Pro:
+ tolle schauspielerische Leistungen + Spannung + Ausstattung
Kontra:
- soweit keine
Empfehlung:
Ja
., so sagt man, liegen ja oft dicht beisammen. Bei manchen Personen scheint geradezu der Wahnsinn das Genie zu bedingen. In "Aviator", einem 2005 unter der Regie von Martin Scorsese entstandenem Film mit Leonardo "Leo" di Caprio in der Hauptrolle des Flugzeugpioniers Howard Hughes jedenfalls scheinen wir es just mit einem solchen Typen zu tun zu haben...
=== So kam ich zu "Aviator" ===
Vor vielen Jahren erwarb ich die 2DVD-Ausgabe von "Aviator" im Zuge eines "Schnäppchenangebots" beim Mediamarkt. "Nur" 8,99 € waren damals für dieses 2DVD-Set fällig und da ich von dem Film schon viel Positives im Vorfeld gehört hatte, "schlug" ich also zu.
== Zum Film ==
=== Darum geht es ===
Anfang des 20. Jahrhunderts wächst der junge Howard Hughes als Sohn einer Unternehmerfamilie in Houston, Texas auf. Sein Vater stirbt jedoch früh an einer Krankheit und auch seine Mutter stirbt, als er gerade zu einem jungen Mann herangewachsen ist.
So erbt er das Unternehmen seiner Eltern in sehr jungen Jahren - eine Firma, die sich auf die Entwicklung von Ölbohrköpfen für die in Texas florierende Ölförderindustrie spezialisiert hat.
Aber Howard ist alles andere als interessiert an diesem für ihn unspannenden Geschäft - ihn fasziniert die damals, in den späten 1920´er Jahren noch junge Fliegerei und investiert ein Vermögen in einen aufwändig produzierten Film mit dem Titel "Hells Angels", der spekatakuläre Luftkämpfe aus dem 1. Weltkrieg so realistisch wie möglich auf der Leinwand zeigen möchte.
Der exzentrische junge Mann lässt sich auch von Widernissen kaum von seinem Projekt abhalten, denn der Film kostet Hughes bald ein Vermögen, was bald droht, sein Projekt zum Scheitern zu bringen, zumal für den Perfektionisten Hughes Vieles einfach nicht gut genug ist.
Als sich Anfang der 1930´er Jahre bald der Tonfilm durchsetzt, beschließt Hughes, den gerade nach vielen Rückschlägen fertig gestellten Stummfilm nochmal neu produzieren zu lassen - dazu kann er sogar einige Geldgeber teils mit List und Tücke überreden.
Und tatsächlich wird der teuer inszenierte Streifen zu einem wahren Kassenschlager für den jungen Filmproduzenten, der sich danach aber seiner eigentlichen Faszination zuwendet -.eben der Fliegerei.
Seine neu gegründete Firma beschäftigt sich nun mit der Entwicklung von Flugzeugen - wobei Hughes selbst als Ingenieur und Chefentwickler tätig wird.
Er erkennt bald den Nachteil der damals üblichen Außenvernietung von Rumpf und Tragflächen und weist seine Ingenieure an, möglichst flache und mit der Oberfläche eine Einheit bildende Befestigungsverfahren zu entwickeln.
Die Rolle als Testpilot seiner Neuentwicklungen lässt sich der waghalsige Hughes dabei auch nicht nehmen,
Tatsächlich sind seine Modelle bald sehr erfolgreich am Markt und das Unternehmen floriert - und bald wird die Hughes Corporation mit der Übernahme von TWA sogar zu einem großen Konkurrenten von Pan Am, der damaligen Nummer 1 im Luftverkehrsmarkt.
Der junge und überaus erfolgreiche und von sich Reden machende Aufsteiger ist so bald auch viel beachteter Mann in der Damenwelt. So kann er bald die Aufmerksamkeit der jungen Catherine Hepburn ( _Cate Blanchett _ ) für sich gewinnen und wird nach einer längeren Affäre auch bald an der Seite von Ava Gardner ( _Kate Beckinsale_ ) gesehen.
Doch der Multimillionär Hughes kann trotz aller Erfolge nicht über eine Tatsache hinweg täuschen: seine Zwangsneurose, die sich zum Einen in einer Furcht vor Keimen und Bakterien und zum anderen in einem sich daraus entwickelnden Waschzwang immer stärker zeigt, macht es ihm zunehmend unmöglich, so etwas wie normale menschliche Beziehungen zu pflegen...
Das Fliegen - und das Streben nach Perfektion sind für ihn darüber hinaus noch viel wichtiger als jedwede irgendwie bedeutungsvolle, menschliche Beziehung...
=== Darsteller und Charaktere ===
Erfolgreich vermag es Leonardo di Caprio in diesem Film, seinem ehemaligen Image als "Sonnyboy" zu entkommen, indem er seiner Rolle des zwangsneurotischen Howard Hughes überaus intensiv und überzeugend darstellt.
