Pro:
Schönes Stadtbild, kulturell Vielfältig
Kontra:
Touristisch überlaufen, teuer
Empfehlung:
Ja
Ich verbrachte den Jahreswechsel im schönen Barcelona und lernte eine interessante Stadt kennen. Mit diesem Bericht will allen Entscheidungshilfen an die Hand geben, die vielleicht auch mal einen Barcelona-Urlaub machen wollen. Die Stadt hat jedem was zu bieten, aber hat auch so ihre Tücken.
Weiter soll diesem Bericht eine Reihe weiterer folgen, in denen ich hauptsächlich von Sehenswürdigkeiten und Museen Barcelonas berichten werde. Vorne weg: Barcelonas kulturelles Angebot ist überwältigend.
Urlaub und Ankunft
Neun Tage war ich in mit mehreren Freunden in Barcelona. Wir wollten einfach mal den Jahreswechsel in wärmeren und fremden Gefilden feiern und nebenbei noch eine möglichst interessante Stadt kennenlernen. Mit einer Billig-Airline zahlte ich nicht mal 100,00 Euro für Hin-und Rückflug. Barcelona wird inzwischen fast von jedem größeren deutschen Flughafen aus direkt angeflogen. Der Flughafen Barcelonas liegt etwas außerhalb der Stadt. Man sollte also einplanen, dass man zwischen 20 und 40 Minuten braucht, um vom Flughafen in die City zu kommen, je nach dem ob man Bus, Taxi oder Bahn nimmt und wie lange man gerade warten muss. Busse und eine Bahn pendeln in regelmäßigen Abständen zwischen dem Aiprort und dem Placa de Catalunya, dem zentralen Platz der Stadt.
Geographie Barcelonas und ÖPNV
Barcelona ist umgeben vom Mittelmeer auf der einen Seite und von Bergen auf der anderen. Die Stadt verfügt über sehr viele Parks, langen Strand- und Hafenpromenaden und hohen Aussichtplätzen wie dem Berg Montjuic, der Seilbahn oder diversen hohen Gebäuden wie der Columbus-Statute oder der Sagrada Familia (eine Kathedrale von Gaudi).
Die Stadt ist trotz ihrer 1,6 Millionen Einwohner sehr kompakt gebaut. Wenn man einigermaßen zentral wohnt, kann man fast jedes Viertel der Stadt schnell zu Fuß erreichen. Also kann man gut auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verzichten. Allerdings ist auch dieser gut ausgebaut und nicht sehr teuer. Wer länger bleibt und schon abschätzen kann, dass er öfters Busse und Ubahn benutzen wird, sollte sich ein Zehnerticket kaufen. Dieses ist auch auf andere Personen übertragbar.
Unterkunft
Barcelona ist eine absolute Touristenstadt. Dementsprechend gibt es sehr viele Unterkünfte in jeder Preisklasse. Die meisten Hotels und Hostels liegen auch sehr zentral. Ich war in einem Hostel in der Calle de Ferre, einer Nebenstraße der Rambla, der berühmtesten Prachtmeile Barcelonas, die vom Meer direkt zum Placa de Catalunya führt. Die Unterkunft war dennoch recht preiswert. Man muss pro Nacht in Barcleona mindestens mit 16 bis 30 Euro rechnen, je nach dem, wann man den Urlaub macht. Allerdings sollte man dann auch nicht viel verlangen. Ich war in einem gemischten 6-Personen-Schlafsaal, sehr klein mit einem miesen Badezimmer. Das Hostel hatte einige Defizite, nicht das sauberste, schlechter Service und das Fühstück bestand nur aus Zwieback und O-Saft. Da meine Reisegefährten teilweise in anderen Unterkünften waren, kann ich verallgemeinernd sagen, dass dieser Standard in der Preisklasse normal ist. Wer mehr zahlt bekommt aber auch mehr. Zwei Freunde von mir zahlten doppelt so viel wie ich pro Nacht und hatten dafür ein sehr gut ausgestattetes Zweierzimmer.
Jeder, der sich in Barcelona eine Unterkunft sucht, sollte stets daran denken, dass die Stadt sehr kompakt gebaut ist und die Lage eigentlich zweitrangig ist. So lange man nicht arg weit am Rand der Stadt wohnt ist alles schnell und leicht zu erreichen. Es gibt auch keine großen preislichen Unterschiede zwischen den zentral gelegenen Hostels und den etwas peripher liegenden.
