Sichelhenke (Taschenbuch) / Gerd Friederich Testbericht
Summe aller Bewertungen
- Aufmachung:
- Niveau:
- Spannung:
- Humor:
- Wie ergreifend ist die Story?:
- Stil:
Erfahrungsbericht von margy
sichelhenke
Pro:
siehe bericht
Kontra:
siehe bericht
Empfehlung:
Ja
Zum Buch:
Das 224seitige Taschenbuch erschien im März 2012. Unter der ISBN 978-3842511859 kostet es 9,90 €. Es erschien im Silberburg Verlag.
Buchumschlag:
Dunkel ist es dort in den Mauern, durch die eine Frau in einer weißen aube und einem beigen Umhang neben einem Mann geht, der eine Zipfelmütze trägt und eine Taschenlampe in seiner Hand hält.
Autor:
Gerd Friederich, Jahrgang 1944, studierte in Würzburg (Lehramt), Tübingen (Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Landeskunde) und Nürnberg (Malerei). Er arbeitete als Lehrer, Heimerzieher, Schulrat und Lehrerausbilder. Jetzt lebt er im Taubertal, schreibt Romane und malt Porträts sowie Landschaften.
Klappentext:
Eine urkomische Kriminalgeschichte aus dem 19. Jahrhundert: Nach dem Erfolg von "Kälberstrick" ein neuer Fall für das skurrile Ermittlerteam aus Enzheim. September 1841: Das Getreide ist eingefahren und alle Dorfbewohner feiern ausgelassen Sichelhenke. Nur einer fehlt beim Erntefest: der Läpple mit dem Käpple. Die moderne Kriminalistik steckt noch in den Kinderschuhen, und die Obrigkeit ist viel zu weit weg. Also muss wieder das dörfliche Triumvirat für Gerechtigkeit sorgen. Der Schultheiß, der Pfarrer und der Lehrer machen sich auf, um die Abgründe der menschlichen Seele auszuloten. Was weiß Anna Läpple? Was verheimlicht Frieda, ihre Magd? Und was hat der Hilfspolizist Gottlob Vorderlader auf dem Kerbholz? Mit Bauernschläue und Humor lösen die drei selbsternannten Detektive auch diesen Fall. Die zuweilen schrullige Kriminalgeschichte schildert zugleich detailgenau, was die Schwaben im Herbst 1841 beschäftigte: das miserable Wetter, die schlechte Weinernte, die Tollwut, der Gestank in den Gassen und die Feiern zum 25-jährigen Thronjubiläum König Wilhelms I.
Aus dem Innenteil des Buches:
Gerd Friederich, aufgewachsen im hohenburgischen Langenburg und schwäbischen Bietigheim an der Enz, unterrichtete nach Erststudium in Würzburg (Deutsch, Kunst, Geschichte, Geografie) an allen allgemeinbildenden Schularten. Berufsbegleitend absolvierte er Studien in Tübingen (Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Landeskunde) und Nürnberg (Malerei). Er arbeitete als Lehrer, Heimerzieher, Personalchef, Schulrat, Lehrerausbilder und veröffentlichte viel Fachliteratur. Jetzt lebt er im Taubertal, schreibt historische Romane und malt Portraits und Landschaften.
Sichelhenke
Sichelhängen/Niederfallet
Sobald die letzte Garbe feierlich eingeheimst ist, die Schnitter auf dem Feld zum Gebet niedergefallen sind und ihre Sicheln und Sensen wieder in der Scheune aufgehängt haben, findet Mitte September nach altem Brauch ein Schmaus statt. Das Sprichwort sagt: Vor Sichelhenke ist kein Tanz.
Personenverzeichnis
Stadtplan von Enzheim
Leseprobe:
Enzheim an der Enz
Im Süden Deutschlands fließt die Enz, ein Nebenfluss des Neckars. Als Große und Kleine Enz kommt sie doppelläufig aus dem Schwarzwald, rauscht nach Norden, vereint sich, nimmt in Pforzheim die Nagold auf, besinnt sich und fließt nach Westen ins Schwäbische ab. Rechter Hand, im Süden, liegt das Strohgäu und linker Hand, im Norden, der Kraichgau, und genau dazwischen dehnt sich, enzdurchflutet, die Grafschaft Enzheim-Habsburg-Burgund aus, das geografische, geschichtliche, politische und kulturelle Zentrum Europas.
