Pro:
neuer, härterer Sound, gewohnt gute Texte, umfangreiches Booklet mit vielen Gags, viele Songs
Kontra:
sehr viele sehr kurze Stücke, einige wenige Ausfälle (Gehirn-Stürm)
Empfehlung:
Ja
DIE ÄRZTE Die Bestie in Menschengestalt
CD-Kritik
Design & Allgemeines
Wie man hier unschwer erkennen kann, ist das äußere Design der Ärzte-Comeback-Platte einfach nur gelb. Die Ärzte hatten mal wieder ein neues Logo erfunden, und zwar ein schwarzes Oval, in dem „Die ÄRZTE“ recht verschnörkelt mit drei seltsamen Symbolen abgebildet ist. Zudem sticht auf der Vorderseite gleich eine neue und bisher bei der „Rock’n’Roll Realschule“ und der „Deine Schuld“-Single recycelte Ärzte-Figur ins Auge: Die Bestie in Menschengestalt. Dabei handelt es sich um ein entklei-detes, spindeldürres, o-beiniges und teufelsartiges Monster, das den Betrachter hä-misch anlacht. Auf der Rückseite ist (neben dem Titel der CD und dem Ärzte-Logo in Spiegelschrift) die Auflistung der 19 Titel zu finden, rechts daneben versucht sich un-sere Bestie recht mühsam im Handstand. Wenn man die CD-Hülle aufklappt, sticht gleich als erstes eine lilagefärbte (fast) ganz nackte Frau ins Auge, die scheinbar gera-de im Solarium liegt. Das Booklet ist, im Gegensatz zur CD-Hülle, fast vollständig in schwarz gestaltet. Neben den Lyrics sind auch einige tolle Bilder von den Ärzten zu finden, darunter gleich auf Seite 3 ein ganzseitiges, auf dem die Band mit runtergelas-senen Hosen und Baseballschläger recht grimmig dreinschaut. Außerdem gibt es in der Mitte noch ein Mini-Poster mit den Antlitzen der drei Ärzte, dann ein Bild mit den drei (zum Teil scheinbar betrunkenen) Bandmitgliedern. Was fällt noch auf? Die Merchan-dise-Seite natürlich und den nicht vorhandenen Songtext unter „Wenn es Abend wird“. Stattdessen ist dort ein Telefax abgebildet, das ein „Wildecker Herzbube“ (nämlich Wilfried) an die Ärzte geschrieben hat: „Lieber xxxxxxx, nach Kenntnisnahme des Textes möchten wir von einer Zusammenarbeit mit den 'Ärzten' absehen. Mit freundli-chen Grüßen, Wilfried“ Man darf also gespannt sein, was einen da erwartet!
Die einzelnen Songs mit Bewertung
1. ~~~ Inntro ~~~ (00:05)
Mir ist nicht ganz klar, was die Ärzte mit diesem fünfsekündigen INNTRO mit Dop-pel-N bezwecken wollten. Klar, DÄ sind für ihren großartigen kranken Humor be-kannt, aber das ist selbst mir zu „hart“: Das kurze Gitarrengeklampfe passt weder be-sonders gut zum darauf folgenden Lied, noch ist es in irgendeiner Weise lustig (kein Text). Da es aber eben auch nur so kurz dauert, gibt es keine Bewertung. Warum nicht, ist ganz unten zu lesen. Es klingt irgendwie nach einem Red-Hot-Chili-Peppers-Song ...
0/0 Punkte, vergleichbar mit: Claudia (Teil 95)
bisher nicht wiederveröffentlicht
2. ~~~ Schrei nach Liebe ~~~ (04:12)
„Weil du Schiss vor’m Schmusen hast, bist du ein Faschist“ (Bela B.)
Dieser Song war gleich die erste Singleauskopplung – eine gute Wahl! Es geht um Nazis und was wirklich hinter ihnen steckt. Einfach alles ist perfekt an diesem Song: Die Melodie, der Text, die Gitarrensoli und was sonst noch dazugehört. Zu Recht ein Chartstürmer! Gerade die Gitarrensoli und natürlich die Aussage sind ein Hammer.
