Pro:
Richard Gere, die komischen Elemente des Filmes, vor allem Link
Kontra:
nicht wahnsinnig mitreißend, die weiblichen Darstellerinnen können nicht so ganz brillieren
Empfehlung:
Ja
Tanzfilme? An sich sind die nicht so mein Ding. Gut, man kann sich Saturday Night Fever, Grease oder Dirty Dancing mal anschauen. Doch wenn ein anderer guter Streifen läuft, muss ich die Tänzerei nicht unbedingt sehen. Andererseits schaue ich mir Filme mit Richard Gere nicht ungern an. Er ist zwar nicht mein Traummann, wirkt aber in Pretty Woman oder Ein Offizier und Gentleman stets charmant.
Wenn man nun zu mehreren ins Kino will, dann ist es immer schwierig, sich auf einen Film zu einigen. In diesem Fall fiel die Wahl dann doch auf einen mit viel Tanz, auf einen aber auch mit Richard Gere: „Darf ich bitten?“
DIE HAUPTFIGUREN:
Hier sind gleich drei bekannte Namen: Richard Gere, Susan Sarandon und Jennifer Lopez.
RICHARD GERE ALIAS JOHN CLARK:
John ist Anwalt und Familienvater. Sein Leben läuft in geregelten Bahnen, er fühlt sich wohl mit Frau und Kindern, aber irgendwie hat sich die Routine in sein Leben eingeschlichen, macht die Tage gleichförmig und damit auch ein wenig langweilig.
Für ihn wird das Tanzen zur neuen Leidenschaft. Es bringt neue Freude in sein Leben.
Klar, dass auch John Clark wieder einmal von dem typischen, etwas jungenhaften Charme von Richard Gere geprägt ist. Auch wenn er einen Mann in geregelten Verhältnissen spielt, so hat er doch ein gewisses Etwas!
SUSAN SARANDON ALIAS BEVERLY CLARK:
Sie hat ein Leben, wie es sich so manche Frau von heute wünscht, hat zwei Kinder, einen Mann, den sie liebt (John) und ebenfalls einen Job, der ihr Spaß macht. Auch sie wirkt sympathisch, ist auf harmlose Weise nett, aber in ihrer Art trotzdem keine Figur, die man ablehnt.
JENNIFER LOPEZ ALIAS PAULINA:
JLO darf mal wieder schön sein. Denn mit ihrem guten Aussehen (darüber wurde bei uns übrigens gestritten) und ihrer gleichzeitig etwas melancholischen Ausstrahlung zieht sie John Clark an, verlockt ihn, in die Tanzschule zu gehen. Dort unterrichtet sie, behandelt den Anwalt mit einer gewissen Distanziertheit.
Als Tänzerin wirkt Paulina elegant, macht eine gute Figur. Die Melancholie gibt ihrem Charakter etwas Besonderes. Denn sie ist bei einem Turnier mit ihrem damaligen Freund gescheitert, ist vor sich selbst in die kleine Tanzschule geflohen. An sich könnte diese Traurigkeit der Figur für eine Schauspielerin eine gute Gelegenheit sein. Denn so hat der Charakter auch Ecken und Kanten. JLO bringt in diesem Film eine ordentliche Leistung, kann aber für meinen Geschmack nicht so ganz überzeugen. Sie bleibt zu blaß.
STANLEY TUCCI ALIAS LINK PETERSON:
Der vierte Mann in meiner Liste der Hauptfiguren ist derjenige, der mir namentlich bisher nichts gesagt hat. Auch an sein Gesicht konnte ich mich nicht erinnern. Im Film fällt Link als erstes als feuriger Tänzer auf. In einem eng geschnittenen Anzug und mit langen schwarzen Haaren wirkt er wie der typische, heißblütige Südamerikaner. Doch weit gefehlt. Denn auf dem Kopf trägt Link nur eine Perücke. Und ohne sie erkennt man sofort, dass darunter John Clarks Kollege steckt, ein blaßer Büroangestellter, der durch seine angebliche Sportleidenschaft den Eindruck des starken Mannes wahren will und nur heimlich seiner Tanzleidenschaft nachgeht.
Für mich war Link Peterson eigentlich sogar die interessanteste Figur. Denn er ist derjenige, der mit Schein und Sein zu kämpfen hat. Auch er vereint eine gewisse Traurigkeit darüber, dass er sein Hobby, das er so liebt, nicht ausleben kann und die Freude am Tanzen. Zugleich gibt Sanley Tucci diesem Charakter einer ungewollte Komik, die ihn aber sehr sympathisch macht.
DIE HANDLUNG:
Ich hab es ja schon angedeutet: John Clark (Gere) hat ein gutes, aber auch ein etwas zu eingefahrenes Leben mit seiner Frau Beverly (Sarandon), seinen zwei Kindern und seinem Job als Anwalt. Jeden Tag fährt er an einer Tanzschule vorbei. Und immer wieder sieht er dort hinter dem Fenster eine irgendwie traurig drein blickende junge Frau, Paulina (Lopez). Erst nach langem Zögern entschließt er sich, die Tanzschule zu betreten und einen Kurs zu machen.
