Pro:
hochinteressantes Thema, sehr spannend
Kontra:
schwaches Ende
Empfehlung:
Ja
Normalerweise bevorzuge ich ja die Bücher im Original zu lesen, aber da ich Crichtons neuestes Werk bei einer Verlosung gewonnen hatte sagte ich natürlich auch nicht nein. Crichton nimmt sich ja immer aktuelle Themen rund um die Wissenschaft vor, zumindest in seinen Werken, die ich bisher kenne. So ist es ja in seinem bekanntesten Werk „Jurassic Park“ die Genforschung, in „Timeline“ die Quantenmechanik und in „Beute“ geht es um unsere wohl noch jüngste Technologie, die Nanotechnologie.
Was ist überhaupt die Nanotechnik? Wenn wir irgend etwas herstellen, sei es etwas recht einfaches, wie einen Zahnstocher dann nehmen wir immer ein Stück Rohmaterial, von welchem dann so viel entfernt wird, bis das gewünschte Endergebnis vorliegt.
Nun wissen wir ja alle noch aus unserer Schulzeit, dass alles irgendwie aus Atomen und Molekülen besteht. Was liegt nun also näher, als das Ganze einmal von der anderen Richtung her anzugehen? Das bedeutet, wir würden einfach einen Zahnstocher aus lauter einzelnen Molekülen zusammen bauen. Wie mit Legosteinen könnten wir uns dann einen Zahnstocher bauen, einen Schneebesen oder gar ein Auto.
Einziges Problem dabei ist jedoch, dass selbst so ein einfaches Gebilde wie ein Zahnstocher aus Millionen mal Millionen mal Millionen solcher Moleküle besteht. Zudem sind diese Moleküle so winzig klein, dass es uns erst vor kurzem gelungen ist, diese durch modernste Technik überhaupt einmal sichtbar zu machen. Einzelne Moleküle aber zu bewegen und an den gewünschten Platz zu bringen noch wesentlich aufwendiger, vor allem aber erfordert es sehr viel Zeit. Bis wir also mit den bekannten Methoden so viele Moleküle zusammen hätten, um ein Staubkorn zu bauen zu können, würde die Erde längst nicht mehr existieren.
Der Firma Xymos um die es in dem Buch hauptsächlich geht scheint nun aber der Durchbruch gelungen zu sein. Gleichzeitig droht der Firma aber das Geld auszugehen und somit ist Julia, die Managerin der Firma damit beschäftigt, Geldgeber zu finden. Darunter leider jedoch ihre Familie, für die sie kaum noch Zeit hat. Ihr Mann Jack kümmert sich um den Haushalt, bekommt seine Frau aber kaum zu sehen. Dies lässt in ihm auch die Vermutung hochkommen, dass Julia einen Geliebten haben könnte. Denn Jack ist bereits seit einem halben Jahr arbeitslos, was für jemanden aus der IT-Branche eine Ewigkeit darstellt. Und somit redet er sich jetzt ein, durch seine Arbeitslosigkeit an Attraktivität verloren zu haben.
Jacks Problem liegt darin, dass er in seiner alten Firma jemanden dabei ertappt hat, wie dieser illegaler weise Programmcode nach Asien auf dem Schwarzmarkt verkauft hat. Als er dieses seinem Vorgesetzten mitteilt gerät Jack dann selbst unter die Räder, denn er hatte keine Ahnung, dass auch dieser mit in den Handel involviert war. So wird Jack also unter einem Vorwand gefeuert und ist in der Branche als schwarzes Schaf gekennzeichnet.
Julias Verhalten erscheint Jack immer merkwürdiger, ihm wird klar, dass dort irgend etwas nicht stimmt. Die Fäden scheinen dann zusammen zu laufen, als er erfährt, dass Xymos bei seiner alten Firma Programmcode gekauft haben. Programme die er geschrieben hat, doch irgend etwas läuft schief und so scheint Jack der Einzige zu sein, der Xymos noch aus der Klemme helfen kann.
Soweit ganz gut, durch dieses sehr wissenschaftliche Thema war ich natürlich auch gleich sehr angetan von Crichtons neuestem Werk. Er schafft es auch vorzüglich, gleich zu Anfang eine gewisse Spannung aufzubauen. Noch viel besser, es gelingt ihm auch, diese Spannung permanent zu steigern, weil er sich nicht mit belanglosen Nebensächlichkeiten aufhält. So war es mir fast unmöglich das Buch für längere Zeit aus der Hand zu legen, denn immer, wenn ich nach dem Absatz eine Pause einlegen wollte hielt mich Crichton fest. Was mir bisher bei noch keinem Buch passiert ist: Ich bin Nachts einmal aufgewacht, mit dem Gedanken, jetzt unbedingt weiter lesen zu müssen.
