Pro:
Kein stupides Actionspiel, große Fahrzeugvielfalt mit teils völlig unterschiedlichen Eigenschaften, riesiger Spielumfang, tonnenweise Spielideen, extrem abwechslungsreich, grundverschiedene Schauplätze und Missionsziele, motivierende Jagd n
Kontra:
Gelegentlich ruckelt es, Kollisionsabfrage nicht immer genau, kein Mehrspielermodus, keine Übersichtskarte, bestenfalls leicht überdurchschnittliche Präsentation, stellenweise chaotisch, schwer
Empfehlung:
Ja
„Blast Corps“ ist ein Actionspiel und wurde für das Nintendo 64 entwickelt. Eigentlich kann ich diesem Genre grundsätzlich nicht so wahnsinnig viel abgewinnen, doch dieses selber von Nintendo hergestellte Spiel ist auf irgendeine Art etwas Besonderes. Klar ist allerdings, dass dieses N64-Modul nichts für ruhige Spielernaturen ist, diese brauchen im Grunde überhaupt keinen Blick auf dieses Nintendospiel werfen, denn hier geht es in erster Linie (und auch in zweiter) nur um eines, nämlich das Zerstören jeglicher Objekte, die in Eurem unmittelbaren Einzugsbereich liegen. Wer es hingegen gerne extrem actionreich, wild, laut, hektisch und chaotisch mag, der ist hier aller Wahrscheinlichkeit nach genau richtig.
Worum geht es bei Blast Corps?
Zunächst einmal überzeugt Blast Corps durch die Vielfalt der Fahrzeuge, welche Euch im Laufe des Spiels anvertraut werden. Der Umfang dieses N64-Spiels ist dabei beträchtlich, da es zudem nicht gerade leicht zu bewältigen ist, sollten Anfänger sich eher nach etwas Anderem umschauen, fortgeschrittene Konsolenspieler werden aber nicht nur bestens unterhalten, sondern sollten in den insgesamt circa sechzig Leveln mindestens 50 Stunden Spielzeit einplanen, in der Regel wahrscheinlich sogar noch mehr. Die Art der eben angesprochenen Fahrzeuge ist niemals dieselbe, ob mit Limousine, Geländewagen, Klein-LKW oder Motorrad bis hin zum Geländewagen, Bagger, Planierraupe, Kranwagen, Mech, Güterzug und Schwerlasttransport ist alles vertreten, jeden davon werdet Ihr mindestens einmal steuern dürfen. Die Steuerung an sich ist aber trotzdem ziemlich schnell begriffen und sollte Euch nicht vor allzu große Probleme stellen, allerdings werdet Ihr aller Voraussicht nach mehr als nur einmal den kompletten Überblick verlieren. Trotz der Perspektive von schräg oben wird es schnell hektisch und chaotisch, was allerdings so gewollt ist, jedenfalls wird unentwegt dermaßen viel zerstört und andauernd etwas in die Luft gesprengt, dass Ihr das Gefühl habt, Euch pausenlos in einem niemals aufhörenden Inferno zu befinden.
Allerdings sind wir daran ja auch nicht gerade unschuldig, schließlich sind wir es, die als Abbruchspezialisten unzählige Gebäudekomplexe dem Erdboden gleichmachen und zu Asche verarbeitet werden. Es ist eben unser Job beziehungsweise unsere Mission, innerhalb einer vorgegebenen Zeit alles platt zu walzen, was in unserem Auftrag steht beziehungsweise den Effekt zu erzielen, der gewünscht ist. Damit dies auch wirklich klappt, haben wir des Öfteren die Qual der Wahl, was die Fahrzeuganwahl angeht, erfahrungsgemäß bevorzugt Ihr nach einer gewissen Zeit das ein oder andere Vehikel eher als andere, wobei die individuellen Grundeigenschaften des jeweiligen fahrbaren Untersatzes natürlich nicht außer acht gelassen werden dürfen. Ein Bulldozer ist naturgemäß sehr effektiv, was das in-Schutt-und-Asche-Legen angeht, dafür ist er aber nicht besonders wendig, ganz im Gegensatz zum sehr wendigen Buggy, der sich dann deutlich mehr auf das weniger Grobe (sofern das in diesem Spiel überhaupt möglich ist) konzentriert. Für Abwechslung ist hier ganz eindeutig gesorgt, was ja aufgrund des Spielprinzips (alles Zerstören, was sich uns in den Weg stellt) ja nicht unbedingt zu erwarten war.
