Pro:
klasse Schauspieler,klasse Story, intelligenter Film zum nachdenken
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Hallo!
Ich möchte Euch heute einen meiner Lieblingsfilme vorstellen, der mich auch nach unzähligem Gucken immer noch begeistert: “American Beauty”
/// Daten ///
“American Beauty”
Freigegeben ab 16 Jahren
Produzenten: Bruce Cohen und Dan Jinks
Drehbuch: Alan Ball
Regie: Sam Mendes
Kamera: Conrad L. Hall
Musik: Thomas Newmann
/// Handlung ///
In einem Vorort irgendwo in den USA lebt der 42jährige Lester Burnham mit Ehefrau Carolyn und pubertierender Tochter Jane. Und in weniger als einem Jahr wird er tot sein, soviel steht bereits wenige Minuten nach Beginn des Films fest.
Lester Burnham ist sowohl Ich - Erzähler als auch Protagonist des Films. Aus seiner Perspektive berichtet er wie er sich in die hübsche Angela, eine Freundin seiner Tochter verliebt und wie sein nach außen hin perfektes Leben wie ein Kartenhaus zusammenfällt. In dem Film geht es nicht nur um die Beziehung zwischen älteren Männern und blutjungen Frauen, sondern um das was hinter der Fassade eines spießigen Reihenhauses, einer “ganz normalen” Ehe und eines typisch amerikanischem Familienlebens steckt. Während Carolyn verzweifelt versucht ein Haus verkaufen, weil es ihr Job ist, träumt Lester von einer Affäre mit einer 16jährigen Schönheit und knüpft Jane Kontakt zu dem neu in die Nachbarschaft gezogenen Ricky, der von seinem dominanten Vater unterdrückt wird und alles tut, um seinen alltäglichen Drogenkonsum geheim zu halten...
/// Protagonisten ///
So wie die handelnden Charaktere und ihre Wege unzertrennlich miteinander verwoben sind, so scheinen auch die Schauspieler perfekt miteinander zu harmonieren.
Kevin Spacey alias Lester Burnham spielt einen alternden Ehemann und Familienvater, der ignoriert und belächelt und von allen nur als Verlierer angesehen wird und sich eine Welt flüchtet, in der Realität und Wunschtraum sich vermischen.
Es ist seine typisch müde und resignierende Miene und der dazugehörige Zynismus, der ihn ausmacht.
Kostprobe:
Lester: “Ich hole mir unter der Dusche einen runter. Das wird der Höhepunkt meines Tages”
Anette Bening spielt Lesters Ehefrau Carolyn, die früher einmal glücklich war und heute mit einer Heckenschere hantiert, die farblich zu ihren Gartenclogs paßt und ihre homosexuellen Nachbarn freundlicher begrüßt als ihren eigenen Mann. Carolyn erscheint als Inbegriff der frustrierten, aber dennoch angepassten amerikanischen Frau, die das Essen zur immer gleichen klassischen Musik serviert, verzweifelt versucht sich beruflich zu etablieren, von ihrer Tochter gehasst wird und sich irgendwann auf der Suche nach ein bisschen Glück in eine Affäre stürzt.
Mena Suvari alias Janes Schulfreundin Angela ist den meisten als blonde Schönheit in einer Badwanne voller Rosen ein Begriff. Sie ist der Inbegriff von Lesters Träumen, ihr stellt er nach. Mena Suvari besticht nicht nur durch ihr Aussehen, sondern ihr gelingt ein geschicktes Wechselspiel zwischen der Rolle der Angela in Lesters Vorstellung , die sich als Frau präsentieren und mit ihren Reizen spielen möchte und der wahren Angela, deren Selbstbild so wenig mit der Realität übereinstimmt.
/// Bewertung ///
“American Beauty” wurde mit erstklassigen Kritiken überhäuft, erhielt 1999 fünf Oscars für den besten Film, die beste Regie, die besten Darsteller, das beste Original - Drehbuch und die beste Kamera und war lange Zeit in den Top Ten Kinolisten.
Der Steifen bringt einen zum Lachen, provoziert, erschüttert, macht einen zu traurig, regt einem zum Nachdenken an und das ohne viel Action. Es ist schwierig “American Beauty” in ein bestimmtes Genre zu stecken. Handelt es sich um ein Drama? Eine Sozialstudie? Eine schwarze Komödie? Eine Mischung aus allem dreien?
