Der fliegende Mönch (Taschenbuch) / Simon X Rost Testbericht
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Erfahrungsbericht von margy
der fliegende mönch
Pro:
siehe bericht
Kontra:
siehe bericht
Empfehlung:
Ja
Zum Buch:
Das 448seitige Taschenbuch erschien im Bastei Lübbe Verlag in der 4. Auflage am 24. Januar 2012. Unter der ISBN 978-3404164288 kostet es 8,99 €.
Buchumschlag:
Ein junger Mann mit schwarzer Kappe steht nachdenklich vor einem orangefarbenen Pergament, das beschrieben ist. Darunter aufgezeichnet ist ein Gerüst, das aussieht wie Flügel einer Fledermaus.
Autor:
Simon X. Rost, geboren 1972, arbeitet als Regisseur und Drehbuchautor sowohl für Lübbe Audio (Mitschnitt, Die Playmos) als auch für Film und Fernsehen. Das gleichnamige Theaterstück des Autors fand an Freilichtbühnen in Schussenried und Maulbronn bereits Tausende begeisterte Zuschauer. Simon Rost wohnt in Stuttgart. Dies ist sein erster Roman.
Klappentext:
Hexen, Aberglaube und Intrigen - ein erfindungsreicher Mönch auf der Spur eines düsteren Geheimnisses Kloster Schussenried, 1616: Kaspar Mohr ist wenig erfreut, als sein Abt ihm aufträgt, eine entflohene Hexe aufzuspüren. Hexerei - das ist für den aufgeklärten Prior nur ein Hirngespinst. Zudem wünscht er sich nichts sehnlicher, als weiter ungestört an seinen Maschinen und Apparaturen herumwerkeln zu können. Doch dann steht die vermeintliche Hexe auf einmal in seiner Werkstatt und bittet ihn um Hilfe. Kurze Zeit später verschwindet eine Magd, ein Mönch erhängt sich, und die Inquisition ist Kaspar auf den Fersen. Denn der Prior spielt ein gefährliches Spiel: Er versteckt nicht nur die "Hexe" bei sich im Kloster, sondern hat wie sein Lehrmeister Leonardo da Vinci einen Traum, den Traum vom Fliegen ... Ein spannender historischer Roman um den schwäbischen Leonardo da Vinci.
Leseprobe aus dem 1. Teil:
Die Feder
Dritter bis Fünfter Juni 1616
Und da der Drache sah, dass er verworfen war auf die Erde, verfolgte er das Weib, die das Knäblein geboren hatte. Und es wurden dem Weibe gegeben die zwei Flügel des großen Adlers, dass sie in die Wüste flöge an ihren Ort, wo sie ernährt würde für eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit fern von dem Angesicht der Schlange. (Offenbarung 12, 13 - 14)
Dritter Juni
"Bleib stehen, Hexe!"
Die Äste schlugen ihr ins Gesicht. Sie spürte, wie das Blut von ihrer Stirn über ihre spitzen Wangenknochen zu ihrem Kinn rann. Schlehdorn, schoss es ihr durch den Kopf, obwohl es der unpassendste Moment schien, so etwas zu denken. Sie rannte, und ihre Verfolger waren dichtauf. Sie hörte sie schreien, konnte den Widerschein der Fackeln durch das Gestrüpp erkennen. Im April sollst du die Zweige des Schlehdorns schneiden und ein paar Tage liegen lassen, dachte sie, sodann die Rinde abklopfen, mit Wasser ansetzen und wiederum drei Tage stehen lassen. Denk nicht an das Rezept, ermahnte sie sich, du musst weg!
Das Herz schlug ihr im Hals. Sie war aus dem Turm entkommen, und sie war bis hierher gerannt, aber ihre Verfolger kamen immer näher. Jemand hatte sie erkannt, als sie an den letzten Häusern vor dem freien Feld vorbeischlich. Die Schreie waren jetzt dichter dran. Im fahlen Mondlicht blitzten die Sensen und die Dreschflegel auf, die ihre Verfolger über dem Kopf schwangen.