Unter Karl dem Großen dienten die Herren von Enzheim als hohe Beamte den trutzigen Schwaben und den mächtigen Franken. Keine dreihundert Jahre später, zur Stauferzeit, regierten sie im Auftrag ihrer Kaiser über ganz Europa. Die Nachfahren Friedrich Barbarossas balgten sich um diese kleine, aber feine Herrschaft an der Enz, doch den Sieg trugen die Enzheimer davon. Sie jagten ihre Adligen durch die Spieße und kürten selbstherrlich einen eidgenössischen Edelmann zum Landesherrn von Gottes Gnaden.
Samstag, 11. September 1841
"Siedichs Donderwetter!" Was stinkt denn da so gottserbärmlich?" Fritz Frank, Schultes und Lindenwirt, steht auf, marschiert in der leeren Schankstube auf und ab, schnüffelt wie ein Bär auf Honigsuche in alle Ecken und beschnuppert sich. Witternd zieht er die Luft ein.
Meinung und Schreibstil:
Im Prolog mit dem Titel Enzheim an der Enz nimmt der Autor übertriebene, überdrehte Verben. Dadurch bleibt der Text unberührt, wirkt auf den ersten Blick sachlich, doch steckt sehr viel Power, Kraft und Energie dahinter. Es mutet selbst hier in den ersten Sätzen schon an, dass sehr viel Humor in den Roman einfließen werden.
Hier erklärt der Schriftstellern uns das Gebiet der Enz und wie die Bürger leben, wo wir jetzt sind. Mit geschichtlichen Fakten und gut recherchiert macht sich als der Schriftsteller hier an sein Werk.
Im 1. Teil des Romans mit der Geschichte und der Handlung mutet selbst der erste Satz der Leseprobe ein Wortspiel mit dem gleichen Klang. Ob nun gottserbärmlich oder kotzerbärmlich, allein der Lesefluss wird nicht gestört, so dass das neue Ziel, etwas Witziges, humoristisches einzubringen nicht verlorengeht, sondern eingsetzt wird. Das kotzerbärmlich hätte auch weniger in die damalige Zeit des 19. Jahrhunderts gepasst, da war der religiöse Hauch doch schnittiger und besser.
Den Dialekt seiner Heimat bringt der Autor hier mit ein, so dass ich mich konzentrieren musste, doch ich konnte immer wieder schmunzeln über die Art und Weise, wie der Schriftsteller seine Worte benutzt und einsetzt in diesen Roman.
Danach folgt ein Wort, bei dem meiner Meinung nach ein Buchstabe weggelassen wurde. Was ist oder was heißt denn geodelt? Als ich dann im Internet bei Google das Wort eingab, kam heraus, dass odeln für Jauche und Düngen steht. Vorher habe ich diesen Begriff so noch nicht gehört. Also schreibt er aus der Sicht eines bäuerlichen Lebens.
In diesem Roman ist Enzheim an der Enz der Schauplatz in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die Bürger untereinander kennen sich alle und genau hier geschieht dann ein Mord. Läpple wird tot aufgefunden mit der eigenen Sichel in seiner Brust. Ihm wird nachgesagt, dass er immer wieder Geld verliehen hatte und viel zu hohe Wucherzinsen für sein Ausleihen berechnete. War das der Grund für den Mord?
Läpple war auch dafür bekannt, ein Weiberheld zu sein, ein Schürzenjäger, der jeder Frau nicht aus dem Weg ging. Auch das könnte ein Motiv für den Mord an diesem Mann sein. Es gab zwar schon die Polizei, doch die waren, wie der Autor hier eine Figur sagen lässt ein ganz lahmer Haufen.
Bürgermeister Fritz Frank nimmt sich also dem Fall selbst an, holt sich einen Lehrer an die Seite und den Pfarrer und beginnt mit ihnen die Ermittlungen.
Der erste Roman dieser Krimireihe war der Kälberstrick. Die Bücher jedoch können unabhängig voneinander gelesen werden. Jedes Buch ist ein abgeschlossener Fall.
Der Schriftsteller benutzt nicht die übliche Form anderer Romane die Vergangenheit, sondern die Form der Gegenwart. Ich als Leser fühlte mich durch diese Schreibweise mitten in die Ereignisse und die Ermittlungen versetzt. Ich stand dabei als der Beobachter, als ein Zuschauer, der doch nur das Buch las. Ich war immer an der Seite des Bürgermeisters, den der Autor hier, wie zu der Zeit damals, den Schultes nannte. Dabei ist der Bürgermeister verheiratet und das Oberhaupt seiner Familie. Er ist aber auch nebenbei noch Weinbauer und Wirt, kümmert sich neben all den anderen Aufgaben auch um das Wohl seiner Gemeinde.
Enzheim gehörte um 1840 noch zum Königreich Württemberg, über das der Autor sehr gut recherchierte und das in den Roman mit einbrachte. Sehr schön und zum Allgemeinwissen hinzufügen konnte ich nach dem Lesen das Leben der Leute in der damaligen Zeit. Es geht um das alltägliche Leben der Menschen. Es geht dabei um die Arbeit im Haus, in den Weinbergen, auf dem Feld, es geht um den Lohn, um Knechte und Mägde, wie das Leben in den Häusern so ablief, um die Arbeit der Tagelöhner, um den Zahltag an Martini, es geht darum, wie zu jener lang vergangenen Zeit die Lehrerstelle neu besetzt wird, es geht um die Kirche und die Abgabe des Zehnten, und zudem noch um die Verordnung des metallenen Geschirrs zu Hause. In Enzheim leben drei Wirte, die sich allzusehr darüber ärgern. Zuerst jedoch kommen Handlungen und darauf kommt, es folgen die vorherigen genannten Dinge. Dabei wirkt nichts gekünstelt oder aufgesetzt, eins bringt das andere mit sich.
Ab und zu tritt bei den Schilderungen aus dem 19. Jahrhundert der Mordfall eher in den Hintergrund, wird aber natürlich nicht vergessen und taucht dann wieder auf.
Der Dialekt in der wörtlichen Rede, die hier mit einfließt, kommt aus dem Schwäbischen. Es hat nicht lange gedauert, bis ich mich auf diese fremde Schreibweise einlassen konnte. Zuerst musste ich mich daran gewöhnen. Die einzigen Ausnahmen bilden der Bürgermeister, der Lehrer und der Pfarrer. Sie alle sind gebildete Leute, die sich nicht auf das Niveau der einfachen Bürger herablassen.
Dieser Dialekt macht das Witzige, das Humoristische aus in dieser Geschichte und dem Roman. Komisch wirken manche Passagen und sind einfach nur zum Schmunzeln. Die Personen, die der Schriftsteller in seinen Roman eingebaut hat, sind sehr vielschichtig und mit sehr viel Gefühl beschrieben. Jeder hat seine guten und seine schlechten Seiten, wie es im Leben nun mal so ist. Die Nebenfiguren sind nicht so bedeutungsvoll dargelegt, der Charakter nur angedeutet, jedoch nicht ausgefeilt beschrieben. Alles wirkt sehr echt, authentisch und höchst lebendig, denn die Sorgen und Nöte der Bürger von Enzheim werden dem Leser sehr nahe gebracht und ich fühlte mich mitten drin und als einer dieser Menschen. Es geht aber auch um den Spaß, die Freude, die die Menschen haben. Einfühlsam und höchst eindringlich beschreibt der Autor den Charakter der Personen, schreibt über ihre Schwächen und Stärken, über Höhen und Tiefen. Das führte dazu, dass ich mich mit den beschriebenen Figuren auseinandersetzen konnte und mich in sie hineindenken, was sehr bewegend und berührend bei mir ankam.