So habe ich das Buch auch innerhalb von drei Tagen gelesen, allerdings sollte man sich nicht von der Dicke des Buches täuschen lassen, denn die Seiten sind relativ dick, was meiner Meinung nach lediglich dazu dient, es nach mehr aussehen zu lassen. Die etwas über 400 Seiten sind auch durch die teilweise sehr großzügigen Absätze nicht alle voll beschrieben.
Etwas enttäuscht war ich dann vor allem über das letzte Drittel, auf Einzelheiten komme ich noch zu sprechen. Hier ergibt einfach zu viel für mich keinen Sinn, während bereits die weitere Handlung klar auf der Hand zu liegen scheint. In einer anderen Kritik habe ich gelesen „Crichton wollte es nur noch zu Ende bringen“ und genau dieser Satz trifft es auf den Kopf. Auf mich macht es den Eindruck, als hätte er unter enormen Zeitdruck gestanden. Er hatte sich in eine Sackgasse geschrieben, aus der er keinen richtigen Ausweg mehr finden konnte. Der Verleger stand wohl aber schon hinter ihm und wollte die Weihnachtskassen klingeln hören.
Unterstützt wird diese Vermutung noch durch die bereits erwähnten sehr dicken Seiten und die großzügig ausgelegte Schreibweise. Es wird hier einfach versucht mehr vorzutäuschen, als wirklich da ist und damit den Preis nach oben zu drücken.
Irgendwie kamen beim Lesen auch die Erinnerungen von Jurassic Park wieder in mir hoch, ein paar irre Wissenschaftler, außer Kontrolle geratene Maschinen und einer, der die Karre aus dem Dreck ziehen soll. Diese Tatsache hätte mich jetzt jedoch weit weniger gestört und da hätte ich noch gerne darüber weg gesehen. Aber die Ungereimtheiten am Ende finde ich schon unverzeihlich, auch wenn Crichton im Schlusswort noch versucht, die schlimmsten Scherben zusammen zu kehren.
Unterm Strich bleibt nur noch zu sagen, dass ich „Beute“ nicht zu den Büchern zähle, welche man unbedingt als Hardcover besitzen muss. Es ist zwar lesenswert und wer es unbedingt lesen möchte dem würde ich empfehlen, es als Taschenbuch zu kaufen. Nicht nur, dass es als solches wesentlich besser zu handhaben sein wird, es dürfte dann wohl auch einiges an der unnötigen Dicke einbüßen. Vor allem aber, weil die Taschenbuchausgabe deutlich günstiger sein wird, denn 24€ für das Buch halte ich nicht für gerechtfertigt.
So, jetzt noch zu dem was mich am Ende doch etwas genervt hat:
!!! WER DAS BUCH ALLERDINGS NOCH LESEN MÖCHTE SOLLTE JETZT BESSER NICHT WEITER LESEN !!!
Normalerweise schreibe ich ja nicht über das Ende eines Buches, aber da es hier ausschlaggebend für die Bewertung ist mache ich mal eine Ausnahme.
Bereits als Mai das erste Mal den Virus (Die Phage) erwähnt, welcher die Bakterien zerstört und somit die Produktion verlangsamt war mir klar, dass er zur Vernichtung der Nanomaschinen dienen muss. Warum aber Jack, der ja als sehr intelligent dargestellt wird so lange benötigt, um es zu erkennen ist mir nicht klar.
Auch noch sehr fragwürdig ist die Tatsache, dass der Virus die Nanomaschinen viel zu schnell zerstört. Eigentlich dürfte er sich ja nur auf die Bakterien auswirken, welche ja für die Herstellung der Nanomaschinen zuständig sind. Auf die Nanomaschinen selbst dürfte er also keinerlei Auswirkungen haben.
Und vor allem: Wie gelingt es Julia, deren Hülle ja nur noch aus diesen Nanomaschinen besteht durch die Luftschleuse zu kommen? Was hat die Luftschleuse überhaupt für einen Sinn, da die Nanomaschinen ja so klein sind müssten sie auch problemlos in die Haut eindringen können, wo sie sicher sind. Warum werden die Nanomaschinen nicht weggespült, wenn Julia unter der Dusche steht? Zumindest müsste Julias wahres Ich da zum Vorschein kommen. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben