Vergissdeinnicht (Taschenbuch) / Cat Clarke Testbericht

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Erfahrungsbericht von LilithIbi

„Irgendwie muss ich hier rauskommen.... oder?“

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Das Essen war lecker. Das ist nur eine von vielen, vielen abgefahrenen Sachen, die hier passieren. Das Essen ist toll. Und von wie vielen Entführungen hat man schon gehört, bei denen das Opfer sein eigenes Badezimmer hatte? Und das wahrscheinlich gemütlichste Bett auf der ganzen Welt. Ich wünschte nur, dass nicht alles so weiß wäre. Manchmal muss ich die Augen zumachen, um mich daran zu erinnern, dass es tatsächlich noch andere Farben im Universum gibt.
Zitat, S. 8

Fakt ist: ich selbst kann mich nicht mehr daran erinnern, wann, wie und wodurch ich auf den gestrig von mir gelesenen Roman, in dem des buchstäblich um das vergessen(-wollen) geht, aufmerksam wurde. Weiterer Fakt ist: die story ist unglaublich schwer zu beschreiben, ohne den potentiell Interessierten entweder auf eine völlig falsche Fährte zu locken oder alternativ etliche Offenbarungsmomente vorweg zu nehmen.
Vermuteter Fakt ist: die brachial-bewegende Lektüre wird an vielen Menschen förmlich vorbeigehen.
Dass, was die Autorin Cat Clarke inmitten von

vergissdeinnicht zu Papier brachte, geht passagenweise mitten ins Herz, hier und dort fast noch tiefer und besticht zugleich durch einen unglaublich sarkastisch-morbiden Schreibstil, der faszinierenderweise die Bedrohlichkeit, die von den Kapiteln ausgeht, nicht im geringsten schmälert.

An für sich bleibt lediglich zu sagen, dass die 17jährige Grace in einem völlig weißen Raum zu sich kommt. Da sich ihr Entführer Ethan über seine Motive und Absichten absolut bedeckt hält, beginnt Grace schließlich, dass einzige zu tun, was ihr in dieser Umgebung bleibt: sie schreibt alles auf, an was sie sich erinnern kann, lässt den Leser somit auf diese Art und Weise an dem, was zuvor geschah, teilnehmen.

'''Die Umsetzung''' lässt im Gegensatz zum Klappentext rasch erahnen, dass man es hier nicht mit einem handelsüblichen Thriller zu tun hat. Mehr noch: über kurz oder lang fragt man sich, wieso man überhaupt davon _ausgegangen_ ist, dass es ein Thriller sein sollte. _„vergissdeinnicht“_ stellt meines Erachtens nach eher ein stilles, leises Drama dar, welches unterschiedliche interpersonelle Beziehungsgeflechte förmlich seziert und stetig eine andere Art von Narben hinterlässt.

Vater-Tochter-Beziehung; Mutter-Tochter-Konflikt; Freundschaften, die sich auseinanderlebten, neue Freundschaften; die erste große Liebe und stetig die jeweilige Verletzbarkeiten sind es, die „vergissdeinnicht“ so wahnsinnig authentisch machen und in mir für kurze Momente sorgten, in denen ich kurzzeitig immerzu die Augen schließen musste, um die Wortgewalt in ihrem gesamten Ausmaß auf mich wirken lassen zu können.

Insbesondere die Streitszene zwischen Grace und ihrer besten Freundin Sal geht überwältigend nahe, erkennt man in den gegenseitigen Vorwürfen doch zugleich die Gefahr, die davon ausgeht, wenn man einen anderen zu nahe an sich heranlässt und in seine Geheimnisse einweiht. Beide „Seiten“ sind es, die man in ihrer Wut und Enttäuschung verstehen kann, spürt zugleich, dass die Freundinnen jeweils Grenzen überschritten, die konsequenterweise nichts anderes können, als die gemeinsame Zeit derartig zu belasten, dass der endgültige Bruch unausweichlich scheint.

All jene Details erfährt der Leser quasi zeitgleich zu dem, was sich aktuell um Grace tut. Tage, in denen sie regungslos in dem weißen Zimmer verbringt wechseln sich ab mit jenen, in denen es ihr selbst ein hohes Bedürfnis ist, ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Warum sie dies tut oder gar tun soll, ist ihr selbst nicht bewusst ~ sie fühlt lediglich, dass sie im Grunde genommen nichts anderes tun _kann._ Hinzu gesellt sich der Aspekt, dass Grace mehr und mehr die Frage durch den Kopf geistert, was sie „da draußen“ eigentlich vermissen würde. Schlimmer noch: wer stattdessen sie vermissen würde.

