Pro:
Spiel für Bluffer; unterschiedliche Kartenwerte vermeiden Pattsituationen
Kontra:
nur bei 4 oder 5 Mitspielern interessant
Empfehlung:
Ja
Heute abend präsentiert Lord Caddlepoddle auf seinem Landsitz seine einzigartige Pfeifenkopfsammlung der Öffentlichkeit. Eine sehr verlockende Gelegenheit für meinen Meisterdieb. Aber gleichzeitig wird bei Sothebys eine äußerst seltene Faschingsmaske aus Tirol versteigert. Wo soll ich meinen Dieb nur hinschicken..?
Das ist eine typische Überlegung in Klaus Teubers Brettspiel "Adel verpflichtet", das 1990 zum "Spiel des Jahres" gekürt wurde.
"Adel verpflichtet" ist ein Spiel für zwei bis fünf Spieler ab 12 Jahren. Mit zwei Spielern ist es eigentlich nur öde, bei drei Spielern droht Langeweile, ab vier Adeligen dagegen macht es richtig Spaß.
Die Spieldauer beträgt etwa eine Stunde.
Worum geht es in "Adel verpflichtet"?
Im Mittelpunkt steht die Sammelleidenschaft der Blaublütigen: Jeder versucht, eine möglichst große Sammlung ausgefallener Gegenstände zusammenzustellen. An das begehrte Gut gelangt man entweder durch Ersteigerung im Auktionshaus oder durch Diebstahl während einer Ausstellung.
Was finde ich in der Packung?
Einen Spielplan. Innen sind zwei Felder für die Auktionshäuser aufgedruckt, außen eine Zählleiste, die in Gestalt verschiedener Schlösser und Landsitze des Adels daherkommt.
Etwa vierzig Sammelkarten. Ganz originell gestaltet, mit Abbildungen von Masken, Pfeifenköpfen, Reklame-Schildern, Utensilien von Prominenten etc. Sie haben übrigens keinen individuellen Wert, im Prinzip sind alle Sammelgegenstände gleich wertvoll.
5 Spielfiguren aus Holz (+) aber ohne individuelle Ausprägung (-). Sie werden auf den Start der Zählleiste gesetzt.
5 Spieler-Kartensätze, bestehend aus je 2 Ortskarten (Auktionshaus und Schloß), 4 Aktionskarten (2 Diebe, Detektiv, Ausstellung) und 4 Schecks mit unterschiedlichem Wert.
Die Spielausstattung ist in meinen Augen Standard.
Wie funktioniert das Spiel?
Als erstes werden die Farben verlost!
Das ist wichtig, weil sich die Diebes- und Scheckkarten unterscheiden. In der Summe haben die Schecks zwar bei allen Spielern den gleichen Wert und die Diebe die gleichen Erfahrungswerte, aber individuell unterscheiden sie sich. So wird vermieden, daß es im Spiel zu Patt-Situationen kommt, wenn zwei Spieler die gleiche Handlung durchführen. Ein ganz klarer Pluspunkt für das Spiel!
Dann bekommt jeder schon mal drei Sammelkarten als Grundausstattung.
Die Sammelkarten sind in sechs Kategorien unterteilt, die durch verschiedene Buchstaben von A bis H markiert sind. Nur eine Sammlung von mindestens drei Sammelkarten mit gleichen oder aufeinander folgenden Buchstaben ist vollständig. Also z.B.: BBCDDE ist eine vollständige Sammlung mit dem Wert 6 (ein Punkt pro Karte). BCEF ist keine vollständige Sammlung (es fehlt eine D-Karte). AB ist auch keine vollständige Sammlung (dafür sind mindestens drei Karten erforderlich).
Die übrigen Sammelkarten werden gemischt und in zwei Stapel geteilt. Die beiden Kartenstapel werden verdeckt auf die beiden Auktionshausfelder des Spielplans gelegt. Die jeweils oberste Karte wird aufgedeckt, so daß zwei Gegenstände zur Versteigerung stehen.
