Pro:
unbeschreibliche Farbenpracht
Kontra:
sonniger Platz erforderlich
Empfehlung:
Ja
<< Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn! >>
(Johann Wolfgang von Goethe – Italienreise)
Ach, und er hat sie vergessen aufzuzählen, neben Zitrone, Lorbeer und Myrthen gibt es ja noch die prächtigen Bougainvilleen! Pink, rot, orange, weiß, gelb – in allen Größen, Farbvarianten und Schattierungen, gefüllt und ungefüllt – ich liebe sie!
Lieben allein erreicht aber noch lange nicht, um diese wunderschöne Rankpflanze erfolgreich zu kultivieren. Anfangs habe ich eine Menge verkehrt gemacht, dabei ist es aber gar nicht so schwer, mediterranes Flair auf dem Balkon oder im Blumenfenster zu erzeugen.
Damit Euch das gelingt, schreibe ich Euch, nachdem ich die Pflanze vorgestellt habe, meine Tipps und Tricks auf, mit denen Ihr hoffentlich viel Erfolg mit der Pflanze habt.
Bougainvillea
Eigentlich ist die Bougainvillea eine rassige Brasilianerin! Und damit habe ich Euch schon ihre Heimat – Südamerika – verraten. Und dass sie zur Gattung der Wunderblumengewächse gehört, glaubt man ihr sofort!
Ich habe einen ganz tollen Link für Euch, wo Ihr sie erst einmal ansehen könnt, nämlich
http://komaluyo.com/bougainvillea.htm
Ihr braucht die fehlende japanische Schriftart NICHT herunterladen, es geht ja nur um die Bilder. Also, mal fix dorthin schauen, es lohnt sich wirklich, denn erst dort erkennt Ihr die ganze Pracht dieser phantastischen Pflanze!
Ich denke, ich habe nicht zu viel versprochen, aber nun die weiteren Infos:
Lateinischer Name und seine Entstehung
Bougainvillea glabra / Bougainvillea spectabilis
Die Bouginvillea (es gibt 20 verschiedene Arten) erhielt ihren Namen von dem Wissenschaftler Louis Antoine de Bougainville. Nach ihm benannt wurde übrigens nicht nur die Pflanze, sondern auch noch Bougainville, die größte Insel der Salomonen östlich von Neu-Guinea. Er segelte im Jahre 1766 los zu einer Weltumkreisung (es gibt von ihm dazu einen zweibändigen Bericht) und entdeckte – nicht Amerika *lach* – sondern daselbst in den tropischen und subtropischen Wäldern wunderschöne Klettersträucher.
Die Blüten
sind in Wirklichkeit gar keine – die phantastisch bunten Hochblättern (daher auch der Name Drillingsblume), die die eigentliche unscheinbare Blüte umgeben (ähnlich wie beim Weihnachtsstern) sind verantwortlich für die Farbenpracht der Pflanze. Die Blütenfarbe variiert von weiß über gelb, orange und rot zu violett. Ich verweise noch mal auf meinen obigen Link – hier sind herrliche Farben zu sehen.
Die Blüten erscheinen vom Juni bis zum Spätherbst, natürlich nur bei richtiger Pflege, zu der ich aber gleich komme.
Verblühtes muss übrigens nur bei den gefüllten Sorten ausgezupft werden – dort aber unbedingt!
Die Pflanze
Ist ein Kletterstrauch mit spitzen Dornen, die ziemlich schmerzhaft stechen und kratzen können.
In südlichen Ländern entwickeln sie meterlange Ranken (5 – 6 Meter sind keine Seltenheit), die Mauern und Gebäude überziehen. Der Anblick ist überwältigend!
Auch bei uns können sich, wenn die Voraussetzungen stimmen, schnell lange Ranken entwickeln, die man am besten an einer sonnigen Südwand emporklimmen lässt. Dass dabei ein ziemlich sparriges Gebilde entsteht, dass man platzmäßig so im Winter nicht mehr unterbringen kann, ist kein Problem – man kann sie rigoros zurückschneiden.