Doch statt mit der unbekannten Schönen bekommt er es mit zwei anderen Männern zu tun, einem Möchtegern-Macho, der durchs Tanzen bei den Frauen punkten will und einem dicklichen aber sehr liebenswerten Schwarzen, der seiner Freundin zuliebe an dem Kurs teil nimmt.
John lebt durchs Tanzen auf, bekommt neuen Schwung, neue Lebensfreude. Auch seine Familie und seine Kollegen merken das und wundern sich. Doch er verrät niemandem, wohin er nach der Arbeit verschwindet.
DIE EBENEN:
Da gibt es in diesem Film gleich mehrere. Zum einen hat man es direkt mit John Clark zu tun und seinem Wandel. Die Botschaft könnte hier lauten: Eine kleine Veränderung kann neue Lebensfreude bewirken.
Zum zweiten ist da natürlich die Spannung, das Knistern zwischen John und Paulina. Er fängt immer mehr Feuer (ich lasse dabei offen, ob für die Tanzlehrerin oder das Tanzen an sich), während sie sehr in sich gekehrt bleibt. Wird was aus den beiden?
Zum dritten ist die Ebene der Komik. Es hat was Witziges an sich, wenn die drei Männer (John und seine Mitschüler) allmählich lernen zu tanzen, wenn sie mit Besenstilen die richtige Haltung üben, ihre Charaktere aber auch dabei heraus kommen. Witz kommt zudem durch Link auf, der ungewollt komisch wirkt, wenn er einerseits den Vollbluttänzer markiert, dann aber seine Perücke verliert.
Als nächstes könnte der Film auch die Frage aufwerfen: Was ist Glück? Das Vertraute (in Johns Fall die Familie mit einer Frau, die ihn liebt) oder das Fremde (hier kann sowohl Paulina als auch der Tanz gemeint sein.
TANZEN:
Auch das nimmt einen großen Teil des Filmes ein. Getanzt wird zu lateinamerikanischer Musik, getanzt wird vor allem als Hobby. Erst am Schluß müssen die Kursteilnehmer in einem (Amateur-Tanz-)Turnier ihr Können unter Beweis stellen.
Übrigens: die Lopez versucht sich nicht in einer Doppelrolle als Schauspielerin und Sängerin. Sie tritt nur als Darstellerin in Erscheinung.
DATEN ZUM FILM:
Die Romanze „Darf ich bitten“ spielt in den USA (Chicago) und hatte den Originaltitel „Shall we dance“. Die Übersetzung ist also eins zu eins übernommen. Es handelt sich um ein Remake eines japanischen Streifens. Den habe ich zwar nicht gesehen, mir aber sagen lassen, dass zahlreiche Kameraeinstellungen des Ursprungsfilms in der 2004er Version von Regisseur Peter Chelsom eins zu eins übernommen worden sind. Sein „Shall we dance“ ist übrigens 106 Minuten lang.
WAS KOSTET DER SPASS:
Das hängt natürlich vom Kino ab, in dem man den Film sieht. In unserem Fall haben wir einen Dienstag- (= Kinotag) Vorstellung in einem Cinemaxx besucht und mit einer Rewe-Card einen Rabatt rein geholt. So kamen wir pro Karte mit 4,50 Euro weg. Preiswert zwar an sich für einen Kinobesuch, aus meiner Sicht aber zu teuer für diesen Film. Wenn man einige Monate wartet, kann man ihn sicher kostenlos im Fernsehen anschauen!
FAZIT:
Richard Gere? Kann man sich anschauen. Tanzen? Nicht unbedingt. So lautet mein Fazit auch nach diesem Kinobesuch. Aus meiner Sicht ist er als John DIE dominierende Figur dieses Films. Dabei schlüpft er aber für meinen Geschmack nicht unbedingt in eine Rolle sondern zeigt das, was er kann, seinen jungenhaften Charme. Die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen bleiben noch blasser. Das liegt bei Sarandon wohl auch daran, dass ihre Rolle nicht so groß ist, auch bei Jennifer Lopez mag ein Grund sein, dass ihre Figur, Paulina, nicht sehr aktiv ist.
Am meisten Würze gibt da noch der Gegenpart, der humorvolle Teil der Handlung, hier vor allem in Person von Link, aber auch vertreten durch Johns Mittänzer.
Der Film ist mir zwar nicht langweilig geworden, war aber auch nicht wahnsinnig mitreißend. Es war eine nette Unterhaltung, eine gute für einen trüben Nachmittag, aber eine, die nicht unbedingt den Kinobesuch lohnt. Ich vergebe daher eine mittlere Wertung und die Empfehlung, ihn vielleicht im Fernsehen anzuschauen. weiterlesen schließen
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