So, jetzt geht es endlich los...
Zunächst entscheidet jeder Spieler, an welchem Ort er sich in dieser Runde aufhalten will. Dazu legt er eine Ortskarte verdeckt vor sich ab.
Wenn alle Spieler diese schwierige Entscheidung getroffen haben (bei manchen Zeitgenossen empfiehlt sich hier der Einsatz einer Stopuhr...), werden die Ortskarten umgedreht, so daß jeder sieht, wo sich die anderen aufhalten.
Nun entscheidet jeder Spieler über seine Aktion in dieser Runde.
Befindet er sich im Auktionshaus, kann er entweder für eine Sammelkarte bieten. Dann legt er einen seiner Schecks verdeckt aus. Oder er versucht, einen Scheck zu klauen. Dann legt er die Diebeskarte vor sich hin. Detektiv und Ausstellung kommen im Auktionshaus nicht zum Zug.
Der Spieler, der den höchsten Scheck gelegt hat, kann sich eine der beiden aufgedeckten Sammelkarten aussuchen und muß seinen Scheck abgeben. Befindet sich ein Dieb im Auktionshaus, erhält dessen Spieler den Scheck. Die unterlegenen Bieter gehen leer aus, behalten aber ihre Schecks.
Im Schloß hat man drei Möglichkeiten:
Man präsentiert eine Ausstellung. Dafür gibt es Punkte, und man darf seinen Spielstein auf der Zählleiste vorrücken.
Man setzt einen Dieb ein. Wenn ein anderer Spieler eine Ausstellung durchführt, darf man von ihm eine Sammelkarte stehlen.
Man setzt einen Detektiv ein. Befindet sich ein (oder mehrere) Diebe im Schloß, wandern diese ins Gefängnis und sind für einige Runden aus dem Spiel. Auch für erfolgreiche Verhaftungen gibt es Punkte.
Wenn der erste Spieler das letzte Feld der Zählleiste erreicht, wird eine letzte Wertungsrunde durchgeführt. Wer danach die meisten Punkte erzielt hat, ist Gewinner der Spiels.
Worin liegt der Reiz des Spiels?
Na klar, Bluffen ist angesagt. Man versucht herauszufinden, was die anderen wohl in der nächsten Runde tun werden, und richtet seine eigenen Handlungen danach aus. Gelingt es mir, allein an einem Ort zu sein, habe ich einen immensen Vorteil: Im Auktionshaus kann ich dann für meinen billigsten Scheck einkaufen gehen, ohne befürchten zu müssen, daß mich jemand überbietet. Im Schloß kann ich beruhigt meine Ausstellung zeigen und die Punkte dafür kassieren, ohne befürchten zu müssen, daß ein gemeiner Dieb mich beklaut.
Darum macht dieses Spiel auch erst ab vier Mitspielern richtig Laune. Bei weniger Spielern sind die Spielzüge oft berechenbar.
Das Spiel erfordert eine gehörige Portion taktisches Denken. Ich muß darauf achten, gleichzeitig meine Sammlung zu erweitern und regelmäßig zu punkten. Was nützt es mir, eine stolze Sammlung von zwölf bedeutenden Kunstgegenständen durch Ersteigerung und Diebstahl zusammen zu haben, wenn ich sie nicht mehr präsentieren und dadurch punkten kann, weil ein anderer mit einer mickrigen Sammlung bereits das Ende der Zählleiste erreicht hat? Andererseits habe ich auch keine Chance, wenn ich nur nach Punkten jage und meine Sammlung vernachlässige, weil die anderen dann am Ende massig Punkte machen und auf der Ziellinie doch noch an mir vorbeifliegen.
Wem empfehle ich das Spiel?
Allen, die gerne bluffen (oder Bluffs der anderen durchschauen), allen, die von der Sammelleidenschaft gepackt sind, und allen, die gerne abwechslungsreiche (aber nicht zu komplizierte) Gesellschaftsspiele ohne Würfel spielen. weiterlesen schließen
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