Pro:
schöner Kinderfilm, hervorragende DVD-Ausstattung
Kontra:
Extras nur zum Teil kindgerecht
Empfehlung:
Ja
Die Story:
Das Volk der Ameisen muss jedes Jahr der Grashüpfergang von Hopper einen riesigen Tribut an Körnern und Früchten leisten. Doch niemand scheint daran etwas ändern zu wollen - bis auf Flik, der allerdings zunächst mit seinen Erfindungen, die den Ameisen das Leben erleichtern sollen, nur Chaos an.
Durch Fliks Schuld geht der ganze Tribut an die Ameisen verloren, die Grashüpfer reagieren verärgert und verlangen von den Ameisen noch mehr Tribut, was den Ameisen jede Chance nimmt, ihren eigenen Wintervorrat zu sammeln.
Flik will in der nächsten Stadt Hilfe holen. Die anderen Ameisen sind dagegen, doch die schöne Prinzessin Atta lässt ihn schließlich gehen - nicht etwa, weil sie an seine Mission glaubt, sondern weil die Ameisen ihn endlich loswerden wollen.
Flik zieht los und sieht in der Stadt eine gerade gefeuerte (Insekten-)Zirkustruppe, die er für Krieger hält. Die Insekten dagegen halten ihn für einen Künstleragenten und nehmen seinen Auftrag freudig an, als er ihnen einen Job anbietet.
Erst nachdem Flik mit seinen neuen Freunden beim Ameisenvolk angekommen sind, kapieren die Insekten, dass sie wirklich gegen die Grashüpfer kämpfen wollen. Sie wollen abhauen, doch dabei retten sie - beinahe wider Willen - die kleine Ameisenprinzessin Dot vor einem Vogel. Nun glauben die Ameisen erst recht, dass sie Krieger sind, und fassen Mut.
Flik überredet die Insekten, solange zu bleiben, bis er die Ameisen dazu gebracht hat, sich selbst zu verteidigen. Die Insekten bleiben das Ameisenvolk rüstet gegen die Grashüpfer auf, doch schließlich kommt doch heraus, dass die Insekten nur Zirkusartisten sind. Die Ameisen verlieren den Mut, Prinzessin Atta schickt die Insekten weg und Flik mit ihnen. Verzweifelt versuchen die Ameisen, in der kurzen verblieben dem Tribut für die Grashüpfer zu sammeln.
Die Grashüpfer kommen und wollen ein Exempel statuieren, als sie den kläglichen Tribut sehen. Die kleine Prinzessin Dot kann aber entkommen und Flik und seine Freunde zu Hilfe rufen. Gemeinsam schlagen sie die Grashüpfer zurück.
Das Ameisenvolk muss nun keinen Tribut mehr leisten. Endlich wird Flik für seinen Erfindungsgeist anerkannt.
"Das große Krabbeln" ist ein wunderschöner Kinderfilm, der auch den Eltern gefallen dürfte. Ich sehe ihn jedenfalls immer wieder gern! Er ist großartig animiert und auch heute, fast zehn Jahre nach seiner Entstehung, noch sehenswert, auch wenn die Animationstechnik inzwischen natürlich Fortschritte gemacht hat. Er ist kindgerechter als viele andere Pixarfilme, verliert aber dadurch nicht an Tiefe.
Schade ist nur, dass auf Deutsch wieder einmal nicht alle Gags funktionieren.
In Deutschland ist der Film ohne Altersbeschränkung freigegeben. Da es aber ein paar Mal ziemlich aufregend wird und die Grashüpfer teils wirklich furchterregend wirken, möchte ich ihn doch erst ab sechs Jahren empfehlen.
Die DVD-Ausstattung (Deluxe Edition, 2 DVDs):
DVD 1:
Die DVD bietet den Film wahlweise mit englischer Originalaudiospur oder deutscher Synchrontonspur. Es lohnt sich übrigens, auch mal die Originalspur anzuhören, da es einige interessante Sprecherstimmen gibt, allen voran die von Kevin Spacey als Bösewicht Hopper.
Außerdem gibt es natürlich deutsche und englische Untertitel.
Weiterhin enthält die erste DVD alle direkt mit dem Film verbundenen Extras:
"5.1 Surround: Die Geräusche im Film" / "2.0 Stereo: Die Musik im Film":
Hier kann man sich den Film wahlweise nur mit der Soundspur oder nur mit der Musikspur anhören. Ich schätze, dieses Feature kann für (angehende) Soundeditionen oder Filmkomponisten interessant sein, aber sonst interessiert das wohl kaum jemanden (mich jedenfalls nicht).
