Pro:
Interessantes Grundthema
Kontra:
kitsch as kitsch can: es gibt wieder einen Helden und eine Traumfrau | oberflächlich, viel Action, ausladende Schreibweise
Empfehlung:
Nein
*Schon wieder ein Dan Brown?* fragte ich meinen Kollegen, als er mir kurz vor Weihnachten 2004 den neuen Roman *Diabolus* unter die Nase hielt. *Der wird ja langsam zum Groschenroman-Schreiber. Leidet darunter nicht die Qualität?*
*Ist doch egal, Mädle, der Schinken erscheint erst in drei Monaten und du kannst ihn vorher lesen. Darauf stehst du doch, oder?*
Grinsend nahm ich das dicke Buch entgegen. Klar, darauf stehe ich...
Fakten
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Titel: Diabolus
Autorin: Dan Brown
Verlag: Lübbe
ISBN (TB): 3785721943
Seiten: 524
Preis: 19,90 EUR
Die wichtigsten Personen
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Susan Fletcher (= Superwoman) war in ihrer Teenagerzeit das hässliche Entlein, dass sich inzwischen zur Traumfrau entwickelt hat: groß, schlank, feste, volle Brüste und wunderbar flacher Bauch. Und - so betont der Autor mehrmals - sie ist nicht nur schön, sondern auch intelligent. Mit einem Mathematikdiplom in der Tasche erhielt sie ein Stipendium und legte ihre Doktorarbeit vor: Kryptographischen Methoden, Protokolle und Algorithmen für manuelle Anwendungen. Dadurch wurde sie für die NSA (National Security Agency) interessant, bei der sie inzwischen eine Abteilungsleiterstelle inne hat.
David Becker - der Superman dieses Romans - ist Professor an der Georgetown Universität und Spezialist für Fremdsprachen. Natürlich besitzt er ein angeborenes fotografisches Gedächtnis und spricht sechs asiatische Idiome sowie Spanisch, Französisch, Italienisch und Deutsch fließend. Außerdem sieht er sehr gut aus und zieht die bewundernden Blicke aller Frauen auf sich. Er ist sportlich, charmant - kurz ein Traummann - Dan Browns Heldenfigur.
Commander Trevor Strathmore (56) ist Vizechef der NSA und für Susan so etwas wie ein Vater. Er ist Patriot und Visionär und seinem Land, der NSA und seinem Traum von Ehre völlig ergeben. Doch schon bald merkt der Leser, das nicht alles, was golden glänzt, auch golden ist. Strathmores Ehe steht vor dem Aus, seine weiße Weste hat vor Jahren einen kleinen Fleck bekommen, den er bis heute nicht ganz reinwaschen konnte. Deshalb hofft er, durch eine *kleine, private, eigenmächtige Aktion* einen *großen Coup* zu landen, der ihm Ansehen und Ruhm bringt, damit er endlich die Frau für sich gewinnen kann, die er schon seit Jahren liebt... Susan...
Greg Hale ist ein kleiner schmieriger, arroganter Kryptograph, von dem der Leser glauben soll, er sei der *Böse* in diesem Spiel.
Midge Milken - die Frau, die für die Sicherheit bei NSA zuständig ist und die Aufgabe hat, in jedem und in allem eine Gefahr zu wittern. Sie soll zusätzlich Spannung in den Roman bringen. Der Leser soll den Eindruck bekommen, Sie würde irgendwann in das Geschehen eingreifen.
Hulohot ist ein ein skrupelloser Auftragskiller, der sich an David Beckers Fersen hängt. Sein auffälliges Merkmal: Er ist taub! [Siehe Hinweis Seite 416]
Ensai Tankado, der zwar schon auf der ersten Seite stirbt, spielt im Laufe des Romans immer wieder eine maßgebliche Rolle. Er hat einen Ring, in dem ein wichtiger Dechiffriercode eingraviert ist, in den letzten Sekunden seines Lebens an eine fremde Person weiter gegeben. Er ist der Mann, der die Welt vor der *totalen Überwachung* retten will.
Inhalt
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Susan Fletcher und David Becker wollten eigentlich ein romantisches Wochenende verbringen. Doch es kommt anders als erwartet. Commander Strathmore schickt David Becker nach Spanien, wo er alle Habseligkeiten des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Ensai Tankado in Gewahrsam nehmen soll. Schon bald merkt David, dass es sich hierbei vor allem um Tankados Ring handelt, auf den es Strathmore abgesehen hat. In diesem Ring ist ein Code eingraviert, der für die nationale Sicherheit von großer Bedeutung ist.