Superbuch!
Das 224seitige Taschenbuch erschien im März 2012. Unter der ISBN 978-3842511859 kostet es 9,90 €. Es erschien im Silberburg Verlag.
Buchumschlag:
Dunkel ist es dort in den Mauern, durch die eine Frau in einer weißen aube und einem beigen Umhang neben einem Mann geht, der eine Zipfelmütze trägt und eine Taschenlampe in seiner Hand hält.
Autor:
Gerd Friederich, Jahrgang 1944, studierte in Würzburg (Lehramt), Tübingen (Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Landeskunde) und Nürnberg (Malerei). Er arbeitete als Lehrer, Heimerzieher, Schulrat und Lehrerausbilder. Jetzt lebt er im Taubertal, schreibt Romane und malt Porträts sowie Landschaften.
Klappentext:
Eine urkomische Kriminalgeschichte aus dem 19. Jahrhundert: Nach dem Erfolg von "Kälberstrick" ein neuer Fall für das skurrile Ermittlerteam aus Enzheim. September 1841: Das Getreide ist eingefahren und alle Dorfbewohner feiern ausgelassen Sichelhenke. Nur einer fehlt beim Erntefest: der Läpple mit dem Käpple. Die moderne Kriminalistik steckt noch in den Kinderschuhen, und die Obrigkeit ist viel zu weit weg. Also muss wieder das dörfliche Triumvirat für Gerechtigkeit sorgen. Der Schultheiß, der Pfarrer und der Lehrer machen sich auf, um die Abgründe der menschlichen Seele auszuloten. Was weiß Anna Läpple? Was verheimlicht Frieda, ihre Magd? Und was hat der Hilfspolizist Gottlob Vorderlader auf dem Kerbholz? Mit Bauernschläue und Humor lösen die drei selbsternannten Detektive auch diesen Fall. Die zuweilen schrullige Kriminalgeschichte schildert zugleich detailgenau, was die Schwaben im Herbst 1841 beschäftigte: das miserable Wetter, die schlechte Weinernte, die Tollwut, der Gestank in den Gassen und die Feiern zum 25-jährigen Thronjubiläum König Wilhelms I.
Aus dem Innenteil des Buches:
Gerd Friederich, aufgewachsen im hohenburgischen Langenburg und schwäbischen Bietigheim an der Enz, unterrichtete nach Erststudium in Würzburg (Deutsch, Kunst, Geschichte, Geografie) an allen allgemeinbildenden Schularten. Berufsbegleitend absolvierte er Studien in Tübingen (Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Landeskunde) und Nürnberg (Malerei). Er arbeitete als Lehrer, Heimerzieher, Personalchef, Schulrat, Lehrerausbilder und veröffentlichte viel Fachliteratur. Jetzt lebt er im Taubertal, schreibt historische Romane und malt Portraits und Landschaften.
Sichelhenke
Sichelhängen/Niederfallet
Sobald die letzte Garbe feierlich eingeheimst ist, die Schnitter auf dem Feld zum Gebet niedergefallen sind und ihre Sicheln und Sensen wieder in der Scheune aufgehängt haben, findet Mitte September nach altem Brauch ein Schmaus statt. Das Sprichwort sagt: Vor Sichelhenke ist kein Tanz.
Personenverzeichnis
Stadtplan von Enzheim
Leseprobe:
Enzheim an der Enz
Im Süden Deutschlands fließt die Enz, ein Nebenfluss des Neckars. Als Große und Kleine Enz kommt sie doppelläufig aus dem Schwarzwald, rauscht nach Norden, vereint sich, nimmt in Pforzheim die Nagold auf, besinnt sich und fließt nach Westen ins Schwäbische ab. Rechter Hand, im Süden, liegt das Strohgäu und linker Hand, im Norden, der Kraichgau, und genau dazwischen dehnt sich, enzdurchflutet, die Grafschaft Enzheim-Habsburg-Burgund aus, das geografische, geschichtliche, politische und kulturelle Zentrum Europas.
