Pro:
nutzt nur dem Mobber, wenn er erfolgreich ist
Kontra:
schlimme Folgen und Leid für die Betroffenen, hoher Schaden für die Allgemeinheit
Empfehlung:
Nein
Mobbing - systematische psychische Zerstörung eines Einzelnen mit unermeßlichem Schaden für die Gesamtheit.
Mit dieser Headline läßt sich in einem kurzen Satz deutlich machen, was der Begiff Mobbing, den man tagein tagaus hört, im Grunde genommen bedeutet. Doch es steckt wesentlich mehr dahinter.
Was ist Mobbing ?
Das Wort stammt ursprünglich aus dem Englischen: to mob = herfallen, anpöbeln. Hierher resultieren auch Ausdrücke wie 'der tobende Mob' u.ä.
Im heutigen Sprachgebrauch steht Mobbing für einen systematischen Terror am Arbeitsplatz - meist gegen einen einzelnen Kollegen - durch andere Mitarbeiter, die größtenteils der gleichen Arbeitsgruppe angehören bzw. durch Vorgesetzte.
Formen des Mobbings sind z.B. die Mißachtung der menschlichen Würde am Arbeitsplatz, Sabotieren der Arbeit von Kollegen, gezieltes Verbreiten von Gerüchten und Lügen bis zum Rufmord, Diskriminierung und Ausgrenzung von Kollegen und letztlich ein Psychoterror, bei dem der Betroffene am Ende als Ausweg nur noch die Kündigung und schlimmstenfalls den Suizid sieht.
Eine Abwandlung des Mobbings ist das Bossing, hier geht der Terror vornehmlich vom Vorgesetzten aus.
Um von Mobbing zu sprechen, muß der Terror bereits mehrere Monate dauern und System haben.
Das übliche Geläster, was einen ab und zu trifft, die schlechte Laune des Zimmerkollegen, die dieser hemmungslos an uns ausläßt oder andere Vorkommnisse, welche häufig auch auf Zufällen und Missverständnissen basieren, lassen - sofern sie einmalig sind oder nur einen recht kurzen Zeitraum betreffen - noch nicht auf Mobbing schließen.
Vor Mobbing ist niemand geschützt ! Es kann jeden treffen, egal ob männlich oder weiblich, jung oder alt, oben in der Hierachie oder ganz unten.
Sicherlich zeigen Untersuchungen, daß es gewisse Zielgruppen gibt, die häufiger gemobbt werden bzw. selbst mobben, als andere. Potentielles Opfer ist dennoch jeder der sich allmorgentlich an seinen Arbeitsplatz begibt.
Ursachen des Mobbings:
Das Konfliktphänomen Mobbing ergibt sich zum einen aus äußeren Faktoren wie schlechte Arbeitsorganisation, Überlastung, Unterforderung, stereotyper Arbeit und Führungsdefiziten der Vorgesetzten sowie zum anderen aus inneren Faktoren wie Neid, Mißgunst und Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes.
Mobbing resultiert aus Konflikten, die aus ganz unterschiedlichen Gründen entstehen können. Wo immer Menschen aufeinander treffen , ist Konfliktpotential vorhanden. Besonders ist dies natürlich in der Arbeitswelt gegeben, wo sich Menschen 5 Tage die Woche, 8 Stunden am Tag begegnen und sich nur bedingt aus dem Weg gehen können.
Als häufigste Motive für Mobbing kristallisieren sich Neid und Mißgunst heraus, so daß ich an dieser Stelle auf diese Mechanismen näher eingehen werde:
Es gibt ein weites Feld von Anlässen, die zu Neid und Mißgunst führen können.
Im privaten Bereich können das menschliche Antipathien, individuelle Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, die teuren Urlaubsreisen des Kollegen, sein großes Auto oder sein schönes Haus auf dem Land sein. Vielleicht aber auch das bessere Aussehen der Kollegin und ihre häufig wechselnde modische Kleidung.
Im betrieblichen Bereich wird Neid und Mißgunst durch häufiges Lob für den Kollegen seitens des Chefs, Gehaltserhöhungen, Beförderungen und vermeintlich besseres Fachwissen und Arbeitsqualität hervorgerufen. Hier ist insbesondere die Führungsqualität des Vorgesetzten ausschlaggebend und wird oft unterschätzt. Wer hört schon gerne: 'Nehmen Sie sich doch mal ein Bespiel an Herrn Schulze' ? Oder das gut gemeinte Lob des Chefs im Beisein der anderen Kollegen kann auch leicht zum Boomerang werden.
Neid begleitet uns also auf Schritt und Tritt durch unser Leben. Auch wenn es uns manchmal nicht bewußt ist. Neid ist eine Leidenschaft, die auf die Zerstörung des Glückes anderer gerichtet ist. Neid ist ein Unruhestifter, der sich selten offen kundgibt. Besonders das im Beruf beobachtete neidgeschwängerte Rivalitätsdenken ist sehr bedenklich, weil oft mehr Kraft in das Ausschalten des Konkurrenten als in produktive Arbeit investiert wird.
