Pro:
Ein verdammt atmosphärischer Gruselstreifen...
Kontra:
...der auf den ersten Blick nur etwas zu behäbig erscheint!
Empfehlung:
Ja
Wasser in Filmen kann gruselig sein und einem jeglichen Spaß am nächsten Kontakt mit dem kühlen Nass vermiesen. Das weiß man spätestens wenn man Spielbergs Durchbruchswerk und Gruselklassiker „Jaws / der weiße Hai“ einmal gesehen hat und danach nicht mehr seinen Strandurlaub genießen wollte. Aber es muss nicht immer das offene Meer und dessen hungrige Bewohner sein, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Schon Hitchcocks brillant geschnittene Duschszene in „Psycho“ hat dafür gesorgt, dass man nur noch mit einem skeptischen Gefühl seine morgendliche Dusche hinter sich gebracht hat.
Doch das alles ist nun Vergangenheit, denn in „honogurai mizu no soko kara / dark water“ sollen auch simple Wasserflecken in einer Hochhauswohnung für gehörige Spannung sorgen. Und seit Hideo Nakatas weltweitem „Ringu“-Erfolg kann man sich eigentlich sicher sein, dass der Regisseur sein Versprechen der atemberaubenden Spannungsunterhaltung einhalten wird. Schließlich stammt die Romanvorlage zu Nakatas neustem Gruselstreifen wieder von Kôji Suzuki, der auch schon für den „Ringu“-Mythos verantwortlich ist – das Nervenkostüm des Betrachters darf sich wohl auf eine unmenschliche Zerreißprobe einstellen...
Dabei fängt „honogurai mizu no soko kara“ doch so harmlos an. Die alleinerziehende Yoshimi zieht mit ihrer Tochter in ein kleines Apartment, das eigentlich perfekt zu sein scheint. Ausreichend Platz, preiswert und gleich in der Nachbarschaft befindet sich ein Kindergarten für die kleine Ikuko. Einzig ein winziger Wasserfleck an der Decke scheint zu stören, aber der wird sicherlich bei den Reparaturarbeiten behoben.
Dies ist der Handlungsbeginn. Gruselige Momente gibt es in der ersten halben Stunde so gut wie gar nicht. Einzig das erneute Auftauchen einer kleinen roten Kindergartentasche nach dem Recycling in der Mülltonne verleiht dem Geschehen einen leicht mysteriösen Touch. Ansonsten legt der Regisseur wert darauf, dass man die handelnden Figuren genauer kennen lernt. Man erfährt, dass sich Yoshimi mit ihrem Ex-Ehemann in einem Streit um das Sorgerecht befindet und erhält einen Einblick in den Selbstfindungsprozess der jungen Mutter, die nach etlichem Suchen wieder einen Arbeitsplatz findet.
Vermutlich muss man aber gerade in dieser ausschweifenden Charakterdarstellung auch einen der wenigen Negativpunkte des Filmes verorten. Alles gestaltet sich äußerst behäbig und zeitweise bekommt man gar das Gefühl, dass mit den kurzen Andeutungen von Sub-Plots unnötig Zeit herausgeschlagen werden soll. Jedoch kann man über diese Mängel im Nachhinein getrost hinwegsehen. Durch die emotionale Bindung an die beiden Hauptcharaktere kann die Spannungsschraube so brillant angezogen werden, dass man zu guter letzt froh ist, dass die nervliche Anspannung nicht über die gesamte Filmdauer auf einem konstant hohen Niveau war.
Denn sobald sich der Wasserfleck an der Zimmerdecke vergrößert, beginnt sich die beängstigende Atmosphäre „honogurai mizu no soko karas“ zu entfalten. Yoshimi muss erfahren, dass in der Wohnung über ihr einmal ein Kind wohnte, das urplötzlich verschwunden ist. Ikuko hat in ihrem Kindergarten eine äußerst unheimliche Begegnung. Und dann ist da noch der ständige Regen, der die dunkle Wohnung noch mehr in Schatten hüllt und sich scheinbar auch auf Yoshimis Gemüte auswirkt. Langsam dem Wahnsinn verfallend, versucht sie ihre kleine Tochter vor einer nicht sichtbaren Gefahr zu schützen und ist mit den Nerven gänzlich am Ende als Ikuko ein weiteres Mal mit der roten Kindergartentasche auftaucht, die eigentlich schon längst auf der Müllhalde der namenlosen Stadt verrotten sollte.
Vielleicht kann man dieser Geschichte in gewisser Weise anlasten, dass sie sich im Grunde an „Ringu“ anlehnt. Auch hier wird angedeutet, dass die mysteriösen Umstände mit dem Tod eines kleinen Mädchens in Verbindung stehen - jedoch kann dieser negative Vorabeindruck durchaus revidiert werden. Zwar werden die gewohnten Bahnen der asiatischen Neo-Horrorfilme nicht verlassen, aber dafür wird in der zweiten Hälfte eine gehörige Portion Grusel ausgepackt, die sich nicht vor den Genre-Königen verstecken muss. Langsam aber sicher erhält der Zuschauer einen tieferen Einblick in die mysteriösen Geschehnisse und kann sich so ein näheres Bild machen, das den Suspense heraufbeschwört.