Schreibstil:
temporeich, lebendig, atemlos, atemberaubend, turbulent, interessant, fesselnd, spannend, sehr überzeugend, winziger Mangel
Meinung:
Die Geschichte des Romans spielt 1616 in Schussenried in einem Kloster. Dort lebt und arbeitet Kasper Mohr als Prior. Doch viel lieber als das beschäftigt sich der Mann mit seinen Ideen. Er war der Schüler Galileos und lernte bei ihm das Zusammenbauen von Maschinen. Da er den Beruf nun kann, entwickelt er eigene Pläne und ist gerade dabei, Flügel für einen Menschen herzustellen.Doch just mitten in dieser Arbeit wird er jäh gestört. Der Abt des Klosters gibt ihm den Auftrag, nach einer Hexe zu suchen. Sie ist auf der Flucht und hat in ihrem Dorf viel Unglück hinterlassen - das erzählt ihm der Abt. Kasper ist gar nicht glücklich, seine Lieblingsarbeit verlassen zu müssen, da nicht weiterarbeiten zu können, um den Auftrag des Abtes zu erledigen und seinen Pflichten nachzukommen.
Der Zufall kommt dem Mann zu Hilfe. Agnes, die er als Hexe suchen sollte, klopft eines Tages an seine Tür und bittet ihn um seine Hilfe. Kasper ist ein sehr großherziger und weicher Mönch und nimmt sie auf in sein Zimmer. Sie berichtet ihm vom Gefängnisturm, in dem sie schon war und aus dem sie geflüchtet ist.
Kasper hat für diesen Fall einen Plan. Er schneidet ihr die Haare ganz kurz, so als sei sie ein Mann. Er will die Frau als seinen Neffen ausgeben, der ihm bei der Buchhaltung behilflich ist. Eine Prüfung seiner Bücher steht sowieso noch bevor und da ist das doch eine gute Ausrede und ein blendender Einfall.
Galileo steht einem Verhör gegenüber und Mohr soll dem Ausschuss von dem ehemaligen Lehrer mehr erzählen. Also macht sich Magnus Käppeli auf, um Mohr auszufragen und wenn nötig, von Schussenried nach Roman zu holen. Er, Magnus Käppeli, gehört der Inquisition an.
Dann wird auch noch eine Magd gesucht, die spurlos verschwunden ist und ein Mönch findet man tot an einem Strang. Zwischen Agnes und Kaspar bahnt sich eine tiefe innige Freundschaft und noch mehr an.
Sehr spannend ist die Geschichte geschrieben, interessant und fesselnd. Obwohl vieles, was andere Autoren und Autorinnen auch schon schrieben, die Zeit der Inquisition, der Hexenverfolgung und der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen, das Thema Kloster und die Zustände dort, das sich ein Geistlicher in eine Frau verliebt oder eine Frau sich in einen Mann verwandelt, fand ich, war mehr eine Nebensache, die gut zu dem Roman passt. Mir fiel es zwar auf beim Lesen, doch es störte mich in keiner Sekunde. Ich finde, der Schriftsteller hat eine perfekte Geschichte geshrieben, wo sich die Einzelheiten der Begebenheiten gut ineinanderfügen. Historisch belegt ist die Figur des Kaspar Mohr, der sich wirklich an mit den Versuchen beschäftigte, das Menschen fliegen könnten.
Dramatisch baut der Autor die Geschichte auf, das Drama, das sich in dieser Zeit unter den wirlich lebenden Menschen abgespielt hat. Historisch belegt ist auch Galileo Galilei und das Verhör wegen seiner Entdeckungen und der Veröffentlichung seiner Auffassung. Überzeugen kann er mit seinem Schreibstil, der die beschriebenen Dinge sehr lebendig wirken lassen.
Zu modern und nicht in die Zeit der Geschichte passend fand ich zum Beispiel den Ausdruck "verblödete Dumpfhirne". Das ist zu modern, die Sprache der heutigen Jugend vielleicht, aber kein Sprachgebrauch des beginnenden 17. Jahrhunderts.
