Pro:
alternative Kameraarbeit, authentisch, offenes Ende
Kontra:
unreflektiert, Dogmen beeinflussen Handlung stark
Empfehlung:
Ja
"Das Fest" spielt im Jahr 1995 und ist von dem Regisseur Thomas Vinterberg.
Der Film handelt von der Zerrissenheit der Bourgeoisie.
Zum 60. Geburtstag des Hoteliers Helge sind viele Gäste geladen. Unter anderem die Geschwister Helen, Michael und Christoph, deren 2. Schwester Suizid beging.
Während der Feier deckt der jüngere Sohn mit einer beeindruckenden Hartnäckigkeit ein düsteres Familiengeheimnis auf - der Vater hat ihn und seine verstorbene Schwester in ihrer Kindheit missbraucht.
Nahezu jeder Charakter hat eine andere Facette und viele Charaktere / Umstände etc sind kontrastiert zu einem anderen Charakter / Umstand dargestellt.
== Gliederung ==
1. Was ist das Besondere an diesem Film?
2. Was bewirkt die Kameraarbeit beim Zuschauer?
3. Ist die Machart des Filmes sinnvoll?
4. Meine Meinung
== 1. Was ist das Besondere an diesem Film? ==
Der Film wurde unter Einhaltung des "Dogma 95" geschrieben, einem Manifest für die Produktion von Filmen, das 1995 verfasst wurde.
"Die einzuhaltenden Regeln, welche als "Keuschheitsgelübde" (engl. "Vow of Chastity") präsentiert wurden, waren:
1. Als Drehorte kommen ausschließlich Originalschauplätze in Frage, Requisiten dürfen nicht herbeigeschafft werden.
2. Musik kann im Film vorkommen (zum Beispiel als Spiel einer Band), darf aber nicht nachträglich eingespielt werden.
3. Zur Aufnahme dürfen ausschließlich Handkameras verwendet werden.
4. Die Aufnahme erfolgt in Farbe, künstliche Beleuchtung ist nicht akzeptabel.
5. Spezialeffekte und Filter sind verboten.
6. Der Film darf keine Waffengewalt oder Morde zeigen.
7. Zeitliche oder lokale Verfremdung ist verboten - d. h. der Film spielt hier und jetzt (also nicht etwa im Mittelalter oder in einer entfernten Zukunft oder in einem anderen als dem Produktionsland, auf einem fremden Planeten, in einer fremden Dimension o. ä.).
8. Es darf sich um keinen Genrefilm handeln.
9. Das Filmformat muss Academy 35 mm sein.
10. Der Regisseur darf weder im Vor- noch im Abspann erwähnt werden."
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Dogma_95#Anforderunge n)
Diese Anforderungen sind teilweise schwer einzuhalten, in diesem Film aber gut umgesetzt.
== 2. Was bewirkt die Kameraarbeit beim Zuschauer? ==
Regisseur Thomas Vinterberg ließ ausschließlich eine Handkamera verwenden, wie es in den Dogmen vorgeschrieben war.
Zuerst einmal: Ich war positiv überrascht, ich hatte einen wahnsinnig verwackelten Film mit unscharfen Bildern erwartet - letzlich machte es aber keinen so großen Unterschied, für mich zumindest.
Die Arbeit mit der Handkamera sorgt im Zusammenhang mit der Geschichte für Authentizität, es hat so den Charakter eines gekonnten Familienvideos.
Ruhige Szenen sind in "Das Fest" immer mit einer ruhigen Kamerahaltung, hektische mit einer hektischen, sodass die Emotionen stark unterstrichen werden.
== Ist die Machart des Filmes sinnvoll? ==
Die Dogmen als Ausgangspunkt eines Filmes halte ich teilweise für zu stark einschränkend. Ich stelle es mir besonders schwierig vor, ohne essentielle Requisiten zu drehen, weil sie am Drehort nicht vorhanden sind - ich halte es sogar für fast nicht umsetzbar, da vor allem dieser Film in immer derselben Umgebung spielte.
Was mir nicht gefällt, ist, dass die Einschränkungen die Handlung stark beeinflussen und die Handlung an sich so an Bedeutung verliert.
== Meine Meinung ==
Gefehlt haben mir die Motive des Sexualtäters, dieser nennt nur einmal als Grund, dass die Kinder es nicht wert gewesen seien.
Das als einziger Erklärungsversuch finde ich sehr oberflächlich gehalten und allgemein ist das Thema sexueller Missbrauch von Kindern sehr unreflektiert dargestellt.
Es gibt ein offenes Ende, was mir sehr gefällt.
Der Film war sehr autentisch, was vor allem die Kameraarbeit unterstützt hat.
Allerdings fand ich die Reaktion der Geburtstagsgäste nach Christians Aufdeckung des Familiengeheimnisses vor der gesamten Festgesellschaft nicht angemessen.
Bei Wikipedia habe ich gelesen, dass den Statisten erzählt wurde, Christian sei verrückt und ich denke, das passt auch gut zu ihrer Reaktion, die entsprechend der wahren Handlung zumindest bei Einzelpersonen anders hätte verlaufen müssen. weiterlesen schließen
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