Jedoch sollte man „honogurai mizu no soko kara“ nicht unbedingt in die Riege der klassischen Schocker drängen. Es wird vor allem versucht eine dichte Atmosphäre aufzubauen, bei der man jede Sekunde damit rechnet, dass etwas Unvorhergesehenes geschehen könnte. Garant für das Gelingen des atmosphärischen Aufbaus ist mit unter der als neumodisches Gruselhaus wirkende Apartment-Komplex, in den Mutter und Tochter einziehen. Mit seinem stockenden und quietschenden Aufzug und den mattbeleuchteten Gänge wirkt dieses wie ein Relikt aus vergangenen Horrortagen. Wirklich zum Zerbersten angespannt wird das atmosphärische Gesamtbild jedoch erst durch die Omnipräsenz des Wassers. Nahezu ständig verdunkelt der herabprasselnde Regen die äußere Welt. Langsam verbreitet sich der Wasserfleck an der Decke bis er schließlich zu tropfen beginnt. Die unbekannte Bedrohung verdichtet sich immer mehr und lässt den Zuschauer in den stimmigen Bildern und der verstörenden Geräuschkulisse versinken. Momente, in denen der Zuschauer wirklich vor Schreck zusammenzuckt, sind hingegen in der knapp hundertminütigen Spielzeit nur vereinzelt verstreut – wenn sie aber kommen, dann wird richtig zugeschlagen. Dann möchte man sich am liebsten vor Angst und Verstörung in seiner Couch verkriechen.
In welcher Verbindung aber letztlich das kleine Mädchen, das vor Jahren verschwunden ist, mit dem stetig wachsenden Wasserfleck an der Decke steht? Nakata gibt während des Filmes bereits einige Andeutungen, die jedoch erst im spannenden Finale gänzlich entschlüsselt werden. Dass das Ende zwar etwas kitschig wirkt, mag man dem Film anlasten – tieferblickend muss man jedoch feststellen, dass es nur eine konsequente Beibehaltung des emotionalen Filmgerüstes ist.
Was natürlich wieder bei einem asiatischen Film negativ auffällt, ist die deutsche Synchronisation, die in einigen Szenen äußerst kraft- und emotionslos wirkt. Überblendet wird dieser Mangel - den man noch nicht einmal bei der DVD aufgrund mangelnder Untertitel umgehen kann - jedoch von den stark aufspielenden Darstellern. Das Geschehen des Filmes fokussiert sich auf die Mutter-Tocher-Beziehung und selbige wird hervorragend von Hitomi Kuroki [Yoshimi] und der kleinen Rio Kanno [Ikuko] dargeboten. Hitomi Kuroki spielt äußerst ruhig und wirkt ähnlich wie ihre Filmtochter in den spannenden Momenten fast schon beängstigend real. Mit groß aufgerissenen Augen blicken sie dem unerklärbaren Grauen entgegen, wirken so verletzlich als wäre ihre eigene Haut in Gefahr.
Weitere Akteure treten besonders zu Beginn des Filmes noch auf – jedoch hinterlassen diese zu keinem Zeitpunkt einen bleibenden Eindruck. Schlimmer noch. Bei ihnen schlägt die Synchronisation vollends zu und verpasst ihnen durch clownartige Stimmen ein fast schon albernes Gewand, das nicht mit der düsteren und bedrückenden Atmosphäre des Filmes harmonieren will. Scheinbar werden es die Synchronsprecher nie lernen, asiatische Filme akzeptabel zu übersetzen.
Fazit – In diesem Wasser liegt eine schreckliche Wahrheit
Zwar mag man Hideo Nakata vorwerfen, dass einige Stilelemente und inhaltliche Gedanken latent an seinen weltweiten „Ringu-Erfolg erinnern – jedoch würde man mit dieser Kritik „honogurai mizu no soko kara“ bei weitem nicht gerecht werden. In farblosen Bildern erzählt Nakata eine atmosphärische Geschichte, die förmlich zum Gruseln einlädt und selbst von der etwas zähflüssigen Einführung der Charaktere und dem kitschiganmutenden Finale nicht getrübt werden kann. Denn nach dem Gucken kann man sich gewiss sein, dass man nur knapp einem Herzstillstand entgangen ist – Hochspannung aus Japan, auf die man einen Blick werfen sollte.
Und wer sich noch immer nicht mit asiatischen Filmen anfreunden kann, muss auf das amerikanische Remake warten, dessen deutscher Kinostart für den 25. August 2005 veranschlagt worden ist. Ob diese Version aber die Qualitäten des Originals aufrechterhalten kann, ist mehr als fraglich – dafür kann die Hollywood-Verfilmung aber mit einer äußerst namhaften Besetzungsliste [u.a. Jennifer Connelly, Tim Roth, Pete Postlethwaite, Dougray Scott, Shelley Duvall und John C. Reilly] aufwarten, die einen Kinobesuch rechtfertigen würden. Will aber wirklich noch jemand bis zum nächsten Sommer warten bis er sich das nächste Mal „richtig“ gruseln kann? Ich hoffe nicht...
Wertung: 8 wässrige Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: http://www.honogurai.com/ [leider derzeit offline]
Diese Rezension bezieht sich auf die Presse-VHS von Highlight Video weiterlesen schließen
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