Stellt Euch „Blast Corps“ bloß nicht als plumpes Zerstörungsspektakel vor, oft müsst Ihr taktisch vorgehen und nicht selten im „Try-and-Error-Verfahren“, so dass öfters die ein oder andere Aufgabe mehrmals versucht werden muss. Im späteren Verlauf müsst Ihr den Einsatz der unterschiedlichen zur Verfügung stehenden Fahrzeuge miteinander kombinieren, um möglichst effektiv und vor allem schnell zu operieren, da die Spielabschnitte im weiteren Verlauf des Spiels äußerst komplex ausgefallen sind und mitunter völlig verschiedene Schwerpunkte im Hinblick auf die Missionsziele setzt. Nicht nur mit Brachialgewalt donnert Ihr durch die Gegend, sondern ebenso mit viel Gefühl durch sehr enge oder knifflige Passagen, Grobmotoriker haben hier auf Dauer überhaupt gar keine Chance, denn es gibt zahlreiche Level mit überaus fordernden Geschicklichkeitspassagen, so zum Beispiel auch draußen auf hoher See oder mittendrin im Lava-Vulkan auf der Magma-Insel.
Hochinteressant und ein ganz klares Plus dieses Actionspiels ist die Tatsache, dass es zahlreiche Nebenmissionen gibt. Falls es Euch die Zeit erlaubt, gibt es noch viele andere Objekte in den Boden zu stampfen oder manchmal sogar auch einzelne Personen zu retten. Solltet Ihr tatsächlich eine Mission zu 100% erfolgreich abschließen, erhaltet Ihr Goldmedaillen und Ihr macht einen weiteren wichtigen Schritt nach vorne auf der Karriereleiter. Allein die Karriere inklusive einer sehr detaillierten Erfolgsstatistik sorgt für eine enorm hohe Motivation, denn es gibt ungefähr dreißig Stufen auf der Karriereleiter zu erklimmen, dabei blickt Ihr auf eine Weltkarte und erkennt im Falle des Fortschritts, dass sich die Erdkugel mit weiteren kleinen Leveln nach und nach füllt, die Herausforderungen scheinen in der Tat überhaupt kein Ende nehmen zu wollen. Des Weiteren ist es wichtig, Kommunikationssatelliten zu aktivieren, um den Weg zu nachfolgenden Abschnitten zu ebnen beziehungsweise freizuschalten. Grundsätzlich ist der Spielverlauf nicht streng-linear, Ihr könnt Euch die Reihenfolge der zu absolvierenden Missionen selber aussuchen, jedoch gibt es am Anfang nur sehr wenig Orte, an denen Ihr Euch austoben dürft, doch später werden es ja deutlich mehr.
Es scheint des Öfteren, als würde dieses Zerstörungsspektakel nie ein Ende nehmen wollen, solltet Ihr alle Level auf der Erde geschafft haben, geht es weiter: ohne zuviel verraten zu wollen, kann ich Euch sagen, dass wir per Raumschiff zu den nächstgelegenen Planeten befördert werden, spätestens jetzt erkennen wir, wie wichtig wir inzwischen geworden sind beziehungsweise wie weit oben wir mittlerweile auf der Karriereleiter als Abbruchspezialist stehen. Bevor wir ins All starten, müssen wir einem notgelandeten Shuttle den Weg freiräumen, dann aber steht einem Ausflug zum Mond. Solltet Ihr sowohl auf der Erde als auch auf dem Mond eines Tages tatsächlich alle Goldmedaillen errungen haben (dann seid Ihr übrigens richtig gut), werdet Ihr belohnt und dürft weiteren Planeten in unserem Sonnensystem einen Besuch abstatten: Venus, Merkur, Neptun und Mars warten schon auf uns. Und selbst dann ist noch nicht Schluss, denn es gibt noch eine „Time Challenge“, welche aber immer noch nicht die letzte Stufe darstellt, denn es gibt noch etwas: die zu erringenden Platin-Medaillen. Na dann viel Spaß dabei.
Erstaunlich ist jedenfalls für mich, dass trotz des gewaltigen Umfangs und der grundsätzlichen immer gleichen Spielidee des Zerstörens so gut wie nie spielerische Längen auftreten. Die sehr unterschiedlichen Fahrzeuge und Einsatzorte, das Austüfteln der besten Vorgehensweise, das Kombinieren verschiedener Elemente und nicht zuletzt das Bewertungssystem und die Karriereleiter sorgen für eine sehr hohe Motivation. Wer an diesem Spiel so richtig gefallen gefunden haben und es tatsächlich zu Ende gespielt haben sollte, wird es nach geraumer Zeit wahrscheinlich noch einmal probieren, denn auch der Wiederspielfaktor ist nicht zu unterschätzen.
Wie sieht Blast Corps aus und wie hört es sich an?