Eindrucksvoll schafft es di Caprio dabei besonders, mir als Zuschauer die Nöte und Ängste dieses eigentlich genialen Kopfes, Entwicklers und Fliegers Howard Hughes vor Augen zu führen. Die Akribie, die Perfektion und der stetige Wahn, sich stets sauber und reinlich zu halten - diese Umstände formen letztlich den Charakter dieses Mannes, der eben - sehr realistisch und einfühlsam von Leo Di Caprio gespielt - zwischen diesen beiden widerstrebenden Eigenschaften hin und hergerissen wird und letztlich seiner Erkrankung / Manie auch zunehmend erliegt. Selbst die wunderbarsten Frauen, die er zwischenzeitlich an seiner Seite weiß (vor allem die von Cate Blanchett wunderbar sympathisch dargestellte Catherine Hepburn vermögen den tief in sich doch recht einsamen Menschen dauerhaft von seinem Weg in eine selbstgewählte Isolation abzuhalten. Es scheint fast so, als habe Howard Hughes in seinem Leben irgendwie ein von seinen Zwängen bestimmtes "Programm" abspulen müssen, von dem er sich nie lösen konnte und dessen Ende daher ebenso unvermeidlich zu sein scheint. Auch die übrigen Rollen werden von absoluten Könnern ihres Fachs in diesem Film gespielt. So tritt z.B. Alec Baldwin als Juan Trippe, dem Präsident von Pan Am , in diesem Film als absoluter Gegenspieler des mit seiner "TWA" aufstrebenden Hughes auf und auch Kate Beckinsale weiß als spätere Hughes-Freundin Ava Gardner durchaus zu überzeugen. Jude Law wiederum hat mit seiner Rolle als Errol Flynn da schon einen eher kurzen, aber dennoch eindrucksvollen Auftritt in einer Szene parat.
=== Das macht diesen Film aus ===
"Aviator" ist ein Film, der natürlich in erster Linie das Leben und Wirken des Flugzeugpioniers Howard Hughes nachzeichnet - und dabei sogar relativ chronologisch vorgeht. Zwar beginnt der Film an der Stelle, wo Hughes beginnt, den Film "Hells Angels" zu produzieren, schiebt dann aber schnell eine Rückblende auf eine für Hughes doch recht prägende Szene seiner Kindheit ein, die für meinen Geschmack einen Erklärungsversuch für dessen späteren Waschzwang bzw. Zwangsneurosen darzustellen sucht . Die Frage, was genau Hughes jedoch an dieser Erkrankung leiden liess, ob es eventuell auch ein durch Vererbung begünstigtes Phänomen war, die diese Neurose begünstigte, die bleibt dabei natürlich ungeklärt. Der Film an sich jedenfalls ist überaus opulent ausgestattet - bei der Premierenfeier von Hughes nach jahren endlich fertiggestellten "Hells Angels" bleibt einem vor Staunen fast der Mund offen stehen, wie luxuriös und wild diese Party doch inszeniert ist. Dazu bemüht sich der Film durchgehend um ein großes Maß an Realismus und Authentizität, sodass man als Zuschauer manchmal vergessen mag, dass dies nur eine Interpretation einer Biographie darstellt und nicht unbedingt 1:1 deckungsgleich das Leben des "echten" Howard Hughes darstellen muss, denn eins ist klar: diese "Biographie" wurde nicht von jemandem geschrieben und verfilmt, der den "echten" Hughes kannte, nein, der Film basiert auf einem 1992 geschriebenen Drehbuch , welches auf verschiedensten Biographien basiert - so ist vieles einiges natürlich auch eine Interpretation und ein Erklärungsversuch für manch unerklärliche Charakter- und Wesenszüge des einst genialien Erfinders und Unternehmers, der für meinen Geschmack auf jeden Fall überaus sehenswert und gelungen ist, auch und gerade wegen des wirklich grandios agierenden Hauptdarstellers, Leonardo di Caprio. dem es für mich in diesem Spielfilm echt gelungen ist, sich als so etwas wie einen echten "Charakterdarsteller" zu zeigen.