Die Bougainvillea hat glänzende grüne Blätter – von der Form vielleicht vergleichbar mit Zitrusgewächsen, aber kleiner. Die Blätter sind durchaus schmückend zu nennen, aber sobald die Pflanze richtig in Schwung gekommen ist und blüht, sieht man von ihnen absolut gar nichts mehr!
Die Pflege
1. Erde
Meine Bougainvilleen sitzen in ganz normaler Pflanzenerde und ich habe – da ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe – auch noch keine Mischung (empfohlen wir Torf, lehmiger Erde, Sand und Einheitserde) probiert. Mindestens alle 2 Jahre topfe ich um, damit ich richtig große Exemplare bekomme.
2. Düngung
Ohne Nahrung wächst die Bougainvillea recht kümmerlich, deshalb sollte mindestens einmal in zwei Wochen ein ganz normaler Blühpflanzendünger gegeben werden.
3. Standort
Im Sommer sollte die Pflanze möglichst draußen stehen, da fühlt sie sich am wohlsten.
Ihre Ansprüche sollte dabei aber unbedingt erfüllen: vollsonnig, windgeschützt und möglichst an einer Südwand, die obendrein noch Wärme reflektieren kann. Es kann nicht heiß genug sein! . Fühlt sich die Pflanze wohl, rankt sie schnell. Eine Kletterhilfe ist dabei recht nützlich und wenn man nicht aufpasst, sind die Ranken schnell unkontrolliert sonstwohin gekrochen (sie trägt sich nicht selbst) und das Ordnen tut dann weh, sie stechen doch ziemlich
4. Gießen
Ich empfehle Euch (es gibt unterschiedliche Meinungen) reichlich zu gießen. Wichtig ist, dass kein Wasser im Untersetzer lange stehen bleibt, lieber häufiger gießen. So gefährlich Staunässe auch ist – austrocknen darf der Wurzelballen aber auf keinen Fall! Für die Pflanze an sich ist das zwar gar nicht so schlimm, aber Blüten gibt es dann eben keine.
5. Schnitt
Ein kräftiger Rückschnitt ist meist erforderlich, bevor die Pflanze zum Überwintern hereingeholt wird, denn erstens sind die langen Ranken mit Sicherheit im Weg, zum anderen wirft sie eh meist die Blätter ab.
Im Blumenladen bekommt man manchmal Hochstämmchen zu kaufen – ich selber mag diese bei Bougainvilleen gar nicht so sehr, da es mich immer dauert, die schönen Ranken einzukürzen.
6. Anzucht
Die Anzucht von Bougainvilleen kann man durchaus als schwierig bezeichnen. Farbenprächtige Stecklinge der herrlichen Pflanzen habe ich mir aus dem Süden mitgebracht und zunächst ohne jeden Erfolg zu bewurzeln versucht. Ich erspare Euch die Beschreibung der misslungenen Experimente und schreibe auf, wie es gelingen kann:
· neu getriebene lange Ranken verwenden (die lassen sich auch gut mausen *schäm*), ich hatte immer zwischen 30 – 40 cm lange, mit holzigen hatte ich nie Glück
· unbedingt Bewurzelungspulver (Hormone) verwenden! Wer es probieren möchte, kann unter http://www.pflanzen.onlinehome.de/pflege/vvermehr.htm bei vegetativer Vermehrung schauen.
· Die Stecklinge müssen in ganz warmen Substrat stehen – 25 °C sind gerade recht! Im idealsten wäre das natürlich gleich im Urlaubsland und nicht zurück im verregneten Deutschland.
· Geduld aufbringen!!! Es kann wirklich Monate dauern, bis so ein Steckling angewurzelt ist!
