommen könnte man somit schlussfolgernd behaupten, die Autorin würde von sich selbst abschreiben ~ ein Aspekt, den man gleichwohl mit „einprägsamer, eigener Stil“ interpretieren könnte.

An den Erzählstrang gewöhnt man sich meiner Erfahrung nach schnell, ebenso an die altertümliche Sprache, die unserereins oftmals „putzig“ erscheinen mag. Wer hiermit jedoch Schwierigkeiten hat oder gar nicht den Deut einer Motivation verspürt, auch nur erraten zu können, was sich hinter Begriffen wie „hernach“, „hatschert“, „Stutzerl“, „Franzmann“, „Wackes“, „Haferl Kaffee“ oder gar „Bankert“ verbirgt, der ist vermutlich mit dem Krimi falsch beraten. Meines Empfindens nach erklären sich jene Sprachschätze durchaus aus dem Kontext; worüberhinaus der Lerneffekt über einstige Schimpfworte (das heutig noch angewandte saloppe „Schnalle“ war seinerzeit eine gleichbedeutende Beleidigung, wie wir es als „Flittchen, Schlampe“ kennen) nicht ohne ist.

Absoluter Fokus liegt in dem Kurzroman auf Johann Zauner, der zunehmend unter Altersdemenz zu leiden scheint und mit seinen Stimmungswechseln nicht nur seiner Tochter Afra das Leben erschwert. Bis zuletzt hält seine Frau Theres zu ihm, die, nachdem ihm Ungeheuerliches vorgeworfen wird, als einzige an seine Unschuld glaubt.

_„Finsterau“_ ist ein Buch, über das man vor dem eigenen Leseprozess am Besten so wenig wie möglich in Erfahrung bringt, um sich keinen der Überraschungseffekte wie Wendungen und Raffinessen entgehen zu lassen. Zwar ist es unbestreitbarer Fakt, dass jene, die wie bereits erwähnt _„Tannöd“_ kenne, früh erahnen, wie der Hase läuft ~ doch unsagbar fesselnd las sich das Buch für mich trotzdem. Erneut ist es Andrea Maria Schenkel gelungen, durch die Kapitel für Kapitel wechselnden Perspektiven wie auch Zeitungsartikel nebst Protokollen und nicht zuletzt Sprünge in das, was sich 18 Jahre später ereignen sollte, ein Hohes Maß an (An)Spannung zu erzielen. Dass der Krimi erneut auf einem historischen Mordfall basiert, gibt dem Ganzen eine weitere Würze und Authentizität, der ich persönlich mich kaum entziehen konnte.

Der stete Blick hinter die Kulissen offenbart derartige Schlussfolgerungen der einstigen Ermittler, die einem als Leser Angst und Bange werden lassen, da mitunter einer der Amtsarzt nicht einmal auf die Idee kommt, dass die von ihm beurteilte Situation womöglich völlig anders gewesen sein _könnte. Erst fast zwei Jahrzehnte später gelangt jenes Detail ans Tageslicht, hinterlässt jedoch statt eines „Aha-Effektes“ ein weiteres Bausteinchen, welches den Leser den Unterkiefer ausrenken könnte.

Im Gegensatz zu dem auf der Hand liegenden Vergleichswerk gestaltet sich die Hintergrundgeschichte bei _„Finsterau“_ als nicht derartig verstrickt und undurchsichtig, ebenfalls wird hier eine eindeutigere Auflösung geboten, die mir das Buch mit einem rigoros unter die Haut gehenden Schlusssatz auf Leib und Seele legen sollte.

Was zu sagen bleibt, ist: _„Finsterau“_ berührt, verstört und stimmt in mehrerlei Hinsicht unsagbar traurig. Die Romantik, die zwischen den Zeilen hervordringt, tröstet in diesem Fall kaum, verhält es sich doch so, wie die zur sezierenden Poesie neigenden Verfasserin es auf S. 91 auf den Punkt bringt:

„Die Wahrheit ist ein scheues Kind, und ihre Mutter, die Gerechtigkeit, ist meist blind.“

37 Bewertungen, 5 Kommentare

  • hundeliebe02

    11.06.2012, 21:47 Uhr von hundeliebe02, Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • Marvel1981ffm

    11.06.2012, 09:50 Uhr von Marvel1981ffm, Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön. Über Gegenlesungen würde ich mich freuen :-)

  • morla

    11.06.2012, 00:55 Uhr von morla, Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^^^petra

  • Baby1

    11.06.2012, 00:24 Uhr von Baby1, Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • Matze081

    10.06.2012, 23:39 Uhr von Matze081, Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüße aus Greifswald ;)