„vergissdeinnnicht“ geht in der Schlichtheit der geschilderten Ereignisse, die man so oder so ähnlich bereits aus zig anderen Werken kennt, eindeutig näher als es vergleichbare Bücher tun. Woran genau dies liegen mag, vermag ich nicht in Worte zu fassen. Hinzu gesellt sich der Aspekt, dass ich persönlich spätestens ab der 119.ten Seite eine rigorose Ahnung hatte, was es mit der Entführung auf sich hatte, weiterhin bezüglich des großen Rätsels um Sal einen Verdacht hatte. Tatsächlich sollte ich nahezu völlig Recht behalten, irrte mich lediglich in winzigen Drumherumdetails... und empfand die Lektüre dennoch als hochgradig spannend, fieberte der rundherum-Auflösung förmlich entgegen.
Langatmig oder gar -weilig gestaltet sich hier nichts; vielmehr mag man das 287seitige Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, bis man auch die letzte Seite regelrecht verschlungen hat.

Ausführungen voller Seelenschmerz, die sich tief unter mein Bewusstsein buddeln und längst-vergessen-gewolltes entblößen, zielten buchstäblich in die Herzgegend, die mich nach Abschluss des jeweiligen Leseprozesses stetig kurz vollends gefangennahmen und noch etliche Stunden Vertrautheit schufen.

„Die Sache ist die: Ich war nie glücklich, nicht wirklich. Schleppte mich so von Tag zu Tag, bleib dabei immer in einem seltsamen Zustand des Nichtsfühlens. Was nicht bedeutet, dass ich nicht auch manchmal glücklich war. Natürlich war ich das. Aber es waren nur flüchtige Momente, die längst vorbeigezogen waren, bevor ich sie richtig zu schätzen wusste.“
(Zitat, S. 30)

wie auch

„Ich setzte mich aufs Bett und schob die Ärmel hoch. Dann sah ich mir meine Arme an, die mit Narben kreuz und quar übersät waren, mit alten und neuen, und zum ersten Mal kam mir der Gedanke, dass es doch etwas sehr Seltsames war, was ich mir da antat.“
(Zitat, S. 59)

lösten in mir persönlich Gefühlswellen aus wie es kurze bekennende Sätze wie

„Ich wollte ihn mit nach Hause nehmen und alles auf die einzige Art wiedergutmachen, die ich kannte.“
(Zitat, S. 202)

zu tun vermochten. Dass, was hinter diesen Zeilen respektive (Selbstwert)Gefühlen der Protagonisten steckt, sollte den ein oder anderen zu Tränen rühren. Das traurigste inmitten des Gesamtwerks ohnehin der stillschweigende Tenor: ein „ich liebe dich“ ist nur selten etwas wert.

===Summa summarum=== bin ich hier und heute nicht imstande, einen vernünftigeren Einblick in die Lektüre zu geben, die mich nach Beendigung der letzten Seite ähnlich lange wachgehalten hat, als es Emma Donahue „Raum“ es vermochte. Bezüglich letztgenannten Buches weigere ich mich stoisch, meine Eindrücke niederzuschreiben, da ich persönlich Dank meiner vereinzelt unfähigen Art, mein innerstes verständlich nach außen zu kehren, mit jedem einzelnen Wort etwas von der Genialität zunichte machen würde.

Ähnliches Empfinden verspüre ich bezüglich _„vergissdeinnicht“_, wollte zugleich dennoch unbedingt dafür Sorge tragen, dass jemand auf dieses großartige Werk aufmerksam wird. _„vergissdeinnicht“_ schmerzt nicht nur, es frisst sich förmlich wie Säure in die Herzgegend ~ wenngleich man zugestandenermaßen Seelen, die sich nicht anders zu helfen wissen, als sich durch eigens zu gezogene Verletzungen selbst-spürbar zu machen, von Grund auf irgendwie verstehen können (wollen) „muss“. Für jene, die Suizidgedanken als „unreife Versuche, bloße Aufmerksamkeit zu erlangen“ abtun, eignet sich _„vergissdeinnicht“_ sicherlich geringfügiger, zumal ein großer Aspekt auf die leserliche Empathie gewichtet ist.

Weiterhin könnte derjenige welche, der davon ausgeht, es würde sich um einen nervenzerfetzenden Entführungsfall-Ermittler-Thriller handeln, ein wenig enttäuscht sein. Könnten..... ich für meinen Teil ging ebenfalls mit jener Erwartungshaltung in meine Leseposition über, bin jedoch alles andere als verstimmt, dass ich stattdessen mit einer Erzählung konfrontiert wurde, die völlig andere Spuren auf mir hinterließ.

Trotz allen Leids schließt _„vergissdeinnicht“_ mit einem Hoffnungsschimmer ~ keinem solchigen, der auf ein hanebüchenes rundherum-happy-end hinweist, sondern einem weitaus glaubhafteren, zugleich schmerzhaften wie tröstenden.

Und genau das ist es, was dieses Buch zu etwas eindringlich-lesenswerten macht.

30 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Lolobili

    09.07.2012, 20:59 Uhr von Lolobili, Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht! Viele Grüße Lolobili

  • XXLALF

    02.07.2012, 19:39 Uhr von XXLALF, Bewertung: sehr hilfreich

    ...und einen guten wochenstart

  • morla

    02.07.2012, 19:21 Uhr von morla, Bewertung: sehr hilfreich

    einen guten wochenstart lg. petra