Pro:
nichts
Kontra:
alles, Leben ist eingeengt
Empfehlung:
Nein
Ich habe einen unsichtbaren Feind, mit dem ich schon seit vielen Jahren kämpfe.
Das ganze Drama begann vor vielen Jahren. Bis zu dem Tag X war ich ein lebensfroher Mensch, der nicht oft genug in Discos gehen konnte, gerne in der Stadt shoppen ging und sich immer dort aufhielt, wo viel los war. Party, Party, und Aktion war mein Motto.
Angst? Was ist das? Ich hatte vor nichts Angst und wenn mir jemand etwas von Angst erzählte, dann konnte ich es nicht nachvollziehen.
An dem Tag x ging ich zum einkaufen. Alles war ganz normal. Ich stand an der Kasse in einer langen Schlange. Und dann passierte es. Mir wurde schwindelig, und ehe ich mich versah, bin ich auch schon zusammengesackt. - Ich muß dazusagen: Es war ein heißer Sommer.
Es war nichts ernsthaftes, ich war sofort wieder fit. Mein erster Gedanke war, das ich wohl Kreislaufprobleme habe. Also bin ich gleich weiter zur Apotheke und habe mir Kreislauftropfen geholt.
Am nächsten Morgen wollte ich wie immer das Haus verlassen, um einkaufen zu gehen. Ich öffnete die Haustür und.... mir wurde wieder total schwindelig. Und jedes mal, wenn ich die Haustür öffnete fing es wieder an. Ich war auf einmal nicht mehr in der Lage aus dem Haus zu gehen. Innerhalb von wenigen Tagen hat sich das ganze so zugespitzt, das ich nur noch im Bett blieb und Angst vorm sterben hatte.
Mein damaliger Freund nahm sich Urlaub und fuhr mich von Arzt zu Arzt. Doch ich war kern gesund. Ich konnte aber nicht richtig gucken, es war alles verschwommen. Mein Herz raste, ich hatte Schweißausbrüche und mir war ewig schwindelig. Irgendwann bin ich dann doch zum Psychologen gegangen, weil ich schon glaubte, ich sei verrückt. Und dort bekam meine Krankheit auch seinen Namen: ANGST.
Ich sollte nun die Krankheit besiegen. Ich mußte lernen, gegen meine Angst anzukämpfen und genau das zu tun, was mir Angst machte. Gut gesagt, ich konnte ja nichts mehr alleine tun. Wenn ich versucht habe alleine die Straße runter zu laufen, wackelte die Straße unter meinen Füßen und die Häuser kippten um. Ich rannte dann nur noch nach Hause. Und sobald die Tür zu war, war die Welt wieder in Ordnung. Und je mehr ich versucht habe das zu tun, was Angst in mir auslöste, desto schlimmer wurde alles. Ich hatte sogar Angst vorm allein sein. "Ich könnte ja umfallen und wäre dann mit meiner kleinen Tochter (damals 3)alleine. Sie müßte sehen, wie ich sterbe und könnte mir nicht helfen. Und was wird dann aus ihr. Sie hat doch nur mich."
Es kam der Tag, andem ich meine Tochter im Kindergarten anmelden mußte. Ich hatte großes Glück, der Kindergarten lag genau auf der anderen Straßenseite. Aber ich stand vor einem riesigen Problem: Wie komme ich da hin ? Ich redete die ganze Zeit auf mich ein: " Du mußt da hin ! Du tust es für die Kleine! Du mußt es tun! Es ist für`s Kind!...." Mit diesen Worten im Kopf und meiner Tochter an der Hand habe ich es geschafft. Ich bin zur Anmeldung gegangen und habe auch den Weg nach Hause geschafft. Allerdings war mein Tempo nach Hause schon größer.
Ich war sehr stolz auf mich und habe gemerkt, das ich einfach nur ein Ziel und eine Ablenkung brauche. Dann schaffe ich es. Wer mich da beobachtet hat, war bestimmt der Meinung, das ich total irre bin. Ich quasselte in einer Tour auf meine Tochter ein und hielt sie fest an meiner Hand. Eigentlich ging sie mit mir zur Anmeldung.
Diese Methode habe ich bis heute beibehalten.
Ich wurde dann in eine Mutter-Kind-Kur geschickt, wovon ich wirklich fast geheilt nach Hause kam. Mir wurde dort gesagt, das ich psychosomatische Belastungserscheinungen (auf deutsch: Überfoderung) habe.
Meine Angst ist nach der Kur einige Jahre so gut wie verschwunden gewesen. Ich habe danach gelebt und mir nicht mehr soviel zugemutet. Ich bin ruhiger und häuslicher geworden.
Heute habe ich eine Familie mit 2 sehr aktiven und anstrengenden Kindern (Kleinkind, was seine Grenzen unaufhörlich testet und ein Kind mit pupatärem Gezicke) und bin Vollzeit berufstätig. D.h. mein Leben besteht wieder nur aus Aktion. Und es kam, was kommen mußte. Mein Feind ist wieder da. Nur anders.
Ich habe plötzliche Schweißausbrüche, Herzrasen, und ein sehr starkes inneres Angstgefühl, verbunden mit Schwindelanfällen, Ohrenpiepsen, zittern....
Und es gibt nicht einmal einen Grund. Es kommt aus heiterem Himmel - ohne Auslöser - und geht auch wieder. Ich bin plötzlich stark nervös und muß versuchen mich zu beruhigen.
Darunter gibt es Tage, andem es mir super geht und ich mir alles zutraue.
Ich weiß, das ich Ruhe brauche, aber habe Angst vor der Ruhe, weil zuerst die starke Angst wiederkommt. Erst Tage später kann sich dann der Körper vom Streß erholen.
Aber ich gebe nicht auf. Ich kämpfe immer häufiger gegen meinen Feind. Ich gewinne auch sehr häufig, auch wenn es schwer ist. Und ich werde wohl den Rest meines Lebens weiter kämpfen. Ich bin ein anderer Mensch geworden. Und mitlerweile alles andere als Unternehmungslustig.
Aber eines habe ich gelernt: Gebe nie deiner Angst nach - sie packt dich und macht dich fertig. Zeige ihr die kalte Schulter und mache genau das weiter, was du gerade tust. Versuche nicht vor dir selber wegzurennen und stelle dich dem Kampf.
Auch wenn er viele Jahre dauert. Ich kämpfe weiter !
Ich hoffe, das ich euch die Angst etwas erklären konnte.
Gruß
Puppekaa weiterlesen schließen
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