Ansonsten habe ich nichts gefunden, was an diesem Roman und seiner Sprache, dem Ausdruck, auszusetzen wäre. Gut ist, dass dieses "Scheiß drauf" und der Ausdruck von oben nicht oft vorkommen, denn sonst hätte die ganze Geschichte mit der Handlung unrealistisch und unglaubwürdig gewirkt.
Jede Figur ist sehr liebevoll und detailliert, sehr feinfühlig beschrieben. Die Wesensbeschreibungen passen zu jeder einzelnen Person. Was ich hier besonders bemerken möchte, ist, dass sich der Schriftsteller sehr viel Mühe damit machte, Überraschungen einzubauen, die diese Personen betreffen. Auffällig ist der Abt, der hier mit seinem unverhofften für Überraschungen sorgt und auch Kaspar und Agnes. Was die Stellung des Mönches zu seinem Helfer in der Buchhaltung angeht, gibt es des öfteren Streit und Auseinandersetzungen, privat jedoch kommen sie sich näher. So weckte der Autor die Neugierde bei mir für das Weiterlesen und ich fand die Geschichte immer interessanten und spannender.
Was mir auch auffiel, ist, dass Rost hier das Tempo des Erzählens in dem einen Teil eher schnell hinlegt und in dem anderen Teil eher langsam.
Das erfordert Aufmerksamkeit, doch wollte ich zu keiner Zeit das Buch an die Seite legen.
In dem hier beschriebenen Roman ist das beginnende 17. Jahrhundert eine Zeit der Umbrüche und es geht sehr turbulent zu. Die eingebauten Personen in den einzelnen Strängen der Handlung arbeiten gegeneinander. Auch die Zeit spielt eine große Rolle. Der eine hat Zeit, dem anderen steht das Wasser bis zum Hals. Das ist sehr gut eingefädelt und durchdacht. Ich fand das fabelhaft.
Auch gibt es Stellen in dem Buch, in denen die Erzählung und der Faden des Erzählens auf einen anderen trifft, sich dann aber auch wieder voneinander entfernen. Dann wieder gibt es Abhandlungen von Problemhäufungen, die gelöst werden müssen und das schafft der Schriftsteller hervorragend. Immer wieder kommen unerwartete und unverhoffte Szenen zum Vorschein und ich hoffte und bangte um die einzeln beschriebenen Figuren.
Die vielen aufgefundenen Toten führen dazu, dass Kaspar Mohr als Täter verdächtigt wird. Auch das bringt Spannung ins Spiel und ich wollte nicht, dass er etwas mit der Sache zu tun hatte und fieberte mit ihm. Die Spannung steigt dramatisch an und es war kitzlig, darüber zu lesen, mal hier etwas, dann später wieder etwas, was sich da im Kloster jender Zeit so abspielte. Galileo ist nur eine Randfigur, die immer mal wieder erwähnt wird als der Lehrmeister oder als der Mann, der in den Verhören steckt, als Person selbst nicht präsent, doch er spielt eine Rolle und sein Leben und sein Werk werden in Erinnerung gerufen. Vor allem auch die Tatsache, dass er mit seiner Ansicht, die Erde sei rund und nicht wie eine Scheibe, recht hatte.
Als abschließendes Fazit kann ich zu dem Buch nur bemerken bzw. anmerken, dass Rost hier in seiner Schreibweise und der Darstellung seiner Geschichte und der Handlung des Romans immer wieder für Überraschungen durch Wendungen sorgt, die Personen vielschichtig und dadurch farbig und interessant schildert. Was ebenso auffällt, ist, dass der Obrigkeit kein Respekt entgegengebracht wird und auch hier und da etwas Humor mit einfließt und das wirklich ein Buch ist, das man gelesen haben sollte. Sehr empfehlenswert.
Das 448seitige Taschenbuch erschien im Bastei Lübbe Verlag in der 4. Auflage am 24. Januar 2012. Unter der ISBN 978-3404164288 kostet es 8,99 €.