Essen
Die Stadt ist ziemlich teuer. Essen gehen kostet sehr viel mehr als in Deutschland, ist dafür aber qualitativ auch noch schlechter. Spanien ist kein Land der großen Esskultur. Frühstück besteht bestenfalls aus einem Schinkenbaguette, das man sich morgens beim Bäcker holt. Abends wird meistens warm gegessen und die meisten Restaurants haben extra eine Abendkarte. Es ist üblich sich Drei-Gänge-Menüs zu bestellen, wobei der letzte Gang eine Süßspeise ist. So ein Menü kostet je nach Restaurant und Lage zwischen 11 und über 20 Euro. Satt wird man auf jeden Fall, aber obwohl ich mehrmals essen war und auch schon früher in anderen Teilen Spaniens im Urlaub war, war ich noch nie wirklich zufrieden mit dem Essen. Einzig die Mengen sind oft mehr als ausreichend. Ansonsten kann man schon froh sein, wenn das Fleisch nicht verwachsen ist und nur aus Fett besteht.
Wer möglichst sparsam leben will, sollte weitestgehend auf teure Abendessen verzichten. Man versäumt nichts. Es gibt in Barcelona mehrere Falafelladenketten, die zwar auch teurer sind als in Deutschland, aber mit zwei bis vier Euro doch schon sehr viel günstiger als Restaurants sind. Außerdem gibt es in Vierteln wie Raval oder Eixample auch jede Menge kleiner Supermärkte, in denen man sich günstiger eindecken kann.
Ich kann nur jedem sagen: erwartet keine kulinarischen Erlebnisse in Spanien!
Wetter
Wir hatten großes Glück mit dem Wetter. In den neun Tagen Ende Dezember/Anfang Januar haben wir nur ein mal ein klein wenig Regen erlebt, am letzten Tag. Und die Regenwolke war nach einer Stunde schon wieder strahlenden Sonnenschein gewichen. Tagsüber konnte man sogar bei angenehmen Temperaturen ohne Jacke durch die Stadt laufen. Abends und Nachts fallen die Temperaturen allerdings schon unter 10 Grad und dickere Klamotten sollte man daher zumindest dabei haben. Insgesamt regnet es wenig in Katalonien und das Klima ist eher ausgeglichen und neigt nicht zu Extremen wie in Deutschland.
Kulturelles Angebot
Barcelona ist vielleicht die Stadt mit den meisten Museen. Ich war beispielsweise in so exotischen Museen wie dem Leichenwagenmuseum, dem Schuh-Museum oder dem Textilmuseum. Das Leichenwagenmuseum in der Nähe des Placa des Glories ist sogar sehr zu empfehlen, kostenlos im Keller eines Bestattungsunternehmens zeigt es Kutschen, Ausrüstung und Wagen aus mehreren Jahrhunderten.
Weiter gibt es sehr viele historische und Kunstmuseen. Ich habe ziemlich viele Museen besucht und werde die nächsten Wochen zu einigen Berichte verfassen und ebenfalls hier einstellen. Daher hier nur so viel: wer historisch interessiert ist, sollte auf jeden Fall das Maritimmuseum, das Stadtgeschichtsmuseum und das Militärmuseum im Castell auf dem Montjuic besuchen. Wer sich für Kunst und Kunstgeschichte interessiert sollte auf jeden Fall das Katalanische Nationalmuseum für Kunst besuchen. Es hat eine sehr große Sammlung aus allen Epochen und stellt sehr schön einige rote Fäden und Brüche der Kunstgeschichte dar. In kaum einem Kunstmuseum habe ich bisher so viel gelernt wie in diesem.
Die großen Museen verfügen fast alle über deutsche und englische Audioguides, die sehr zu empfehlen sind. Überhaupt merkt man fast bei allen Museen Barcelonas, dass man sich sehr um innovative Ausstellungskonzepte und didaktischen Erfolg bemüht. Die meisten Museen sind sehr modern ausgestattet und nutzen Multimedia und interaktive Konzepte, um Inhalte zu vermitteln. Das Museum für die Geschichte Kataloniens übertreibt es dabei sogar ein wenig wie ich finde, da man dort fast an jeder Stelle irgendwo auf einen Knopf oder so drücken muss. Aber so ist das Museum auch sehr gut für Kinder geeignet.
Weiter gibt es in Barcelona sehr viele Sehenswürdigkeiten. Fast an jeder Ecke der Stadt findet man interessante Architektur aus jeder Epoche. Barcelona wurde nie ernsthaft bombardiert und verfügt daher noch über ein gotisches und barockes Viertel. Die jüngeren Viertel der Stadt wie Eixample sind vom Jugendstil und anderen Strömungen des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt. Insebsondere Gaudi hat einige seiner Ideen in Barcelona frei verwirklichen dürfen. Bekannt sind hier vor allem die Sagrada Familia, die immer noch nicht fertig ist, das Casa Milia und der Parc Güell, ein großer Park mit sehr vielen fantastischen Elementen.
Shoppen
Barcelona ist teilweise eine einzige Ansammlung von kleinen Geschäften. In jeder Gasse des touristischen Stadtkerns drängen sich Laden an Laden. Allerdings merkt man wie die kulturelle Vielfalt zugunsten einer globalen Einheitskultur verdrängt wird. Trotz der vielen Läden sieht man nur noch selten tatsächlich irgendwas, was man nicht auch hier oder in jeder anderen großen Stadt der Welt sieht.