== Zur DVD ==
=== Bonusmaterial ===
Bei der 2 DVD-Edition von "Aviator" ist sämtliches Bonusmaterial auf der zweiten DVD enthalten. Zu dem umfangreichen Material zählt dabei eine englischsprachige , einstündige Dokumentation des History Channels, welches mit zuschaltbaren, deutschen Untertiteln einen Einblick in das Leben und Wirken von Howard Hughes abgibt - dem "echten" Hughes halt,. Ein weiteres Special versucht, der psychischen Erkrankung von Howard Hughes auf die Spur zu kommen, dabei werden zum einen die Mitwirkenden des Films, allen voran Leonardo di Caprio, der sich scheinbar recht intensiv mit dem Leben des Howard Hughes bzw. dem Phänomen "Zwangsneurose" beschäftigte, befragt aber auch Zeitzeugen wie die Witwe von Howard Hughes kommen zu Wort. Hier erfahre ich so einiges über die Auswirkungen einer Zwangsneurose auf den Betroffenen und auf dessen Umfeld. Dazu gibt es noch das "Making Of" und einen Blick hinter die Kulissen von "Aviator" zu sehen, ganz zu schweigen davon, dass ich sogar Einblicke in die Gestaltung der Frisuren und der Komposition der Filmmusik dieses Filmes bekomme - an Bonusmaterial ist auf der zweiten DVD so ziemlich alles Erdenkliche vertreten, was mich als Zuschauer irgendwie an diesem Film, dessen Handlung oder Geschichte so interessieren könnte, ganz zu schweigen vom Audiokommentar von Regisseur Scorsese, der Filmcutterin Thelma Schoonmaker und den Produzenten des Films, Sandy Climan, Charles Evans Jr., Graham King und Michael Mann - die jeweils abwechselnd an verschiedenen Szenen und Aufzügen ihre Einschätzungen und Anmerkungen abgeben - jeweils in "OmU" (Originalsprache mit Untertiteln).
=== Bild und Ton ===
Das DVD-Videobild des 163 Minuten langen Streifens ist hinsichtlich Kontrast, Farbwerten und Helligkeit über jeden Zweifel erhaben. Da der Film im 21:9 Breitbildformat entstand, muss ich auf meinem 16:9 TV mit schwarzen Randstreifen vorlieb nehmen.
Die deutschsprachige Audiospur ist ebenso einfach brilliant in Sachen Raumklangwirkung gemastert wurden. Der dramatische Flugzeugabsturz, den der waghalsige Hughes in einer Szene da hinlegt, wird so auch durch die starke Raumklangakustik über meine Dolby Digital Surroundanlage nochmals umso eindrucksvoller - die Sprachverständlichkeit ist dazu an jeder Stelle des Films voll gegeben.
=== Auf einen Blick ===
* Titel: Aviator
* Studio: Buena Vista Home Entertainment
* Genre: Biographie / Unterhaltung
* Erstveröffentlichung: 18.7.2007 / Produktionsjahr: 2004
* FSK: ab 12 Jahren / Laufzeit: 163 Min.
* Bildformat: Widescreen; 2,35:1 / Tonformat: DD 5.1: Deutsch, Englisch
* Untertitel für Gehörlose: ENG
* Darsteller: John C. Reilly, Leonardo DiCaprio, Jude Law, Kate Beckinsale, Cate Blanchett, Alec Baldwin, Gwen Stefani
* Regie: Martin Scorsese
'''Bonus: '''
* Audiokommentar von Meisterregisseur Martin Scorsese, Cutterin Thelma Schoonmaker und den Produzenten
* Zusätzliche Szene / Leben ohne Grenzen - das Making Of von "Aviator"
* Wie Howard Hughes die Luftfahrt revolutionierte
* Moderne Wunder: Howard Hughes - Eine Dokumentation des US-History Channel
* Die Obsession von Howard Hughes; Ein persönliches Gespräch der Filmemacher & Stars mit der Witwe von Howard Hughes
* Ein Abend mit Leonardo DiCaprio und Alan Alda
* Blick hinter die Kulissen eines Oscar-gekrönten Meisterwerks
* Aviator-Soundtrack Trailer / Bildergalerie
* Alle Extras in engl. mit dt. UT;
=== FAZIT ===
"Aviator" was zu deutsch kurz "Flieger" heißt, ist ein überaus sehenswerter, biographisch geprägter Film mit einem sehr guten Hauptdarsteller und vielen guten Haupt- und Nebendarstellern geworden. Die Produktion dieses mit gleich fünf Oscars und drei Golden Globes prämierten Streifens ist überaus aufwändig gewesen und gibt perfekt die Formengestaltungen und optischen Designs der 1930´er und 1940´er wieder, was die schauspielerischen Leistungen in einem absolut würdigen Rahmen erscheinen lässt. Dazu ist der Film dank des eigensinnigen und eigentümlichen Charakters des Howard Hughes überaus spannend und interessant, erzählt der Film doch die Geschichte von einem Visionär, für den neben seiner Passion, der Fliegerei, nur eins zählte: Perfektion. Doch das "Genie" erliegt letztlich seinem Wahnsinn, sprich: seiner Zwangsneurose, was letztlich fast zwangsläufig zu einem scheinbar unausweichlichem Ende führt. DIe 2 DVD-Edition dieses schon 2004 entstandenen Streifens ist über jeden Zweifel in Bezug auf Ausstattung sowie Bild- / Tonqualität erhaben, sodass ich bedenkenlos alle Sternchen und eine Empfehlung geben möchte. Dennoch: dieser Film erhebt keinen Anspruch, alle Rätsel des Howard Hughes und seines Charakters zu lösen - er gibt aber einige bedenkenswerte Ansätze dazu... weiterlesen schließen
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