Buchumschlag:
Ein junger Mann mit schwarzer Kappe steht nachdenklich vor einem orangefarbenen Pergament, das beschrieben ist. Darunter aufgezeichnet ist ein Gerüst, das aussieht wie Flügel einer Fledermaus.
Autor:
Simon X. Rost, geboren 1972, arbeitet als Regisseur und Drehbuchautor sowohl für Lübbe Audio (Mitschnitt, Die Playmos) als auch für Film und Fernsehen. Das gleichnamige Theaterstück des Autors fand an Freilichtbühnen in Schussenried und Maulbronn bereits Tausende begeisterte Zuschauer. Simon Rost wohnt in Stuttgart. Dies ist sein erster Roman.
Klappentext:
Hexen, Aberglaube und Intrigen - ein erfindungsreicher Mönch auf der Spur eines düsteren Geheimnisses Kloster Schussenried, 1616: Kaspar Mohr ist wenig erfreut, als sein Abt ihm aufträgt, eine entflohene Hexe aufzuspüren. Hexerei - das ist für den aufgeklärten Prior nur ein Hirngespinst. Zudem wünscht er sich nichts sehnlicher, als weiter ungestört an seinen Maschinen und Apparaturen herumwerkeln zu können. Doch dann steht die vermeintliche Hexe auf einmal in seiner Werkstatt und bittet ihn um Hilfe. Kurze Zeit später verschwindet eine Magd, ein Mönch erhängt sich, und die Inquisition ist Kaspar auf den Fersen. Denn der Prior spielt ein gefährliches Spiel: Er versteckt nicht nur die "Hexe" bei sich im Kloster, sondern hat wie sein Lehrmeister Leonardo da Vinci einen Traum, den Traum vom Fliegen ... Ein spannender historischer Roman um den schwäbischen Leonardo da Vinci.
Leseprobe aus dem 1. Teil:
Die Feder
Dritter bis Fünfter Juni 1616
Und da der Drache sah, dass er verworfen war auf die Erde, verfolgte er das Weib, die das Knäblein geboren hatte. Und es wurden dem Weibe gegeben die zwei Flügel des großen Adlers, dass sie in die Wüste flöge an ihren Ort, wo sie ernährt würde für eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit fern von dem Angesicht der Schlange. (Offenbarung 12, 13 - 14)
Dritter Juni
"Bleib stehen, Hexe!"
Die Äste schlugen ihr ins Gesicht. Sie spürte, wie das Blut von ihrer Stirn über ihre spitzen Wangenknochen zu ihrem Kinn rann. Schlehdorn, schoss es ihr durch den Kopf, obwohl es der unpassendste Moment schien, so etwas zu denken. Sie rannte, und ihre Verfolger waren dichtauf. Sie hörte sie schreien, konnte den Widerschein der Fackeln durch das Gestrüpp erkennen. Im April sollst du die Zweige des Schlehdorns schneiden und ein paar Tage liegen lassen, dachte sie, sodann die Rinde abklopfen, mit Wasser ansetzen und wiederum drei Tage stehen lassen. Denk nicht an das Rezept, ermahnte sie sich, du musst weg!
Das Herz schlug ihr im Hals. Sie war aus dem Turm entkommen, und sie war bis hierher gerannt, aber ihre Verfolger kamen immer näher. Jemand hatte sie erkannt, als sie an den letzten Häusern vor dem freien Feld vorbeischlich. Die Schreie waren jetzt dichter dran. Im fahlen Mondlicht blitzten die Sensen und die Dreschflegel auf, die ihre Verfolger über dem Kopf schwangen.