Ich werde gemobbt - was nun ?
Oft sind sich Mitarbeiter gar nicht darüber bewußt, daß sie sich in einem Konflikt im Verhältnis zum Vorgesetzten oder den Kollegen befinden.
Grundsätzlich gilt jedoch: Ein Konflikt existiert dann, wenn zumindest eine Seite erkennt, daß jemand anderer sie in irgendeiner Weise beeinträchtigt, stört, behindert, übergeht oder lähmt - auch, wenn der Anlaß zunächst unerheblich erscheint. Wenn eine Seite einen Konflikt feststellt, dann gibt es ihn auch !
Hier kommt der eigenen Einstellung eine besondere Bedeutung zu. Sie beeinflußt drei wichtige Faktoren:
a) die Wahrnehmung: erkenne ich rechtzeitig, wo sich ein Konflikt abzeichnet oder verdränge ich die Signale?
b) die Gefühlslage: reagiere ich auf den Konflikt ängstlich und hilflos oder stelle ich mich ihm mutig und entschlossen?
c) das Verhalten: gehe ich einen Konflikt aktiv, offen und kooperativ an, weiche ich ihm aus oder reagiere ich selbst aggressiv?
So spielt die eigene Einstellung eine wichtige Rolle beim Gelingen oder Mißlingen einer Konfliktbewältigung.
Was soll ich also tun, wenn ich feststelle, daß ich gemobbt werde ?
NICHT verkriechen und zurückziehen in der Hoffnung, daß es ja irgendwann wieder aufhört. Es wird NICHT von alleine wieder aufhören !
Geht in die Offensive, sucht das Gespräch mit dem / den Kontrahenten. Das ist vor allem im Beisein anderer neutraler Kollegen oftmals sehr wirksam. Droht auch mit weitergehenden rechtlichen Schritten.
Hilft das nichts, sucht Euch Verbündete in der eigenen Gruppe / Abteilung. Die Wahrscheinlichkeit, Unterstützung aktiv zu finden, ist größer, als daß jemand von sich aus an Euch herantritt.
Findet Ihr niemand, geht zum Betriebsrat. In größeren Firmen gibt es oft auch eine hauptamtliche Sozialberatung, die einem zumindest weitere Tipps geben kann. Auch die Gewerkschaften und zahlreiche Homepages Beratender und Betroffener im Internet können helfen.
Auch wenns schwer fällt, sprecht mit Eurem Vorgesetzten (sofern er selbst einen mobbt, dann mit seinem Vorgesetzten). Er kann letztlich den Konflikt mit disziplinarischen Maßnahmen beenden bzw. ggf. auch für einen Abgang des Mobbers sorgen.
Sprecht mit Familie und Freunden über den Konflikt. Gemobbt zu werden ist keine persönliche Schande, es kann jeden treffen. Der Mobbende hingegen ist alles andere als cool, er ist verachtenswert.
Wenn alle Maßnahmen keinen Erfolg haben, was leider noch in vielen Mobbing-Fällen der Fall ist, bleibt einem letztlich doch nur allein schon im Interesse der eigenen Gesundheit und Lebensqualität der Wechsel des Arbeitsplatzes. Diesen sollte man dann auch vollziehen. Es ist kein Ausdruck von Niederlage oder Hilflosigkeit. Es ist vielmehr die letzte Notbremse, die man ziehen kann. Die Mobbenden zeigen dann im Gefühl ihres vermeintlichen Sieges nur ihre wahre, ganze Armut.
Fazit
Mobbing wird mittlerweile zum Glück auch als ein großes Problem unserer Gesellschaft erkannt.
Die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft sind fatal, Fehlzeiten gemobbter Mitarbeiter kosten deutsche Unternehmen jährlich eine zweistellige Milliardensumme. Hierin sind nicht die Kosten enthalten, die unser Gesundheitssystem aus den Folgen zu tragen hat.
Weit über eine Million Deutsche leiden unter dem Mobbing-Terror am Arbeitsplatz. Jeder ist einer zuviel !
Schlußwort
Mobbing ist ein Thema, das so weitläufig und vielgegliedert ist, so daß man unmöglich in einem solchen Beitrag alle Aspekte vollständig abdecken kann.
Meine Intention war, deutlich zu machen, was Mobbing überhaupt ist, die Ursachen aufzuzeigen, Betroffenen ein wenig zu helfen (leider kenne ich kein 100%iges Lösungsmodell für den Konflikt) und vielleicht etwas Mut zu machen, Aussenstehende zu animieren künftig nicht wegzuschauen, sondern zu helfen und Mobber zu warnen (die Sensibilisierung setzt immer mehr ein, Mobben kann einen selbst den Job kosten).
Ich bedanke mich fürs Lesen meines Beitrages - insbesondere bei denen, die bis zum Ende durchgehalten haben - und freue mich wie immer über Kommentare und e-Mails.
© Comte de Flandre weiterlesen schließen
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