"Audiokommentar":
Der Audiokommentar wird gesprochen vom Regisseur, dem Co-Regisseur und Co-Autor sowie einem Editor. Natürlich wird der Kommentar auf Englisch gesprochen, und es gibt leider auch keine Untertitel dazu, wenn man Untertitel einblendet, bekommt man die Untertitel zum Film, nicht zum Audiokommentar.
Der Audiokommentar ist fachlich hochinteressant, und zwar gar nicht mal so sehr für Leute, die sich mit Animation beschäftigen (auf spezielle Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Animation wird nur am Rande eingegangen), sondern für angehende Drehbuchautoren, Regisseure und Produzenten, da sehr viel über die Stoffentwicklung gesprochen wird. Was sie sagen ist auch nicht nur für Animationsfilme gültig, sondern größtenteils auch für jeden beliebigen Spielfilm. Für Normalzuschauer bietet der Audiokommentar dagegen wenig.
DVD 2:
Die DVD beginnt mit einer gesprochenen (und synchronisierten) Einführung in die Extras, bevor dann das DVD-Menü erscheint.
"Vor-Produktion":
"Die ,Fleabie-Rolle'":
Fleabie ist ein Stofftier, soll wohl eine Fliege oder eine Mücke darstellen. Gemeinsam mit dem Regisseur gibt dieses "Biest" eine erste Rundschau über frühe Entwürfe und Modelle, Animationstests, die Arbeit am Storyboard und einen Ausblick auf den Film.
Neben der Tatsache, dass man eigentlich nichts Wesentliches erfährt oder sieht und das Feature etwas "verulkt" wurde, finde ich vor allem ärgerlich, dass Fleabie am Ende auf der Windschutzscheibe eines Autos landet - nicht wirklich für Kids!
"Story und Editorial":
"Ursprünglicher Entwurf der Handlung": Hier gibt es eine (durchblätterbare) Collage aus schriftlichen Texten und gezeichneten Bildern, die den Handlungsablauf so darstellen, wie er ursprünglich von Pixar an Disney verkauft wurde. In der Einführung dazu wird der Text als "Treatment" bezeichnet. Nach deutschem Sprachgebrauch wäre dieser Text viel zu kurz für ein Treatment, man könnte ihn eher als (Kurz-)Exposé bezeichnen.
Aber wie auch immer: Ich finde dieses Feature absolut toll! Zu dem Zeitpunkt, zu dem Ideen oder Exposés verkauft werden, haben sie immer noch große Schwächen - so auch die ursprüngliche Idee zu "Das große Krabbeln", da gibt es richtige dramaturgische Fehler. Beispielsweise gibt es Flik noch nicht, der Held der Geschichte ist Red, eine Zirkusameise - und das führt zu dem Problem, dass der Held erst sehr spät in der Geschichte auftaucht (was dazu führt, dass man sich erst viel zu spät im Film mit einer Figur identifizieren kann - oder dass das Publikum sich mit der falschen Figur identifiziert und dadurch vom Film enttäuscht wird).
Dass Exposés noch so viele Schwächen und Fehler haben, führt in der Praxis dazu, dass man nur selten Exposés anderer Autoren zu sehen bekommt. Dass eine Firma wie Pixar den Mut hat, ihren ursprünglichen Entwurf dem Publikum vorzustellen, finde ich deshalb klasse! Und für Drehbuchautoren wie mich ist es gut zu wissen, dass selbst ein großes Studio wie Disney die tolle Story auch in einem Entwurf mit all seinen Schwächen erkennt.
Ich denke aber, dass auch interessierte Normalzuschauer ohne fachlichen Hintergrund dieses Feature gut ansehen können. Es ist spannend, einmal zu sehen, wie sehr sich Geschichten im Entwicklungsprozess verändern (und das tun die Geschichten von praktisch allen Filmen!).
"Storyboard": Hier wird zunächst erklärt, was ein Storyboard überhaupt ist und wie damit gearbeitet wird. Und dann wird eine kleine Sequenz aus dem Film erst bei der Storyboardbesprechung, dann im fertigen Film gezeigt.
Schön an diesem Feature ist, dass die Erklärungen zwar nicht ausgesprochen "verkindlicht" sind, aber doch so gestaltet, dass auch Kinder so etwa ab Grundschulalter den Erläuterungen folgen können.
"Vergleich: Storyboard - Film": Hier wird in der Einführung zunächst erklärt, wie dann mit dem Storyboard weitergearbeitet wird und was die wichtigsten Unterschiede zum Vorgehen beim Spielfilm sind. Dann wird anhand einer Sequenz aus dem Film die Storyboardanimation dem endgültigen Film gegenübergestellt, d.h. gleichzeitig im geteilten Bild gezeigt.