8/8 Punkte, vergleichbar mit: Ein Sommer nur für mich (RmdS!)
wiederveröffentlicht auf: „Das Beste von kurz nach früher bis jetze“, „Wir wollen nur deine Seele“, „Rock’n’Roll Realschule“
3. ~~~ Schopenhauer ~~~ (03:06)
„Schopenhauer gegen Kant“ (Farin)
Eins der ungewöhnlichsten Ärzte-Lieder. Eigentlich sagt Bela B. alles schon in den ersten beiden Zeilen: „Dies ist ein wundervolles Lied, ein bisschen hirnlos, aber schön.“ So ist es! Die Melodie „geht richtig schön ins Ohr, und es kommt nicht mal was von Flachlegen drin vor.“ Eben „100% jugendfrei“. Aber plötzlich, wenn man es am wenigsten erwartet, wird klar, warum das Lied „Schopenhauer“ heißt: Bela und Farin zählen etliche kaum verständliche Namen auf – eben u. a. auch Schopenhauer – auch die Melodie und der Sound wird ganz anders, irgendwie HipHop-mäßig. Dann geht's aber auch gleich weiter mit der „schönen Melodie“. Der Text hat also nicht wirklich viel Sinn, doch „schön“ ist das Lied allemal. Besonders schön abwechslungs-reich.
4/6 Punkte, vergleichbar mit: Gehirn-Stürm
wiederveröffentlicht auf: Single „Friedenspanzer“ (1994, „auch neu, auch super, auch ehrlich!“)
4. ~~~ Für uns ~~~ (04:43)
„Ich hoff, du weißt, dass vernünftig sein nicht einfach ist“ (Bela B.)
FÜR UNS ist Bela B.s Antwort auf Farins MACH DIE AUGEN ZU – geht aber nicht annähernd so sehr unter die Haut. Die Melodie ist zwar „wunderschön“, so wie das Mädchen, von dem Bela da singt. Allerdings kommen in dem Song zu viele Wiederho-lungen vor, besonders am Ende wünscht man sich schon fast, das Lied möge doch bald zu Ende sein. Aber es dauert eben fast fünf Minuten an. Auch fängt Belas Stimme in dem Song irgendwann zu nerven an, besonders im Refrain („Vielleicht ist es für uns das Beste ...“). Aber im Großen und Ganzen ist der Song okay!
7/9 Punkte, vergleichbar mit: Mach die Augen zu, Nichts in der Welt (Geräusch)
bisher nicht wiederveröffentlicht
5. ~~~ Hey huh (in Scheiben) ~~~ (01:28)
„Nimm die Säge, nimm die Axt, zerhack dich selbst“ (Farin)
Scheinbar gefallen den Ärzten Mönchsgesänge. Am Anfang dieses Liedes ertönen sol-che und auch am Anfang von OPFER auf dem Nachfolgealbum „Planet Punk“. Doch wer denkt, HEY HUH geht brav so weiter, irrt. Natürlich fängt’s dann wieder richtig an zu rocken. Es geht um jemanden, der einem Größeren mit Prügel droht, wenn er sich nicht selbst „in Scheiben“ hackt. Sonst spielt er ihm noch „Das Lied vom Tod“ vor, das am Ende auch kurz ertönt. Sehr kurz, das Lied, aber wieder mal abwechs-lungsreich und witzig!
2/2 Punkte, vergleichbar mit: Ohne dich (DindgW), Schunder-Song/Opfer (Planet Punk)
wiederveröffentlicht auf: Single „Quark“ (1994), „Wir wollen nur deine Seele“
6. ~~~ FaFaFa ~~~ (01:41)
„Wenn 'ne Frau einfach 'nee' sagt, das geht mir an die Nieren“ (Farin)
Nach der Maxi-Version von RADIO BRENNT bzw. dem RADIO RAP das zweite Rap-Lied der Ärzte. Alles fängt damit an, dass Farin am Anfang schon „stottert“, also mehrere Zeilen wiederholt. Dann kommt der punkige Refrain („FAFAFAFa...Fa-piss dich!“) und danach geht's mit der gerappten Strophe weiter, in der es darum geht, dass Farin eine Dame dazu überreden will, mit ihm nach Hause zu gehen ... Doch die Dame stellt sich am Ende als eine ältere Waffenbesitzerin heraus, die von Farin nicht viel hält. Todwitzig!
3/3 Punkte, vergleichbar mit: Radio brennt (Die Ärzte, Maxi-Version), Radio Rap (NudS)
bisher nicht wiedeveröffentlicht
7. ~~~ Deutschrockgirl ~~~ (01:53)
„Deutschrock rules“ (Bela B.)