7. Überwinterung
Man braucht das Einräumen im Herbst nicht zu überstürzen, selbst einen leichten Frost vertragen die Pflanzen, aber nur kurzzeitig. Ich hole sie meist herein, wenn der erste ungemütlich kalte Herbsttag da ist und man den Frost schon schnuppern kann.
Als Überwinterungstemperatur sind 2 – 10° C empfohlen. Sie möchte hell stehen, aber wenn die Blätter ohnehin schon abgefallen sind, kann sie auch kühl und dunkel stehen.
Die kühle Überwinterung ist wichtig für eine schöne Blüte im kommenden Jahr.
Meinen Pflanzen kann ich leider nur ein wärmeres Winterquartier bieten; sie stehen in einem Blumenfenster, in dem sicher 16° – 18 ° C herrschen. Trotz Helligkeit und vorsichtigem Gießen werfen sie meist alle Blätter ab. Der Anblick der kahlen holzigen Pflanzen ist allerdings nicht so berauschend +lach+ Danach bleiben sie ziemlich trocken stehen (so alle 3 – 4 Wochen mal etwas gießen). Trotz dieser viel wärmeren Überwinterung als empfohlen, blühen sie gut.
Im Frühjahr dann wieder vorsichtig mehr gießen, evtl. heller stellen und nach den Eisheiligen wieder raus – ranken lassen und sich auf die Blütenpracht freuen! Ab Juli – so in unseren Gefilden – ist es dann wieder soweit.
8. Schädlinge
hatten meine Pflanzen noch nie
9. Erste Hilfe bei Pflegefehlern
Da habe ich einige Erfahrungen machen müssen. Eine Pflanze, die vergessen wurde zu gießen, sieht aus wie eingegangen. Voreilige werfen so eine Pflanze meist weg, aber man kann noch versuchen sie zu retten, indem man sie einfach regelmäßig weitergießt. Auch hier wichtig: Staunässe vermeiden. Ich habe erlebt, dass die Pflanze (ich habe sie eher aus Verdruss mitgegossen) nach ein paar Wochen wieder ausgetrieben hat. Allerdings waren die langen Ranken tatsächlich „hinüber“, aber an der Basis hat sie wieder fleißig ausgetrieben und es mir auch nicht übelgenommen. Auch scheinbar „ausgewinterte“ Pflanzen erholen sich wieder.
Tipp:
Wer nur einen warmen Überwinterungsplatz zur Verfügung hat, kann einen Gärtnertipp probieren. Man gibt die Pflanze zunächst in eine kurze Ruhephase, wo sie recht kühl, unbedingt trocken und hell stehen muss – so ein Plätzchen müsste für 4 Wochen zu finden sein. Danach stellt man sie ins Warme und gießt regelmäßig. Sie treibt aus und wird blühen! Ich habe dabei aber immer ein wenig Bedenken, dass ich die Pflanze zu sehr strapaziere und würde es nicht laufend bzw. mit allen Pflanzen empfehlen. Für einen besonderen Anlass aber kann man es ruhig einmal probieren.
FazitDiese rassige Brasilianerin kann ich allen empfehlen, die ein wenig mediterranes Flair auf den Balkon zaubern möchten. Große Pflanzen sind nicht unbedingt preiswert, aber man kann durchaus auch kleine preiswertere Pflanzen z.B. im Baumarkt kaufen. Bei richtiger Pflege wachsen sie sehr schnell!
Die Bougainvillea ist eine dankbare Kübelpflanze, mit der auch Anfänger (nach meine guten Tipps *lach*) prima zurecht kommen müssten.
Und noch ein letzter Tipp: Möchte man den Bougainvillen-Sommer einfangen, kann man auch ein wenig von der Blütenpracht abzupfen und trocknen – in eine Schale gelegt ist sie auch im Winter noch ein herrlicher Farbtupfer in der Wohnung! (Auch für Blüten aus dem Urlaub bestens geeignet!)
Einen recht schönen blütenreichen Sommer wünscht Euch
(c) Corni weiterlesen schließen
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