"Zusätzliche Szenen": Die Einführung stellt hier erst einmal klar, warum es in Filmen häufig rausgeschnittene Szenen gibt. Dann werden die zwei Szenen, die die DVD anbietet, zunächst in den Zusammenhang gestellt, in dem sie im Film vorgekommen wären, wenn sie drin geblieben wären, und dann wird erklärt, warum man sie rausgeschnitten hat. Die Erläuterungen sind wirklich gut und daher für alle, die sich für die fachliche Seite des Filmemachens interessieren, sehr empfehlenswert.
Anschließend kann man sich die beiden Szenen (überwiegend als Storyboardanimation) ansehen. Es handelt sich einmal um so eine Art Rahmenhandlung ("Im Museum") und dann um eine Szene mit den Zirkusinsekten ("In P.T.s Büro"). Die Erläuterungen sind daran gut nachvollziehbar. Bei der Rahmenhandlung finde ich es gut, dass man sie rausgeschnitten hat. Die Zirkusszene ist dagegen gut, ich kann aber auch hier die Erläuterungen nachvollziehen, weil die Szene die Geschichte nicht voranbringt.
"Recherche":
Dieses Feature besteht vor allem aus der Gegenüberstellung von Filmen von Ameisen und anderen Insekten, die zu Recherchezwecken gedreht wurden, und Szenen aus dem Film. Dabei wird deutlich, wie viel Recherche in den Film eingeflossen ist. Außerdem haben einige der realen Bilder durchaus ästhetische Qualitäten.
"Design":
Die Einführung dazu erläutert zunächst, was man in diesem Teil zu sehen bekommt, und erklärt dann genauer den Begriff der "Color Scripts".
"Figuren": Hier finden sich Bildergalerien mit Zeichnungen und Modellen zu verschiedenen Figuren, unterteilt in: "Die Kolonie" (mit Flik, Prinzessin Atta, Dot, der Königin und dem Rat der Ameisen), "Die Grashüpfer-Gang" (mit Hopper, Fred und Beisser), "Der Zirkus" (mit P.T. Floh, Slim, Gustl, Franzi, Gypsy, Manny, Rosie, Dim und Cevap & Cici) und "Verschiedene Figuren" (mit Fliegen, Stadt-Insekten und dem Vogel). Zusätzlich gibt es bei der Grashüpfer-Gang auch noch ein Hopper Modell in Rundum-Ansicht in Form einer Kamerfahrt zu bestaunen.
"Orte der Handlung": Ähnlich geht es hier weiter mit Galerien, die Hintergrundzeichnungen und Details zeigen, und zwar unterteilt in: "Die Ameisen-Insel", "Die Stadt", "Zirkuszelt und Zirkuswagen" und "Hoppers Lieblingsplatz".
"Konzept und Color Scripts": Hier zeigen zwei Galerien das, was in der Einführung erklärt wurde. Insbesondere die Bilder des Konzepts sind teilweise so schön, dass ich sie mir ohne weiteres an die Wand hängen würde.
Sämtliche Galerien sind sehr umfangreich und dürften für künstlerisch/zeichnerisch interessierte Zuschauer sehr interessant sein.
"Produktion":
Die ersten drei Features dieses Teils sind auf Englisch, deutsch untertitelt.
"Hinter den Kulissen von ,Das grosse Krabbeln'":
Leider ist dieses Feature mal wieder zu einem etwas zu lang geratenen Werbespot für den Film geworden, der zwar kaum harte Fakten gibt, aber alles, was an Informationen mit Superlativen versehen wird. Obwohl mir der Film, wie schon gesagt, sehr gut gefällt, fühle ich mich von dieser marktschreierischen Anpreisung doch abgestoßen.
"Die Original-Stimmen":
Der Kritikpunkt (zu viel Lobhudelei) gilt auch für dieses Feature, wo die Schauspieler/Sprecher vorgestellt, die die Figuren gesprochen haben. Aber wenigstens wird es hier auch inhaltlich wieder interessant, weil man sieht, wer die Sprecher sind und was sie zu ihren Rollen zu sagen haben.
Für alle, die den Film lieber in der Synchronfassung sehen (insbesondere auch für die Zielgruppe Kinder), wäre es natürlich noch schöner, wenn es ein entsprechendes Feature auch für die Synchronstimmen gäbe.
"Erste Tests":
In diesem Teil werden die Animationsversuche an Figuren und Hintergründen gezeigt und kommentiert. Leider fehlt hier die deutsche Untertitelung, was letztlich auch bedeutet, dass das Feature für noch weniger Kinder geeignet ist als die vorherigen. Schade! Fachlich, d.h. animationstechnisch (aber allgemeinverständlich), ist das Feature ansonsten recht interessant.