Schon das vierte unter-zwei-minütige Lied auf der Scheibe! Kann das noch was Gutes werden? Anfangen tut's (was für ein Deutsch!) mit einer Klischee-, aber treffenden Volksmusik-Melodie. Dann geht's aber punkend weiter: Im Song geht's eben um ein DEUTSCHROCKGIRL, das Deutschrock (Grönemeyer, Silly, Prinzen) den ganzen Tag hört und „nicht so’n Scheiß wie Bad Brains und Slayer“. Und ganz am Ende muss natürlich noch ein Ausschnitt von „Küssen verboten“ von den Prinzen ertönen ... Auch ziemlich witzig, das Lied, die hier genannten Damen und Herren werden sich zwar nicht so dran erfreuen, aber was soll's ...
2/3 Punkte, vergleichbar mit: Punkrockgirl (Single Mach die Augen zu)
wiederveröffentlicht auf: Single „Mach die Augen zu“ (1993, „Punkrockgirl“), „Wir wollen nur deine Seele“
8. ~~~ Mach die Augen zu ~~~ (04:00)
„Es ist mir total egal, ob du wirklich etwas fühlst“ (Farin)
Hier ist auch schon besagtes MACH DIE AUGEN ZU. Deutlich langsamer als Belas FÜR UNS und verursacht auch deutlich mehr Gänsehaut. Es fängt mit einer Gitarre an, und nach und nach kommen immer mehr Instrumente hinzu (Farins Stimme, Hin-tergrundstimmen, Schlagzeug, Bass ...). Das klingt einfach nur genial, bis dann das E-Gitarren-Solo kommt, das zwar nicht gerade abwechslungsreich ist, aber perfekt zum Song passt. Apropos abwechslungsreich: Das ist das ganze Lied nicht, aber das stört überhaupt nicht, mich zumindest nicht. Perfekt!
8/8 Punkte, vergleichbar mit: Für uns, Nichts in der Welt (Geräusch)
wiederveröffentlicht auf: gleichnamiger Single (1993, mit Remix), EP „Rockgiganten vs. Straßenköter“ (gesungen von Terrorgruppe), „Wir wollen nur deine Seele“
9. ~~~ Gehirn-Stürm ~~~ (04:04)
„Was schreibt man für 'nen Text in dieser wirren Zeit?“ (Bela B.)
Taschentücher wegpacken, es wird wieder lustiger! Bela gibt's selbst zu: „Ich red nur Scheiß daher!“ Dieses Lied ist, wie der Titel, einfach nur KRANK. Worum es geht, ist nicht ganz einfach zu sagen. Einfach um GEHIRN-STÜRM, auf englisch wohl „Brainstörming“. Es scheint so, als hätte Bela keine Idee gehabt, was er für ein Lied schreiben sollte, daher hat er kompletten Nonsens geschrieben. So etwas müsste mir als Kranken-Humor-Lieber eigentlich gefallen, tut's aber nicht. Der nervende Refrain mit dem Synthesizer kommt einfach zu oft und zu lang. Ansonsten ist der Song nicht schlecht – aber so ...
4/8 Punkte, vergleichbar mit: Schopenhauer
bisher nicht wiederveröffentlicht
10. ~~~ Mit dem Schwert nach Polen, warum René? ~~~ (04:28)
„Skinheads verprügeln dich, denken du wärst ein Punk“ (Bela B.)
Hier hatte Bela mal wieder eine gute Idee für einen Song. Es geht um René, der „schwer bewaffnet und in schwerem Kampfanzug über die polnische Grenze“ geht (hat sich das eigentlich wirklich so zugetragen?). Bela versucht zu erläutern, warum René das wohl gemacht haben könnte. Er beschreibt seine miese Kindheit und Ge-genwart. Somit hat der Text eigentlich schon ganz schön hohes Niveau. Nur der Re-frain nervt ein wenig, ist aber noch zu verkraften. Da auch die Melodie und die ge-sprochenen Nachrichten an Anfang und Ende stimmen (im Gegensatz zur „R’n’R Re-alschule ;)), gibt es aber noch so viele Punkte.
7/8 Punkte, vergleichbar mit: Medusa-Man (LF)
wiederveröffentlicht auf: „Rock’n’Roll Realschule“
11. ~~~ Claudia (Teil 95) ~~~ (00:08)
„Claudia ist tot“
Noch so ein unsäglich kurzer Song! Da kann man sogar den ganzen Text mit hin-schreiben: „Claudia ist tot!“ Klar, das ist eine Anspielung auf das von der von den Ärzten heiß geliebten Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) indi-zierte Stück „Claudia“, das mittlerweile zum 95. Mal weitergesponnen wurde. So ver-spricht es jedenfalls der Titel. Und jetzt dürfte damit Schluss sein: Claudia ist nämlich tot. Gott sei Dank!
