Pro:
tw. witzig und spannend,
Kontra:
zu viele Hintergrundinfos, tw. langatmig und langweilig
Empfehlung:
Nein
Hallo Leute,
neben Reisen, die ich selbst mache, bin ich auch ein Fan von Reiseerlebnisbüchern. Etwa vor einem Jahr sah ich dann eine zweiteilige Dokumentation über den „Appalachian Trail“ und seitdem habe ich irgendwie den verrückten Wunsch, diesen ewig langen Weg einmal zu gehen. Daher habe ich mich bei Amazon mal schlau gemacht, welche Literatur es dazu gibt und ich muss sagen, grundsätzlich einmal absolut enttäuschend, denn das einzige deutschsprachige Buch über diesen Wanderweg war
PICKNICK MIT BÄREN
von Bill Bryson. Da ich zwar fließend Englisch spreche, aber dennoch mal in meiner Sprache über den Weg lesen wollte, bestellte ich es also und hoffte auf das Beste. Die Bewertung war ziemlich gut und auch die Beschreibung klang vielversprechend. Außerdem gab es eine kurze Leseprobe, die ziemlich anregend war und da auch noch der Preis okay war, freute ich mich auf das Buch, das angeblich lange in den USA auf den Bestsellerlisten stand.
KLAPPTEXT
Bill Bryson will es seinen gehfaulen amerikanischen Landsleuten zeigen. Gemeinsam mit seinem Freund Katz plant er, den längsten Fußweg der Welt, den „Appalachian Trail“ zu bezwingen. Durch vierzehn Bundesstaaten der USA soll die Reise gehen und den Wanderern die großartigsten Naturschönheiten des Landes bescheren. Doch lauern allerhand Gefahren im Dickicht und die beiden können sich auf so manche Überraschung gefasst machen.
Ein Reisebericht der etwas anderen Art - humorvoll, selbstironisch und mit einem scharfen Blick für die Marotten von Menschen und Bären.
„Der Leser wird sich dabei ertappen, wie er die Seiten mit wachsender Begeisterung verschlingt, denn er befindet sich in den Händen eines Satirikers ersten Ranges“ The New York Times Book Review
„Bill Bryson ist ein Naturwunder“ Sunday Times.
Hier fallen gleich mal zwei Fehler auf:
1) Der Appalachian Trail ist zwar ein langer Fußweg, der längste ist er allerdings nicht. Wie lang er genau ist, das weiß man gar nicht, es werden Zahlen von 3.450 bis 3.559 angegeben. Auf Wikipedia steht 3.440 km, das ist vermutlich ziemlich falsch. Derzeit wird auf der offiziellen Website der Wert 2.180 Meilen angegeben, was einer Kilometerlänge von 3.508,37 betragen wurde. Der längste Wanderweg der Welt allerdings ist der Trans Canada Trail mit seinen 18.078 Kilometer, dagegen erscheint der Appalachian Trail wie ein Spaziergang.
2) Die Marotten von Bären konnte Bill in seinem Buch auf keinen Fall beschreiben, denn er hat keinen einzigen gesehen. Klar, er hat sich im Vorfeld Sorgen darum gemacht, aber dennoch hat er keinen zu Gesicht bekommen und daher ist der deutsche Titel absolut irreführend und unpassend. Der Originaltitel „A walk in the woods“ passt da auf alle Fälle besser.
INHALT
Kurz nachdem der Autor mit seiner Familie von Großbritannien nach New Hampshire gezogen war, entdeckte er durch Zufall einen Wanderweg, der sich am Ortseingang in einem Wald verlor. Ein Schild erklärte, dass es sich hierbei um den Appalachian Trail handelt, also dem berühmtesten Weitwanderweg der USA.
Von diesem Tag an träumte er, wie es wäre, einfach von zu Hause aufzubrechen und entweder die 700 Kilometer nach Norden zu wandern oder doch die 2.800 Kilometer in Richtung Süden. Bill legte sich eine Liste zusammen, warum er das wohl machen sollte und kam schließlich zu dem Schluss „Ich mache es einfach“. Schnell teilte er Freunden und Verwandten mit, dass sein nächstes Abenteuer in Planung sei und sogar seinen Verlag informierte er selbstsicher, dass ein neues Buch im entstehen sei. Je mehr die Vorbereitungen aber voranschritten, desto schwieriger schien die Lage zu werden. Die Wälder waren voller gefährlichen Tieren, vor Klapperschlangen, Rotluchsen, Kojeten, Wölfen und vor allem Bären musste man sich auf jeden Fall in Acht nehmen. Außerdem gibt es oft keine Hotels weit und breit und das Schlafen in den sogenannten Shelter, einer dreiwandigen Holzkonstruktion kann keinen Spaß machen mit 10 anderen Wanderern und fünfmal so vielen Mäusen. Der Rucksack würde schwer werden, die Füße noch viel schwerer und der Hunger wäre kaum auszuhalten. Dann wären noch diverse Krankheiten, Unfallgefahren und natürlich die Mörder, denn seit 1974 sind mindestens neun Wanderer auf dem AT, wie er unter Kennern genannt wird, ums Leben gekommen.