Schreibstil:
temporeich, lebendig, atemlos, atemberaubend, turbulent, interessant, fesselnd, spannend, sehr überzeugend, winziger Mangel
Meinung:
Die Geschichte des Romans spielt 1616 in Schussenried in einem Kloster. Dort lebt und arbeitet Kasper Mohr als Prior. Doch viel lieber als das beschäftigt sich der Mann mit seinen Ideen. Er war der Schüler Galileos und lernte bei ihm das Zusammenbauen von Maschinen. Da er den Beruf nun kann, entwickelt er eigene Pläne und ist gerade dabei, Flügel für einen Menschen herzustellen.Doch just mitten in dieser Arbeit wird er jäh gestört. Der Abt des Klosters gibt ihm den Auftrag, nach einer Hexe zu suchen. Sie ist auf der Flucht und hat in ihrem Dorf viel Unglück hinterlassen - das erzählt ihm der Abt. Kasper ist gar nicht glücklich, seine Lieblingsarbeit verlassen zu müssen, da nicht weiterarbeiten zu können, um den Auftrag des Abtes zu erledigen und seinen Pflichten nachzukommen.
Der Zufall kommt dem Mann zu Hilfe. Agnes, die er als Hexe suchen sollte, klopft eines Tages an seine Tür und bittet ihn um seine Hilfe. Kasper ist ein sehr großherziger und weicher Mönch und nimmt sie auf in sein Zimmer. Sie berichtet ihm vom Gefängnisturm, in dem sie schon war und aus dem sie geflüchtet ist.
Kasper hat für diesen Fall einen Plan. Er schneidet ihr die Haare ganz kurz, so als sei sie ein Mann. Er will die Frau als seinen Neffen ausgeben, der ihm bei der Buchhaltung behilflich ist. Eine Prüfung seiner Bücher steht sowieso noch bevor und da ist das doch eine gute Ausrede und ein blendender Einfall.
Galileo steht einem Verhör gegenüber und Mohr soll dem Ausschuss von dem ehemaligen Lehrer mehr erzählen. Also macht sich Magnus Käppeli auf, um Mohr auszufragen und wenn nötig, von Schussenried nach Roman zu holen. Er, Magnus Käppeli, gehört der Inquisition an.
Dann wird auch noch eine Magd gesucht, die spurlos verschwunden ist und ein Mönch findet man tot an einem Strang. Zwischen Agnes und Kaspar bahnt sich eine tiefe innige Freundschaft und noch mehr an.
Sehr spannend ist die Geschichte geschrieben, interessant und fesselnd. Obwohl vieles, was andere Autoren und Autorinnen auch schon schrieben, die Zeit der Inquisition, der Hexenverfolgung und der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen, das Thema Kloster und die Zustände dort, das sich ein Geistlicher in eine Frau verliebt oder eine Frau sich in einen Mann verwandelt, fand ich, war mehr eine Nebensache, die gut zu dem Roman passt. Mir fiel es zwar auf beim Lesen, doch es störte mich in keiner Sekunde. Ich finde, der Schriftsteller hat eine perfekte Geschichte geshrieben, wo sich die Einzelheiten der Begebenheiten gut ineinanderfügen. Historisch belegt ist die Figur des Kaspar Mohr, der sich wirklich an mit den Versuchen beschäftigte, das Menschen fliegen könnten.
Dramatisch baut der Autor die Geschichte auf, das Drama, das sich in dieser Zeit unter den wirlich lebenden Menschen abgespielt hat. Historisch belegt ist auch Galileo Galilei und das Verhör wegen seiner Entdeckungen und der Veröffentlichung seiner Auffassung. Überzeugen kann er mit seinem Schreibstil, der die beschriebenen Dinge sehr lebendig wirken lassen.
Zu modern und nicht in die Zeit der Geschichte passend fand ich zum Beispiel den Ausdruck "verblödete Dumpfhirne". Das ist zu modern, die Sprache der heutigen Jugend vielleicht, aber kein Sprachgebrauch des beginnenden 17. Jahrhunderts.
Ansonsten habe ich nichts gefunden, was an diesem Roman und seiner Sprache, dem Ausdruck, auszusetzen wäre. Gut ist, dass dieses "Scheiß drauf" und der Ausdruck von oben nicht oft vorkommen, denn sonst hätte die ganze Geschichte mit der Handlung unrealistisch und unglaubwürdig gewirkt.