Meiner Meinung nach gelingt diesem Film ein kritischer, aber auch von einer guten Portion schwarzem Humor genährtem Blick auf die amerikanische Gesellschaft, nein auf das Leben und menschliches Handeln im allgemeinen eigentlich. Indem diese “Geschichte” aus der Perspektive Lesters erzählt wird, dessen Gedanken, Befürchtungen und Wünsche uns am nächsten sind (das macht ihn auch als Figur sympathisch) , bekommen wir einen ganz persönlichen Einblick in das, was sein Leben ausmacht oder auch nicht ausmacht. Er ist zum einen Beobachter und steckt zum anderen fast immer selbst in der Situation. Er spielt mit dem, was ihm noch bleibt in einer Umgebung, die ihn bereits als Verlierer abgestempelt hat, in der niemand mehr an ihn glaubt und selbst seine eigene Tochter ihn ignoriert: Er flüchtet in eine Phantasiewelt, die ihm mehr zu bieten scheint und in die Idee für ein blutjunges, attraktives Mädchen interessant zu sein.
Währenddessen beginnt sich Jane langsam von Angela zu lösen und wendet sich dem Nachbarsjungen Ricky zu, über den schlimme Gerüchte in der Schule kursieren. Hier werden weitere Themen eingeleitet, die sich mit der Hauptthematik verbinden und alles in allem ein Bild ergeben, welches mich persönlich fassungslos gemacht hat. Es geht um Schein und Sein, um Einsamkeit, um Liebe, um Freundschaft, um den Wunsch nach Anerkennung, um Scham, Hoffnung, Schönheit und Hass - alles aus dem Käfig heraus, den wir Menschen uns unter anderem aus gesellschaftlichen Normen und Zwängen heraus zusammenbasteln und dem wir entkommen möchten, aber uns nicht trauen.
Wissen wir nicht mehr weiter, sind wir verzweifelt so liegt es nahe uns in Träumereien und Wunschvorstellungen zu flüchten, doch werden wir alle irgendwann von der Realität eingeholt. Ob wir nun daran glauben, dass uns eine Brustvergrößerung glücklich machen wird, wir mit dem Geliebten ein erfüllteres Leben führen werden als mit dem Ehemann oder die Erfüllung im Sex mit einem Teenager liegt: Wir würden es nicht zugeben und lassen den Alltag über uns ergehen, als würde nach diesem Leben ein anderes warten, in dem alles besser wird.
“American Beauty” zeigt in wunderschönen Bildern (das beste Beispiel ist sicherlich die tanzende Papiertüte im Wind), aber auch aufrüttelnden (zum Beispiel, als Angela verlassen und weinend auf der Treppe hockt) Gefühle und Gedanken ohne eine Spur von Kitsch oder Übertreibung. Intelligente Vorausdeutungen, Wendungen und schließlich das Zusammenpassen der verschiedenen Puzzleteile schafften schließlich einen Film, der so authentisch wirkt, dass man glaubt, dass es man selbst auch dieses Schicksal erleiden könnte. Unterstützt wird das Ganze noch von einem genialen Soundtrack.
Dass Lester sterben wird, ist von vornherein klar, doch nimmt keineswegs die Spannung, wie man vielleicht vermuten könnte. Der Zuschauer wird neugierig, möchte wissen welche Umstände dazu führen werden und überhaupt: Wer ist dieser Lester Burnham? Was geht in ihm vor? Weshalb ist seine Ehe mit Carolyn eigentlich schon gescheitert und weshalb hat er den Draht zu seinem einzigen Kind verloren?
Und welche Funktion hat Angela?
Was fasziniert, ist das Leben der Menschen h i n t e r der Fassade, die wir uns alle aufbauen und aufrechterhalten in dem Glauben dann keine Angst mehr haben zu müssen.
Diesen Film muss man gesehen haben. Er ist zu Recht mit fünf Oscars ausgezeichnet worden und hat meinen kompletten Bekannten - und Freundeskreis begeistert. Mich berührt er jedes Mal, egal wie oft ich in vorher schon gesehen habe. Daher vergebe ich volle fünf Ciao ***** und spreche eine Empfehlung aus. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich unbedingt mal auf DVD holen, denn “American Beauty” wird sicherlich einer der Filme sein, über die man in 20 Jahren noch redet.
Vielen Dank für Eure Lesungen, Bewertungen und Kommentare
Eure böse Maus (Mausimausmaus bei Ciao) weiterlesen schließen
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