"Die Entwicklung":
Hier gibt es wieder eine Einführung, die erklärt, was man hier sehen kann (auch wieder mit deutschem Ton). Man kann durch die einzelnen Teile der Einführung (einzeln aufrufbar) wieder viel über die Arbeitsweise bei einem Animationsfilm vom Storyboard bis zum fertigen Film erfahren. Gezeigt wird das wieder anhand einer Sequenz aus dem Film gezeigt.
Die Bedienung ist etwas kompliziert, man kann die verschiedenen Versionen entweder einzeln nacheinander ansehen oder mit der Angletaste der DVD-Fernbedienung zwischen der Storyboardanimation, Layout (das ist eine grobe Ansicht), Animation (im Vergleich zum Layout schon etwas verfeinert) und Farbgebung und Beleuchtung (der endgültigen Variante) umschalten.
"Sound Design":
Hier werden die Tricks verraten, mit denen die "Insektengeräusche" erzeugt wurden. Es wird auch erklärt, warum man in den meisten Fällen keine Originalgeräusche aus der Natur nehmen konnte. Die Geräusche werden zunächst einzeln vorgespielt. Dann wird das wieder anhand von Beispielen aus dem fertigen Film demonstriert. Das Feature ist relativ umfangreich und gibt einen Überblick über wirklich viele verschiedene Geräusche.
Dieser Teil ist wieder auf Englisch, nur deutsch untertitelt.
"Veröffentlichung":
"Veröffentlichung im Kino":
Hier findet man eine Galerie mit internationalen Werbeplakaten zum Film, außerdem den Original-US-Kinotrailer und den internationalen Kinotrailer (mitsamt Einführung), der aus einem animierten Interview mit Flik, Hopper, dem Marienkäfer und Gustl, der Raupe, besteht.
"Veröffentlichung auf Video":
"Vorbereitung der Video-Veröffentlichung": Hier wird etwas schöngeredet, was ich gar nicht schön finde, nämlich wie der Breitwandkinofilm auf 4:3-Format gebracht wird. Es ist zwar besser, wenn nicht einfach eine Seite des Bilds abgeschnitten wird (wie das auch schon bei einigen Filmen passiert ist), ich ziehe aber in jedem Fall Balken oben und unten vor, wenn ich dafür das volle Bild kriegen kann - und wie das zum Glück auf der deutschen DVD-Ausgabe auch gelöst ist!
Wie auch immer: Dieses Feature erklärt, was getan werden kann und getan wird, um einen Film bei der Umgestaltung vom Breitwandformat auf 4:3 nicht allzu sehr zu verstümmeln.
"Beispiele zur Vorbereitung": Hier wird das, was eben erklärt wurde, anhand vieler kurzer Beispiele gezeigt, indem Szenen im Breitwandformat und im 4:3-Format direkt nebeneinander gestellt werden.
"Gags vom Dreh":
"Zu den Gags vom Dreh":
Das ist zunächst wieder eine Art Einführung, die erklärt, dass erst (natürlich gefakte, sprich: animierte) verpatzte Szenen vom Dreh im Abspann zu sehen waren, die so beliebt waren, dass man bald darauf ein weiteres Set von Gags produzierte.
Neben kurzen Interviewfetzen mit einigen der an der Produktion Beteiligten sind auch hier schon viele dieser Gag-Szenen zu sehen.
Das Feature ist wieder Englisch mit deutschen Untertiteln.
"Ursprüngliche Gags vom Dreh"/"Zusätzliche Gags vom Dreh":
Das sind die beiden verschiedenen Sets von extra produzierten "Gags vom Dreh", allesamt voll synchronisiert.
"Kurzfilm: Geri's Game":
Dieser Pixar-Kurzfilm hat den Oscar für den besten animierten Kurzfilm 1997 gewonnen. Es geht um einen alten Mann, der - quasi mit verteilten Rollen - gegen sich selbst Schach spielt. Der Einsatz: sein Gebiss ...
Mir hat der Film gut gefallen. Das einzige, was man eine winzige Spur negativ anmerken könnte, ist, dass es kein Kinderfilm ist. Und vielleicht, dass man diesen Film genauso als Spielfilm realisieren könnte, es müsste kein Animationsfilm sein.
Fazit:
Der Film war immer schon eine dicke Empfehlung, und die Deluxe Edition ist günstig zu kriegen und hervorragend ausgestattet. Einzige Kritik ist, dass man Extras bei einem Kinderfilm noch kindgerechter gestalten könnte. Diese hier sind offenbar vornehmlich für Erwachsene gedacht. weiterlesen schließen
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