0/0 Punkte, vergleichbar mit: Inntro
12. ~~~ Die Allerschürfste ~~~ (03:24)
„Du nervst, ick würd dir so jern eine hauen“ (Farin)
Oh, mal ganz neue Klänge von den Ärzten! Mit furchtbar echtem berlinerischen Dia-lekt erzählt Farin von einer Frau, die meint, DIE ALLERSCHÜRFSTE zu sein, es aber nicht ist. Dazu ertönen orientalische Klänge. Farin würde der Frau „so jern eine hau-en“, denn sie ist „völlig behämmert“, hat „nicht mehr alle Latten am Zaun“. Überra-schenderweise gibt es auch einen sehr langen Teil im Song, in dem keiner singt und man es wirklich mit ungarischer Volksmusik verwechseln könnte. Danach ist aber auch schon bald Schluss. Text & Musik sind natürlich unglaublich witzig, aber nicht witzig genug, als dass es alle Punkte geben könnte.
4/6 Punkte, vergleichbar mit: Nie gesagt (13), Jag älskar Sverige! (Geräusch)
wiederveröffentlicht auf: Single „Friedenspanzer“ (1994, „Outtake“), „Wir wollen nur deine Seele“
13. ~~~ Friedenspanzer ~~~ (03:57)
„Du und ich und alle werden seine Munition sein“ (Bela B.)
Der Song dürfte den meisten Ärzte-Fans bekannt sein. Er wurde nämlich als Single ausgekoppelt. Worum es geht? Um einen FRIEDENSPANZER, also um das genaue Gegenteil eines echten Panzers, der ja hauptsächlich in Kriegen anzutreffen ist. Ein Friedenspanzer dagegen soll überall Frieden und Liebe verbreiten. Keine schlechte Idee! Das ganze bewegt sich noch in einem fast vorstellbaren Rahmen, doch am Ende soll dann der FRIEDENSPANZER auch noch den Ärzten beim Songschreiben und den Omas beim Einkaufstütentragen helfen ... Die Melodie ist super, und der Text – wie man sich denken kann – natürlich auch. Nur der Refrain kommt – Bela-typisch – etwas zu oft vor, nervt aber nur wenig.
6/7 Punkte, vergleichbar mit: Der Optimist (RmdSU!)
wiederveröffentlicht auf: gleichnamiger Single (1994, „Neue Super-Fassung, ehr-lich!“), „Das Beste von kurz nach früher bis jetze“, „Wir wollen nur deine Seele“
14. ~~~ Quark ~~~ (02:45)
„Ich wollt dich exorzieren, doch ich kam ja nicht zu Wort“ (Farin)
Auch das war eine Singleauskopplung. Ihr wisst schon: „Du redest QUARK!“ (Da allerdings mit anderem Text.) Das Lied mit dem wohl kürzesten Refrain der Welt. Und dieser sagt eigentlich schon alles aus: Farin redet mit einer Person, die immer nur Mist erzählt und nicht damit aufhört. „Sogar im Sarg“ nicht. Ein echtes Alltagsthema also, der Text spricht irgendwie jeden an und die Melodie geht auch ins Ohr. Was will man mehr?
5/5 Punkte, vergleichbar mit: Jag älskar Sverige! (Geräusch) (zumindest am Anfang)
wiederveröffentlicht auf: gleichnamiger Single (1994, mit Remix, „Dingleberry Mix“ und Single-Version), „Das Beste von kurz nach früher bis jetze“
15. ~~~ Dos Corazones ~~~ (03:47)
„Du setzt dich in Szene, du bist unsterblich – jetzt fühlst du dich vor dir selbst sicher!“ (Rod)
Weltpremiere! Das erste und bisher einzige Lied auf einer Ärzte- bzw. die ärzte-Platte, das „Newcomer“ Rod Gonzalez ganz allein geschrieben hat – Melodie und (!) Text (auf „Geräusch“ hat ja immer eine gewisse „Blitz“ mitgeholfen). Da ist es auch verzeihbar, dass der ganze Song auf Spanisch gesungen wird. Hier geht es um „zwei Herzen“ (= DOS CORAZONES), die zusammen unsterblich sind, auch „im Todes-kampf“. Hört sich gut an. Ungewöhnlich rockig und metalmäßig. So etwas sollte Rod eindeutig öfter schreiben, auch wenn hier öfters Wiederholungen drin vorkommen ... aber das ist auch noch verzeihbar.
