Pro:
spannend, ergreifend geschrieben
Kontra:
etwas zu viel an Handlungssträngen, es könnte wahr sein
Empfehlung:
Ja
Gerade als es auch vor meiner Haustür begonnen hatte zu schneien und recht kalt zu sein, da hatte ich ein neues Buch gekauft. Wenn ich mich auch sehr spontan dafür entschieden hatte, so sollte es mich tatsächlich noch mehr in die Kälte locken, wenn auch in die klirrende Kälte nach Kanada.
= Das Buch =
... habe ich für 9,95 € als genehmigte Lizenzausgabe 2005 vom Weltbild-Verlag gekauft. Es trägt die ISBN 3 – 8289 – 7550 – X und weist 431 Seiten auf.
Unter dem Originaltitel „Forty Words for Sorrow ist es im Jahr 2000 im Random House Canada erschienen. Die deutsche Erstausgabe wurde im Jahr 2003 im Droemer Verlag für 19,90 € angeboten. Mittlerweile gibt es auch eine Taschenbuchausgabe.
Das schlichte hellblaue Buch steckt in einem Umschlag. Dieser zeigt eine frostige Landschaft, in der eine Person spazieren geht. Aufgrund der Kleidung (roter Anorak, lilafarbene Hose) tippe ich auf ein junges Mädchen. Man sieht sie nur von hinten.
Auf der Umschlagsrückseite steht eine kurze Inhaltsangabe und der Kommentar von Jonathan Kellerman „Spannung, die einem den Hals zuschnürt“. Die Inhaltsangabe wird auf der vorderen Umschlagklappe erweitert. Auf dem hinteren Gegenpart wird der Autor vorgestellt.
Für die Gestaltung des Covers ist das Studio Höpfner-Thoma in München verantwortlich.
= Der Autor =
... heißt Giles Blunt.
Er wurde im Jahr 1952 in der kanadischen Provinz Ontario geboren. Nach ersten zehn Lebensjahren in Amherstburg zog er mit seiner Familie nach North Bay.
An der Universität von Toronto studierte er Englische Literatur. Danach arbeitete er zunächst als Sozialarbeiter und zog bald nach New York um. Hier verdiente er sich sein Geld zunächst mit Aushilfsjobs.
Seinen Traum von der Schriftstellerei behielt er aber im Auge und schrieb zunächst Drehbücher, beispielsweise für die Serie „Law and Order“. Ein erster Roman von ihm wurde 1989 verlegt, danach folgte das hier vorliegende Buch. Es wurde in Kanada ausgezeichnet und mit ihm gelang damit auch der internationale Durchbruch.
= Der Inhalt des Buches =
Es herrscht eine bittere, winterliche Kälte in der kanadischen Provinzstadt Algonquin Bay. Leider ist dieses nicht nur den Temperaturen zu verdanken, sondern auch einem grausamen Fund. Denn auf einer Insel wird in einem Minenschacht wird die grausam verstümmelte Leiche des dreizehn jährigen Indianermädchens Katie Pine entdeckt, das schon Monate lang auf der Vermisstenliste stand. Nur wenig später gibt es die nächste Vermisstenmeldung.
Detektiv John Cardinal wird mit diesem Fall beauftragt. Er hat jede Menge private Probleme, denn seine Frau ist wegen schwerer Depressionen bereits zum wiederholten Male in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Seine Tochter absolviert ein Kunststudium an der amerikanischen Eliteuniversität in Yale. Das Studium ist kostspielig und Cardinal quält sich mit der Tatsache herum, dass er dieses Studium mit Geld finanziert, das er unredlich an sich genommen hat. Seine Vorgesetzten ahnen irgendwelche „krummen Dinger“ und setzen Cardinal mit Lise Delorme eine ungeliebte Kollegin zur Seite, die den Mordfall mit aufklären und gleichzeitig seine eigene Vergangenheit durchleuchten soll.
Leider bleibt es nicht bei dem einem entsetzlichen Mordfall. Der nächste Leichenfund ist ebenfalls brutal...alles deutet auf einen Psychopaten hin....
= Leseprobe =
Seite 7, Kapitel 1
In Algonqiun Bay wird es früh dunkel. Wer im Februar nachmittags gegen vier zum Airport Hill hinauf- und eine halbe Stunde später wieder hinunterfährt, sieht die Straßen der Stadt wie beleuchtete Rollbahnen unter sich im Dunkeln glitzern. Der sechsundvierzigste Breitengrad an sich liegt eigentlich gar nicht so weit nördlich; man kann viel weiter nördlich immer noch in den Vereinigten Staaten sein, und sogar Englands Hauptstadt London liegt ein paar Grad näher am Nordpol. Aber wir reden hier von Ontario, Kanada und Algonqiun Bay im Februar ist der Inbegriff des Winters: Algonqiun Bay liegt unter einer geschlossenen Schneedecke, in der Stadt geht es ruhig zu, und es ist kalt, eisig kalt.