Unter Karl dem Großen dienten die Herren von Enzheim als hohe Beamte den trutzigen Schwaben und den mächtigen Franken. Keine dreihundert Jahre später, zur Stauferzeit, regierten sie im Auftrag ihrer Kaiser über ganz Europa. Die Nachfahren Friedrich Barbarossas balgten sich um diese kleine, aber feine Herrschaft an der Enz, doch den Sieg trugen die Enzheimer davon. Sie jagten ihre Adligen durch die Spieße und kürten selbstherrlich einen eidgenössischen Edelmann zum Landesherrn von Gottes Gnaden.
Samstag, 11. September 1841
"Siedichs Donderwetter!" Was stinkt denn da so gottserbärmlich?" Fritz Frank, Schultes und Lindenwirt, steht auf, marschiert in der leeren Schankstube auf und ab, schnüffelt wie ein Bär auf Honigsuche in alle Ecken und beschnuppert sich. Witternd zieht er die Luft ein.
Meinung und Schreibstil:
Im Prolog mit dem Titel Enzheim an der Enz nimmt der Autor übertriebene, überdrehte Verben. Dadurch bleibt der Text unberührt, wirkt auf den ersten Blick sachlich, doch steckt sehr viel Power, Kraft und Energie dahinter. Es mutet selbst hier in den ersten Sätzen schon an, dass sehr viel Humor in den Roman einfließen werden.
Hier erklärt der Schriftstellern uns das Gebiet der Enz und wie die Bürger leben, wo wir jetzt sind. Mit geschichtlichen Fakten und gut recherchiert macht sich als der Schriftsteller hier an sein Werk.
Im 1. Teil des Romans mit der Geschichte und der Handlung mutet selbst der erste Satz der Leseprobe ein Wortspiel mit dem gleichen Klang. Ob nun gottserbärmlich oder kotzerbärmlich, allein der Lesefluss wird nicht gestört, so dass das neue Ziel, etwas Witziges, humoristisches einzubringen nicht verlorengeht, sondern eingsetzt wird. Das kotzerbärmlich hätte auch weniger in die damalige Zeit des 19. Jahrhunderts gepasst, da war der religiöse Hauch doch schnittiger und besser.
Den Dialekt seiner Heimat bringt der Autor hier mit ein, so dass ich mich konzentrieren musste, doch ich konnte immer wieder schmunzeln über die Art und Weise, wie der Schriftsteller seine Worte benutzt und einsetzt in diesen Roman.
Danach folgt ein Wort, bei dem meiner Meinung nach ein Buchstabe weggelassen wurde. Was ist oder was heißt denn geodelt? Als ich dann im Internet bei Google das Wort eingab, kam heraus, dass odeln für Jauche und Düngen steht. Vorher habe ich diesen Begriff so noch nicht gehört. Also schreibt er aus der Sicht eines bäuerlichen Lebens.
In diesem Roman ist Enzheim an der Enz der Schauplatz in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die Bürger untereinander kennen sich alle und genau hier geschieht dann ein Mord. Läpple wird tot aufgefunden mit der eigenen Sichel in seiner Brust. Ihm wird nachgesagt, dass er immer wieder Geld verliehen hatte und viel zu hohe Wucherzinsen für sein Ausleihen berechnete. War das der Grund für den Mord?
Läpple war auch dafür bekannt, ein Weiberheld zu sein, ein Schürzenjäger, der jeder Frau nicht aus dem Weg ging. Auch das könnte ein Motiv für den Mord an diesem Mann sein. Es gab zwar schon die Polizei, doch die waren, wie der Autor hier eine Figur sagen lässt ein ganz lahmer Haufen.
Bürgermeister Fritz Frank nimmt sich also dem Fall selbst an, holt sich einen Lehrer an die Seite und den Pfarrer und beginnt mit ihnen die Ermittlungen.
Der erste Roman dieser Krimireihe war der Kälberstrick. Die Bücher jedoch können unabhängig voneinander gelesen werden. Jedes Buch ist ein abgeschlossener Fall.