Jede Figur ist sehr liebevoll und detailliert, sehr feinfühlig beschrieben. Die Wesensbeschreibungen passen zu jeder einzelnen Person. Was ich hier besonders bemerken möchte, ist, dass sich der Schriftsteller sehr viel Mühe damit machte, Überraschungen einzubauen, die diese Personen betreffen. Auffällig ist der Abt, der hier mit seinem unverhofften für Überraschungen sorgt und auch Kaspar und Agnes. Was die Stellung des Mönches zu seinem Helfer in der Buchhaltung angeht, gibt es des öfteren Streit und Auseinandersetzungen, privat jedoch kommen sie sich näher. So weckte der Autor die Neugierde bei mir für das Weiterlesen und ich fand die Geschichte immer interessanten und spannender.
Was mir auch auffiel, ist, dass Rost hier das Tempo des Erzählens in dem einen Teil eher schnell hinlegt und in dem anderen Teil eher langsam.
Das erfordert Aufmerksamkeit, doch wollte ich zu keiner Zeit das Buch an die Seite legen.
In dem hier beschriebenen Roman ist das beginnende 17. Jahrhundert eine Zeit der Umbrüche und es geht sehr turbulent zu. Die eingebauten Personen in den einzelnen Strängen der Handlung arbeiten gegeneinander. Auch die Zeit spielt eine große Rolle. Der eine hat Zeit, dem anderen steht das Wasser bis zum Hals. Das ist sehr gut eingefädelt und durchdacht. Ich fand das fabelhaft.
Auch gibt es Stellen in dem Buch, in denen die Erzählung und der Faden des Erzählens auf einen anderen trifft, sich dann aber auch wieder voneinander entfernen. Dann wieder gibt es Abhandlungen von Problemhäufungen, die gelöst werden müssen und das schafft der Schriftsteller hervorragend. Immer wieder kommen unerwartete und unverhoffte Szenen zum Vorschein und ich hoffte und bangte um die einzeln beschriebenen Figuren.
Die vielen aufgefundenen Toten führen dazu, dass Kaspar Mohr als Täter verdächtigt wird. Auch das bringt Spannung ins Spiel und ich wollte nicht, dass er etwas mit der Sache zu tun hatte und fieberte mit ihm. Die Spannung steigt dramatisch an und es war kitzlig, darüber zu lesen, mal hier etwas, dann später wieder etwas, was sich da im Kloster jender Zeit so abspielte. Galileo ist nur eine Randfigur, die immer mal wieder erwähnt wird als der Lehrmeister oder als der Mann, der in den Verhören steckt, als Person selbst nicht präsent, doch er spielt eine Rolle und sein Leben und sein Werk werden in Erinnerung gerufen. Vor allem auch die Tatsache, dass er mit seiner Ansicht, die Erde sei rund und nicht wie eine Scheibe, recht hatte.
Als abschließendes Fazit kann ich zu dem Buch nur bemerken bzw. anmerken, dass Rost hier in seiner Schreibweise und der Darstellung seiner Geschichte und der Handlung des Romans immer wieder für Überraschungen durch Wendungen sorgt, die Personen vielschichtig und dadurch farbig und interessant schildert. Was ebenso auffällt, ist, dass der Obrigkeit kein Respekt entgegengebracht wird und auch hier und da etwas Humor mit einfließt und das wirklich ein Buch ist, das man gelesen haben sollte. Sehr empfehlenswert.
27 Bewertungen, 4 Kommentare
-
08.09.2012, 18:16 Uhr von Clarinetta2, Bewertung: sehr hilfreich
sehr gut vorgestellt
-
07.09.2012, 10:04 Uhr von campino, Bewertung: sehr hilfreich
::: lg AndreA :::
-
07.09.2012, 09:50 Uhr von katjafranke, Bewertung: besonders wertvoll
Viele liebe Grüße. KATJA
-
06.09.2012, 22:25 Uhr von sirikit06, Bewertung: sehr hilfreich
Wünsche Dir einen schönen Abend! LG


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