In erster Linie sieht Blast Corps gewaltig bunt aus, manchmal sogar fast schon zu bunt. Die pausenlosen Spezialeffekte beim Abreißen der Gebäude und den unzähligen Detonationen sind durchaus sehenswert. Die 3D-Grafik gibt sich trotz des phasenweise sehr hohen Spieltempos, der vielen Objekte und der genannten Effekte kaum eine Blöße, ab und zu ruckelt es zwar, aber als besonders störend empfand ich dies nicht. Etwas unangenehmer empfand ich die Tatsache, dass es manchmal zu unübersichtlich wurde und mir aufgrund des kunterbunten Designs die Augen nach einer gewissen Zeit schon wehtaten. Die Hintergründe sind oft nicht sehr detailliert gezeichnet und vieles sieht ziemlich kantig aus, allerdings reißen wir öfter das entsprechende Gebäude ab, bevor wir richtig sehen können, wie es eigentlich ausgesehen hat, insofern haben wir nicht immer einen ausgiebigen Blick dafür. Von der Optik her haben wir es bei Blast Corps zwar mit keiner Schönheit zu tun, durchschnittlichen Ansprüchen genügt es aber allemal.
Ähnlich sieht es beim Sound aus, wobei ich sagen muss, dass hier die Messlatte etwas höher liegen sollte als üblich, da es sich eben um ein rabiates Actionspiel handelt, bei dem unentwegt die Fetzen fliegen und dies sollte grundsätzlich auch sehr gut hörbar sein. Ist es auch, gar keine Frage, zudem Musik und Soundeffekte zum Geschehen gut passen, doch hätte ich mir zum Beispiel noch mehr unterschiedliche Soundeffekte gewünscht, noch mehr einpeitschende Rhythmen, was die Musikstücke angeht. So aber wiederholen sich die Außengeräusche nach einer gewissen Zeit fast nur noch, da war eventuell noch etwas mehr möglich. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass wir mit sehr vielen unterschiedlichen Fahrzeugen unterwegs sind und zahlreiche völlig grundverschiedene Planeten besuchen, dies hätte man meiner Ansicht nach noch besser in musikalischer Hinsicht untermalen können. Daher ist auch in diesem Punkt nur eine durchschnittliche Bewertung möglich, die Stärken dieses N64-Moduls liegen eindeutig woanders.
Kann ich Euch Blast Corps empfehlen?
Dies kann ich ohne wenn und aber. Ich hoffe, dass die Vorzüge dieses ganz sicher nicht alltäglichen Zerstörungsspektakels in meinem Bericht deutlich geworden sind, doch teilt dieses Art von Actionspiel die Nintendo-64-Gemeinde sicherlich in zwei Lager: entweder man mag so eine Art von Videospiel überhaupt nicht oder man kann sich über alle Maßen für es begeistern, etwas dazwischen gibt es meiner Meinung nach nicht. Darüber müsst Ihr Euch unbedingt klar sein. Gebt jedenfalls nicht auf, solltet Ihr Euch zu Beginn etwas überfordert fühlen, der Lerneffekt ist nach und nach spürbar und spätestens nach den ersten kleinen Erfolgserlebnissen wisst Ihr, ob dieses N64-Modul etwas für Euch ist oder nicht.
Könnt Ihr Euch mit dem Spielprinzip anfreunden und offenbart sich Euch nach und nach die Vielseitigkeit dieses Spiels und merkt Ihr, dass das Aufsteigen im Hinblick auf die Karriereleiter Euch anspornt, ja dann, spätestens dann werdet Ihr Euch des Suchtfaktors nicht mehr erwehren können. Durch den enorm großen Umfang beziehungsweise die Tatsache, dass dieses Spiel einfach nicht enden zu wollen scheint, tut Ihr Euch auf einmal regelmäßig schwer, am späten Abend (oder in der tiefen Nacht oder gar am frühen Morgen) das Joypad aus der Hand zu legen. Schade ist nur, dass ein Multiplayermodus fehlt und auch eine Übersichtskarte habe ich schmerzlich vermisst. Zudem ruckelt die Grafik dezent und die Kollisionsabfrage ist nicht hundertprozentig gelungen, damit haben wir die Negativpunkte aber zum Glück auch abgehakt. Den hohen Schwierigkeitsgrad, wollt Ihr wirklich alle Goldmedaillen (und erst recht Platinmedaillen) erspielen, sollte man dabei auch nicht unerwähnt lassen. Die Vorteile überwiegen aber ganz eindeutig, so dass ich mich mit einer Empfehlung in diesem Fall grundsätzlich sehr leicht tue. Nicht zuletzt ist Blast Corps etwas völlig Anderes, eine ganz andere Art von Spielerlebnis, das Feuerwerk an Innovation hat mich jedenfalls überzeugt. weiterlesen schließen
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