Susan hingegen wird zur NSA gerufen. Es ist ein *Notfall* eingetreten, der unvorstellbares Ausmaß haben kann. Die NSA ist das wichtigste Glied des amerikanischen Geheimdienstes. Die Abteilung überwacht den sogenannten TRANSLTR, ein Supercomputer, der alles decodieren kann, was es auf der Welt zu decodieren gibt. Und das in kürzester Zeit. Er durchforstet ununterbrochen das Internet nach verdächtigen Daten, um sie in kürzester Zeit zu dechiffrieren. Kein fremder Geheimdienst, kein Terrornetzwerk ist vor diesem Supercomputer sicher. Doch leider auch kein anderer Internet-User. So entziffert der TRANSLTR auch jede Privatmail. Keine Hausfrau, kein Privatmann, kein Handwerker, kein Finanzbeamter ist mehr sicher vor diesem *Regierungsschnüffler*.
Ensai Tankado möchte, dass die Öffentlichkeit von der Existenz des TRANSLTR erfährt. Er möchte, dass jeder Amerikaner, nein, dass alle Menschen dieser Welt erfahren, dass sie jederzeit überwacht werden können. Sein Motto: *Wer überwacht den Wächter?* - Deshalb behauptet er, einen Code namens *Diabolus* erfunden zu haben, den der TRANSLTR nicht knacken kann. Und an diesem Code rechnet der TRANSLTR nun schon seit vielen, vielen Stunden herum. Es sieht ganz so aus, als würde das komplette geheime Datennetz der NSA in wenigen Stunden der ganzen Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Sämtliche Daten der Geheimdienste (Namen von Agenten, Daten von Geheimoperationen etc.) können bald von jedem Internet-User problemlos runtergeladen werden.
Nur Susan Fletcher und David Becker können diese Katastrophe verhindern...
Liebe Leser, die dieses Buch schon kennen...
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[ Wer dieses Buch bereits gelesen hat, soll sich bitte nicht wundern, dass ich manche Dinge *wohl etwas verdreht* habe. Aber ich wollte nicht zu viel verraten, und habe deshalb manche Details unter den Tisch fallen lassen oder bewusst *verdreht*. Mir ist natürlich klar, dass der Code kein Code ist, aber wäre es fair, hier den wahren Hintergrund darzulegen und somit dem interessierten Leser die Spannung zu nehmen? Also bitte, liebe Leser, die dieses Buch schon kennen: habt Nachsicht mit der nicht ganz *einwandfreien* Inhaltsangabe....]
Liebe Interessierte, die dieses Buch noch lesen wollen...
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...meine Meinung:
Wer Dan Browns Schreibstil bereits kennt, weiß, dass er sehr ausladend und überzogen schreibt. Seine Beschreibung von Personen und Orten sind sehr ausführlich und - wie ich finde - teilweise ziemlich übertrieben. So beschreibt er z.B. computer-technische Dinge oft mehrmals, was spätestens nach dem dritten Mal langweilig wird. Außerdem gibt es in jedem Buch - à la James-Bond-Manier - einen Helden und die passende Heldin dazu. Auch diesmal hat Dan Brown wieder in die Vollen gelangt...
David Becker ist der Held, der alles kann. Er spricht sämtliche Sprachen fließend, ist sportlich und gutaussehend, und meistert jedes Problem mit Bravour. Spätestens hier wird der kritische Leser stutzig. Wo gibt es diesen Universitätsprofessor, der mit jeder brenzligen Situation fertig wird und sogar dem Autofahrer entkommt, der auf ihn schießt, während er selbst auf einem kleinen Roller durch Spanien rast? Nun, die Antwort ist klar: nur bei Dan Brown!
Susan Fletcher wird noch verhältnismäßig harmlos dargestellt. Sie ist *Superwoman* - langbeinig, vollbusig und trotzdem intelligent etc. -, die zuhause um ihren Liebsten bangt, während sie nebenbei versucht, die Hintergründe des TRANSLTR-Ausfalls zu ergründen. Etwas naiv kommt mir die Heldin diese Buches diesmal vor. Oder bin ich von Vittoria Vetra (Anmerkung: Heldin aus *Illuminati*) und Sophie Neveu (Anmerkung: Heldin aus *Sakrileg*) verwöhnt, die beide ihre Aufgaben mit Intelligenz und Scharfsinn lösten? Susan Fletcher ist eher das *Naivchen*, dass sich ein *X* für ein *U* vormachen lässt und die Dinge nicht hinterfragt, sondern blauäugig in ihr Verderben rennt. So ahnt der Leser schon lange vor ihr, wer die Fäden in der Hand hat. Doch vielleicht ist das vom Autor beabsichtigt?! Vielleicht will Dan Brown dem Leser ein Gefühl der Überheblichkeit geben, nach dem Motto: *Ich hab’s doch gleich gewusst. Ich bin viel klüger und gerissener als die Typen in diesem Buch.*
Doch an einer Stelle zweifelt der Dan Brown wohl an der Intelligenz seiner Leser. So betont er mehrmals, dass Hulohot (um Himmelswillen, was ist das für ein Name???) völlig taub ist!! Doch auf Seite 428 schreibt er plötzlich: *Hulohot hörte Becker einen Wendel tiefer auf die Treppe fallen.* Bitte? Der taube Auftragskiller HÖRT sein Opfer fallen????? Hat der Autor seine eigenen Romanfiguren aus den Augen verloren? Oder können wir diesen Fehler dem Übersetzer in die Schuhe schieben?
Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte und mich mein Kollege fragte, wie es mir gefallen hätte, antwortete ich: *KV - kannste vergessen.* Doch damit ließ er sich natürlich nicht abspeisen und forderte eine Begründung. Mein erstes Argument lautete: *Ist mir zu viel Computer-Quatsch. Das ist nicht nach meinem Geschmack.* In Browns *Illuminati* hat mich das Thema um die geheimen Machenschaften des Vatikan interessiert, auch wenn ich mit der *Antimaterie* nichts anfangen konnte. Bei *Sakrileg* reizte mich das Geheimnis des *Heiligen Grals* und die Frage, ob Jesus verheiratet war. Doch das Thema *Computercodes* in *Diabolus* war mir doch zu sehr Science-Fiction. Natürlich fehlt mir das Wissen, um die computertechnischen Behauptungen des Autors zu widerlegen, aber ich möchte doch bezweifeln, dass er viel Ahnung von dieser Materie hat. Die Beschreibungen klangen eher nach einem Hobby-Hacker als nach einem Computerfachmann, der für den amerikanischen Geheimdienst arbeitet.
Es gab nur eine Sache, die mir an diesem Roman gefiel: die Idee, die dahinter steckt. Es geht schließlich darum, dass die Welt überwacht werden soll und die Frage ist, wie weit das einen Eingriff in unser Leben bedeutet. Dieses Thema ist heutzutage aktueller den je. Doch verstand ich nicht ganz, in welche Richtung Dan Brown tendiert. Er verteidigt meiner Meinung nach zu sehr das Überwachungssystem und es entsteht der Eindruck, als ob er es gutheißt, dass die USA an alle persönlichen Daten der Menschheit gelangen kann. Mir persönlich war Ensai Tankado sympathisch, weil er den Einwand *Wer überwacht den Wächter?* in den Raum stellte. Wäre es gut, wenn ein Land/eine Institution die alleinige Macht über alle Daten hätte? Was wäre passiert, wenn *Diabolus* wirklich jedem Internet-User die geheimen Daten der ganzen Welt offen gelegt hätte? Können wir - die Leser - dieses Ausmaß überhaupt erfassen? Kann es der Autor???
Doch das sind wohl sehr tiegfreifende Gedanken, die ich unter normalen Umständen überhaupt nicht hätte. Wenn ich keine Ciao-/Yopi-/Dooyoo-Autorin wäre, hätte ich das Buch nach dem Lesen - ohne einen Gedanken zu verschwenden - weggelegt. Ich hätte es als oberflächlichen Science-Fiction-Roman abgetan, in dem in James-Bond-Manier diverse Schießereien, Verfolgungsjagden und Explosionen im Mittelpunkt stehen. Einen tieferen und interessanteren Hintergrund lässt Dan Brown leider im Sande verlaufen. Deshalb fällt meine Beurteilung zu diesem Buch ziemlich negativ aus.
Fazit
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Wer auf Science-Fiction und Action steht, kann sich *Diabolus* von Dan Brown gerne *antun*. Mir persönlich fehlt das tiefgreifende Hinterfragen - die kritische Auseinandersetzung mit dem Satz *Wer überwacht den Wächter?*. Dan Browns Schreibstil ist - wie immer - extrem detailiert, fast auslandend und übertrieben genau. Es gibt wieder einen Helden und natürlich auch eine Heldin (was ich ziemlich kitschig und *abgelatscht* finde), die diesmal jedoch ziemlich naiv wirkt. Das Thema rund um Computerviren und -codes interessiert mich nicht, was sicherlich dazu beigetragen hat, dass mir dieser Dan Brown-Roman nicht gefiel.
Mein Tipp: Wer *Illuminati* gelesen hat, sollte *Sakrileg* lesen. Wer *Sakrileg* gelesen hat, kann *Diabolus* getrost im Bücherregal stehen lassen.
Deshalb: Nur 1 Stern.
In diesem Sinne... alles bleibt anders... Eure Dotti weiterlesen schließen
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