Der Schriftsteller benutzt nicht die übliche Form anderer Romane die Vergangenheit, sondern die Form der Gegenwart. Ich als Leser fühlte mich durch diese Schreibweise mitten in die Ereignisse und die Ermittlungen versetzt. Ich stand dabei als der Beobachter, als ein Zuschauer, der doch nur das Buch las. Ich war immer an der Seite des Bürgermeisters, den der Autor hier, wie zu der Zeit damals, den Schultes nannte. Dabei ist der Bürgermeister verheiratet und das Oberhaupt seiner Familie. Er ist aber auch nebenbei noch Weinbauer und Wirt, kümmert sich neben all den anderen Aufgaben auch um das Wohl seiner Gemeinde.
Enzheim gehörte um 1840 noch zum Königreich Württemberg, über das der Autor sehr gut recherchierte und das in den Roman mit einbrachte. Sehr schön und zum Allgemeinwissen hinzufügen konnte ich nach dem Lesen das Leben der Leute in der damaligen Zeit. Es geht um das alltägliche Leben der Menschen. Es geht dabei um die Arbeit im Haus, in den Weinbergen, auf dem Feld, es geht um den Lohn, um Knechte und Mägde, wie das Leben in den Häusern so ablief, um die Arbeit der Tagelöhner, um den Zahltag an Martini, es geht darum, wie zu jener lang vergangenen Zeit die Lehrerstelle neu besetzt wird, es geht um die Kirche und die Abgabe des Zehnten, und zudem noch um die Verordnung des metallenen Geschirrs zu Hause. In Enzheim leben drei Wirte, die sich allzusehr darüber ärgern. Zuerst jedoch kommen Handlungen und darauf kommt, es folgen die vorherigen genannten Dinge. Dabei wirkt nichts gekünstelt oder aufgesetzt, eins bringt das andere mit sich.
Ab und zu tritt bei den Schilderungen aus dem 19. Jahrhundert der Mordfall eher in den Hintergrund, wird aber natürlich nicht vergessen und taucht dann wieder auf.
Der Dialekt in der wörtlichen Rede, die hier mit einfließt, kommt aus dem Schwäbischen. Es hat nicht lange gedauert, bis ich mich auf diese fremde Schreibweise einlassen konnte. Zuerst musste ich mich daran gewöhnen. Die einzigen Ausnahmen bilden der Bürgermeister, der Lehrer und der Pfarrer. Sie alle sind gebildete Leute, die sich nicht auf das Niveau der einfachen Bürger herablassen.
Dieser Dialekt macht das Witzige, das Humoristische aus in dieser Geschichte und dem Roman. Komisch wirken manche Passagen und sind einfach nur zum Schmunzeln. Die Personen, die der Schriftsteller in seinen Roman eingebaut hat, sind sehr vielschichtig und mit sehr viel Gefühl beschrieben. Jeder hat seine guten und seine schlechten Seiten, wie es im Leben nun mal so ist. Die Nebenfiguren sind nicht so bedeutungsvoll dargelegt, der Charakter nur angedeutet, jedoch nicht ausgefeilt beschrieben. Alles wirkt sehr echt, authentisch und höchst lebendig, denn die Sorgen und Nöte der Bürger von Enzheim werden dem Leser sehr nahe gebracht und ich fühlte mich mitten drin und als einer dieser Menschen. Es geht aber auch um den Spaß, die Freude, die die Menschen haben. Einfühlsam und höchst eindringlich beschreibt der Autor den Charakter der Personen, schreibt über ihre Schwächen und Stärken, über Höhen und Tiefen. Das führte dazu, dass ich mich mit den beschriebenen Figuren auseinandersetzen konnte und mich in sie hineindenken, was sehr bewegend und berührend bei mir ankam.
Superbuch!
28 Bewertungen, 2 Kommentare
-
20.09.2012, 11:14 Uhr von sigrid9979, Bewertung: sehr hilfreich
Guter Bericht...Lg Sigi
-
20.09.2012, 07:55 Uhr von Baby1, Bewertung: sehr hilfreich
.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.


Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Bewerten / Kommentar schreiben