6/7 Punkte, vergleichbar mit: nichts
wiederveröffentlicht auf: „Satanische Pferde“
16. ~~~ Kopfüber in die Hölle ~~~ (02:54)
„Dir geht's gut – du kotzt mich an“ (Farin)
Auch ein wunderbarer Song. Es rockt gleich mächtig los und geht immer so weiter. Der Text ist auch super: Es geht um Farin und einen Ex-Freund, die früher Punks wa-ren und von einer besseren Welt träumten. Witzigerweise ist die „Bestie“ wohl der einzige Tonträger, auf dem man den Vers „bei Hertie an der Kasse“ hört. Denn auf späteren Veröffentlichungen des Songs und auf heutigen Konzerten hört man immer „für alles was ich hasse“. Wie auch immer: Der Song ist zwar kurz, aber nicht zu kurz.
5/5 Punkte, vergleichbar mit: nichts
wiederveröffentlicht auf: Single „Quark“ (1994, „Revolution ’94 - … ganz neu!“), EP „Rockgiganten vs. Straßenköter“ (gesungen von Terrorgruppe), „Wir wollen nur deine Seele“ („Kopfüber in die Hölle / Revolution“)
17. ~~~ Omaboy ~~~ (04:44)
„Ich krieg meinen Kick von welkenden Schenkeln“ (Bela B.)
Was bitte ist ein OMABOY? Bela ist einer. Zumindest in diesem Song. Der wird wohl nicht allen älteren Herrschaften gefallen: Es geht darum, dass Models in Strapsen zwar schick seien, doch Bela seinen Kick „von welkenden Schenkeln, die sich in Stütz-strumpfhosen pressen“ kriege. Auch sonst zählt er die „Vorzüge“ älterer Menschen auf: „schneeweißes Haar“, „Krampfadern“ „an formlos geschwollenen Beinen“, „schlechter Atem von den Gallensteinen“. Ob das lustig ist, muss jeder selbst wissen, auch der Sound ist recht gewöhnungsbedürftig. Ich sag nur: Wem’s gefällt ...
5/9 Punkte, vergleichbar mit: nichts
wiederveröffentlicht auf: „Wir wollen nur deine Seele“
18. ~~~ Lieber Tee ~~~ (04:48)
„Er flog ein Stück, doch dann brach er sich das Genick“ (Farin)
Hier klingt es schon so, als hätte sich Farin ein paar Drogen eingeworfen, doch in die-sem Song geht es ums genaue Gegenteil: Keine Drogen! Trinkt LIEBER TEE! Wa-rum, das erläutert Farin an genialen Beispielen: Harry, der dachte, er könne fliegen, aber sich nur das Genick beim Versuch brach; Sylvia, die redete und redete und redete und redete; und schließlich Frank, der so aussah, als wär er krank und gegen einen Schrank rannte. Das Ganze mit genialer Folklore-Musik untermalt und mit super Sprü-chen an Anfang und Ende des Songs – perfekt.
9/9 Punkte, vergleichbar mit: nichts
bisher nicht wiederveröffentlicht
19. ~~~ Wenn es Abend wird ~~~ (06:36)
„Und die Heidelind hat schon ihr drittes Kind“ (Farin)
Der letzte und längste Song der CD – und es geht mit Volksmusik-Klängen los. Oh Gott, hoffentlich geht das nicht so weiter! Oh-oh: Dann fängt Farin auch noch zu jo-deln an. Und es geht mit Singen los. Furchtbar! Natürlich mit echt bayerischem Dia-lekt, mit dem er es glatt in Achims Hitparade und sonst irgendein Musikantenstadl schaffen könnte. Auch nach einer Minute hat das mit der Volksmusik noch nicht auf-gehört. Tatsächlich geht es noch geschlagene fünfeinhalb Minuten so weiter. Genervt dürfte so mancher Ärzte-Fan ausschalten. Aber bitte: Tut's nicht! Auch wenn es sich nicht so anhört: Der Song hat tatsächlich Qualitäten! Achtet zur Abwechslung mal auf den Text. Und wenn ihr ihn nicht versteht, ladet ihn runter (z. B. von www.die-beste-band-der-welt.de). Im Booklet steht er nämlich nicht. Und der ist genial! Und mega-fies. Hätte auch indiziert werden können. Durch den stark gewöhnungsbedürftigen Sound (hähä) reicht es aber nur für 10 Punkte ... und es war äußerst schwer, mich mit einer Punktzahl festzulegen! Rülps.