„Es würde schon nicht so schlimm werden, redete ich mir ein. Aber insgeheim wusste ich, dass ich mich gründlich irrte.“ war der Abschlusssatz des ersten Kapitels und wie sich dieser Irrtum entwickelte, das beschreibt Bryson im weiteren Verlauf.
Die Suche nach einem Partner begann, aber jeder, den Bill fragte, hatte gerade jetzt keine Zeit für das Abenteuer. Außer einem - Katz, ein theoretischer Freund, den Bryson seit 25 Jahren nicht mehr gesehen hatte und dessen Lebenswelt sich ganz deutlich von Bills unterschied. Dem allerdings war es egal, ob Katz noch immer wie ein Besinnungsloser trank oder auf welchen Drogen er gerade war. Er musste nicht alleine gehen und darüber war er heilfroh.
War Bill schon nicht unbedingt gut bei Fuß, so war es Katz noch weniger, dennoch machten sich die beiden auf dem Weg. Blicke der anderen Wanderer und der Lodgebesitzer ließen hier schon ahnen, dass es schwer werden würde, es bis zum Mount Kathadin zu schaffen.
Wir begleiten Bill und Katz also durch die Wälder, über Felsen, Flüsse und Wurzeln. Wir lernen, dass Schweigen manches Mal wirklich Gold ist, dass unnötige Ausrüstung eine Qual darstellt und dass es gar nicht so einfach ist, zu zweit zu laufen, wenn jeder sein eigenes Tempo hat.
Und so wanderten sie. Berge hinauf, durch verlassene Senken, entlang einsamer Gebirgskämme, mit Aussicht auf noch mehr Gebirgskämme, über grasgrüne, kahle Bergkuppen und Kilometer um Kilometer durch dunklen, tiefen, einsamen Wald, auf dem knapp einen halben Meter breiten Pfad. Sie wanderten und wanderten, redeten kaum, aßen wenig und schliefen schlecht.
Dennoch war es recht lustig zu lesen, was die beiden so erlebten, wen sie kennenlernten und wie sie die eine oder andere Hürde meisterten.
Bei Seite 198 allerdings war zu meiner Überraschung Schluss und es folgte ein 2. Teil. Erst hier wurde mir bewusst, dass der gute Bill Bryson gar nicht den ganzen Weg gegangen war. Nach 800 Kilometern war für beide in Front Royal Schluss, sie wollten 4 Wochen aussetzen, damit Bill sein neues Buch promoten konnte.
Von nun an begleiten wir Bill ab Anfang Juni immer auf kleinen Etappen auf den Appalachian Trail, er ging mal hier, mal dort, einmal mit Auto, einmal ohne, aber immer nur ein paar Tage. Unter anderem war er auch auf dem Mount Washington unterwegs, auf dem ich selbst schon einmal gestanden bin und diese Passage habe ich sehr gerne gelesen.
Später im August allerdings kam Katz wieder und die beiden Wanderer wollten sich hoch im Norden aufmachen und die „Hundred-Mile-Wilderness“ in Maine durchwandern. Die meisten brauchen eine Woche bis zehn Tage, um die Wildnis zu durchqueren, die beiden wollten sich zwei Wochen Zeit lassen. Eine Nacht hatten sie durchgehalten, dann kam die allesentscheidende Unterhaltung: „Willst du nach Hause?“ - „Ja“ - „Ich auch“.
Katz und Bill beschlossen, nicht länger so zu tun, als wären sie Bergmenschen und die Quälerei sein zu lassen. Sie bekamen - wie übrigens 80 % derer, die am Springer Mountain in Georgia starten, den Mount Katahdin in Maine nie zu Gesicht.
KRITIK
Ich war gelinde gesagt überrascht, als ich dahinterkam, dass es sich hier nur um ein paar Erzählungen von Erlebnissen auf dem Appalachian Trail handelt und dass Bill und Katz nicht den gesamten Weg gegangen sind. Davon bin ich ganz stark ausgegangen.
Bryson versucht Witz mit Information zu verbinden, was ihm aber nur phasenweise gelingt. Viele Stellen sind sehr langatmig, wenn nicht sogar langweilig und im Grunde passiert immer wieder das gleiche, Spannung gibt es nur sehr selten, etwa, wie die zwei anfangs im Schneegestöber festsaßen. Klar, es passiert auf so einer Wanderung natürlich vermutlich auch täglich das gleiche, dennoch muss es meiner Meinung nach abenteuerlicher verpackt werden. Oft dauerte es mehrere Seiten, bis ich überhaupt wieder zur Handlung zurückfand. Im Grunde bleibt die Geschichte auf der Strecke und das finde ich doch sehr schade.