John Cardinal kam vom Flughafen und war auf dem Weg nach Hause. Er hatte gerade seine Tochter Kelly verabschiedet, die an Bord einer Maschine gegangen war, um über Toronto in die USA zu fliegen. Im Auto roch es noch nach ihr, jedenfalls nach dem Parfüm, das seit kurzem zu ihrem Markenzeichen geworden war: „Rhapsodie“ oder „Ekstase“ oder etwas in der Richtung. Für Cardinal, der nun ohne Frau und Tochter auskommen musste, roch es nach Einsamkeit.
= Meine Meinung =
Wenn man das Buch aufblättert, so liest man unter dem Titel, das Wort „Roman“. Damit denkt man doch an eher nette Unterhaltung...allerdings ist dieses nur auf den ersten Seiten so. Dann wird das Buch zum Krimi und noch etwas später zum Thriller. Wer also einen netten, seichten Roman lesen möchte, der ist hier völlig falsch. Aber schon der Text auf der Innenklappe weist ja auf ein anderes Genre hin, so dass man doch weiß, um was es geht.
Der Anfang des Buches ist so geschrieben, dass man durchaus gefesselt wird und unbedingt weiterlesen möchte. Da ist einfach der sehr gut darstellende Stil von Blunt, der einen umfängt und bannt. Man merkt, dass der Autor vorher Drehbücher geschrieben hat. Die ganz präzise, aber locker zu lesende Darstellung dominiert.
Dann wird man von der ersten Brutalität erwartet. Und die ist schon im wahrsten Sinne des Wortes gewaltig! Es sind sehr grausame Einzelheiten, die hier beschrieben werden. Ob man auch hier wirklich alles so in allen Kleinigkeiten schildern muss, sei dahin gestellt. Es ist sicher ab hier eben kein Roman mehr, sondern mindestens ein Kriminalroman. Ich persönlich würde eher sagen ein Psychothriller, denn ab etwa der Hälfte des Buches kennt man auch den Mörder. Es ist ein gesellschaftlicher Außenseiter, ein Psychopath, der mit Hilfe einer anderen Person sein zweites Ich auslebt. Und das ist sehr grausam...
Man erlebt den Wettlauf der Polizei mit dem weiter agierenden Serienmörder. Wobei man selbst der Polizei immer einen Schritt voraus ist, da man den Mörder ja kennt und durch die Darstellungen von Blunt auch weiß, was dieser als nächstes zu tun gedenkt. Während die Behörden mit vielerlei eigentlich belanglosen Dingen beschäftigt sind, weiß man, dass diese Arbeitsweise durchaus ein neues Opfer fordern kann.
Das Polizeiduo ist, wie so oft, ein Paar aus Mann und Frau. Der Mann ist vordergründig der wohl schwächere Part, da er sich neben der Arbeit auch noch mit seiner kranken Frau beschäftigen muss. Und da ist dann ja auch noch das eventuelle schlechte Gewissen wegen seiner eigenen Straftat, die er möglicherweise zu verantworten hat.
Die Frau ist eine Frau von heute. Single, emanzipiert, felsenfest im Job stehend...aber sich doch ein wenig nach einer Partnerschaft und einem zärtlichen Mann sehnend. Aber der Mann, der sie interessieren könnte, ist eben ihr beruflicher Partner und auch noch der Mann, den sie eigentlich der Korruption überführen soll.
Das Buch ist wirklich sehr flüssig, beeindruckend und spannend zu lesen. Allerdings packt mir der Autor doch ein bisschen arg viel in ein einziges Werk.
Ein Kriminologe, der korrupt ist (oder nicht), der eine kranke Frau hat und dessen Tochter weit weg von ihm studiert.
Eine Kriminologin, die beruflich erfolgreich ist, aber die undankbare Aufgabe hat, neben der Aufklärung schlimmer Mordfälle auch noch ihren Kollegen zu observieren und wenn möglich diesem ungesetzliche Dinge nachzuweisen.
Einen Mörder, der am Rande der Gesellschaft steht und ein kaum nach zu vollziehbares Denken hat. Einen Mörderhelfer, der genau wenig sozial anerkannt ist und sich deshalb vom Mörder aufgewertet fühlt, aber trotzdem nicht zufrieden ist.
Ein Polizeiapparat, der Spannungen in sich trägt und in dem so einiges nicht stimmt, auch wenn die Vorgesetzten immer autoritär, wenn auch ungerecht und teilweise unfähig sind.
Verbrechen in brutalster Art und Weise an Kinder und Jugendliche, wie sie leider durchaus möglich sein können.
Es handelt sich hier um ein Buch, das ich gebannt gelesen habe und das ich durchaus an Fans von Psychothrillern verschenken würde.
Aber ich ziehe einen Bewertungsstern ab, weil Blunt einfach ein bisschen viel wollte. Es hätte der Geschichte keinen Abbruch getan, wenn John Cardinal einfach glücklich verheiratet gewesen wäre und auch absolut korrekt ohne Fehlleitungen seinen Job gemacht hätte. Der Rest der Geschichte wäre immer noch mehr als ausreichend für ein spannendes Werk gewesen.
Vielen Dank für`s Lesen, Bewerten und Kommentieren, Bavaria
Für Yopi und Ciao weiterlesen schließen
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