10/13 Punkte, vergleichbar mit: allem, was im Musikantenstadl so abgeht (nur vom Text her nicht)
wiederveröffentlicht auf: Single „Schrei nach Liebe“ (1993 – genau genommen wurde ja die „SnL“-Single eher veröffentlicht als die „Bestie“ …)
Gesamt: 95/116 =
82 %
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HINWEISE ZUM BEWERTUNGSSYSTEM
Bei meinem Bewertungssystem wird jeder Song einzeln bewertet, und zwar nicht in Prozent oder (Schul-)Noten, sondern in Punkten. Da es aber weniger stört, wenn ein 01:00-Song mise-rabel ist, als wenn ein 05:00-Song schlecht ist, hängt die Anzahl der zu erreichenden Maxi-malpunktzahl für jeden Song von seiner Länge ab. Also kann ein 01:00- bei weitem nicht so viele Punkte erreichen wie ein 05:00-Song. Wie viele genau, das funktioniert so: Ab jeder halben Minute ist ein Punkt mehr zu erreichen. Eine Ausnahme bilden Unter-einer-Minute-Lieder: Die müssen nur 20 (und nicht 30) Sekunden lang sein, um einen Maximalpunkt erhalten zu können. (Lieder unter 20 Sekunden werden also nicht bewertet.) Also sieht das Ganze fol-gendermaßen aus:
00:00 – 00:19: 0 Maximalpunkte (0/0)
00:20 – 00:59: 1 Maximalpunkt (x/1)
01:00 – 01:29: 2 Maximalpunkte (x/2)
01:30 – 01:59: 3 Maximalpunkte (x/3)
02:00 – 02:29: 4 Maximalpunkte (x/4) und so weiter.
Die Ermittlung der Länge eines Liedes überlasse ich übrigens dem Programm WinAmp 5: Ich lege die CD ins Laufwerk und lese durch WinAmp die Länge des Stückes ab. Das ist weitaus zuverlässiger als die meisten Angaben auf CD-Hüllen.
Am Ende wird dann zusammengerechnet: Die erreichbaren Maximalpunkte und die tatsäch-lich erreichten Punkte. Schließlich wird ausgerechnet, wie viel Prozent die erreichten Punkte von den erreichbaren einnehmen. Diese Prozentzahl ergibt dann das Endergebnis, welches dann – im Gegensatz zu den einzelnen Liedern – auch in Prozent angegeben wird. CDs unter 20 % sind wirklich grottenschlecht, bis 40 % kaum erwähnenswert, bis 70 % durchschnittlich, bis 85 % ziemlich bis richtig gut und alles darüber deutet auf eine Top-CD hin.
Falls eine Doppel-CD vorliegt, werden übrigens die Punkte genauso zusammengezählt – nur eben von beiden CDs zusammen.
Noch einige Ausnahmen: Hat eine CD irgendwelche besonderen, nennenswerten Features wie besonders umfangreiche Booklets, Aufkleber o. Ä. kann es auch Aufwertungen geben und zwar bis zu 2 %. Abwertungen, z. B. für besonders schlechtes Design, gibt es dagegen nicht. Es kommt ja schließlich auf die Musik an und die wird schon bei den einzelnen Songs mit bewertet. Dasselbe gilt für sog. Nulltracks: Befindet sich vor dem eigentlichen ersten Lied noch ein weiteres (durch Zurückspulen zu erreichen), kann das noch mal 1 oder – wenn es richtig gut ist – 2 % für das Endergebnis draufgeben. Ist der Nulltrack dagegen schlecht, gibt es keine Abwertung. Man muss ihn sich ja nicht anhören, wenn man die CD auf normale Weise laufen lässt. „Normale“ Hidden Tracks, also welche hinter dem letzten Lied, werden dagegen normal mitbewertet, so wie jeder andere Song auch. Denn die gehören ja richtig mit zur CD und laufen auch, wenn man die CD nicht nach dem vermeintlich letzten Lied aus-schaltet. weiterlesen schließen
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