Der Autor versucht zwar, kritisch seinen Landsbürgern gegenüber zu sein, aber für Europäer ist das meiste nicht neu. Ja, der Wald besteht aus Bäumen, ja, Umweltschutz ist wichtig, ja, Müll sollte man wirklich nicht wegwerfen.
Enttäuschend war für mich, dass Bryson uns sehr wenig an seinen persönlichen Gedanken, die er sich auf dem Weg machte, teilhaben lässt. Er füttert uns mit Informationen über Geschichte und Entwicklung, die sich niemand merken kann, aber von tiefen Erkenntnissen ist hier nichts zu lesen.
Witzig allerdings ist die Beschreibung von seinem Freund Katz, einem typischen Amerikaner, der der Meinung ist, ein Wanderer zu sein, weil er täglich zu Fuß gehen muss, da sein Wagen gepfändet wurde - und der dahinter kommt, dass er sich vielleicht doch ein wenig überschätzt hat. Interessant ist hier aber vor allem die zwischenmenschliche Beziehung zwischen zwei Menschen, die ehemals beste Freunde waren, nach 25 Jahren allerdings so gut wie gar nichts mehr gemein haben. Die Motive für diese Wanderung können unterschiedlicher nicht sein, das Interesse für die gleichen Dinge teilen sie ebenfalls nicht und im Grunde verstehen sie einander nicht mehr wirklich. Es würde mich überraschen, wenn die beiden heute noch Kontakt hätten.
Das Buch beginnt sehr interessant und witzig, ich konnte mich gut in die Personen hineinversetzen und wäre es die nächsten 300 Seiten so weitergegangen, so wäre ich vermutlich begeistert gewesen. Allerdings blieb es nicht so und die Fakten und Hintergrundinformationen wurden immer mehr. Als dann der erste Teil mit der tatsächlichen Wanderung zu Ende war, musste ich mich richtig zwingen, den zweiten Teil zu Ende zu lesen, aber ich wollte zumindest wissen, ob die beiden den Mount Katahdin je zu sehen kriegen. Ich fand es gut gelungen, dass Bill uns bereits vor dem eigentlichen Antreten der Reise mitnahm, nämlich zu den Vorbereitungen und die schwierige Suche nach eine Partner. Die Ausrüstungssuche war ebenfalls interessant und beantwortete viele Fragen, die in diesem Bereich auftauchen, aber leider wird es mit der Zeit einfach langweilig und auch wenn die Informationen rund um den Trail bestimmt gut recherchiert waren, so frage ich mich doch, welchen Nutzen der Leser daraus ziehen soll.
DER AUTOR
Bill Bryson wurde 1951 in Des Moines im Bundesstaat Iowa geboren. 1973 lernte er in England seine Frau kennen und beschloss bei ihr in Großbritannien zu bleiben. Er schrieb für englische Zeitungen, etwa „The Times“ und mit dem Buch „Reif für die Insel“ gelang ihm der Durchbruch. Seitdem verfasst er Reiseliteratur, etwa „Frühstück mit Kängurus“, „Straßen der Erinnerung“, „Streifzüge durch das Abendland“ und vieles mehr. 1995 ging Bill mit seiner Familie - eine Frau und vier Kindern - zurück in die USA und ließ sich in New Hampshire nieder, doch die Brysons zog es zurück nach Englad, wo sie seit 2003 wieder leben.
DATEN UND FAKTEN
Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: 1 (1. September 1999)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442443954
ISBN-13: 978-3442443956
Preis. derzeit € 8,99 auf Amazon
FAZIT***
„Frühstück mit Bären“ kommt also ohne Bären aus. „Der längste Wanderweg der Welt“ ist nicht der Appalachian Trail. Die eigentliche Strecke, die der Autor gegangen ist, beläuft sich auf die ersten 800 Kilometer am Anfang und dann auf einigen Versuchen, Teilabschnitte zu gehen. Das wird allerdings in der Buchbeschreibung nirgends erwähnt.
Das Problem an diesem Buch ist es, dass es weder ein Sach- noch ein Unterhaltungsbuch ist. Es versucht beides zu sein - und schafft keines. Schade, denn im Grunde ist die Thematik interessant und ein Reiseerlebnisbuch zum AT fehlt vor allem in der deutschsprachigen Literatur noch.
Es ist nicht durchgehend schlecht und wie gesagt ist der erste Teil auch wirklich unterhaltsam, doch nimmt man alle 339 Seiten dieses Buches zusammen, dann wurden meine Erwartungen enttäuscht.
Vergebe ich vier Punkte für den ersten Teil und einen Punkt für den zweiten Teil, dann bleiben gutgemeinte drei Punkte für dieses Buch über. Eine Empfehlung allerdings spreche ich nicht aus, da gibt es bestimmt bessere Lektüre in diversen Internetblogs, die den Trail und die wahren Erlebnisse weitaus besser beschreiben.
Wie immer lieben Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren,
eure
Dani weiterlesen schließen
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