Neben den vielen kleinen Geschäften gibt es natürlich auch H&M und ähnliche Geschäfte mehrmals in der Stadt. Was bei uns Karstadt ist, ist in Spanien El Cortes Anglais, die größte Kaufhauskette. Barcelona beeindruckt daher eher durch die Quantität von kleinen und großen Geschäften, aber leider nicht mehr mit seiner Vielseitigkeit, die man nur noch erahnen kann.
Interessant sind einzig noch die Lebensmittelmärkte und ein großer Flohmarkt am Placa des Glories, der Montags, Mittwochs, Freitags und Sonntags stattfindet. Er ist sehr groß und für jeden etwas, der auf Trödel- und Flohmärkte steht.
Discos und Clubs
Hierzu kann ich nicht viel schreiben, da ich nicht sehr gerne in solche Läden gehe. Allerdings hat Barcelona eine große Menge an Clubs und Discos, die, so wurde mir gesagt, auch großartig sein sollen.
Tourismus
Barcelona ist derart beliebt als Reiseziel, selbst über Silverster, dass die Stadt aus allen Nähten zu platzen scheint. Tagsüber waren die Hauptstraßen und Sehenswürdigkeiten derart voll, dass man sich regelrecht durchdrängen musste. Mit Auto in die Stadt zu fahren ist an sich eine Idee, die man spätestens dann bereut, wenn man wieder raus will, weil man nirgends durchkommt. Abends und nachts wird die Stadt leerer, wenn sich alles ins die Clubs verlagert.
An Silverster selbst war die Stadt natürlich am vollsten. Wir wollten an dem Abend essen gehen. Es war kaum mehr ein Platz zu bekommen. Schließlich landeten wir in einem vegetarischen Restaurant. Die Preise schossen zu Silvester ebenfalls in die Höhe. Ein Essen war kaum mehr unter 30,00 Euro zu bekommen an dem Tag. Nach Neujahr nahmen die Massen ab und auch die Preise gingen natürlich wieder auf ein erträgliches Maß zurück. Sowohl was Übernachtungen und Essen sowie Shoppen angeht.
Der Jahreswechsel
Ja, man fuhr nach Barcelona, weil Barcelona voll im Trend liegt und man so viel von der Stadt gehört hatte, nur eines nie: was macht man eigentlich in Barcelona an Silvester? Diese Frage schienen sich am Silversterabend mehrere millionen Menschen auf der Rambla, am Strand und am Hafen zu stellen. Die Silversterstimmung war nicht besonders riesig. es war eher so als würden alle auf was Besonderes warten, was einfach nicht kam. Da in Spanien auch keine großen Feuerwerke üblich sind, flogen nur einige wenige Raketen in die Luft. Man stoß auf der Straße an und lief durch die Stadt, doch außer denen, die sich freuten mal wieder einen guten Grund zu haben, sich richtig zu betrinken, wusste kaum jemand richtig, wo und wie man nun richtig feiern könnte. Nach wenigen Stunden lösten sich die Massen auf den Straßen auf und es wurde in den Clubs und Discos gefeiert oder eben in kleineren Runden in den Hotelzimmern, je nach Geschmack.
Mit anderen Worten: Silvester in Barcelona ist auch nicht besser oder schlechter als anderswo.
Bewertung
Barcelona ist eine schöne Stadt mit schönem Stadtbild und großen kulturellen Angebot. Es ist eigentlich für jeden was dabei, ob Sightseeing, Party, Shoppen oder Familienurlaub, man wird zufrieden sein. Allerdings ist Stadt recht teuer und man sollte, wenn man nur ein kleines Reisebudget hat, sich gut vorbereiten und schauen, wo man Geld sparen kann (vor allem beim Essen wie ich finde!). Wer die Stadt kennenlernen will, aber große Menschenmassen nicht mag, sollte außerhalb der Saison fahren, um zumindest dem ganz großen Touri-Strom auszuweichen. Für Silvester bietet Barcelona nichts, was man nicht auch wo anders haben kann. Nett ist nur, dass man in Spanien natürlich nicht friert, wenn man am Silvesterabend durch die Stadt läuft.
Tipps
Besorgt euch auf jeden Fall einen ausführlichen Reiseführer. Die Stadt hat viel zu bieten und man sollte sich vorher einen Überblick verschaffen, wenn man viel sehen will.
Besorgt euch einen guten Stadtplan! In den vielen Gassen der alten Viertel verliert man schnell den Überblick.
Wer gut zu Fuß ist, sollte sich den ÖPNV sparen. So spart man Geld und lernt die Stadt gut kennen, die fast überall sehenswert ist. weiterlesen schließen
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